Burioni, Matteo:Moritzburg, Jagdschloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/f3fbea1e-a753-4b7d-95b1-bd502ed36e81

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Das Jagdschloss in Moritzburg hat eine 1661-1672 von Wolf Caspar von Klengel errichtete Schloßkapelle mit Deckenmalerei der Himmelfahrt Christi von Johann Fink von 1670. Im Montrösensaal und sogenannten Billardsaal sind Monumentalgemälde auf Leder nach Entwürfen von Louis de Silvestre.

Die Baugeschichte

Schloß Moritzburg wurde 1542-1546 von Herzog Moritz als Jagdschloss in Form einer Kastelanlagen mit Rundtürmen an den vier Ecken errichtet. Architekten waren Caspar Vogt von Wierandt und Hans von Dehn-Rothfelser. In der Mitte der Kastelanlage lag das Fürstenhaus. Das Fürstenhaus wurde 1582-1584 von Paul Buchner mit Renaissancegiebeln bekrönt. 1661-1672 wurde von Wolf Caspar von Klengel für Kurfürst Johann Georg II. im Westen eine Schloßkapelle als selbstständiger, in die Mitte der Mauer ansetzender und diese weit überragender Bau aufgeführt; mit dem Fürstenhaus war sie durch einen Gang verbunden. Bauleiter war Johann Albrecht Eckhardt. Unter Johann Georg IV. erfolgten die Abnahme der Volutengiebel des Fürstenhauses, die Erhöhnung desselben und die Anlage eines neuen Treppenturmes 1691-94. Unter August dem Starken entstanden 1716 erste Gedanken für ein Umbau des Schloßes durch Matthias Daniel Pöppelmann, die ab 1723 umgesetzt wurden. Von einer Kastellanlagen formte man das Schloß in einen H-förmigen Umriß um. Dabei wurde das alte Fürstenhaus beibehalten, aber seitlich durch Bauten mit dem Kapellenbau von Klengel verbunden und auf der Ostseite durch einen symmetrischen Bau als Speisezimmer ergänzt. Die Türme besetzten nunmehr die Enden zweier zum Norden und zum Süden hin vorspringender Flügel. Der gesamte Bau wurde in einem Garten eingebettet, auf einer Insel im neu angelegten Schloßteich freigestellt und durch ein umgebendes Sockelgeschoß vom Bodenniveau abgehoben.

Die Schlosskapelle

Die Schloßkapelle wurde im Auftrag von Johann Georg II. nach Plänen von Wolf Caspar von Klengel von Johann Albrecht Eckhardt 1661-1672 errichtet. Es handelt sich dabei um eines der wenigen erhaltenen von Wolf Caspar von Klengel verantworteten Innenräume.

Künstler und Handwerker

Die Planung und Aufsicht über den gesamten Innenraum ist Wolf Caspar von Klengel zuzuschreiben, von dem drei Zeichnungen für das Altarbild, für ein Detail der Stuckdekoration wie auch für die Kanzel und die Musikerempore erhalten geblieben sind. Es ist deswegen davon auszugehen, dass Klengel nicht nur den Baukörper entwarf, sondern auch die Innenausstattung bis in die Details verantwortete. Neben den drei erhaltenen Zeichnungen spricht dafür auch, dass er auf seinen Reisen viele Details von Innenausstattungen studierte, was darauf hindeutet, dass er diese für Anleitung von Stuckateuren verwenden konnte. Die aus Prag bekannten Stuckateure Giovanni Materno, Domenico Galli und Antonio Trenello sind für den Stuck verantwortlich. Johann Fink verantwortete die Deckenmalerei, Stefano Cattaneo das ursprüngliche Altarbild. Auf den Türen zu Kanzel und Musikerempore wie auch verschiedene andere Holztüren befindet sich ein Zyklus von Szenen aus dem Leben Christi und dem Alten Testament von unbekannter Hand auf Holz gemalt. Das sächsische Wappen und das Wappen des Erzmarschall des Reiches befinden sich über zwei durch Holztreppen erreichbare Türen, die an der Außenfassade entlang zur Musikerempore und zur Kanzel führen. Über den Türen befinden sich hebräische Inschriften. Die Kanzel ist auch durch eine eigene Treppe erreichbar. Die Schloßkapelle ist durch eine Fürstenloge aus dem Appartments des Schloßes zugänglich, die ursprünglich durch einen Gang mit den Fürstenhaus verbunden war, seit den Umbauten von Pöppelmann in das Schloß verbaut wurde.

Das Altarbild

Auf dem Altar befindet sich heute eine Himmelfahrt Mariens von Polidoro da Lanciani von um 1545. Diese wurde von August dem Starken 1728 eingebracht, nachdem der Kurfürst zur römisch-katholischen Konfession konvertiert war.

Das ursprüngliche Altarbild

Das ursprüngliche Altarbild der Schloßkapelle Moritzburg befindet sich heute in der Pfarrkirche Moritzburg. Es zeigt eine Verklärung Christi von Stefano Cattaneo und eine Taube des Heiligen Geistes von Johann Fink. Einen ähnlich vertikalen, rahmenden Altaraufbau, wie er sich heute in der Pfarrkirche befindet, hatte Klengel in einer Zeichnung geplant. Die Verklärung Christi hat Cattaneo nach dem berühmten Vorbild von Raffael gemalt. Christus schwebt im Himmel, die Lieblingsjünger sind ebenfalls dargestellt.

