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Lauchheim, Pfarrhaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Seeger, Ulrike:Lauchheim, Pfarrhaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/b159403a-36fb-4e27-acbd-eb4553a94299

Inventarnummer: cbdd20113

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im 1728 erbauten Pfarrhaus verfügte der Landkomtur der Ballei Franken, Karl Heinrich Freiherr von Hornstein, 1730 ein Deckengemälde mit den Ordensheiligen Maria, Georg und Elisabeth. Sein Wappen im Zentrum stützt sich auf die seines Statthalters, seines Ratsgebieters und des Komturs zu Kapfenburg.

Das Pfarrhaus Lauchheim

Lauchheim, Pfarrhaus

Geschichte der Pfarrei

Lauchheim wurde urkundlich erstmals 1248 erwähnt. [1] 1363 kam die Pfarrei als Geschenk des Ritters Konrad von Gromberg (Gruenberg) an den Deutschen Orden. [2] Speziell benannt wurde damals der Mergentheimer Komtur Marquard Zöllner von Rottenstein, der wenig später der erste Komtur der neu eingerichteten Kommende Kapfenburg wurde. [3] Dennoch blieb die Lauchheimer Pfründe bei der Mergentheimer Kommende, die sie erst 1538 der Kapfenburg übertrug. [4]

Die Schenkung des Ritters Konrad von Gromberg geschah mit Einwilligung des Bischofs Marquard von Augsburg, Konrads Gemahlin Anne und seines Sohnes Georg. Begründet wurde sie mit seiner Familie für das Seelenheil und aus Hochachtung für die kriegerischen und friedlichen Leistungen des Deutschen Ordens.[5]

Entstehungszeit, Baugeschichte und möglicher Architekt des heutigen Pfarrhauses

Das Pfarrhaus der Renaissance wurde um 1605/06 von Komtur Johann Eustach von Westernach (1545–1627) erbaut. [6] Im Jahr 1621 wurde es abgebrochen und neu errichtet. [7] Nachdem dieses in seiner Gestalt nicht überlieferte Gebäude im Dreißigjährigen Krieg beim Stadtbrand von 1645 beschädigt worden war, richtete man es nur provisorisch wieder her. [8]

Das heutige Pfarrhaus entstand im Jahr 1728 als Neubau anstelle des Vorgängerbaus. Dies geht aus dem Akkord mit dem Maurermeister Leonhard Selfinger aus Lauchheim hervor, der sich als Abschrift im Rechnungsbuch der Kommende Kapfenburg des Jahres 1728/1729 erhalten hat. [9] Das alte Pfarrhaus war komplett abzutragen, da sich das neue an der Stelle des alten erheben sollte. Die Jahreszahl 1728 als Abschluss findet sich eingemeißelt unter dem Giebel über dem Ovalfenster des Portals. Das Wappen des Auftraggebers Landkomtur Karl Heinrich von Hornstein wurde am 7. Dezember 1728 mit dem Steinhauer Sebastian Selfinger aus Lauchheim abgerechnet. [10] Selfinger, der zudem im Verlauf der Baustelle die Verdienstzettel der Steinfuhren geschrieben hatte, erhielt dafür 30 Gulden. [11]

Der entwerfende Architekt oder Baumeister ist nicht überliefert. Im weiter unten transkribierten Akkord heißt es lediglich, Maurer Leonhard Selfinger solle den neuen Bau „nach dem projectirten Riss“ errichten. Ob der approbierte Riss von Selfinger oder vom damaligen Architekten der Kapfenburg, Franz Keller, stammte, muss offenbleiben, doch spricht der im Folgenden geschilderte Vorgang für Leonhard Selfinger als Entwerfer der Pläne.

