Münster, ehem Beverfoerder Hof

Laß, Heiko:Münster, ehem. Beverfoerder Hof, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/a79749e7-487e-48ed-8209-46899593e1de

Inventarnummer: cbdd20266

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Im 1943 zerstörten Palais von 1703 gab es nachweislich vier Räume mit Deckenmalerei. Im Hauptsaal erblickte man eine Göttergesellschaft, in einem Vorzimmer eine Fama, in einem Kabinett eine Diana und in einer Galerie eine Allegorie des Herbstes sowie eine weitere über die Vergänglichkeit der Jugend.

Der ehem. Beverfoerder Hof

 

Kurzbeschreibung und Lage

Der Beverfoerder Hof [1] stand im Süden der Altstadt von Münster an der Westseite der Königsstraße.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Der Beverfoerder Hof wurde zwischen 1699 und 1703 – auf zusammengekauften Parzellen nach Abriss der alten Architektur – für Bernhard Engelbert Christian von Beverförde-Werries und seine Frau Elisabeth Anna Theodora von Neuhoff durch Gottfried Laurenz Pictorius errichtet. Der Bau ist 1943 weitgehend zerstört worden. Nur der wiederhergestellte nördliche Seitenflügel erinnert heute noch an das verlorene Palais.[2]

Beschreibung

Die Dreiflügelanlage hatte die Gestalt eines französischen Palais mit Ehrenhof, der zur Straße hin abgeschlossen war. Über einem niedrigen Erdgeschoss von Naturstein, das als Sockel gestaltet war, erhoben sich zwei Vollgeschosse aus Backstein. Die Seitenflügel hatten nur ein Obergeschoss. Sie waren wie der Hauptflügel mit Mansardwalmdächern gedeckt. Die dekorativen Elemente wie Pilaster oder Gewände bestanden aus Naturstein. Der Hauptflügel war elf Achsen breit. Vor die beiden äußeren Achsen waren die Seitenflügel gestellt; die mittleren drei waren zu einem schwach vortretenden Mittelrisalit mit jonischen Kolossalpilastern, die einen Dreiecksgiebel trugen, zusammengefasst. Die Gartenseite gliederten ebenfalls jonische Kolossalpilaster – ein Giebel fehlte hier jedoch. Von einer zentralen Durchfahrt ging rechts ein Treppenhaus ab, über das man in das Hauptgeschoss gelangte. Über eine zentrale Diele erreichte man den großen zum Garten hin gelegenen Hauptsaal. An diesen schlossen sich in Enfilade beiderseits je zwei Räume an, die zu Appartements mit Vorzimmer, Zimmer und Kabinett gehörten. Rechts befand sich ein Gastappartement, dessen erster Raum im 20. Jahrhundert als Vorsaal bezeichnet wurde. Das Obergeschoss des rechten Seitenflügels nahm vollständig eine Galerie ein.[3]

Der ehem. Saal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Saal wurde 1699-1703 für Bernhard Engelbert Christian von Beverförde-Werries durch Gottfried Laurenz Pictorius errichtet und 1943 zerstört.

Beschreibung

Der Saal befand sich in der Mitte des Obergeschosses hinter dem Risalit zur Gartenseite und maß 8,60 auf 6,50 Meter bei weit über 4 Metern Höhe. Er wurde von Osten betreten. An der Westseite gewährten drei Fenster den Blick in den Garten. An der Nordwand stand ein zentraler Kamin; die Wände gliederten jonische Pilaster auf Lambris.[4]

Die ehem. Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei dürfte zusammen mit dem Raum oder kurz darauf vollendet worden sein. Sie ist 1943 zerstört worden.

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei ist fotografisch nicht dokumentiert. Die Ölbilder befanden sich in einer plastischen Stuckdecke mit einem großen querovalen Mittelfeld und vier kleineren Feldern in den Ecken. Max Geisberg schreibt 1934: „das große, den antiken Götterhimmel darstellende Oval und die vier Eckkreise mit den bekannten Purzelbaumschlägern des Goltzius ebenso schlecht erhalten wie restauriert“.[5]

Der ehem. sog. Vorsaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der so genannte Vorsaal wurde 1699-1703 für Bernhard Engelbert Christian von Beverförde-Werries durch Gottfried Laurenz Pictorius errichtet und 1943 zerstört.

Beschreibung

Der Raum war das erste Zimmer des Gastappartements und wurde vom Saal in Süden betreten. Nach Norden schlossen sich ein Kabinett in Enfilade sowie ein Nebenraum an. Ein weiterer Raum befand sich im Osten, der den Zugang in die Galerie ermöglichte. Die Südwand zierte ein zentraler Kamin. Nach Westen öffneten drei Fenster den Blick in den Garten.[6]

Die ehem. Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei dürfte zusammen mit dem Raum oder kurz darauf vollendet worden sein. Sie ist 1943 zerstört worden.

Beschreibung und Ikonographie

Die Stuckdecke war spiegelsymmetrisch gestaltet und nahm zwei querovale Felder mit Malerei auf. Es gibt keine Fotografien, die die Deckenmalerei dokumentieren. Max Geisberg schreibt 1934: „Von den beiden schlecht erhaltenen Deckengemälden zeigt das südliche einen Genius mit Posaune und Kranz, das nördliche ein auf Wolken sitzendes Weib mit einem Beutel in der Rechten; zwei Putten bringen ihr Schmuckstücke und eine Krone.“[7] Beim Genius mit Posaune und Kranz könnte es sich um Fama gehandelt haben; die Frau lässt sich anhand der rudimentären Beschreibung nicht bestimmen.

Das ehem. Kabinett

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Kabinett wurde 1699-1703 für Bernhard Engelbert Christian von Beverförde-Werries durch Gottfried Laurenz Pictorius errichtet und 1943 zerstört.

