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Maria Thalheim, Pfarrkuratie- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 209–224, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Landkreis Erding 1985, S. 367f. Dehio 1990, S. 593

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt

Zum Bauwerk: Ursprünglich Bau des 15. Jh., von dem die drei östlichen LHs-Joche erhalten sind. Neuwölbung des spätgotischen LHs mit Stuckierung und Fenstererweiterung 1670. Vor 1700 wurde ein neuer AR gebaut. 1701 war die Kirche »multum ampliata et gypso pulchre ornata et elaborata« (AEM, Visitationsprotokoll 1701). 1736 wurde das LHs durch Johann Lethner um zwei Joche nach W verlängert, in Angleichung an die alten Bauformen. Das Gitter von 1752/53 markiert die Baunaht. Die alten Eingänge wurden zugemauert und drei im neuen Bauabschnitt angebracht.

Neuer Hochaltar 1737 (Michael Eckhart, Franz Anton Malle und Johann Michael Rieder). Erlaubnis zur Übersetzung des Gnadenbildes vom ersten linken Seitenaltar auf den Hochaltar 1751. Zu diesem Anlaß wurde der Hochaltar reich ausgestaltet mit Postament und Kuppel, Baldachin, Vorhängen, Gewölk, Engeln und Glorie von den Erdinger Meistern Eckhardt, Hiernle und Rieder (StAL). Die Übertragung selbst wurde 1753 durch ein achttägiges Fest begangen (14. 8.-22. 8. 1753).

Nach 1760 wurde unter das Steingewölbe ein neues hölzernes Gewölbe eingezogen (Allmer, S. 47). 1763/64 wurde es freskiert und stuckiert. Koschade 1996 bringt den Stuck von Thalheim in stilistischen Zusammenhang mit den Arbeiten des Erdinger Stuckators Johann Martin Pichler (vgl. u. a. Gnadenkapelle von Weihenlinden, gesichert, und Wilparting, zugeschrieben) und schlägt Pichler als Autor der Thalheimer Stuckierung vor, vielleicht unter Mitarbeit von Ignaz Fink; beide waren ehedem Mitarbeiter Johann Baptist Zimmermanns. Vergoldung des Stucks Franz Xaver Zellner, Maler von Erding. 1770 wurden die sechs heutigen Seitenaltäre und die Kanzel aufgestellt (Kistler Matthias Fackler von Dorfen, Bildhauer Christian Jorhan von Landshut, Faßmaler Franz Xaver Zellner aus Erding).

LHs zu fünf (bis 1736 drei) Jochen, Gliederung durch Wandpfeiler, denen an den Stirnseiten Pilaster vorgelegt sind; in den kapellenähnlichen Räumen zwischen den Wandpfeilern in den drei östlichen Jochen schrägstehende Seitenaltäre; Eingänge im W und jeweils im N und S des vierten Jochs; gleichmäßige Belichtung in allen Jochen von N und S durch hohe Rundbogenfenster (im vierten und fünften Joch wegen der Empore und der Eingänge nur halbhoch); Doppelempore im W. Wenig eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß; Gliederung durch seichte Wandvorlagen mit vorgeblendeten Pilastern; im S anschließend die Sakristei mit darüberliegender Empore. Belichtung durch zwei Fenster von N und durch drei in den Schlußschrägen.

Westlich der Kirche steht der Wallfahrtsbrunnen mit dem heilkräftigen Wasser, ein kleines sechseckiges Bauwerk von

MARIA THALHEIM

Pfarrkuratie- und Wallfahrtskirche (Pfarrverband Reichen kirchen/Maria Thalheim), Gemeinde Fraunberg, Erzdiözes München und Freising; z.Z. der Ausmalung war Maria Thalheim Filiale der Pfarrei Riding. In Thalheim bestand ein Bene fizi um, auf das der Pfarrer von Riding präsentierte. Die bedeu tende, heute noch bestehende Wallfahrt zum Gnadenbil Unserer Lieben Frau geht ins 15. Jh. zurück. Bruderschaft »Aller Christgläubigen Seelen unter dem Titel Maria Hilf« 1700 eingerichtet. Gericht Erding

1884/85. Die alte Brunnenkapelle, die damals abgerissen wurde, war zwischen 1650 und 1670 errichtet worden. »Über dem Brunnen erhob sich, getragen von einem gemauerten Säulengewölbe, unter dem als Wandgemälde die Darstellung der Wallfahrtskirche angebracht war, ein kleiner Salon, der fremden Priestern zum Sommeraufenthalte diente« (Gierl). Der Brunnen selbst war ein Röhrenbrunnen. Eine Statue der Pietá bildete die Brunnensäule. Der Hauptwasserstrahl kam aus der Seitenwunde Christi.