Nachdem das alte Pfarrhaus abgetragen war, erkannte man, dass für den Neubau mehr Platz zur Verfügung stand als zunächst gedacht. Um dem neuen Bau „keine Disformität zu geben“, beschloss man in situ auf der Baustelle, ihn um zweieinhalb Schuh länger und zwei Schuh breiter zu bauen als im Akkord festgelegt. [12] Die Entscheidung scheint allein von den Handwerkern, dem schon erwähnten Maurer Leonhard Selfinger und den Zimmerleuten Andreas Pfitzer aus Lauchheim und Michael Siller aus Westerhofen getroffen worden zu sein. In den Briefen, in denen sie ihre zusätzlich entstandenen Kosten bei der Kommende einforderten, erwähnen sie keinen Architekten als Gewährsmann. Auch der zuständige Bauaufseher oder Pallier Johann Michael Strecker nennt keinen Architekten. [13] Durch die Vergrößerung des Gebäudes erhöhten sich die Kosten der zunächst geplanten 615 Gulden für Selfinger um 28 Gulden und 49 Kreuzer. [14]

Transkription der überlieferten Akkorde mit Maurer und Zimmerleuten

Mit Maurermeister Leonhard Selfinger wurde folgender Akkord geschlossen [15]:

„Das Tach oder Platten von dem alten Pfarrhaus zu Lauchheim abzudeckhen, das gemäuer abzubrechen, den platz zu räumen, zu dem Neüen gemäuer die fundamenter zu graben, und nach dem projectirten Riss ein Neües haus 56 Schuhe lang und 40 Schuhe breith, zweÿ stockhwerkh hoch aufzumauern. Die 4 Eckh mit quatern zu versehen, alle fensterstöckh und äussere Thüren, auch VorCamin, ofenblatten, ofenfüß, Kellerststigen, Portal, und fatchaten [= Fassaden] von gehauenen Steinen zu verfertigen.

Einen Neüen Keller 36 Schuhe lang und 17 Schuhe breith auszugraben, und zu gewölben, alles in die Zigel zu mauern, das gebälckh [= hier: Trennwände aus Fachwerk] zu stickhen [mit Stickscheiten versehen] und zu schlieren [= mit Lehm ausfachen], die Gäng [im Keller] zu pflästeren, die Deckhen mit Ipß [= Gips] zu machen, in- und auswendig zu verbutzen, und zu weissen, alle zum mauern und hauen nötige Stein zu brechen, den Sand und Laimen zu graben, die Mördel rühren, Mördel- und Steinträger auch andere Taglöhner zu verschaffen, in Summa disen Pfarrhausbau von Maurer- und Steinhauers arbeith vollkommen auszumachen, dem Maurer Leonhard Selfinger zu Lauchheim accordirtermaßen bezahlt, vermög accord No. 187: 615 fl.“

Mit den Zimmerleuten Andreas Pfitzer aus Lauchheim und Michael Siller aus Westerhofen wurde folgendes vereinbart [16]:

„das holtzwerckh von ermeltem alten Pfarrhaus zu Lauchen [= Lauchheim] abzubrechen, einen neüen bau inwendig von Holtzwerckh auch neüen dachstuhl zu verfertigen. Ein höltzernes gesimbs umb solchen zu führen, die Tachladen gestell und getraÿd zuch, Stallung auch alls nöthige stigen von unden bis oben hinauf zu verfertigen, den dachstuhl latten und laisten, zweÿ böden zum getraÿd schütten mit brittern [= Brettern] zu legen, dem Maurer die nöthige Schrögen zu machen, die gerüststangen zu hauen und am Ende solchen bau von aller Zimmermansarbeith in Vollkommene stand zu stellen, dem Zimmerman Andreas Pfitzer zu Lauchheim, und Michael Siller zu Westhofen accordirtermaßen zalt, craft No. 189: 170 fl.“

Ursprüngliche Farbgebung

Aus dem Rechnungsbuch geht die ursprüngliche Farbgebung hervor. Für die Fassade benötigte man 10 Eimer rote und 4 Eimer gelbe Hausfarbe. [17] Das Deckengemälde sollte erst im Rechnungsjahr 1730/31 folgen, was im Kapitel zum Deckengemälde ausgeführt und durch Quellen belegt wird.