Beschreibung

Das Kabinett befand sich an der Nordwestecke des Palais mit einem Fenster nach Norden und einem nach Westen. Es wurde von Süden aus dem so genannten Vorsaal betreten.[8]

Das ehem. Deckengemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei dürfte zusammen mit dem Raum oder kurz darauf vollendet worden sein. Sie ist 1943 zerstört worden.

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei ist fotografisch nicht dokumentieren. Max Geisberg schreibt 1934 von einem guterhaltenen Ölgemälde, das eine „leichtbekleidete, auf Wolken sitzende Diana mit ihrem Hund“ darstellen würde.[7]

Die ehem. Galerie

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Galerie wurde 1699-1703 für Bernhard Engelbert Christian von Beverförde-Werries durch Gottfried Laurenz Pictorius errichtet und 1943 zerstört. Bereits im 19. Jahrhundert waren nacheinander das östliche und das westliche Viertel durch je eine Wand abgetrennt und teilweise auch der Stuck entfernt worden.

Beschreibung

Die Galerie nahm das gesamte Obergeschoss des nördlichen Seitenflügels ein. Sie maß ursprünglich 19,80 auf 5,65 Meter.

Sie wurde durch eine zentrale Tür im Westen betreten und hatte sieben Fenster zum Hof im Süden, eines im Osten zur Straße und zwei zum Nachbargrundstück im Norden. Die Wände nahmen Nischen auf, die möglicherweise für Gemälde oder Skulpturen bestimmt waren; die ursprüngliche Ausstattung des Raumes ist jedoch unbekannt.[9]

Die ehem. Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei dürfte zusammen mit dem Raum oder kurz darauf vollendet worden sein. Sie ist 1943 zerstört worden. Es gibt keine Fotografien, die sie dokumentieren.

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke war in drei Abschnitte untergliedert: ein erstes Viertel mit einem zentralen achteckigen Deckenfeld, einen mittleren Abschnitt mit einem langgezogenen achteckigen Deckenfeld und ein letztes Viertel, das formal dem ersten entsprach. Die drei Abschnitte wurden „durch Querbänder getrennt, in denen je ein plastisch gearbeiteter, doppelköpfiger Adler, der als Kronleuchterhalter dient[e], zu schweben“ schien. „Im westlichen Achteck [war] ein Deckengemälde, in dem Bacchus mit einer Traube und neben zahlreichen Putten die Figur des Winters, der seine Hände wärmt, dargestellt [war]. In dem großen Mittelfelde Chronos, der ein Mädchen, die Jugend, raubt. Links ein Putte mit einer Schriftplatte: Tempus et Iuventus [Vergänglichkeit der Jugend]. Unten auf einer Wolke ein reichgekleideter Feldherr, der nach oben weist; neben ihm weitere Figuren und Putten, die Seifenblasen aufsteigen lassen.“[7] Es war demnach zum einen eine Allegorie des Herbstes und zum anderen eine Darstellung der Vergänglichkeit der Jugend. Die Malerei im östlichen Viertel des Saals ist unbekannt. Denkbar wäre – rein spekulativ – eine Flora-Darstellung als Gegenstück zu Bacchus.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Hoecken, Innenräume, 1940. – Hoecken, Karl: Innenräume barocker Adelsbauten in Münster und im Münsterland. Ihre Gestalt und plastische Ausstattung. in: Westfälische Forschungen. Mitteilungen des Provinzialinstituts für westfälische Landes- und Volkskunde. 3. Münster 1940. S. 99-134.
  • Geisberg, Münster 4, 1935. – Geisberg, Max (bearb.): Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen 41. Die Stadt Münster. Teil 4. Die profanen Bauwerke seit dem Jahre 1701. Münster 1935.
  • Krause, Wohnhöfe, 2018. – Krause, Katharina: Sichtbar und sicher: Wohnhöfe des Adels in Münster in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Politiken der Sicherheit, 4). Baden-Baden 2018.
  • Müller, Adelshöfe, 1921. – Müller, Eugen: Die Adelshöfe der Stadt Münster i.W. Nebst einem Anhange: Die Münsterschen Adelsgesellschaften. Münster 1921.
  • Niemer, Pictorius, 2002. – Niemer, Jörg: Gottfried Laurenz Pictorius. Diss. Münster 2002. http://repositorium.uni-muenster.de/document/miami/922c6b89-9a77-4760-b90f-99cf90bdcd29/diss_niemer_.pdf3.

Einzelnachweise

  1. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 93-97; Niemer, Pictorius, 2002, S. 94-100; Hoecken, Innenräume, 1940, S. 118-123; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 376-391; Müller, Adelshöfe, 1921, S. 141-147.
  2. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 93-94; Niemer, Pictorius, 2002, S. 94; Hoecken, Innenräume, 1940, S. 118; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 376-382.
  3. Krause, Wohnhöfe, 2018, S. 94-95; Niemer, Pictorius, 2002, S. 95-98; Hoecken, Innenräume, 1940, S. 118-122; Geisberg, Münster 3, 1934, S. 382-388.
  4. Hoecken, Innenräume, 1940, S. 118, 121-122; Geisberg, Münster 3, 1934, S. 387-390.
  5. Geisberg, Münster 3, 1934, S. 388.
  6. Hoecken, Innenräume, 1940, S. 118, 122; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 390.
  7. 7,0 7,1 7,2 Geisberg, Münster 4, 1935, S. 390.
  8. Hoecken, Innenräume, 1940, S. 122-123; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 390.
  9. Niemer, Pictorius, 2002, S. 99-100; Hoecken, Innenräume, 1940, S. 123; Geisberg, Münster 4, 1935, S. 390-391.