Auftraggeber: Die Kirche Maria Thalheim war wohlhabend. Die kurfürstliche Verwaltung in Erding war an der Wallfahrt sehr interessiert - Thalheim war auch eine bei den Wittelsbachern beliebte und besuchte Wallfahrt - und trat dem jeweiligen Pfarrer zur Seite, wenn er Veränderungs- oder Verschönerungswünsche durchsetzen wollte. Pfarrer von Riding zur Ausmalungszeit war Johann Caspar Länzl (1741-85). Franz Gschaider, Gerichtschreiber von Erding und »Gottshaus Thallhambischer Zinsverwalter«, setzte sich ebenfalls nach Kräften für die Wallfahrtskirche ein (Allmer, S. 47). Benefiziat in Maria Thalheim z.Z. der Ausmalung war Johann Baptist Arnold (1760-71). Er starb am 25.8.1771 in Thalheim und setzte die Wallfahrtskirche und die Bruderschaft zu seinen Haupterben ein.

Autor und Entstehungszeit: Johann Martin Heigl (* unbekannt † 1774 München) 1764. Chronogramm am Chorbogen Da CVnCta / fILIIs qVIa / Mater (= 1764). Ursprünglich befanden sich weitere Inschriften links der Kartusche Translatio 1754 und rechts Renovatio 1764 (KDB, S. 1266).

Die Fresken sind nicht signiert. Der Zuschreibung an Heigl – erstmals in den KDB - wurde nie widersprochen. In den Details gehören die Thalheimer Fresken zu den qualitätvollsten Arbeiten Heigls.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, Ba-k) und AR (C, Ca-f) Stichkappentonne, im AR nach O abgemuldet; Kapellen im LHs (K1-10) Quertonnen

Rahmen: A geschwungenes Stuckprofil mit Rocaille-Ornamenten, zum Teil das Profil überspielend, zum Teil als Gelenke eingesetzt; B ornamentiertes Stuckprofil, von Rocaille- Ornamenten überspielt; C Stuckprofil, reich mit Blüten besetzt und von Rocaille-Ornamenten übergriffen; Ba-k und C. Rocaille-Kartuschen

Technik: Fresko; A, B, C, K1-10 polychrom; Ba-k und Ca-f monochrom grau, teils vor leicht rosafarbenem Grund, teils mit Weißhöhungen

Maße: A Höhe 10,90 m; 4,95 × 4,50

B Höhe 10,90 m; 8,30×4,90

C Höhe 10,70 m; 5,90×4,45

K1-10 Höhe 9,00 m; 0,80×1,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Schon 1765 wurde im Dach ein Bretterboden gelegt »zur Versicherung des Gewölbes, und Gemälls von dem unverhofenten Einregnen«. 1778 war die Seitenkapelle mit dem Deckenbild des hl. Johann Evangelist (K2) durch Wassereinbruch renovierungsbedürftig. Franz Xaver Zellner aus Erding verlangte für »die Faßung.

oder Vergoldung, auch Stogatorarbeit in der Mite gemahlene Filung ein Bruststuck S: Johann Evangelisten in Frescho ebenfahls neu gemahlen« 47 f. (StAL, Kirchendeputation Landshut).

Allmer (S. 60) nennt eine Restaurierung 1859/61 durch der Maler Muschler aus Wartenberg: »die Deckenmalereien und Stukkaturen wurden in wenig geschmackvoller Weise ausgebessert«. Ein Gutachten vom 11.7.1895 berichtet, »die Zwickelbilder bei den Fenstern haben wohl gelitten, ebenso die mittleren Deckengemälde, welche theilweise mehrfache Sprünge haben, sind aber in den Farben noch recht gut erhalten« (StAM, LRA).