Auftraggeber Landkomtur von Hornstein

Auftraggeber des neuen Pfarrhauses war der Landkomtur der Ballei Franken Karl Heinrich von Hornstein. Sein Wappen prangt über dem Eingang. Fragen zu Baudetails, wie beispielsweise die Farbgebung der Türen im Inneren, wurden explizit an ihn gerichtet und von ihm beantwortet. Die zusätzlichen Gelder für die spontane Vergrößerung des Baus wurden auf seinen Befehl ausbezahlt. [18] Hingegen spielt der seit 1726 besoldete Pfarrer Johann Konrad Emmanuel Memwarth in den Archivalien zum Neubau keine aktive Rolle. [19] Er tritt erst im Zusammenhang mit dem noch zu besprechenden Deckengemälde in Erscheinung.

Die enge Bindung des Landkomturs der Ballei Franken an die Pfarrei Lauchheim ist darauf zurückzuführen, dass Hornstein von 1713 bis 1718 Komtur zu Kapfenburg war. Nachdem er am 15. Juni 1718 zum Landkomtur der Ballei Franken berufen worden war, resignierte er die Kommende Kapfenburg.

Beschreibung des Gebäudes

Bei dem neuen Pfarrhaus handelt es sich um ein zweigeschossiges rechteckiges Gebäude von sechs Achsen in der Tiefe und fünf Achsen in der Breite. Es ist gut möglich, dass das Gebäude ursprünglich quadratisch konzipiert war und die sechste Achse in der Tiefe erst nach Abtragung des Vorgängerbaus beschlossen wurde. Das Gebäude ist unterkellert und weist an seiner Rückseite wegen der Hanglage ein deutlich erhöhtes Kellergeschoss auf als an der Eingangsseite. Der Zugang zum Keller erfolgte von der Seite.

Das wichtigste Gliederungselement sind die steinernen Fensterrahmen, denen sich an der fünfachsigen Fassade im Erdgeschoss das Portal mit einem profilierten, großzügig geohrten Rechteckrahmen zugesellt. Über dem Portal erhebt sich ein geschweifter Segmentgiebel, der mit seitlichen Volutenspangen ein querovales, nahezu rundes Fenster einfasst. Der Giebel wird vom Wappen des Auftraggebers Landkomtur Karl Heinrich von Hornstein bekrönt.

Wie aus dem transkribierten Akkord hervorgeht, diente der Dachboden unter dem hohen Walmdach als mehrgeschossiger Getreidespeicher. Die Feldfrüchte wurden in der Achse des Eingangs über die dortige Gaube ins Innere befördert. Das von eingerollten Voluten flankierte Fenster wird von einem Rundgiebel bekrönt. Für die Lagerung von Heu stand die Scheune zur Verfügung, deren Torbogen die Jahreszahl 1727 trägt.

Das Innere des Pfarrhauses erschließt sich über einen langen Flur in der Achse des Eingangs. Rechter Hand öffnet sich noch vor der Mitte des Gebäudes das in späterer Zeit umgestaltete Treppenhaus. Im Erdgeschoss befand sich außer vermutlich der Küche die Wohnung der Kapläne. Der Pfarrer logierte im ersten Obergeschoss. Seine Stube mit dem Deckengemälde lag als Eckraum mit zwei seitlichen und drei frontalen Fenstern hinter der linken Fassadenhälfte.

[1] Kießling, Erstnennungsurkunde, 1998.

[2] Gerlach, Lauchheim, 1907, S. 25 und 238. Die zugehörige Urkunde: StAL B 330 U 51 (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2873355).

[3] Gerlach, Lauchheim, 1907, S. 25 und 238.

[4] Kießling, Erstnennungsurkunde, 1998, S. 6.

