Münster, ehem Residenzschloss
Inventarnummer: cbdd10175
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Das Residenzschloss in Münster wurde 1945 zersört. Es haben sich jedoch Entwürfe von Anton Joseph Stratmann von 1784 für die Deckengemälde im Treppenhaus und im Hauptsaal erhalten. Themen sind die gute Regierung und eine Apotheose.
Das ehemalige Residenzschloss in Münster
Kurzbeschreibung und Lage
Das ehemalige Residenzschloss[1] in Münster ist eine breitgelagerte Dreiflügelanlage im Westen der Altstadt von Münster.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Schloss wurde 1767–1787 erbaut. Obwohl Münster die Residenzstadt des Fürstbistums Münster war, gab es in der Stadt vorher kein Residenzschloss. Die Stadt Münster war lange Zeit nahezu selbständig gewesen und der Landesherr konnte die Stadt erst nach mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen 1661 einnehmen. Um die Stadt unter Kontrolle zu halten, ließ er im Westen der Stadt bis 1670 eine Zitadelle errichten. Seinen Wohnsitz hatte der Fürstbischof am Domplatz, wo er das Fraterherrenstift am Bispinghof nutzte. Bereits 1688 wurde in der Wahlkapitulation Friedrich Christian von Plettenbergs fixiert, dass ein Residenzbau in Münster auf Landeskosten errichtet und die Zitadelle abgebrochen werden soll. Auch bei der Wahl von Clemens August 1719 war der Bau eines Residenzschlosses vorgesehen und Gottfried Laurenz Pictorius wurde mit Planungen beauftragt. Verschiedene Umstände wie etwa der Siebenjährige Krieg und die häufige Abwesenheit des Landesherrn, der in Personalunion von 1719 bis 1801 auch Kurfürst von Köln war, zögerten den Baubeginn aber immer wieder hinaus.
1732/33 wurden erneut Pläne entworfen, diesmal von Johann Conrad Schlaun. Doch erst nach den schweren Zerstörungen des Siebenjährigen Krieges wurde beschlossen, die Zitadelle niederzulegen und an seiner Stelle das Residenzschloss zu errichten. 1764 erfolgte der Abriss und 1767 die Grundsteinlegung zum Neubau. Dieser war bis 1784 weitgehend vollendet. Lediglich einige Räume waren noch nicht komplett ausgestattet. Der Innenausbau kam jedoch zunehmend zum Erliegen und wurde zuletzt gänzlich eingestellt. Im 19. Jahrhundert war das Schloss Sitz des preußischen Oberpräsidenten der Provinz Westfalen. 1945 brannte es nahezu komplett aus. Das wiederaufgebaute Schloss wird von der Westfälischen Wilhelms-Universität als Hauptgebäude genutzt.
Auftraggeber
Auch wenn das Schloss für den Fürstbischof von Münster errichtet wurde und Auftraggeber damit Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels war, waren die treibenden Kräfte hinter dem Schlossbau doch die Landstände des Fürstbistums Münster. Bereits der Vorgänger von Maximilian Friedrich, Clemens August, hatte sich 1719 verpflichten müssen, ein Residenzschloss in Münster zu errichten und 1732/33 Johann Conrad Schlaun beauftragt. Passiert war jedoch nichts. Maximilian Friedrich übernahm diese Verpflichtung bei seiner Wahl lediglich. Die Finanzierung erfolgte überwiegend durch das Land. Die Stände begutachteten auch die Pläne und sind als Bauherr mit anzusprechen. Daher sind am ausgeführten Bau auch die Landstände sichtbar gemacht. Neben dem Vollwappen des Landesherrn am Mittelrisalit sind die ebenfalls bekrönten Wappen des Domkapitels, der Ritterschaft sowie der Stadt Münster als Vertreterin der Städte an den Seitenflügeln zu sehen.