Restaurierung 1897/99: Entfeuchten der Kirche, Fassung der Raumschale in Weiß und sehr hellen Tönen (Martin Irl, Erding). Restaurierung der Deckenbilder 1899 durch Bonifaz Locher, München. »Die Hauptarbeit hat sich auf die kleinen Deckengemälde in den drei vorderen Kapellen der Südseite und auf jenes der vordersten Kapelle der Nordseite zu erstrecken, welche durch Feuchtigkeit sehr gelitten haben und fast unkenntlich geworden sind« (StAM, LRA). Es handelt sich um die Fresken K, (Matthäus) auf der N-Seite sowie K, (Johannes) K (Lukas) und K (Gregor) auf der S-Seite.

1954 Restaurierung durch Sepp Hilz aus Bad Aibling. Die Fresken wurden gereinigt und die Risse mittels Schrauben und Mörtel geschlossen. Fresko K2 (Johannes) war durch erneuten Wasserschaden zu 60 % zerstört. Fortsetzung der Restaurierung 1959 durch Ludwig Keilhacker, Taufkirchen an der Vils. Bei der letzten Restaurierung 1985 durch Heinrich Götz, München, wurden die Schäden aus früheren Restaurierungen beseitigt: so waren die Schrauben von 1954 gerostet und der Mörtel aus den Rissen gefallen. Die Fresken wurden trocken gereinigt, die Risse mit Kalkmörtel geschlossen und Retuschen mit Kalk-Kaseinlasur vorgenommen. Mit Ausnahme der o. e. Kapellenfresken, die sehr überarbeitet sind, ist der jetzige Zustand gut, die Farben leuchtend, neue Verschmutzungen sind noch nicht eingetreten. Offene Risse, die Spuren der verkitteten Risse sind sichtbar, ebenso der restaurierte Wasserschaden in K.

Beschreibung und Ikonographie

Das Programm der Ausmalung ist auf Maria als den Gegenstand der Wallfahrt und Kirchenpatronin bezogen. Es basiert auf den Gedanken, die elf Jahre vorher, beim Fest der Übertragung des Gnadenbildes auf den Hochaltar, in den acht Festpredigten ausgedrückt wurden. Diese Übertragung war lange angestrebt und erst viele Jahre nach dem ersten Antrag endlich von Freising genehmigt worden (Lob= und Ehren=Predigten, S. 108: »Die Ohren scheinten dieser Bitt verstopft/ und verschieden=eingestreute Hinternussen haben dieß Werck auf die lange Banck geschoben«). Die Widerstände waren hauptsächlich theologischer Art gewesen. Deshalb war bei den Festpredigten das zentrale Thema die theologische Rechtfertigung der lange erstrebten und endlich gewährten Übersetzung - und damit Erhöhung – des Gnadenbildes gewesen.

Die Ubertragung wurde als eine zweite Himmelfahrt Mariens gedeutet: »Zwey-fach=glorreiche Übersetzung einer gnaden=vollen Mutter« (Erste Predigt; Lob= und Ehrenpredigten, S. 8 ff.). Die Glorie Mariens (im Himmel einerseits und auf dem Hochaltar andererseits) wird als gottgewollt und als Folge ihrer Tugenden gesehen. In den Himmel wurde Maria aufgenommen wegen ihrer Tugenden und ihrer Gottesmutterschaft; auf den Hochaltar wurde ihr Bild übersetzt wegen ihrer Tugenden, und weil sie sich in vielen Wundern als Mutter der Menschen erwiesen hatte. Diese doppelte Glorie wird in der Freskierung nun anschaulich gemacht. Im Hauptbild B wird mit der Himmelfahrt die erste »glorreiche Übersetzung« gefeiert; die zweite war durch das Gepränge um das Gnadenbild auf dem Hochaltar schon seit 1753 sichtbar.

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Der Kirchenraum

Maria ist Mutter Christi, sie ist aber auch im Gnadenbild gegenwärtige Mutter der Menschen, und diese Mutterschaft nimmt in den Festpredigten einen großen Raum ein. Im Bildprogramm sind Maria als Mutter der Menschen viele der Embleme Ba-k gewidmet, die Inschrift am Chorbogen bittet »Gib alles deinen Kindern, denn Du bist Mutter«. Bild A feiert mit dem Engelskonzert die Glorie der Himmelsköniging gleichzeitig wird damit wieder das Thema der Rechtfertigung des Marienlobes angeschlagen.

