Münster, ehem Stadthaus Schlaun
Inventarnummer: cbdd20259
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Im Wohnhaus des Militärs und Architekten Johann Conrad Schlaun befanden sich bis zu seiner Zerstörung im Jahr 1945 zwei Räume mit Deckenmalerei. Die Malerei im Hauptsaal visualisierte die Stellung und den Beruf Schlauns im Jahreslauf, während das Schlafzimmer eine mythologische Szene zeigte.

Das ehem. Haus Schlaun
Kurzbeschreibung und Lage
Das Stadthaus [1] von Johann Conrad Schlaun stand im nördlichen Bereich der Altstadt von Münster, an der Ecke zur Hollenbeckerstraße/Kuhstraße. Rückwärtig befand sich ein Garten.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Schlaun erwarb das Grundstück 1753 im Rahmen einer Versteigerung. Bereits 1755 war sein neues Haus vollendet. Aus dieser Zeit ist kein Planmaterial bekannt. Nachdem das Haus 1945 gänzlich ausgebrannt war, wurden seine Reste 1953 beseitigt. [2]
Auftraggeber, Architekten, Künstler
Bauherr und Architekt war Johann Conrad Schlaun (1695-1773), der heute als der bedeutendste Baumeister Westfalens im 18. Jahrhundert gilt. Seit 1729 bekleidete er das Amt des Landbaumeisters im Fürstbistum Münster und erfreute sich bereits zu Lebzeiten großen Ansehens. Zahlreiche Kirchen, Schlösser und Herrenhäuser wurden von ihm entworfen. Zu den bedeutendsten Bauten gehören die Clemenskirche in Münster,[3] das Residenzschloss in Münster,[4] das Jagdschloss Clemenswerth in Sögel,[5] Haus Beck in Feldhausen [6] und der so genannte Erbdrostenhof in Münster.[7] Schlaun war auch Militär, zunächst Vermessungsingenieur sowie später Kapitänleutnant der Artillerie im Fürstbistum Paderborn. In münsterschen Diensten stieg er anschließend zum Generalmajor und zuletzt zum Generalgouverneur der Festung Meppen und Kommandanten der münsterschen Artillerie auf. Zu Schlauns Aufgabenbereich gehörten ferner Festdekorationen und Feuerwerke.[8]
Beschreibung
Das zweigeschossige Haus über Keller mit Krüppelwalmdach umfasste zur Hollenbeckerstraße neun Fensterachsen, von denen die mittleren drei zu einem Mittelrisalit zusammengefasst waren. Das Obergeschoss zierte eine Serliana mit Balkon. Zum Garten hin traten die mittleren drei Achsen polygonal vor. Nach Norden schloss sich eine Remise mit Durchfahrt an den Hauptbau an. Über eine Freitreppe betrat man ein Treppenhausvestibül, an das sich an der Gartenseite ein querovaler Saal anschloss. An diesen grenzte links – nach Süden – das Schlafzimmer Schlauns an, während im Norden das Speisezimmer lag. Im Obergeschoss befanden sich analog in der Gebäudemitte eine Treppenhausdiele und ein Saal zum Garten hin, der ebenfalls nach Norden und Süden Zimmer erschloss.[9]
[1] Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 501–509; Mummenhoff, Wohnhaus, 1973; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 244–254.
[2] Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 557; Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 501; Mummenhoff, Wohnhaus, 1973, S. 158; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 244–246.
[3] https://www.deckenmalerei.eu/33345b4a-51b3-4f1a-8933-58cacbc3ecbd.
[4] https://www.deckenmalerei.eu/480789eb-f72f-4ec5-b7cb-454b3098e523.
[5] https://www.deckenmalerei.eu/7dce5bf2-320c-44a5-9148-0db65af91918.
[6] https://www.deckenmalerei.eu/0e9f3525-bc1a-465e-ad50-6740c9f85d8e.
[7] https://www.deckenmalerei.eu/032a86e2-69e8-4a12-bf4c-3bbd911d0f5d.
[8] Korn, Schlaun, 1976; Zinkann, Maison de plaisance, 1979; Busskamp, Schlaun, 1992; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995.
[9] Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 557-560; Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 501-506; Mummenhoff, Wohnhaus, 1973, S. 158-172; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 245-252.
Das ehem. Schlafzimmer Schlauns
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Schlafzimmer Schlauns ist zerstört. Es wurde 1935 kurz vor seiner Zerstörung beschrieben und fotografiert.[1]
Beschreibung
Das Schlafzimmer schloss sich im Süden an den Gartensaal an und besaß zwei Fenster zum Garten an der Westseite. Im Osten befand sich eine niedrige Bettnische.[2]
Die ehem. Decke des Schlafzimmers
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Es ist davon auszugehen, dass das Deckenbild 1755 entstand. Es handelte sich um eine in die Decken eingelassene, mit Ölfarben bemalte Leinwand, die 1945 gemeinsam mit dem Haus zerstört worden ist.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Vom Deckenbild ist lediglich bekannt, dass es ein mythologisches Thema darstellte.[4] Eine genauere Bestimmung wäre nur anhand noch aufzufindender Fotografien möglich.