Architekten und Künstler
Architekt des Schlosses in Münster war Johann Connrad Schlaun,[2] der bedeutendste Architekt Westfalens im 18. Jahrhundert. Er war Militär in den Fürstbistümern Paderborn und Münster und wurde 1729 Landbauingenieur in Münster. Neben staatlichen Bauaufgaben wie dem Jagdschloss Clemenswerth schuf er zahlreiche Adelsbauten in Paderborn und Münster wie den Erbdrostenhof oder Haus Beck, aber auch Sakralbauten wie das Benediktinerkloster in Bad Iburg. Nach Schlauns Tod 1773 führte der Bauleiter Wilhelm Ferdinand Lipper[3] die Arbeiten weiter. Er entwarf auch zahlreiche Innenräume und war im Fürstbistum Münster seit 1777 Oberlandbaudirektor. Neben der Landesherrschaft war er auch für den Westfälischen Adel tätig. Nach 1790 arbeitete er in Nürnberg wo er 1800 verstarb.
Die Deckenmalerei im Schloss stammte von Anton Joseph Stratmann[4] bzw. wurde bei ihm in Auftrag gegeben, wenn auch nicht gänzlich realisiert. Stratmann stammt aus einer bedeutenden westfälischen Künstlerfamilie. Seit 1755/60 war er in Westfalen und Hildesheim tätig und schuf überwiegend Tafelgemälde – etwa eine Galerie von Fürstbischöfen für das Residenzschloss in Münster –, aber auch Wand- und Deckenmalerei.
Beschreibung
Der breitgelagerte dreigeschossige Ziegelbau mit Mansardwalmdach ist reich mit Zier- und Gliederungselementen von Sandstein geschmückt. Der Außenbau mit Sockelgeschoss, Haupt- und abschließendem Mezzaningeschoss ist gänzlich spiegelsymmetrisch gestaltet. Die 29 Achsen breite Fassade bildet an der Eingangs- bzw. Stadtseite zwei vier Achsen breite Seitenflügel aus, die acht bzw. 14 Achsen tief sind. Die jeweils mittleren beiden Achsen sind als Risalit gestaltet und fast komplett mit Sandstein verkleidet wie auch der fünf Achsen breite Mittelrisalit des Schlosses mit seiner abschließenden Laterne. Auch die beiden mittleren Achsen der beiden Seitenflügel sind jeweils als Risalite mit Sandsteinelementen gestaltet. Die Rückseite des Schlosses ist mehrfach gestaffelt. Das Erdgeschoss zeigt an allen Seiten eine Rustizierung, der Mitterisalit wird im Haupt- und Mezzaningeschoss von einer Kolossalordnung gegliedert und hat ein zusätzliches Attikageschoss mit Dreiecksgiebel.
Das Erdgeschoss nahm vorwiegend Wirtschaftsräume sowie in der Mitte den Eingang mit Vestibül auf. Das Hauptgeschoss beherbergte das fürstbischöfliche Appartement, Fest- und Gastgemächer, das Mezzaningeschoss Wohnräume. Vom Vestibül aus erreicht man das rückseitige Treppenhaus, von dem aus der zentrale Hauptsaal im Mittelrisalit betreten wurde. Zu beiden Seiten erstreckten sich Raumfolgen. Im nördlichen Bereich des Hauptflügels befand sich das Appartement des Landesherrn mit Empfangs und Wohnräumen, die auch noch in den Seitenflügel bis in den Nordpavillon hinein reichten. Das Gegenstück war das Staats- und Gastappartement an der Südseite. Im Südpavillon des südlichen Seitenflügels befand sich zudem die Schlosskapelle.
Das ehemalige Treppenhaus
Beschreibung
Das zweiläufige Treppenhaus[5] war zum vorgelagerten Vestibül[6] hin geöffnet. Man konnte mit einer Kutsche einfahren und am Fuß der Treppe aussteigen. Die geschwungenen Treppenläufe folgten dem geschwungenen Gebäudeumriss. Der Raum reichte durch alle Geschosse und war zwischen dem ovalen Hauptsaal und der konvexen Rückfront eingepasst. Zwölf große Fenster zum Garten schufen einen hellen Raum. Es gab kein oberes Vestibül, sondern die Türen führten direkt in den Hauptsaal.