[5] Gerlach, Lauchheim, 1907, S. 25 und 238. Zu den Herren von Gromberg und ihren Besitzungen: Kießling, Gromberger, 1998.

[6] Kießling, Westernach, 2021, S. 40.

[7] Oberamt Ellwangen, 1886, S. 603; Gerlach, Lauchheim, 1907, S. 134.

[8] Gerlach, Lauchheim, 1907, S. 134. Zum Stadtbrand: Kießling, Lauchheim, 1998, S. 25.

[9] StAL B 232 Bd. 829 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1728/29), S. 160.

[10] StAL B 232 Bd. 829 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1728/29), S. 169.

[11] StAL B 232 Bd. 829 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1728/29), S. 169.

[12] StAL B 326 Bü 245 (Schreiben von Johann Michael Strecker an Komtur von Hornstein vom 5. Januar 1729).

[13] StAL B 326 Bü 245 (Schreiben von Johann Michael Strecker an Landkomtur von Hornstein vom 5. Januar 1729). Ebenso die beiliegenden Briefe von Leonhard Selfinger, Andreas Pfitzer und Michael Siller.

[14] StAL B 326 Bü 245 (Schreiben von Johann Michael Strecker an Komtur von Hornstein vom 5. Januar 1729). StAL B 232 Bd. 829 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1728/29), S. 161.

[15] StAL B 232 Bd. 829 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1728/29), S. 160.

[16] StAL B 232 Bd. 829 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1728/29), S. 161.

[17] StAL B 232 Bd. 829 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1728/29), S. 163.

[18] StAL B 232 Bd. 829 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1728/29), S. 161–162.

[19] Memwarth blieb bis 1736 in Lauchheim (Gerlach, Lauchheim, 1907, S. 242). Allerdings schied er nicht durch Tod aus, wie Gerlach vermutete, sondern wechselte innerhalb der Ballei Franken in die Pfarrei Rohrenfels der Kommende Blumenthal, wo 1758–1759 sein Nachlass aufgenommen wurde (Bayrisches Hauptstaatsarchiv, Deutscher Orden, Kommende Blumenthal Amtsbücher und Akten 201, GR Fasz. 521 Nr. 99i). Nachlass des Pfarrers von Rohrenfels Johann Konrad Emanuel Memwarth - Deutsche Digitale Bibliothek (deutsche-digitale-bibliothek.de)

Die Pfarrstube mit Deckengemälde im ersten Obergeschoss

Bei dem Raum mit dem Deckengemälde handelte es sich um die Stube des Pfarrers. Im Rechnungsjahr 1730/31 wurde sie durch einen Alkoven erweitert. [1] Vermutlich geschah die Erweiterung entlang der Fassade, da dort eine entsprechende Öffnung in moderner Form noch heute besteht.

Mit der Erweiterung wurde wiederum Maurer Leonhard Selfinger betraut. Er hatte unter anderem

„ein stück wandt in herrn Pfarrers zu Lauchen [= Lauchheim] Obern Stuben aufzubrechen, und einen alkoffen dahin zu richten, dessen Zigelwand aufzumauern und zu verbutzen, im ganzen Pfarrhoff die Riss ahn denen Wänden zu besseren und zu weissen, …“. [1]

Für die Stube, bei der es sich nach dem Umbau streng genommen um ein großes Schlafzimmer mit Alkoven handelte, wurde zur gleichen Zeit das Deckengemälde in Auftrag gegeben. Auftraggeber war Landkomtur Karl Heinrich von Hornstein. Ausgeführt wurde sein Ansinnen jedoch von Pfarrer Johann Konrad Emmanuel Memwarth, der das Geld auslegte und zurückerstattet bekam. Der Maler des Deckengemäldes, der 20 Gulden erhielt, wird im Rechnungsbuch leider nicht genannt. [2]

Der Betrachterstandpunkt des Gemäldes befindet sich mit dem Rücken zur zweiachsigen Außenwand. Es war also am besten zu sehen, wenn man frontal vor dem anzunehmenden Alkoven stand.

