Monheim, Rathaus, ehemaliges Wohnhaus von Abraham Elias Model
Inventarnummer: cbdd20118
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Abraham Elias Model ließ sein Wohnhaus in Monheim 1722-1741 mit drei Stuckdecken mit Darstellungen von Isaak, Jakob, David und Moses ausstatten. Das heute als Rathaus genutzte Gebäude ist eines der wenigen Gebäude mit einem erhaltenen, barocken Bilderschmuck von einem jüdischen Auftraggeber.

Wohnhaus von Abraham Elias Model
Abraham Elias Model musste 1741 sein Wohn- und Geschäftshaus aufgeben, als die Juden auf Bitten des Rates durch Entscheid des Kurfürsten von der Pfalz-Neuburg der Stadt verwiesen wurden. Abraham Elias Model hatte das Grundstück mit dem Haus am Markplatz 1722 von Ferdinand Kugler erworben und auf diesem Grund "ein kostbares gepäud" errichtet, von dem er selbst an den Rat schrieb, dass es "nicht allein die burgerschaft ihren verdienst machen khann, sondern auch soforth der ganzen löblichen stadt allhier einen schönen prospect machet".[1] Als hofnaher Neuburger Schutzjude hatte sich Model auch an weiteren Immobilientransaktionen beteiligt. Er wohnte dort mit Frau, sieben Kindern, zwei Schulmeistern, zwei Kinderfrauen, einem Knecht und zwei Mägden.[2]
Vor 1741 ließ er sich ein dreistöckiges Wohnhaus mit fünfachsiger Fassade am Marktplatz errichten. Die Fassade hat einen reliefierten, dreiachsigen, vorspringen Mittelteil mit Treppeneingang zur Eingangstür. Im zweiten Stock befinden sich drei Räume mit stuckiertem Bildschmuck von vor 1741. In weiteren Räumen des Hauses befinden sich unter starker Tünche weitere stuckierte Decken ohne figürliche Darstellungen.
Raum 01, Großer Sitzungssaal
Der Raum verfügt über die am reichsten geschmückteste Decke des gesamten Hauses: zwei hebräische Inschriften, eine Darstellung der Opferung Isaaks in der Deckenmitte, eine Darstellung des Segens Isaaks im Süden und eine Darstellung des Traums Jakobs im Norden.
Stuckdecke des Raumes 1, Großer Sitzungssaal
Befund-, Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Stuckdecke des Raumes wurde zwischen 1722-1741 ausgeführt und 1978 restauriert.
Die Opferung Isaaks
Beschreibung und Ikonografie
Der mit Turban und im Wind flatternden Umhang bekleidete Abraham erhebt seine mit einem Messer bewaffnete Rechte und hält seinen in goldene Bande gefesselten Sohn auf einem gemauerten und mit Holzlatten belegten Altar. Sein Blick geht in Richtung Himmel, wo ein auf Wolken stehender Engel mit einem Spruchband dem Vater Einhalt gebietet und den Segen Gottes spendet.
Gestalterische Mittel, Komposition und Ansichtigkeit
Die Darstellung befindet sich in der Deckenmitte.
Isaak segnet Jakob
Beschreibung und Ikonografie
Der in einem Baldachin mit einer Kopfbedeckung sitzende Isaak segnet seinen Sohn Jakob, der ihm von seiner Frau Rachel zugeführt wird. Im rechten Hintergrund ist Esau bei der Jagd zu sehen, der um sein Erstgeborenenrecht betrogen wird.
Gestalterische Mittel, Komposition und Ansichtigkeit
Die Darstellung befindet sich im südlichen Teil der Decke.
Jakobs Traum
Beschreibung und Ikonografie
Der auf einem Stein liegende Jakob ist schlafend mit Kopfbedeckung in einer Landschaft dargestellt. In den Wolken erscheint der Traum von der Himmelsleiter mit hinauf- und herabsteigenden Engeln.
Gestalterische Mittel, Komposition und Ansichtigkeit
Die Darstellung befindet sich im nördlichen Teil der Decke.
Inschriften
Die beiden hebräischen Inschriften in eigenen Kartouschen enthalten ein Gebet und einen Segen.
Raum 02, Trauungszimmer
Der Raum verfügt eine Stuckdecke.
David mit der Harfe
Befund-, Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Stuckdecke des Raumes wurde zwischen 1722-1741 ausgeführt und 1978 restauriert.
Beschreibung und Ikonografie
Der mit einem Krone, einem Wind geblähte, prächtigen Mantel bekleidete David steht auf einem Kachelboden, vor im ein Tisch mit Tischtuch und spielt die Harfe. Sein Blick geht in den Himmel, wo die Sonne die Wolkendecke teilt.
Gestalterische Mittel, Komposition und Ansichtigkeit
Die Darstellung befindet sich in der Deckenmitte. Die Darstellung ist vom Eingang des Raumes aus ansichtig.
Raum 03, Kleiner Sitzungsaal
Der Raum verfügt eine Stuckdecke.
Moses empfängt die zehn Gebote
Befund-, Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Stuckdecke des Raumes wurde zwischen 1722-1741 ausgeführt und 1978 restauriert.
Beschreibung und Ikonografie
Auf einem Berg steht Moses, die geteilte Wolkendecke gibt dem Blick auf das Licht der Sonne frei. Aus dem Himmel erhält Moses zwei Tafeln mit den zehn Geboten. Aus den Wolken ragen Trompeten und zucken Blitze nieder. Unter abgezäunten Berg befindet sich ein mit mehreren Personen bevölkertes Zeltlager. Zelte unterschiedlicher Größe und Pracht sind dargestellt. Geschildert ist, wie Moses den Berg besteigt und unten angekommen der staunenden Menge umgeben von zwei Personen seine Vision kund tut.
Gestalterische Mittel, Komposition und Ansichtigkeit
Die Darstellung befindet sich in der Deckenmitte. Die Darstellung ist vom Eingang des Raumes aus ansichtig.
Bibliographie
- Hanke, Rudolph: Das Rathaus in Monheim/Bayern. Ein Kleinod jüdischer Kultur, Wemding 2014.
- Müller, Monika: Judenschutz vor Ort. Jüdische Gemeinden im Fürstentum Pfalz-Neuburg, Augsburg 2016.
- Mohnheim. Kleine Stadt mit großer Vergangenheit. Herausgegeben zur Feier der Stadterhebung vor 650 Jahren, Monheim 1990.
- Volkert, Wilhelm : Die Juden im Fürstentum Pfalz-Neuburg, in: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 26, 1963, S. 560-605.