Die Entwürfe von Anton Joseph Stratmann für ein Deckengemälde
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke des Treppenhauses[5] nahm ein Fresko[7] von Joseph Anton Stratmann auf. Das Thema war vermutlich eine allegorische Darstellung des Fürstbistums Münster, seines Reichtums und Glücks. Es sollte den Besucher auf den Hauptsaal einstimmen, wo eine Apotheose geplant war, die aber nie ausgeführt wurde. Das Deckengemälde im Treppenhaus ist jedoch – wohl 1776 von Stratmann – gemalt worden. Da es aber spätestens 1884 im Rahmen einer Instandsetzung des Treppenhauses flächig überstrichen und im zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist sein konkretes Aussehen unbekannt. Es haben sich jedoch verschiedene Entwürfe Stratmanns erhalten. Vermutlich ist einer von ihnen der Entwurf, der 1775 vom Kurfürsten genehmigt wurde – oder er ist ihm zumindest sehr ähnlich. Im Herbst 1776 war die Decke zum größten Teil stuckiert, und das Gerüst stand noch. Es ist daher wahrscheinlich, dass anschließend noch 1776 das Deckengemälde geschaffen wurde. Es wird jedenfalls 1782 im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Hauptsaals genannt. Archivalien zur Entstehung des Deckengemäldes fehlen aber.
Die Entwürfe
Strohmann hat 1997 eine Zuschreibung des Gemäldes an Stratmann anhand der erhaltenen Entwurfsskizzen vorgenommen.[8] Die Entwürfe variieren alle eine Allegorie des Guten Regiments in Bezug auf das Fürstbistum Münster. Drei Entwürfe sind bekannt.
Variante 1a und 1b
Das erste Blatt[9] zeigt den Landesherrn als Schützer und Förderer der Landeswohlfahrt. Am Himmel tragen zwei Putten sein Porträtmedaillon. Eine hält einen Öl- und einen Eichenzweig und verweist damit auf die Ehre des Dargestellten. Eine dritte schleudert Blitze gegen drei stürzende Laster am unteren Bildrand. Links streuen Putten Blumen über eine Personifikation des Bistums Münster. Rechts streuen zwei weitere Putten ebenfalls Blumen und Lorbeerkränze über Minerva, die hier als Allegorie auf Künste und Wissenschaften zu verstehen ist. Sie blickt, wie die Personifikation Münsters, zum Medaillon auf. Vor ihr liegt ein Füllhorn, aus dem Gegenstände quellen, die auf die Künste verweisen wie eine Palette und eine Violine. Auf einen Globus sitzt eine weitere Putte und schaut durch ein Fernrohr – auf das Medaillon.
Die drei Putten beim Medaillon und die stürzenden Laster sind auf einem eigenen Deckblatt gemalt, das hochgeklappt werden kann und eine weitere Variante offenbart. Unter dem Medaillon sind statt der stürzenden Laster Saturn als die Zeit mit der Personifikation der Wahrheit (Veritas) zu erkennen. Eine Putte ist im Begriff, die Wahrheit zu enthüllen.
So zeigt die eine Variante den Sieg des Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels über das Böse, die andere die von der Zeit enthüllte Wahrheit, die wie die Verdienste des Landesherrn offen zutage treten.
