Münster, ehem Merveldter Hof

Laß, Heiko:Münster, ehem. Merveldter Hof, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/45c66c77-ac22-4f77-957d-172910f08133

Inventarnummer: cbdd20265

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Der Merveldter Hof von 1700/02 verfügte bis zu seiner Zerstörung über drei Räume mit Deckenmalerei. Im Saal war der Sturz des Phaeton dargestellt, in einem Nebenraum erblickte man Mars und Venus; in einer Hauskapelle schließlich die Personifikation der Göttliche Vorsehung.

Der ehem. Merveldter Hof ist noch in Bearbeitung

Kurzbeschreibung und Lage

Der Merveldter Hof [1] stand im Süden der Altstadt von Münster an der Ostseite der Ludgeristraße.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Der Adelshof entstand zwischen 1700 und 1702 im Auftrag des Reichsgrafen Dietrich Burckhard von Merveldt, nachdem die Familie den Grund bereits im 16. und 17. Jahrhundert erworben hatte. Das Palais wird Gottfried Laurenz Pictorius zugeschrieben. Zwischen 1893 und 1895 erfolgten Umbauten, bei denen der Mittelrisalit umgestaltet und die Seitenflügel aufgestockt wurden. Im Zweiten Weltkrieg ist der Merveldter Hof komplett zerstört worden.[2]

Beschreibung

Das Palais war ein dreiflügeliger Bau mit Hofabschluss in der Art französischer Hôtelbauten. Das Backsteingebäude auf Werksteinsockel besaß Mansardwalmdächer. Der Hauptflügel umfasste 13 Achsen in der Breite, von denen die sieben mittleren frei zum Hof standen, während sich vor den drei äußeren Achsen jeweils ein Seitenflügel anschloss. Die mittleren drei Achsen waren zu einem Mittelrisalit von Werkstein zusammengefasst. Die Gartenseite verfügte ebenfalls über einen dreiachsigen Mittelrisalit; anstelle der dreiachsigen Seitenflügel befanden sich dort jedoch zweiachsige Pavillons von einer Achse Tiefe. An jeder Seite erschloss eine zweiflügelige Treppe eine zentral gelegene Eingangstür. Die Repräsentationsräume befanden sich im Erdgeschoss. Die dreiachsige Mitte nahm ein großes Treppenhausvestibül und einen Saal ein. Zu beiden Seiten erstreckten sich zudem Appartements doubles.[3]

Der ehem. Saal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Saal wurde zwischen 1700 und 1702 vermutlich nach Plänen von Gottfried Laurenz Pictorius für Reichsgraf Dietrich Burckhard von Merveldt geschaffen. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zerstört.[4]

Beschreibung

Der Saal lag im Erdgeschoss hinter dem Mittelrisalit an der Gartenseite und war bei einer Grundfläche von 11,4 auf 7,05 Metern 5,20 Meter hoch. Der Eingangstür an der Westseite standen im Osten zwei Fenster und eine zentrale Fenstertür gegenüber. An der Südwand befand sich mittig ein Kamin mit Kaminbild. Die Wände zierten Brüsseler Tapisserien und Supraportengemälde.[5]

Die ehem. Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die in die Decke eingelassene Malerei wurde vermutlich zeitgleich mit dem Raum oder kurz danach vollendet; sie ist zerstört.

Beschreibung und Ikonographie

Die spiegelsymmetrisch gestaltete Stuckdecke des Saals nahm vier Gemälde auf, die jedoch weder fotografisch dokumentiert noch beschrieben worden sind. Jede Deckenhälfte im Norden und Süden enthielt ein großes achteckiges Gemälde: Ihr gemeinsames Thema war der Sturz des Phaeton. An den Seiten befanden sich zwei Dreipässe mit Malerei, deren Thematik unbekannt ist.[6]

Das ehem. Zimmer an der Nordostecke

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Zimmer wurde zwischen 1700 und 1702 vermutlich nach Plänen von Gottfried Laurenz Pictorius für Reichsgraf Dietrich Burckhard von Merveldt geschaffen. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört.[4]

Beschreibung

Der Raum befand sich am nördlichen Ende der Enfilade an der Gartenseite und wurde von Süden aus betreten. Nach Osten schlossen sich in einem Pavillon zwei Kabinette an; im Süden folgte ein weiterer Raum. Zwei Fenster an der Nordseite spendeten Licht.[7]

Die ehem. Decke im Zimmer an der Nordostecke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die in die Decke eingelassene Malerei wurde vermutlich zeitgleich mit dem Raum oder kurz danach vollendet. Sie ist zerstört.