Maria, Georg und Elisabeth als Ordenspatrone des Deutschen Ordens

Auftragsvergabe

Da die Entscheidung für das Deckengemälde mit einem Umbau einherging, war die Ausgestaltung der Pfarrwohnung mit wandfester Malerei vermutlich nicht von Anfang an geplant. Die Initiative ging von dem ehrgeizigen Landkomtur der Ballei Franken Karl Heinrich von Hornstein aus. Im Rechnungsbuch heißt es dazu:

„20 fl. Seÿend Herrn Pfarrer Conrad Emmanuel Memwarth zu Lauchen [= Lauchheim], so er für sein in dasigen Pfarrhoffs oberen wohnzimmer in der deckhen gemahltes grosses oval bild, so die Muttergottes, und des hohen teütschen Ritterordens Patronen praesentiret, ausgelegt, aus Landcommenths gnädigsten befehl widerumb refundirt worden, den 14. Oktober 1730 (Beilage No. 204).“ [2]

Der Maler ist nicht überliefert. Die zugehörige Beilage No. 204 hat sich nicht erhalten. Bereits August Gerlach vermutete in seiner 1907 vorgelegten, nach den Quellen gearbeiteten Chronik der Stadt Lauchheim, dass es sich um den Maler Wolfgang Christian Freyhardt handeln müsse. [3] Wolfgang Christian Freyhardt (1680–1757) aus Dinkelsbühl war seit 1715 auf der Kapfenburg tätig. Winfrid Kießling hat eine Vita zu ihm zusammengetragen, aus der hervorgeht, dass sein Bruder Jakob Ferdinand Freyhard als Deutschordenspriester Pfarrer in Westhausen war. [4] Jakob Ferdinand taucht in der Besoldungsliste 1727/1728 als Pfarrer in Westhausen auf, [5] scheint das Amt jedoch schon im November 1726 bekleidet zu haben. [6] Wolfgang Christian soll bei ihm gewohnt haben.[7]

Beschreibung und Ikonographie

Das Deckengemälde mit Maria, dem heiligen Georg und der heiligen Elisabeth als den Ordenspatronen des Deutschen Ordens über dem Wappen des Landkomturs von Horneck und drei weiteren Wappen hat bislang noch kaum eine Würdigung, geschweige denn Analyse erfahren. Es ist nicht im Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler von Georg Dehio verzeichnet. Mitsamt seiner Ikonographie und der leider falschen Auflösung der dargestellten Wappen erwähnt es jedoch Gerlach 1907. [8]

Das hochovale, nahezu runde Deckengemälde zeichnet sich durch eine dichte, das Hochoval nachzeichnende Komposition aus, die zugleich eine horizontale Zweiteilung in eine himmlische Sphäre mit Maria, Georg und Elisabeth und einer Basis mit den vier Wappen umfasst. Als Zentrum des Gemäldes und Verbindung der beiden Sphären wirkt das Wappen des Landkomturs der Ballei Franken, Karl Heinrich Freiherr von Hornstein, mit seitlichen, das Wappen stützenden Löwen und weit ausladenden Kriegstrophäen.

Maria thront als Himmelskönigin mit dem Jesusknaben im Arm auf einer Wolke. Sie trägt eine rotsamtene Fürstenkrone mit Reichsapfel. Zu ihrer Rechten sitzt deutlich tiefer der Ordensheilige Georg in Rüstung mit Lanze und Märtyrerpalme. Zu ihrer linken erscheint die heilige Elisabeth mit Krone und Hermelinmantel, die als Zeichen ihrer Fürsorge einem Bettler Almosen reicht. Georg und Elisabeth schauen mit himmelndem Blick auf Mutter und Kind, während das Kind auf Georg blickt und Maria ihre Augen zum Himmel erhoben hat. Die Taube des Heiligen Geists schwebt über dem Christuskind.