Die Zeichnung ist beschriftet: „Zeichnung zum Plafond der haubt stiege. Die Zeit führet die Wahrheit zum Himmel, ein Genius hält ein Medaillon worauff das brust bild sein. Chürfürstl. Gnaden erblicket und entreist der warheit den schleyer der sie verborgen, ein anderer Genius mit einem Öhl, und Eichen Zweig unterstützt den Medaillon, zur rechten, im Vorgrund ist Minerva mit dem fülhorn woraus allerhand instrumento von Künsten, und Wißenschaften fallen, über dieser zwey Genii einen Korb mit Blumen, und lorber Krantze haltent, wo von einige herunter fallen. Zur linken die Göttin des landes mit dem füllhorn, und einige landes producten, in der ferne halten zwey Genii eine Kette von Blumen, und streichen einige herunter. Diese Zeichnung ist nicht gemacht um darnach zu arbeiten. Sollte dieser Gedanke Gnädigst Beyfall finden, so werde ich die nöhtigen Figuren nach posirte Modellen verkürtzen und eine größere Scitze nach Vollkommenheit ausmahlen, nach welcher alsdann der Accord geschlossen werden kann. A. Stradtman.“[10] Es waren also für eine Ausführung Kartons mit perspektivischen Verkürzungen geplant und das vorliegende Blatt war nur eine Art Ideenskizze bzw. Vorschlag.
Variante 2
Das zweite Blatt[11] zeigt auf Wolken den Tempel des Schicksals. Links streuen Putten Blumen über Apoll, den Schutzgott der Künste. Vor diesem fliegt Fama und verkündet deren Ruhm. Rechts sitzt auf Wolken Minerva, die die gesenkte Fackel des Krieges in Händen hält und wohlmöglich ähnlich Pax die zu ihren Füßen liegenden Waffen verbrennen will. Neben ihr ist die Personifikation des Bistums Münster zu sehen, die Minerva auf den Tempel des Schicksals verweist. Putten rechts tragen die Insignien des Bistums empor. Der Götterbote Merkur kommt mit seiner Leier herbei.
Auch dieses Blatt besitzt eine erläuternde Aufschrift: „In der Mitte findet man den tempel des Schicksaals in den Wolken, und in deselben daß altar worauff daß Buch des Schicksaals stehet. Zur einen Seiten fliegt Mercurius herunter in der einen Hand die Leyer haltend umschlungen mit lorbeer Zweige, in der anderen hand einige roggen Ähr: ein Zeichen des überfließens. Zu der Göttin Pallas, welche im Vordergrundt sitzet, mit der einen Hand die Kriegsfackel umwendet, und gegen den Boden stoßet, mit der anderen Hand zeiget sie der landes Göttin, welche neben ihr liegt auff den tempel des Schicksaals ihr versichernd, daß der Übe fluß, und Friede hinfüro fortdauern werde, von der anderen Seite des Tempels stürzet sich in vollem Flug die Göttin des Ruhms herunter mit ihren trompeten, daß Glückliche schicksaal des Vatterlands zu verbreiten, oben ihr Appollo Ein Gött der Künsten worüber einige Geny eine blumen Kette halten.“[12]
Diese Allegorie unterscheidet sich durchaus von Variante 1 und hat die schicksalhafte Begünstigung des Landes durch Frieden und Kunst – durch den Landesherrn – zum Inhalt. Vermutlich ist hier ein Bezug auf den erst 1763 beendeten Siebenjährigen Krieg zu sehen, unter dem Münster sehr gelitten hatte.
Variante 3
Das dritte Blatt[13] ähnelt in der Aussage dem ersten. Rechts im Vordergrund sitzt prominent Minerva als Personifikation der Gerechtigkeit (Justitia) auf einer Wolke. In ihrem Rücken werden die Künste und Wissenschaften durch Putten mit verschiedenen Attributen dargestellt. Über ihnen streuen weitere Putten Blumen und Kränze. Der Gruppe gegenüber ist auf einer Wolke links die Personifikation des Bistums zu sehen. Sie schaut sich nach der Gerechtigkeit um. Putten zu ihren Füßen halten eine Sichel sowie eine Korngarbe oder schütten ein Füllhorn mit Reichtümern aus, während weitere Putten Blumen streuen. Über allem thronen auf einer weiteren Wolke Saturn und Veritas. Die Zeit enthüllt sie im Gegensatz zu Blatt 1 selbst ohne die Hilfe einer Putte. Dieses Blatt hat keine erläuternde Aufschrift; eventuell wurde diese nachträglich abgeschnitten.