Der ehem. obere Saal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der obere Saal stammte aus den Jahren 1753/55 und wurde 1945 zerstört.[5]
Beschreibung
Der obere Saal lag über dem Gartensaal des Erdgeschosses und war über eine Treppenhausdiele von Osten aus zugänglich. Nach Westen, zum Garten, öffnete er sich mit drei großen Fenstern. Er maß 7,7 auf 6,2 Meter. Im Südosten gab es einen Kamin, im Nordosten einen Ofen.[6]
Die ehem. Decke des Saals und ihre Malerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist vermutlich 1755 vollendet worden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde sie überstrichen und erst 1911 wieder freigelegt. Offenbar wurden anschließend einige Malereien erneuert, die Geisberg daher 1935 als „nicht alt“ bezeichnete. Alle Malereien sind 1945 zusammen mit dem Haus zerstört worden, ohne zuvor fotografiert worden zu sein. Lediglich die Beschreibung Geisbergs von 1935 gibt Auskunft über sie.[7]
Beschreibung und Ikonographie
In der Voute der Stuckdecke bildeten einfache und doppelte Bänder 16 querrechteckige niedrige Felder, die Malereien aufnahmen. Nach Geisberg handelte es sich, rechts von der Nordachse beginnend, im Uhrzeigersinn, um folgende Darstellungen: „1. Knabe mit dem Griff eines Ruders, 2. Knabe, vor einem Frosch erschreckend, 3. Knabe, eine Kanone abfeuernd, 4. Knaben, vor dem Schuß erschreckend; der eine mit Bärenmütze und Schnurrbart, 5. Explosion einer Granate, vor der ein Knabe mit Degen erschrickt, 6. Knabe und Mädchen neben einem Mörser, 7. Knabe mit Schaufel, Harke und Früchten, 8. Knabe mit Zielaufsatz, 9. Knabe mit Blumen (nicht alt), 10. Knabe mit Holzgabel (zur Hälfte nicht alt), 11. Knaben mit großem Feldmessapparat, 12. Knabe mit Fernrohr, 13. Knabe mit Thermometer, 14. Knabe in einem Kalender lesend; erkennbar ist das Datum 29. Hornung-Februar, 15. Zwei Knaben mit Fischen und Holzbottich, 16. Zwei Knaben mit einem nautischen (?) Instrument.“ [8]
Programm
Die Malereien wurden durch Darstellungen in Stuck ergänzt. Hierzu gehörten Embleme mit Darstellungen von Geschützen und Messinstrumenten, einem Globus, einem Polyeder sowie einer Himmelskugel. Das Bildprogramm stellte mit Architektur, Artillerie, Feldmessung, Feuerwerkerei, Mathematik, Geografie, Geometrie und Astronomie jene Bereiche dar, in denen Schlaun als Architekt und Militär beruflich tätig war. In diesen Kontext gehörten auch die Malereien in der Voute, die darüber hinaus Bezüge zu den Jahreszeiten sowie einem Schaltjahr herstellten. Insgesamt visualisierte die Decke somit die Stellung und den Beruf des Hausherrn im Jahreslauf.[9]
Bibliographie
- Literatur:
- Bußkamp, Schlaun, 1992. – Bußkamp, Barbara: Johann Conrad Schlaun 1695–1773. Die Sakralbauten. (Schlaunstudie, 5). Münster 1992.
- Geisberg, Münster 4, 1935. – Geisberg, Max (bearb.): Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen 41. Die Stadt Münster. Teil 4. Die profanen Bauwerke seit dem Jahre 1701. Münster 1935.
- Hansmann, Wohnhäuser, 1995. – Hansmann, Wilfried: Die Wohnhäuser Johann Conrad Schlauns. in: Bußmann/Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Bußmann, Klaus/Matzner, Florian/Schulze, Ulrich (Hrsg.): Johann Conrad Schlaun 1695–1773. Architektur des Spätbarock in Europa. Ausstellungskatalog. Münster/Stuttgart 1995, S. 500-515.
- Korn, Schlaun, 1976. –Korn, Ulf-Dietrich Korn (Hrsg.): Schlaun als Soldat und Ingenieur (Schlaunstudie, 3). Münster 1976.
- Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun 1696–1773. Das Gesamtwerk. 2 Bde. Stuttgart 1995.
- Mummenhoff, Wohnhaus, 1973. – Mummenhoff, Karl E.: Das Wohnhaus Johann Conrad Schlauns. In: Johann Conrad Schlaun 1695–1773. Ausstellung zum 200. Todestag. Landesmuseum Münster (Schlaunstudie, 1, Textteil). Münster1973, S. 158–177.
- Zinkann, Maison de plaisance, 1979. – Zinkann, Karin Elisabeth: Der Typ der Maison de plaisance im Werke von Johann Conrad Schlaun (Schlaunstudie, 4). Münster 1979.
Einzelnachweise
- ↑ Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 506; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 249.
- ↑ Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 506; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 558; Mummenhoff, Wohnhaus, 1973, S. 169; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 249.
- ↑ Geisberg, Münster 4, 1935, S. 250.
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 558; Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 506; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 250.
- ↑ Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 506.
- ↑ Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 506; Mummenhoff, Wohnhaus, 1973, S. 169-172; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 248-250.
- ↑ Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 506; Mummenhoff, Wohnhaus, 1973, S. 169.
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 559; Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 506; Mummenhoff, Wohnhaus, 1973, S. 170-171; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 250.
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 559; Hansmann, Wohnhäuser, 1995, S. 506; Mummenhoff, Wohnhaus, 1973, S. 171; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 250, 252.