In C zeigt sich Thalheim als von Maria selbst erwählter Gna denort. Dieses wunderbare Geschehen zeichnet Thalheim au

und bestätigt es heilsgeschichtlicher Ort. Ca-f feiern die Tugen den Mariens (hier klingt wieder das Rechtfertigungs-Thems an), wobei Ca außerdem an den Gnadenbrunnen außerhalb de Kirche erinnert.

In den Bildern K1-10 endlich werden außer den Evangelisten die Mariens Verdienste als historisch unangreifbare Fakten überliefert haben, Kirchenlehrer dargestellt, deren Leistung die theologische Fundamentierung des Marienlobs ist. Ihre Werke sind in den Lob= und Ehren=Predigten in extenso zitiert und zur Rechtfertigung der Übersetzung des Gnadenbildes auf den Hochaltar herangezogen.

A ENGELSKONZERT Himmelsszenerie, Ansicht nach W. Im Zentrum des lichten und zartfarbigen Wolkenschau platzes steht der hl. Michael, eine fast kindliche Gestalt in gelb lichem Panzer und rosafarbenem Mantel, mit wallenden Helmbusch und Marschallstab in der Rechten. Er weist mi der Linken nach oben, wo über ihm in einer weißlichen Auf lichtung der Wolken das Auge Gottes erscheint. Die Waag und der Schild liegen zu seinen Füßen. Neben Michael, fast zu seinen Füßen, sitzt auf Wolken ein blondlockiger Engel, des sen nackte, weißhäutige Gestalt nur von einem hellen grüngrauen Mantel hinterfangen ist. Er hat auf seinen Knien ein großes Blatt Papier liegen, auf dem steht Regina / Coeli. Er wendet sein Gesicht zu Michael, die rechte Hand wie erklärend erhoben. Ringsum sind in den weißlichen Wolken, die zart blaugrau abschattiert sind, Engelsgruppen verteilt, die sich mit den verschiedensten Instrumenten zu einem Engelkonzert versammelt haben. Die Engelsfiguren sind weich modellierte jugendliche Körper mit heller Haut, die rosig abgeschattet ist und mit zartfarbigen Gewändern, wobei Rosa, Gelb und Grün mehrfach auftreten.

Die Mittelgruppe mit Michael und dem hellen Engel mit dem Schriftblatt läßt vermuten, daß in diesem Fresko über das allgemeine Thema > Engelskonzert < hinaus etwas für die Kirche in Thalheim Spezifisches ausgesagt ist. Michael tritt hier auf als Patron der auf dem Friedhof gelegenen Kapelle, der – als Thalheimer Patron – auch in der Bildausstattung der Wallfahrtskirche nicht fehlen sollte. Der Engel neben ihm hält auf dem Blatt den Anfang einer Marianischen Schlußantiphon: »Regina cael laetare, quia quem meruisti portare, resurrexit, sicut dixit. Ora pro nobis Deum«. Diese Antiphon soll nach der Legende ein Engel niedergeschrieben haben, »und zwar zu derselben Zeit in welcher der Papst Gregorius eine solenne Prozession Gott zu Ehren angestellet, weil er die Stadt Rom von der Pest gnädigst befreyet« (Zedler, Bd 30, Sp. 1852, s. v. Regina caeli). Auf diese himmlische Entstehung eines Marianischen Lobgesanges dürfte der Engel mit dem Blatt wohl hinweisen und damit auf die himmlische Legitimation aller Veranstaltungen zum Lobe Mariens. Diese Vermutung wird gestützt durch die Festpredigten, bei denen eines der immer wiederkehrenden Hauptthemen die Rechtfertigung des Marienlobes als eines Gott wohlgefälligen Werkes war.

Engel, Ausschnitt aus Fresko

B MARIÄ HIMMELFAHRT Ein seichtes dunkles Repoussoir, Felsgestein und eine rechts aufragende Palme distanziert den Mittelgrund des Bildes, eine helle Wiese, wo die Apostel um den leeren Sarkophag Mariens versammelt sind. Dieser steht auf einem Stufenpodest; zwei Frauen beugen sich von hinten über ihn und hantieren mit den Grabtüchern. Die Schar der Apostel, die teils staunend ins Grab, teils zum Himmel blicken, ist in zwei Gruppen zu je sechs an beiden Seiten angeordnet; Petrus, weißbärtig, in grauviolettem Gewand mit gelbem Mantel, und der jugendliche Johannes in grünem Gewand und rotem Mantel sind an der rechten Seite zu erkennen. Den Hintergrund bilden - in sehr hellen und zarten Farben dargestellt - hohe Bäume und eine balustradengekrönte Gartenarchitektur.

