Laß, Heiko:Morsum, Haus Hansen, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/70812acf-ac6d-412e-8a13-9d69830463c8

Inventarnummer: cbdd20165

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Auf dem Museumsberg in Flensburg hat sich ein translozierter Pesel aus Morsum mit einer Ausmalung von ca. 1750 erhalten. Während die Decke ornamental mit Rocaillen geschmückt ist, präsentieren Wände und Katschur kleine Ansichten von Bäumen vor Häusern.

Wand aus Morsum
Wand aus Morsum

Das Haus Hansen in Morsum

Kurzbeschreibung und Lage

Das Haus steht im Süden von Klein Morsum.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus Hansen in Klein Morsum wurde um 1680 für Boh Theydes erbaut. 1901 wurde der Pesel abgegeben und kam 1905 in das damalige Flensburger Kunstgewerbemuseum. Dort wird er noch heute im Heinrich-Sauermann-Haus auf dem Museumsberg gezeigt.[1]

Beschreibung

Das Haus Hansen ist ein eingeschossiges, lang von West nach Ost gelagertes reetgedecktes Kapitänshaus mit Krüppelwalmdach. Der Eingang unter dem Giebel ist leicht aus der Mitte nach rechts verschoben. Im Osten schließen sich nach Norden Wirtschaftsbauten an.

Der translozierte Pesel

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Pesel stammt vermutlich aus der Zeit vor 1750, eventuell bereits von 1680. Die Ausmalung der Kiefernholzwände stammt aus der Zeit um 1750. Eventuell war die Heirat von Christen Boh Theydes mit Erk Bundis 1743 Anlass zur Ausstattung. 1905 gelangte der Pesel nach Flensburg. Hier befindet er sich bis heute im Heinrich-Sauermann-Haus. Eine Alkovenwand und eine Tür sind magaziniert.[2]

Beschreibung

Wo der Raum sich im Haus ehemals befand, ist unbekannt. Er wird von der Innenseite des Hauses betreten mit Blick auf die Fenster. Die Fensterwand, die Wände rechts und links sowie die Katschur sind mit Brettern verkleidet, auf die Rahmen mit Füllungen gesetzt sind, so dass der Eindruck von Kassetten entsteht. Es bilden sich vier horizontale Zonen aus. Die Zone unterhalb der Fenster wird dabei an den anderen Wänden fortgeführt, den verbleibenden Raum darüber nehmen zwei Reihen von Rahmen ein. An der Fensterwand folgt die Katschur, an den anderen Wänden befindet sich je ein marmoriertes Gesims – vermutlich ein Tellerbord. Die Verkleidung kaschiert großflächig Wandschränke und Wandbetten. An der vom Eingang aus gesehen rechten Wand stehen fest installierte Möbel, die analog zu den Wänden gestaltet sind.[3]

Die Wandmalerei

 
Wand aus Morsum

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wände wurden vermutlich um 1750 bemalt. 1905 gelangten sie zusammen mit dem ganzen Raum von Morsum nach Flensburg. Einige Wandbereiche scheinen ergänzt zu sein.[2]

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände sind grundsätzlich petrolfarben gefasst. Die aufgesetzten Rahmen sind rot. In den beiden oberen Zonen sind in die Zwischenräume teilweise mit Blumen bemalte dünne Bretter aufgebracht. In der unteren Zone sind Felder mit einer grünen Marmorierung versehen worden. Die beiden Reihen darüber sowie die Katschur präsentieren pro Feld je zwei stark stilisierte Bäume mit ausladenden Kronen. Hinter diesen sind am Horizont Häusergruppen sichtbar. Eine Ausnahme bilden die Wandflächen neben den Fenstern, wo sich Hochformate befinden, auf denen jeweils drei Bäume zu sehen sind. Häuser gibt es keine. Die Felder oberhalb des Gesimses sind mit kleinen wolkigen Rocaillen bemalt, die denen an der Decke ähneln.[3]

Die Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde vermutlich um 1750 bemalt. 1905 gelangte sie zusammen mit dem ganzen Raum von Morsum nach Flensburg.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Die beiden Deckenbalken sind grün marmoriert und teilen die Decke in drei Fachen. In diese sind auf grünem Grund große grüne Rocaillen gemalt. Sie sind ohne Schwünge und voneinander getrennt, was zu einem statischen Gesamteindruck führt.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.

Einzelnachweise

  1. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 404-405, 410. Ich danke Horst Ritterbusch herzlich für Angaben zur Haus- und Besitzergeschichte.
  2. 2,0 2,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 365, 404, 410.
  3. 3,0 3,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 407-409.
  4. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 365, 410.