München, Schloss Nymphenburg, Drei ehemalige Kabinette im Hauptschloß
VERLORENE DECKENMALEREIEN
DREI EHEMALIGE KARINETTE IM HAUPTSCHLOSS
1 Kabinett im Erdgeschoß des ersten nördlichen Pavillons, in der NW- Ecke, im Anschluß an den Spiegelsaal gelegen; zwei Fenster nach W, eines nach N
Auftraggeber: Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1680–1726)
Autor und Entstehungszeit: Nikolaus Gottfried Stuber (* 1688 München † 1749 München), 1725. In dem Bericht vom 20. 12. 1738 (BHStA I, HR I, 473 Nr. 894, s. S. 490) wird ein Kabinett in Nymphenburg erwähnt: »Anno 1725 in Nymphenburg: in dem clainen Cabinet die Döckhen mit öhlfarben gemahlt« für 700 fl.
Verbleih: Die Deckenmalerei ist nicht erhalten
Darstellung
Groteskenmalerei. Faßmann nennt in seinem Inventar von 1758 ein Kabinett im Erdgeschoß des ersten nördlichen Pavillons: »Nikolaus Stuber ... Plafond Einige fingierte Jagdstuck«. Die Inventare von 1767 und 1770 beschreiben: »Die gemalte Oberdecke bestehet in ornamenten, und unter mischten jagenden Figuren«. Die Decke war wohl der des Jagdkabinetts in Schleißheim (S. 535) ähnlich, die in Groteskenmalerei ebenfalls Jagdmotive zeigt und für die Stuber ebenfalls 700 fl. erhalten hat.
2 Kabinett, sog. Indianisches Kabinett, im ersten Geschoß des ersten nördlichen Pavillons, in der NW-Ecke gelegen, anschließend an das ehem. Schlafzimmer; zwei Fenster nach W, eines nach N
Auftraggeber: Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1680–1726)
Autor und Entstehungszeit: Nicolas Bertin (* 1667 Paris † 1736 Paris), 1716. Hohenzollern (Kat. Max Emanuel I, S. 217) erwähnt ein Verzeichnis der Werke Bertins (Archives Nationales Paris, T 15338, Cotte 141), nach dem der Plafond »a fonds d'or dans le goust de la chine« gewesen sei und schreibt: »Mit Ausnahme des Badenburger Bildes sind die übrigen Arbeiten Bertins im Juli 1716 nach München geliefert worden«. Es handelte sich bei dem Plafond um ein Ölbild auf Leinwand. Es ist anzunehmen, daß es für die Münchner Ornamentmalerei im höfischen Bereich, vor allem für Gumpps 1717–19 entstandene Decken in der Pagodenburg zum Vorbild wurde.
Verbleib: Bei dem Umbau durch Klenze im 19. Jh. ging das Deckenbild verloren
Darstellung
Chinoiserien. Das Kabinett ist 1751 im Faßmann-Inventar aufgeführt »Cabinet des Indes Bertin Plafond«. Nach Faßmann 1758 und den folgenden Inventaren ist es an der genannten Stelle zu lokalisieren. Das Inventar von 1770 schreibt es fälschlich Stuber zu (wohl Verwechslung mit dem darunterliegenden Stuber-Kabinett), beschreibt es aber am genauesten: »In dem Chinesischen Cabinet Nicolaus Stuber 1725 Sowohl an der Oberdecke als an einem Stück über der Tür sind laute morgenländische Figuren zu sehen«.
3 Kabinett im ersten Geschoß des südlichen Pavillons
Auftraggeber: Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (1726–45)
Autor und Entstehungszeit: Nikolaus Gottfried Stuber (* 1688 München † 1749 München), 1733. Das Deckenbild wird 1738 in einem Schreiben Stubers erwähnt (BHStA I, HR I, 473 Nr. 894): »... in Ihro Churfrtl. Drtl. Churfürstin Unser gdigsten Frauen zu Nimphenburg, dann in hiesiger Residenz zwey Balavons, nitweniger in der Joseph Töringischen Behausung in deroselben Cabinet eben ein dergleichen Balavon ...« – Für den Plafond in Nymphenburg erhielt Stuber 350 fl. Im Ganzen forderte Stuber für die drei Decken 1050 fl. Um welche Räume in der Residenz bzw. in der »Törringischen Behausung« es sich gehandelt hat, ist nicht bekannt.
Verbleib: Die Deckenmalerei ist nicht erhalten. Im Inventar von 1751 ist im ersten südlichen Pavillon im ersten Geschoß ein Groteskenplafond erwähnt, der in dem Inventar 1758 und in den folgenden nicht mehr aufscheint, möglicherweise inzwischen übermalt worden war.
Darstellung: Groteskenmalerei