Über dem Sarkophag schwebt Maria, von Engeln getragen, auf einer weißen Wolke zum Himmel empor. Dort warten auf sie Christus und Gottvater, die vor einer großen Lichtglorie thronen. Vor das Zentrum dieser Glorie hält Christus die Krone, mit der Maria zur Königin des Himmels gekrönt werden soll. Über der Krone schwebt der Hl. Geist in Gestalt der Taube. Engel halten das Kreuz Christi. Links von der Glorie trägt ein großer Engel eine Girlande aus weißen, roten und goldenen Rosen: Hinweis auf den Freudenreichen, Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranz und die dort genannten Ereignisse im Leben Mariens, deren letztes, die Krönung im Himmel nun unmittelbar bevorsteht.

Das Fresko gehört zu Heigls besten Werken. Das glückliche Format des Bildfelds (verglichen etwa mit den langen Feldern in Aibling oder Tading) erlaubte es, auf alle Kunstgriffe zur Streckung der Komposition zu verzichten und die drei Bildbestandteile - Gruppe um den Sarkophag, Maria und die krönende Dreifaltigkeit - zu einer geschlossenen Komposition zu vereinen. Das Erbe Zimmermanns, die Idyllik des Schauplatzes sowie das Spannungsverhältnis zwischen Einzelfigur oder Figurengruppe einerseits und dem Freiraum andererseits, verbindet sich hier zu Beginn des Spätwerks von Heigl glücklich mit dessen Stärke, der intensiveren Farbigkeit.

Die Farbkomposition dieses Bildes ist nach ästhetischen Gesichtspunkten konzipiert: Das geht aus der Farbigkeit der Gewänder Gottvaters hervor. Das traditionelle Gelb/Violett, eine der Verbindlichkeiten der barocken Farb-Ikonographie, ist aufgegeben zugunsten eines grün-rosa Gewandes. Dieses Grün/Rosa schließt sich mit dem Rosa des Mantels Christi zu einer einheitlichen Farbgruppe zusammen und korrespondiert mit dem dominierenden Rot/Grün in der Apostelgruppe (Gewand des Apostels links und des Johannes rechts). So werden die Figuren um Maria – die, die ihr nachblicken und die, die sie im Himmel erwarten - einerseits zusammengesehen und andererseits zur Figur der Maria in Kontrast gesetzt, deren helles Mantel-Blau dominierende Mitte der Farbkomposition ist.

Mariä Himmelfahrt

MARIA THALHEIM

B. Bundeslade
B. Marier
Bb Granatapfel

Gottes gegenwärtiges Gotteshaus/ und alle Pflegkinder so lang gesegnet/ wird eben heute übersetzt auf den Fronaltar ... « (ebd., S. 17; s. auch passim).

Das Bild bezieht sich auf die Entstehung der Wallfahrt am Anfang des 15. Jh.: Ein Marienbild in einem Hollerbaum, der nördlich der Kirche im Friedhof noch steht, erwies sich als wundertätig; daraus entwickelte sich die Wallfahrt. »Dieser in der Länge der Zeit zu einem Baume herangewachsene Hollunderstrauch soll dazumal mit dem Bilde noch ganz von Wald umgeben gewesen und dennoch von vielen Andächtigen besucht worden sein. Allgemein bekannt ist, daß dieser Strauch alljährlich zwar Beeren, aber nie Blüten getragen, und daß die Beeren immer grün geblieben, während alle anderen Sträucher derselben Art in der nächsten Nähe blühten und zeitige Früchte trugen ... Als sich allmählich die Wälder lichteten, und im cultivirten Grunde die Zahl der Ansiedelungen sich mehrte, kam den naheliegenden Bewohnern der Gedanke, sie möchten dem schon längst verehrten Muttergottesbilde auch eine Wohnung errichten ...« (Mayer-Westermayer, Bd I, S. 394f.). Es wurde eine Kapelle gebaut und das Bild dorthin überführt, allein so oft man es tagsüber in die Kapelle brachte, so oft kehrte es nachts wieder zu seinem Hollerstrauch zurück. Dies wurde als Zeichen angesehen, daß das Bild an der alten Stelle verehrt werden wollte. Es wurde ein Kirchlein beim Hollerstrauch gebaut, in dem das Gnadenbild nach der Legende blieb.