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Deckenmalerei wird 1935 von Max Geisberg erwähnt. Er schreibt: „Das Zimmer in der Nordostecke hat als Deckengemälde eine großfigurige Darstellung von Venus und Mars.“[8] Fotografien der Malerei sind unbekannt.

Die ehem. Hauskapelle

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Kapelle wurde zwischen 1700 und 1702 vermutlich nach Plänen von Gottfried Laurenz Pictorius für Reichsgraf Dietrich Burckhard von Merveldt geschaffen. Sie ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.[4]

Beschreibung

Die Kapelle befand sich im „kurzen Flügel an der Nordwestecke des Corps de logis“. Sie wurde von Osten betreten und besaß ein Fenster zum Hof im Süden.[8]

Die ehem. Deckenmalerei der Hauskapelle

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die in die Decke eingelassene Malerei wurde vermutlich zeitgleich mit dem Raum oder kurz danach vollendet. Sie ist zerstört.

Beschreibung und Ikonographie

Max Geisberg schreibt zu dem nicht bildlich überlieferten Deckenbild 1935: „Das Ölgemälde in der Decke zeigt die Providentia Divina auf Wolken thronend, das Szepter in der Hand haltend.“[8]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Geisberg, Münster 4, 1935. – Geisberg, Max (bearb.): Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen 41. Die Stadt Münster. Teil 4. Die profanen Bauwerke seit dem Jahre 1701. Münster 1935.
  • Hoecken, Innenräume, 1940. – Hoecken, Karl: Innenräume barocker Adelsbauten in Münster und im Münsterland. Ihre Gestalt und plastische Ausstattung. in: Westfälische Forschungen. Mitteilungen des Provinzialinstituts für westfälische Landes- und Volkskunde, 3. Münster 1940, S. 99-134.
  • Krause, Wohnhöfe, 2018. – Krause, Katharina: Sichtbar und sicher: Wohnhöfe des Adels in Münster in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Politiken der Sicherheit, 4). Baden-Baden 2018.
  • Müller, Adelshöfe, 1921. – Müller, Eugen: Die Adelshöfe der Stadt Münster i.W. Nebst einem Anhange: Die Münsterschen Adelsgesellschaften. Münster 1921.
  • Niemer, Pictorius, 2002. – Niemer, Jörg: Gottfried Laurenz Pictorius. Diss. Münster 2002. http://repositorium.uni-muenster.de/document/miami/922c6b89-9a77-4760-b90f-99cf90bdcd29/diss_niemer_.pdf3.

Einzelnachweise

  1. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 101-103; Niemer, Pictorius, 2002, S. 101-104; Hoecken, Innenräume, 1940, S. 126-128; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 3-16; Müller, Adelshöfe, 1921, S. 148-150.
  2. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 101-102; Niemer, Pictorius, 2002, S. 101, 104; Hoecken, Innenräume, 1940, S. 126; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 3-6; Müller, Adelshöfe, 1921, S. 148-150.
  3. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 101-103; Hoecken, Innenräume, 1940, S. 126; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 3, 8-14.
  4. 4,0 4,1 4,2 Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 101-102; Niemer, Pictorius, 2002, S. 101, 104; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 3-6.
  5. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 102; Hoecken, Innenräume, 1940, S. 128; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 9, 12.
  6. Hoecken, Innenräume, 1940, S. 127; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 9.
  7. Geisberg, Münster 4, 1935, S. 12, Tafel XVIII.
  8. 8,0 8,1 8,2 Geisberg, Münster 4, 1935. S. 12.