In dieser Variante ist es die Gerechtigkeit und nicht der Frieden, der den Reichtum des Landes garantiert und für alle offenbar wird.
Programm
In allen Entwürfen sind die Personifikation des Fürstbistums Münster und Minerva dargestellt. Diese beiden scheinen verbindliche Vorgaben gewesen zu sein. Minerva übernimmt auf den Blättern unterschiedliche Aufgaben. Sie steht für die Gerechtigkeit, den Frieden oder die Künste. Meist ist auch der Wohlstand des Fürstbistums dargestellt, oft in Kombination mit seiner Personifikation. Ebenso werden Künste und Wissenschaften auf unterschiedliche Art gezeigt. Im Bistum Münster gedeihen also materielle und geistige Reichtümer, so die Aussage der Entwürfe und wohl auch die des ausgeführten Gemäldes im Treppenhaus.
Der ehemalige Hauptsaal
Beschreibung
Der Hauptsaal[14] an der Eingangsseite war queroval und wurde vom Treppenhaus durch drei Türen direkt betreten. Die Ausgestaltung des zweigeschossigen Raumes ging weitgehend auf Ferdinand Lipper zurück. Korinthische Kolossalsäulen trugen das Deckenoval mit einer Kuppel, in dessen Spiegel ein Fresko mit einer Apotheose kommen sollte. Zwei Raumkompartimente verlängern das Oval an seinen Schmalseiten nach Norden und Süden. Ionische Säulen tragen dort Emporen.
Die Entwürfe von Anton Joseph Stratmann für ein Deckengemälde
Befund – Entstehung- und Erhaltungsgeschichte
Der Hauptsaal wurde nie mit einem Deckengemälde[15] ausgestattet. Es war jedoch eines vorgesehen, für das Stratmann zwei Entwürfe anfertigte, die sich erhalten haben. Die ovalen Zeichnungen entsprechen der ovalen Saaldecke. 1784 legte Lipper Fürstbischof Maximilian Friedrich diese Entwürfe vor, nachdem bereits 1782 ein Maler Hickel eine Skizze vorgelegt hatte, die aber keinen Anklang gefunden hatte. Auch Stratmanns Entwürfe wurden ohne Angabe von Gründen abgelehnt und die Schaffung der Deckenmalerei vorerst zurückgestellt. Nach dem Tod des Maximilian Friedrichs 1785 unterblieb dann die Ausführung eines Gemäldes. Ausgeführt wurden von Stratmann aber sechs Ganzfigurporträts münsterscher Fürstbischöfe seit 1650, die in Stuckrahmen in die Wand eingelassen waren.[16] Sie wurden im zweiten Weltkrieg vernichtet.
Entwurf 1 – Die Apotheose des Kaisers Titus
Die erste Zeichnung[17] zeigt die Apotheose des Kaisers Titus. Es ist beschriftet mit „Erster entwurff“. Auf verschiedenen Wolkenbänken haben sich zahlreiche Götter in mehreren Gruppen niedergelassen. Die Anordnung erfolgt ungefähr kreisförmig um eine Mittelgruppe herum. Dabei sind die Gruppen in abnehmender Größe tiefengestaffelt und werden entsprechend der Luftperspektive nach hinten immer heller.