Der nächtliche Himmel zeigt an, welches Motiv der Wallfahrtsgeschichte hier dargestellt ist: offenbar die wunderbare nächtliche Wiederkehr des Gnadenbildes zu seinem Hollerstrauch. Damit wird hier über dem Hochaltar, wo seit 1753 das Gnadenbild stand, auf die himmlische Legitimation des Gnadenortes verwiesen. Maria selbst wählte sich diesen Ort.

Die anschauliche Vermittlung des wunderbaren Geschehens beruht auf dem Gegensatz von himmlischer und irdischer Szenerie. In die kräftigeren und dunkleren Farben des realen Bereichs der Menschen, der Wiese und des Gebüschs dringt fast gewaltsam von oben das strahlende Weiß des Gnadenbildes und der Glorie. Die zarten Farben des Himmels und der Engel kontrastieren mit den stumpfen Farben und dem Schwarz in den Gewändern der anwesenden Menschen.

Verehrung des Gnadenbildes
Cd Rosenstrauch
C. . Marien-Embler
K6 Gregor
Ks-10 Kirchenlehre

Quellen und Literatur

K1 Matthäus Cb Perle in der Muschel. Darüber scheint die Sonne. Die Perle ist ganz allgemein ein Bild für die Reinheit und die Jungfräulichkeit und wird damit häufig als Bild Mariens gebraucht. C7 Lilie unter Dornen. Die Lilie ist als Bild der Reinheit figurativ gebrauchtes Mariensymbol. Die Dornen sind die Welt, von deren Sünden die Reinheit unberührt bleibt. C4 Rosenstrauch. Wie die Lilie wird auch die Rose als Bild der Tugenden Mariens in der ersten Festpredigt genannt: »Maria diese mystische Rose war niemals ohne grossen Anhang der Tugenden« (Lob- und Ehren-Predigten, S. 11 f.). Der Duft der Rose wird als Symbol für den Duft der Marien- tugenden gesehen (Picinelli, Lib. XI, Nr. 183, s. v. rosa). C2 Stern (Morgenstern). Das Bild wird hier wohl als Anspie- lung darauf gebraucht, dass Maria der Ankunft des Erlösers voranging. »Opportuno hoc Emblemate auspicatissimos S Joannis Baptistae, aut Mariae Virginis natales significabis, qui mundo, nova coelestis gratiae die illustrando, vicinum Divini solis exordium nuntiarunt« (Picinelli, Lib. I, Nr. 365, s. v. pla- netae). K1 Markus

K1 Johannes Cf Aufgehende Sonne. Bei dem Bild der Sonne gibt es zahl- reiche Deutungsmöglichkeiten, darunter auch viele auf Maria. Hier ist es vielleicht Hinweis auf die Tugendfülle Mariens: Wie die Sonne alle Gestirne überstrahlt, so überstrahlt Maria alle Menschen (Picinelli, Lib. I, Nr. 75, s. v. sol). K170 EVANGELISTEN UND KIRCHENVÄTER In den querformatigen Fresken an den Quertonnen der Kapel- len sind in Wolken Evangelisten (K1-4) und Kirchenväter (Kr-19) mit ihren Attributen dargestellt. Die vier abendlän- dischen Kirchenväter werden ergänzt durch zwei Kirchen- lehrer, die sich besonderen Ruhm durch ihre Schriften zum Lob Mariens erworben haben. Zählung paarweise von O nach W K1 MATTHÄUS hält ein Buch. Der Engel, sein Attribut, trägt das Tintenfaß, in das der Evangelist die Feder taucht. K1 JOHANNES (zum größten Teil neu, s. Erhaltungszu- stand) mit Buch und Feder; der Adler hält das Tintenfaß im Schnabel. K1 MARKUS hält ein Schriftblatt und hat den Löwen. K1 LUKAS in orientalisierender Tracht mit Kette, Agraffe und Turban. Er sitzt an einer Staffelei, auf der ein Marienbild. K4 Lukas K174 Evangelist

