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Meersburg, Gartenpavillon

Aus Deckenmalerei-Lab
Seeger, Ulrike:Meersburg, Gartenpavillon, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/302675e6-73ad-49cf-9436-3830d7225851

Inventarnummer: cbdd10527

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Als eines seiner letzten Werke freskierte Johann Wolfgang Baumgartner 1760 für Fürstbischof Franz Konrad von Rodt den Plafond des 1712 erbauten Gartenpavillons. Nach einer Komposition Johann Evangelist Holzers tanzen die 12 Monate Apolls nach Saturns Flöte die Predigerworte „OMNIA TEMPUS HABENT“.

Meersburg, Gartenpavillon

Der Gartenpavillon wurde 1712 unter Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg (amt. 1704–1740) nach einem Entwurf von Christoph Gessinger (um 1670–1732) errichtet. Seine bis heute erhaltene Ausmalung erfolgte erst im Jahr 1760 unter Fürstbischof Franz Conrad von Rodt (amt. 1750–1775), der am Außenbau über dem Portal sein Wappen anbringen ließ.[1]

Der Innenraum


Deckengemälde „Omnia tempus habent“

Auftragsvergabe und Vergütung

Für die Ausmalung war zunächst Gottfried Bernhard Göz (1708–1774) aus Augsburg vorgesehen, den Fürstbischof von Rodt als ehemaliger Augsburger Domkapitular kannte und den er für die Kapelle des Meersburger Schlosses bereits verpflichtet hatte.[2] Der Auftrag ging dann jedoch an den ebenfalls in Augsburg ansässigen Johann Wolfgang Baumgartner (1712–1761). Er quittierte am 25. August 1760 für das „wegen nach gnädigsten genehmigten accords in fresco gemahlten Garthen Haußes“ die Summe von 200 Gulden.[3] Fürstbischof von Rodt leistete die Zahlung aus eigenen Mitteln.[4]

Vorlage von Johann Evangelist Holzer

Das Deckengemälde mit dem Thema der zwölf Monate, die in einem Reigen Saturn als Gott der Zeit mit Krone und Querflöte umtanzen, geht nahezu unverändert auf ein Deckengemälde von Johann Evangelist Holzer aus dem Jahr 1738 im Gartenhaus des Augsburger Verlegers Pfeffel zurück. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Da Holzers Deckengemälde zwar von Johannes Elias Nilson in Kupfer radiert, allerdings erst 1765 verlegt wurde, hat die Forschung mehrere Möglichkeiten des möglichen Transfers zu Baumgartner bereits 1760 vorgeschlagen.[5]

Bibliographie

  • • Bushart, Baumgartner, 1981 = Bruno Bushart, Das malerische Werk des Augsburger „Kunst- und Historienmalers“ Johann Wolfgang Baumgartner und seine Fresken in Bergen, in: Kloster Bergen bei Neuburg an der Donau und seine Fresken von Johann Wolfgang Baumgartner (Kunst in Bayern und Schwaben, 3), Weißenhorn 1981, S. 61–77.
  • • Helvetia Sacra, Bistum Konstanz, 1996 = Das Bistum Konstanz, in: Helvetia Sacra, Abt. I, Bd. 2: Erzbistümer und Bistümer II, Erster Teil, unveränderter Nachdruck von 1993, Basel/Frankfurt am Main 1996.
  • • Hotz, Meersburg, 1965 = Joachim Hotz, Das Neue Schloß in Meersburg in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, 2 (1965), S. 211–248.
  • • Hubert Hosch, Rezension zu: Ausst.-Kat. Johann Wolfgang Baumgartner (1702–1761) zum 307. Geburtstag. Ölskizzen und Hinterglasbilder, hg. von Josef Straßer (Schriften des Salzburger Barockmuseums, 30), Salzburg 2009, Freies Kunstforum (Selbstverlag) 2009 (seit 2021 Exemplare in Kubikat nachgewiesen).
  • • Kastner, Meersburg, 1955 = Kastner, Adolf, Das neue Schloß in Meersburg. Mit Beiträgen zur Baugeschichte der Meersburger Oberstadt, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 73 (1955), S. 29–97.
  • • Schulze-Battmann, Gartenpavillon, 1978 = Schulze-Battmann, Elfriede, ‚Omnia Tempus Habent‘. Johann Wolfgang Baumgartners Fresko im Gartenpavillon des Meersburger Neuen Schlosses, in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, 15 (1978), S. 61–74.
  • • Wenger, Meersburg, 2000 = Michael Wenger, Neues Schloss Meersburg mit seinen Sammlungen und das Droste-Museum in Fürstenhäusle, hg. Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, München/Berlin 2000.

Einzelnachweise

  1. Die Bemalung des Wappens im Herbst 1759 ist archivalisch gesichert (Hotz, Meersburg, 1965, S. 220 mit Anm. 60)
  2. Hotz, Meersburg, 1965, S. 220 mit Anm. 61; Schulze-Battmann, Gartenpavillon, 1978, S. 68.
  3. Hotz, Meersburg, 1965, S. 221 mit Anm. 61; Schulze-Battmann, Gartenpavillon, 1978, S. 68.
  4. Hotz, Meersburg, 1965, S. 221; Schulze-Battmann, Gartenpavillon, 1978, S. 68.
  5. Die Vorlage benannte erstmals Schulze-Battmann, Gartenpavillon, 1978, S. 69. Ebenda auch die Möglichkeit des Transfers über die eigene Anschauung und eine Ölskizze, die sich heute im Bayrischen Nationalmuseum befindet. Bushart, Baumgartner, 1981, S. 73 schreibt die Ölskzizze Baumgartner zu.