Im Zentrum ist Saturn zu sehen, der Kaiser Titus in den Himmel emporträgt. Die versammelten Götter sehen dem Schauspiel zu. Mars und Minerva sind dabei, die Arme des Titus zu ergreifen und ihm emporzuhelfen. Merkur eilt in den Hintergrund zu Jupiter und Juno (mit Adler und Pfau), um ihnen die Apotheose des Titus zu melden. Der Tisch für das folgende Göttermal steht rechts der beiden bereit, ist bereits mit einer Decke belegt und wird gerade eingedeckt. Die übrigen Götter sind meist über Attribute kenntlich gemacht: Zu Vulkan gehört ein Amboss, zu Apoll die Lyra, zu Neptun der Dreizack, Herkules identifiziert man anhand seiner Keule, Pan anhand seiner Hörner und Bocksbeine. Die ganze Szenerie ist vor einen Ausschnitt des Zodiakus mit Löwe, Jungfrau und Waage gestellt.
Entwurf 2 – Die Apotheose des Romulus
Die zweite Zeichnung[18] ist mit „2ter entwurff“ beschriftet. Das Personal ist deutlich reduziert. Über eine Wolkenbank im Bildvordergrund erblickt man in der Mitte ein Stück des Zodiakus. Auch hier sind Löwe, Jungfrau und Waage zu sehen. Die Götter sind in einem Kreis um diese Mitte angeordnet. Die Hauptgruppe befindet sich rechts der Mitte: Vor Jupiter und Juno kniet Romulus, der gerade von ihnen gekrönt wird. Saturn hat sich erschöpft in seinem Rücken niedergelassen. Merkur eilt nach links, um den dort niedergelassenen Göttern die Apotheose des Romulus zu vermelden. Zu diesen gehören u.a. Mars, Minerva und Neptun. Im Vordergrund auf der Wolkenbank ist Herkules mit seiner Keule klar zu identifizieren. Er wird von anderen Gottheiten begleitet. Im Bildhintergrund sind schemenhaft weitere Gruppen auszumachen.
Schriftquelle
Beide Zeichnungen sind archivalisch als Entwürfe Stratmanns für die Decke des Hauptsaals belegt. Lipper hatte den Entwürfen ein Schreiben beigegeben, das von ihm selbst und von Clemens August Heinrich von Korff gen. Schmising als Mitglieder der Baukommission unterzeichnet wurde.[19]
„Hochwürdigster Churfürst Gnadigster Furst und Herr
Ew. Churficrstlicben Gnaden, legen wir die von dem mahleren Strotman erhaltene Zeichnung des im Salon zu mahlenden plafond; sowohl die ersten entwurf! als auch abgeänderte Gedanke unterthänigst zur ggsten Wahl zu Füßen. so wie die erste entwurff die Vergöterung des Keysers Titus vorstellend mit Figuren überladen scheint, eben so leer fält die zweyte Vorstellung, die Vergötterung Romulus, in die Augen. Wan man sich vorstellet das die figuren im Hintergrund des ersten Entwurffs sehr schwach in der Ferne gehalten werden, so werden nur die Figuren im Vordergrund merckbahr sein, und da diese in beyden entwürffen gleiche Viehl angebracht; so scheint die erste Zeichnung so wohl im gruppiren als auch in der composition den Vorzug zu behalten. Der Mahler macht auch kein Unterschied im Preiß, und beharret auf seine erste Forderung von 2000 rt, welcher entwurff auch zu mahlen seye. Allen vermuhten nach wird der Mahler auf seine Forderung, wie die vorige Jahren geschehen, beharren. Damit aber der preiß des plafonds nicht zu hoch kombt, so haben Ew Churfürstliche Gnaden wir gehorsambst unmaasgeblich vorstellen sollen ob nicht ggst gefallen mogte, weilen ausser den plafond vier große basreliefs zwey Mittelere gattung, sieben in ordinaire grösse, über denen thüren, noch vier im Speißsaal und zwey Köpff im assemblee Saal, in allen neunzehn stück, diese sambtliche basreliefs in den preiß des plafonds mit ein zu accordieren, wozu vielleicht der Mahler sich ehender entschließen wird, als von seiner Forderung abzugehen oder mit ein Zusatz zufrieden sein wird ...