K6 Ambrosius steht und hält Pinsel und Palette in der Linken. Hinter der Staffelei sein Attribut, der Stier. K7 AMBROSIUS Ambrosius, in gelbem Pluviale, mit Mitra und Pedum. Ein Putto hält den Bienenkorb, sein Attri- but. K6 GREGOR DER GROSSE Gregor der Große, in Papst- kleidung, neben sich die Tiara, schreibend an einem Tisch. An seinem Ohr ist die Taube der göttlichen Inspiration zu sehen. K7 HIERONYMUS Hieronymus in einer Felslandschaft, mit Totenkopf und einfachem Holzkreuz. Kardinalshut und zweifacher Kreuzstab weisen auf seine Kardinalswürde hin. Aus dem Himmel trifft ihn der Schall einer Trompete. K3 AUGUSTINUS Augustinus mit Pedum und Mitra wendet sich zu einem kleinen Engel, der aus einem Töpfchen Wasser gießt, Hinweis auf die Vision mit dem Kind am Meer. K9 BERNHARD VON CLAIRVAUX Der große Mari- enverehrer und Kirchenlehrer im weißen Habit der Zisterzi- enser, mit Buch, Mitra und Abtstab. Von seinen Attributen, den Arma Christi, sind Kreuz, Lanze und der Schwamm an der Stange dargestellt. K19 BONAVENTURA Bei diesem Bischof, der keine Attribute hat, ist die Deutung auf Bonaventura von Bagnore- ggio, Bischof aus dem Franziskanerorden († 1274, von Papst Sixtus IV. 1482 in die Reihe der hl. Kirchenlehrer aufgenom- men) am wahrscheinlichsten. Nach den Schriften des hl. Bern- hard werden in den Lob- und Ehren-Predigten seine Schrif- ten zu Ehren Mariens am meisten zitiert.

Quellen und Literatur BHStA, Landshuter Abgabe 1993: Altarausstattung 1734/41. BHStA, GL 996, Akt Hofkammer: Summarische Aufstellung über Einnahmen und Ausgaben 1679-1718. StAM, LRA 148074: Restaurierung 1897/99. StAL, Kirchendeputation Landshut A 1948: Restaurierung StAL, Kirchenrechnungen Gericht Erding, 1670. StAL, Regierung Landshut A 4120: Altäre, Orgel, Überset- zung des Gnadenbildes im 18. Jh. AEM, Pfarrakten Riding: Pfarrbeschreibung mit dem Visitati- onsbericht 1701 und den Rechnungsextrakten 1748-57; Filiale Thalheim; Benefizium 1689-1817; Aller-Seelen-Bruderschaft 1700-1882. AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 23/Erding, Pfarrkuratie- und Wallfahrtskirche Maria Thalheim (Georg Brenninger). BLfD, Akt Maria Thalheim II. K170 Kirchenlehrer

K2 Bonaventura

»Lob= und Ehren=Predigten, Welche bey hohfeyerlicher Ubersetzung Der Uralt= und wunderthätigen Bildnuss Mariae, Der Liebreichen Mutter Gottes zu Maria Thallheim/ Einer Filial-Kirchen der Pfarr Riding/ Bistums Freysing, unweit der Stadt Erding entlegen/ Während einer solennen Octav, in dem Jahr Christi MDCCLIII gehalten«, Freising 1754.

Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 500–02.

Röckl, Karl Adam, Die Wallfahrt Mariathalheim im Isar=Kreise Bayerns, und königl. Landgerichts Erding, Landshut 1836.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 392–98.

Gierl, Johann, Der Wallfahrtsort Maria=Thalheim, kgl Bezirksamts Erding. Historisch-statistische Beschreibung Thalheim 1892.

Allmer, Joseph, Geschichte der Wallfahrt Maria Thalheim im kgl. Bezirksamt Erding. Nach Quellen bearbeitet, Müncher 1900.

KDB I OB (2), S. 1265–67.

Kemp, S. 304 f.

Gnadenstätten im Erdinger Land, S. 69–74.

Kupferschmied, Thomas Johannes, Der Freskant J. Martin Heigl. Arbeiten für Johann Baptist Zimmermann und selbständige Werke (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München Bd 41), München 1989 S. 69-72.

Dehio 1990, S. 1162 f.

Kißlinger, Johann Nepomuk (überarbeitet von Georg Brenninger), Maria Thalheim (= KKF Nr. 206), München 1998.

A.B.