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Leipzig, Auerbachs Hof

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Leipzig, Auerbachs Hof, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/6d9fe2ce-897c-4c00-9f8e-8ef8831b1ace

Inventarnummer: cbdd20102

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Auerbachs Hof, der durch Goethes Faust I legendär wurde, wurde 1530 bis 1538 errichtet und war einer der größten und bedeutendsten Handelshöfe Leipzigs. In seinem Inneren befand sich auch eine prachtvolle Stuckdecke aus der ersten Hälfte des 18. Jhds. mit einem Gemälde nach dem Vorbild Guido Renis.

Auerbachs Hof

Baugeschichte / Beschreibung

Der aufgrund seiner mehretagigen Kellerräume und der Erwähnung in Goethes Faust I legendär gewordene Auerbachs Hof war einer der größten und bedeutendsten Handelshöfe Leipzigs gewesen. Unter Einbeziehung mehrerer Hinterhäuser war der große, mit zahlreichen Messegewölben, Zimmern und Gelassen ausgestattete Gebäudekomplex in den Jahren 1530–38 für den Mediziner Heinrich Stromer errichtet worden. Im Jahre 1912 brach man Auerbachs Hof den Neubau der bis 1914 errichteten Mädlerpassage ab, integrierte und erweiterte dabei aber die historischen Kellergewölbe.

Historische Stiche zeigen eine der beiden Straßenfronten als dreigeschossigen, elfachsigen, weitgehend schmucklosen Bau, dessen unregelmäßig angeordnete Fenster mit Butzenscheiben versehen waren. Durch mehrere große Öffnungen wurde ein Teil der Kellerräume beleuchtet. Drei zweigeschossige, reichgeschmückte Volutengiebel schmückten ferner das hohe Satteldach.[1]

Ein Festsaal im ersten Obergeschoss

Bauwerksabschnitt

Wohl in einem Festsaal im ersten Obergeschoss des historischen Auerbachs Hof befand sich eine prachtvolle Stuckdecke, die mit einem um 1720–30 entstandenen, mehrteiligen Deckengemälde des Gothaer Hofmalers Johann Heinrich Ritter (1685/1690–1751) ausgestattet war. Nachdem diese während der Vorarbeiten zum Neubau im Jahre 1912 unter einer eingezogenen Zwischendecke wiederentdeckt worden war, konnte man diese beim Abbruch des Gebäudes bergen. 1914 wurde sie in einem am Ausgang zum Neumarkt hin gelegenen Laden im Erdgeschoss der Mädlerpassage integriert. Dabei ergänzte man die durch die Verbauung verloren gegangenen Teile und restaurierte den Stuck.[2]

Der Gestalt des einstigen Innenraums folgend, weist die Decke ein insgesamt rechteckiges Format auf. In einem mehrfach konvex und konkav geschwungenen, sehr reich profilierten Rahmen befindet sich das große Mittelgemälde. Vier weitere malerische Darstellungen sind in kleinen runden Tondi jeweils in den Ecken und zwei weitere, etwas größer und dreipassförmig an den Längsseiten angeordnet. Eingebettet ist diese Struktur in einen übergeordneten Stuckdekor in Form eines reichen Bandelwerkdekors aus zierlichen Ranken, Ästen, Voluten und Lattenwerk.

Das zentrale Deckengemälde

Das zentrale Gemälde zeigt eine Szene aus der griechisch-römischen Mythologie, die Aurora, den Aufgang der Morgenröte, nach einer Vorlage von Guido Reni im Casino Pallavicini Rospigliosi. Auf einem Wagen mit einem Greifenthron steht, umgeben von strahlendem Licht, mit langem, wehendem Haar und kaum bekleidet, der jugendliche Gott Apoll. Die Zügel in seiner Linken haltend, lenkt er die drei Rosse rechts von ihm. Davor und dahinter wird er von insgesamt 19, in reich bewegten Gewändern gehüllten Frauengestalten begleitet. Indem eine von ihnen mit einem geflügelten Stundenglas in der Hand die Zeit darstellt ist, handelt sich bei den übrigen wohl um die Horen, die Stunden. Des Weiteren schweben jeweils zwei geflügelte Putten hinter dem Gott in der Luft, zwei weitere unterstützen ihn vorne bei der Führung der Pferde. Dort ist vor der Translozierung der ursprüngliche Bildbereich nicht mehr erhalten gewesen. Ob sich an dieser Stelle einst die Blüten streuende Aurora sowie der Morgenstern befanden, kann nicht mehr festgestellt werden.[3]

Die Vier Tondi

Die an den vier Ecken zu sehenden Puttendarstellungen, die mit einem Blumenkorb, Ähren, Trauben und einer Feuerschale ausgestattet sind, symbolisieren ferner wohl die Vier Jahreszeiten.

Die beiden größeren Bilder an den Längsseiten

In den beiden Bildern in den Dreipassformen sind die Vier Elemente jeweils zu Paaren angeordnet: Im oberen Bild steht der Putto mit dem Vogel für die Luft, der hintere mit dem Blitz für das Feuer. Im unteren Bild steht die Flüssigkeit ausgießende Amphore des Puttos für das Wasser, die zinnenbekrönte Stadt darüber hingegen für die Erde.

Bibliographie

  • Gurlitt, Cornelius: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 18, Stadt Leipzig, Dresden 1896, S.495f.
  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen: Ausführliches Denkmalverzeichnis, Leipzig, Stadt (Stand 27.02.2023).

Einzelnachweise

  1. Gurlitt, Stadt Leipzig, 1896, S.451f.
  2. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen: Ausführliches Denkmalverzeichnis, Leipzig, Stadt (Stand 27.02.2023). Für den Hinweis auf das Denkmalverzeichnis danke ich sehr herzlich Herrn Dr. Thomas Trajkovits, Leipzig.
  3. Für Hinweise zur ikonographischen Thematik danke ich sehr herzlich Herrn PD Dr. Matteo Burioni, München.