Clemens August von Schmising
Wilhelm Ferdinand Lipper“[20]
Zusammenfassung
Der Kritik von Korf und Lipper kann man sich nur anschließen: Der erster Entwurf ist zwar ausgewogener als der zweite, aber doch recht überladen, wohingegen beim zweiten zu viel Raum bleibt und vor allem die leere Mitte irritiert.
Inhaltlich setzte die Apotheose das Bildprogramm des Treppenhauses fort. Nach dem wohlgeordneten Land ging es nun um die Herrscher, die an den Wänden gezeigt und an der Decke eine Apotheose erfuhren. Titus und Romulus wurden dabei offenbar als besonders vorbildliche historische Regenten angesehen.
Bibliographie
- Literatur:
- Bußmann, Lipper, 1972. – Bußmann, Klaus: Wilhelm Ferdinand Lipper. Ein Beitrag zur Geschichte des Frühklassizismus in Münster (Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 18. Sonderheft). Münster 1972.
- Dethlefs, Residenzschloss, 2020. – Dethlefs, Gerd: Das münsterische Residenzschloss und die Politik 1688-1801. In: Archiv für Kulturgeschichte 102 (2/2020), S. 273–300.
- Deutsch, Kabinett, 2020. – Deutsch, Kristina: Vom Luxus der Privatheit. Das gelbe Kabinett und die fürstbischöflichen Appartements im Münsteraner Schloss. In: Archiv für Kulturgeschichte 102 (2/2020), S. 301–322.
- Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun. 1695–1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart 1995.
- Strohmann, Stratmann, 1997. – Strohmann, Dirk: Anton Joseph Stratmann (1734–1807). Leben und Werk des Malers aus dem Paderborner Hochstift. Mit Werkkatalog von Johann Heinrich Startmann und Anton Ferdinand Stratmann (Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte, 33). Paderborn 1997.
Einzelnachweise
- ↑ Dethlefs, Residenzschloss, 2020; Deutsch, Kabinett, 2020; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 690–827.
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995.
- ↑ Bußmann, Lipper, 1972.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997.
- ↑ 5,0 5,1 Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 711–715.
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 710–711.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 110–111.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 110, 117-118: Kat. Nr. F 1–3.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 117–118, Kat. Nr. F 1: Zeichnung. Blattgröße 41 × 55.5 cm. Schwarze Tusche, schwarz laviert auf Papier. In der Mitte ein hochklappbares Deckblatt mit Variante. Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte. Inv Nr. KdZ 4116 LM.
- ↑ Zitat nach Strohmann, Stratman, 1997, S. 117.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 117–118, Kat F 2: Zeichnung. Blattgröße 38,5 × 54.5 cm. Schwarze Tusche, schwarz laviert auf Papier. Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte. Inv Nr.: KdZ 4119 LM.
- ↑ Zitiert nach Strohmann, Stratman, 1997, S. 117–118.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 118, Kat F 3: Zeichnung. Blattgröße 25,5 × 55,5 cm. Schwarze Tusche, schwarz laviert, auf Papier, teilweise sichtbare Bleistiftvorzeichnung. Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte. Inv.-Nr. KdZ 4115 LM.
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 715–716.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 111, 119–121.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 112–114, Kat. Nr. D 29–34.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 119, Kat. Nr. F 4: Zeichnung. Blattgröße 37 × 62,2 cm. Braune und schwarze Tusche, braun und schwarz lavier, auf Papier. Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte. Inv.-Nr. KdZ 4118 LM.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 119, Kat. Nr. F 5: Zeichnung. Blattgröße 34,5 × 51 cm. Schwarze Tusche, schwarz laviert, auf Papier. Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte. Inv.-Nr. KdZ 4117 LM.
- ↑ Strohmann, Stratman, 1997, S. 120.
- ↑ Zitiert nach: Strohmann, Stratman, 1997, S. 120.