Zu beiden Seiten der Gruppe bringen in der oberen, himmlischen Bildhälfte Putten zwei Hochmeisterwappen herbei. Heraldisch links von Maria steht das ursprüngliche Schwarze Kreuz des Deutschen Ordens. Heraldisch rechts erscheint das Hochmeisterwappen mit allen Ehrenzeichen, als da wären das schwarze Kreuz, das goldene Kreuz im schwarzen Kreuz, der Reichsadler im Herzschild und die französischen Lilien an den Armen des goldenen Kreuzes. [9]

Maria war erste und wichtigste Schutzpatronin der offiziell Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem benannten ritterlichen Gemeinschaft. Der heilige Georg steht für die kriegerische, die heilige Elisabeth für die fürsorgliche Seite des Ordens.

Auflösung der vier Wappen

Das zentrale Wappen des Landkomturs von Hornstein mit den gebogenen silbernen Hirschstangen wird von zwei Löwen und den erwähnten Waffentrophäen flankiert. Die Löwen stehen auf einem scheinarchitektonischen Giebel, an den drei weitere Wappen angeheftet sind. Direkt unter dem Wappen des Landkomturs der Ballei Franken hängt das seines Statthalters Franz Sigismund Friedrich Reichsgraf von Satzenhofen. Er folgte Hornstein 1744 im Amt des Komturs nach, urkundete jedoch noch am 2. März 1744 als Statthalter. [10] Das Stammwappen im Herzschild hat in Silber drei rote Balken. [11]

Heraldisch rechts darunter befindet sich das Wappen des späteren Komturs zu Kapfenburg Konrad Christoph Freiherr von Lehrbach. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Deckengemäldes war er Ratsgebietiger der Ballei Franken, was seinem Wappen den herausgehobenen Platz heraldisch rechts seines Dienstherrn von Hornstein sicherte. [12] Die von Lehrbach führen einen rot-schwarz-silbern zweimal geteilten Schild.

Heraldisch links darunter erkennt man das Wappen des 1730–1732 amtierenden Komturs zu Kapfenburg, Philipp Erwin Anton von Großschlag. [13] Die von Großschlag führten „in Blau drei von Rot und Silber in zwei Reihen geschachte Schrägbalken (Schräglinksbalken), zwischen dem ersten und zweiten Balken schräg eine goldene Krone. Die Helmzier ist ein wachsender Männerrumpf in blauem, wie der Schild bezeugtes Gewand.“ [14]

Begleitet werden die vier Wappen von Engeln mit Pauken und Trompeten. Sie erheben auch die Basis der himmlischen Sphäre in den Himmel. Kompositionell schließen sie die Reihe der Figuren zu einem das Oval nachzeichnenden Kranz.

Programm und Synthese

Das 1728 anstelle eines Vorgängerbaus neu errichtete Pfarrhaus von Lauchheim zeugt mit seinem wappenbekrönten Eingang und dem hohen Walmdach mit Aufzugsvorrichtung sowohl von adliger Repräsentation als auch vom Reichtum einer landwirtschaftlich einträglichen Pfarrei. Der Keller und der mehrgeschossige Dachstuhl stellten umfänglich Speicherplatz für Naturalien bereit.

Das 1730 hinzugekommene Deckengemälde beauftragte der Landkomtur der Ballei Franken, Karl Heinrich Freiherr zu Hornstein, der von 1713 bis 1718 Komtur zu Kapfenburg war. Bei dem namentlich nicht überlieferten Maler dürfte es sich um den seit 1715 auf der Kapfenburg nachgewiesenen Wolfgang Christian Freyhardt (1680–1757) handeln. Das Gemälde wurde mit 20 Gulden entlohnt.