Programm und Synthese

Bei der Kapelle von Schloß Moritzburg handelt es sich um einen einheitlich konzipierten lutherischen Kirchenraum. Dieser war ganz auf Christus und das Alte Testament ausgerichtet. Der Verklärung Christi auf dem ursprünglichen Altarbild von Cattaneo entsprach die Himmelfahrt Christi an der Decke. Diese beiden Bilder sind so konzipiert, dass sie im Kirchenraum usprünglich miteinander in Beziehung standen. Das zentrale Ereignis der Verklärung ist das Wort Gottes, mit dem dieser Christus als seinen Sohn anerkennt. Die Darstellung des Gotteswort auf dem Altar ist ein für einen lutherischen Kirchenraum angemessene Wahl. Die Verklärung nimmt die in der Decke dargestellte Himmelfahrt vorweg. Dargestellt ist keines den Kirchenraum überfangendes Geschehen in zwei Episoden auf Altar und Decke, sondern zwei verschiedene Ereignisse der Heilsgeschichte, die beide Himmelserscheinungen des Erlösers zeigen. Die Verklärung wird als Vorgeschichte der Himmelfahrt aufgefasst. Zu dieser auschließlich auf Christus ausgerichteten lutherischen Ausstattung passen ebenfalls die beiden hebräischen Inschriften wie auch die Szenen aus dem Leben Christi und herausgehobener Figuren des Alten Testaments wie David und Moses im Bildschmuck der Türen.

In der Schloßkapelle von Moritzburg wurde der erste katholische Gottesdienst in Sachsen gefeiert. 1728 brachte August der Starke eine Himmelfahrt Mariens von Polidoro Lanciani aus den fürstlichen Sammlungen in die Kapelle ein. Die ursprünglich allein auf Christus ausgerichtete Ausstattung wurde so behutsam auf die Mutter Gottes ausgerichtet.

Die Himmelfahrt Christi

Befund-, Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde von Johann Fink wurde 1670 gemalt.

Beschreibung und Ikonografie

Es zeigt den von zwei Engel in Himmel getragenen von einem roten Umhang umgebenen Christus. Von seinem Kopf geht ein strahlendes Licht aus. Der bärtige, jugendliche Christus wird sitzend mit ausgestreckten Armen in den Himmel getragen, worin ein Herrschergestus zu erkennen ist. Die Wundmale an den Händen, Füßen und die Seitenwunde sind zu sehen.

Gestalterische Mittel, Komposition und Ansichtigkeit

Die stark verkürzte Gestalt des Christus, dessen Fußsolen zu sehen sind, verweist auf eine perspektivische, barocke Regie des Kirchenraums. Christus ist in einer Lichterscheinung gezeigt, die Farben sind fein aufeinander abgestimmt. Die Himmelfahrt ist auf zwei Ansichten hin gemalt: Die Ansicht aus dem Kirchenraum wie auch die die Ansicht aus der Fürstenloge.

Der Monströsensaal

Der Monströsensaal verfügt über vier Malereien auf Leder mit Themen aus Ovid. Harald Marx schreibt den Entwurf der Malerei im Monströsen- und Billardsaal Louis de Silvestre zu, die Ausführung Lorenzo de Rossi. Alle Szenen zeigen Diana, die Göttin der Jagd. Dargestellt sind Diana endeckt die Schwangerschaft der Kallisto, Diana und Aktäon, Diana und Apoll und die Niobiden, Diana und Endymion. Diana entdeckt die Schwangerschaft der Kallisto geht auf eine Bildfindung von Tizian zurück. Datiert sind diese um 1730.

Saal an der hintersten Facade, auch Billardzimmer

 

Der "Saal an der hintersten Facade" ist gemeinhin als Billardzimmer bekannt. Die Jagdszenen auf Leder an den Wänden stammen nach Harald Marx wie auch schon die Ausstattung des Montrösensaal im Entwurf von Louis de Silvestre und in der Ausführung von Lorenzo de Rossi. Dargestellt sind Galante Szenen auf der Jagd. Datiert sind diese um 1730. Über den Türen befindet sich Darstellungen der Vier Jahreszeiten, die Marx Giovanni Battista Grone gibt.

Bibliographie

  • AK Pöppelmann, 1989 = Ausst.-Kat. Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Architekt des Dresdner Zwingers, Harald Marx, Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Münster, Daniel-Pöppelmann-Haus Herford, 1989/1990.
  • Dehio SN I = Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen I: Regierungsbezirk Dresden, bearbeitet von Barbara Bechter, Wiebke Fastenrath und anderen, München-Berlin 1996.
  • Giermann 1994-1996 = Ralf Giermann, Die Geschichten auf Leder in Schloß Moritzburg Teil I-III, in: Jahrbuch der staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen, 2 (1994), S. 138-154, 3 (1995), S. 191-209, 4 (1996), S. 126-143.
  • Hartmann 1989 = Hans-Günther Hartmann, Moritzburg. Schloß und Umgebung in Geschichte und Gegenwart, Weimar 1989.
  • Marx 1971 = Harald Marx, Zu den Monumentalmalereien auf Leder im Schloss Moritzburg, in: Dresdener Kunstblätter, 15 (1971), 109-119.
  • Passavant 2001= Günter Passavant, Wolf Caspar von Klengel: Dresden 1630 - 1691; Reisen - Skizzen - baukünstlerische Tätigkeiten, München- Berlin 2001.

Einzelnachweise