Bibliographie

  • Gerlach, Lauchheim, 1907 - August Gerlach, Chronik von Lauchheim. Geschichte der ehemaligen Deutschordenskommende Kapfenburg. Ausschliesslich nach den Quellen, Ellwangen 1907 (Nachdruck Magstadt 1969).
  • Heimberger, Schlierriegelbau, 1953 - Heiner Heimberger, Der Schlierriegelbau im Gebiet zwischen Neckar und Main, in: Badische Heimat, 33 (1953), S. 333–338.
  • Kießling, Westernach, 2021 - Winfried Kießling, Johann Eustach von Westernach 1545–1627. Eine Karriere im Deutschen Orden, hg. von Stiftung Internationale Musikschulakademie Schloss Kapfenburg, Lauchheim 2021.
  • Oberamtsbeschreibung Ellwangen, 1886 - Beschreibung des Oberamts Ellwangen, Bd. 1, Eduard Paulus, hg. von dem K. statistisch-topographischen Bureau, Stuttgart 1886, S. 601–615.
  • Kießling, Erstnennungsurkunde, 1998 - Winfried Kießling, Die Erstnennungsurkunde von Lauchheim, in: 1248–1998. 750 Jahre Erstnennung Lauchheim, hg. Stadt Lauchheim, Lauchheim 1998, S. 5–6.
  • Kießling, Gromberger, 1998 - Winfried Kießling, Das Ministerialengeschlecht der Gromberger, in: 1248–1998. 750 Jahre Erstnennung Lauchheim, hg. Stadt Lauchheim, Lauchheim 1998, S. 16–19.
  • Kießling, Kapfenburg, 2011 - Winfried Kießling, Das Deutschordensschloss Kapfenburg, Stuttgart 2011.
  • Kießling, Lauchheim, 1998 - Winfried Kießling, Die Deutschordensstadt Lauchheim, in: 1248–1998. 750 Jahre Erstnennung Lauchheim, hg. Stadt Lauchheim, Lauchheim 1998, S. 20–48.
  • Salch, Vestis Alba, 2009 - Dieter Salch, Vestis Alba et Crux Nigra. Weißer Mantel und schwarzes Kreuz. Die Insignien des Deutschen Ordens. Ein Beitrag zum Recht und zur Rechtsgeschichte des Deutschen Ordens (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, 62), Marburg 2009.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 StAL B 232 Bd. 831 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1730/31), S. 193.
  2. 2,0 2,1 StAL B 232 Bd. 831 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1730/31), S. 195.
  3. Gerlach, Lauchheim, 1907, S. 134.
  4. Kießling, Kapfenburg, 2011, S. 121–122. Die Entstehungszeit des Lauchheimer Deckengemäldes ist von 1728 (ebd., S. 122) auf 1730 zu korrigieren.
  5. StAL B 232 Bd. 828 (Rechnungsbuch Kapfenburg 1727/28), S. 173.
  6. Silvesterritt – Seelsorgeeinheit Kapfenburg (se-kapfenburg.de)
  7. Kießling, Kapfenburg, 2011, S. 122.
  8. Gerlach, Lauchheim, 1907, S. 134. Falsche Auflösung der Wappen bei Gerlach: Hoch- und Deutschmeister Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, Landkomturs von Hornstein (richtig), Komturs von Lehrbach und des Komturs von Buttlar.
  9. Siehe hierzu: Salch, Vestis Alba, 2009, S. 126, Anm. 116.
  10. urn:nbn:de:stab-87796c65-24bc-4c98-842d-73cd5071b8990. Bestellsignatur: StAWü, Deutscher Orden Kommende Würzburg Urkunden 1744 März 2.
  11. Siehe hierzu den Porträtstich in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Inv.-Nr. A 18748 (Portrait I 11643 - Porträtsammlung der HAB).
  12. Zu ihm: Kießling, Kapfenburg, 2011, S. 116–117.
  13. Zu ihm: Kießling, Kapfenburg, 2011, S. 116.
  14. Groschlag (Adelsgeschlecht) – Wikipedia.