Landsberg am Lech, Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt
LANDSBERG AM LECH
Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Ehem. Kollegienkirche der Jesuiten, jetzt Filialkirche der Pfarrei Mariä Himmelfahrt 1. Kirche S. 132 2. Sakristei S. 141 3. Ignatiuskapelle S. 142
Ehem. Ursulinenkloster, jetzt Dominikanerinnenkloster 1. Klosterkirche S. 144 2. Stiegenhaus im Klostergebäude S. 155
Ehem. St. Leonhardskapelle, profaniert, jetzt Geschäftsräume S. 157
Filialkirche St. Johannes der Pfarrei Mariä Himmelfahrt S. 158
Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte Kloster Wessobrunn das Präsentationsrecht, das Ernennungsrecht hatte der Magistrat der Stadt
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt (Hauptpatrozinium) und St. Veit (Nebenpatrozinium)
Zum Bauwerk: Der 1458 begonnene und 1488 vollendete Kirchenbau wurde in der Zeit 1680/1708 barock umgestaltet. Die Gewölbe wurden durch Lattenkonstruktionen erneuert (1702) und erhielten ihre Stuck- und Gemäldedekoration unter Pfarrer Johann Joachim Hagenreiner (1692–1709). An der barocken Ausstattung waren die Bürger Landsbergs, der Magistrat, die Bruderschaften und Zünfte beteiligt. Das Landsberger Stadtwappen in den Gewölbefresken A und C sowie die Abkürzung M.S.... in EU legen den Schluß nahe, daß neben Pfarrer Hagenreiner die Stadt Landsberg, vertreten durch ihren Magistrat, wesentlich am Auftrag zur Ausmalung beteiligt war.
Dreischiffige Pfeilerbasilika mit doppelstöckiger Empore im Westen, langgestreckter Chor mit dreiseitigem Abschluß
Autor und Entstehungszeit: Der Autor der Gewölbefresken ist unbekannt. Stilistisch gehören sie in das erste Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts.
Für die Ölbilder an der Unterseite der Empore sind folgende Anhaltspunkte gegeben: die Datierung 1.7.0.7. am westlichen Bildrand von EU und die Buchstabenfolge M.S. I.P.F. in EU1; letztere ist auf Vorschlag von Peter von Bomhard wahrscheinlich folgendermaßen aufzulösen Magistratus — Ignaz Pidermann Fecit.
Ignaz Bidermann (Pidermann) war Bürger und Maler in Landsberg am Lech; durch seine Ehe mit Maria Theresia Stuber (Heirat 1697 in München) ist er mit den Malern Stuber und Prugger versippt. Das Werk des Malers ist bislang unbekannt. Der Inschrift zufolge sind die Ölbilder im Auftrag des Magistrats der Stadt Landsberg gemalt worden (frdl. Mitt. Peter von Bomhard, Erzbischöfliches Ordinariatsarchiv München).
Ein Vergleich dieser Ölbilder mit den Fresken am LHs-Gewölbe zeigt deutlich, daß Bidermann nicht ebenfalls als Autor der Fresken in Frage kommt: Der Figurentypus des St.-Veit-Bildes (EU) zeichnet sich durch gelängte Proportionen - die Engel mit auffallend schmalen Flügeln -, durch gewählt elegante Stellungen, durch scharf geschnittene geradnasige Gesichter aus; fließende Faltenwürfe - auch hier schmale Formen - bei den Gewändern. Licht und Schatten sowie das kühle Inkarnat lassen die Körper elfenbeinern erscheinen.
Die Bilder sind wie Wandbilder konzipiert, das Hauptbild (EU) zeigt geringfügige Konzessionen an die Forderungen der Deckenmalerei (s. Beschreibung). Die drei LHs-Fresken dagegen zeigen Figuren mit gelängten, jedoch verzerrten Proportionen, derben Gliedmaßen, unbeholfen und grobschlächtig in Bewegung und Stellung. Hier sind mehr Untersichten gewagt, jedoch nicht gemeistert. Die Gewänder bauschen sich eigenwillig um die Figuren. Es gibt keine Licht- und Schattenkontraste, die Körper sind in gleichwertigen Farben unstofflich gemalt. Die Bilder entsprechen etwas mehr der Deckenmalerei – vor allem durch die sotto-in-su-Perspektive, die in ihrem Stadium des inkonsequenten Probierens charakteristisch für die Entstehungszeit im ersten Jahrzehnt des 18. Jh. ist.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A, B, C Flachtonne mit Stichkappen
Rahmen: A, C Stuckprofil und Kymation; B, a–d, EU, EU1–4 Eierstab, Blatt- und Fruchtgirlande
Technik: A, B, C, a–d Fresko, EU, EU1–4 Öl auf Leinwand; A, B, C, EU, EU1–4 polychrom, a–d zweifarbig: a grünocker, b blau-gelb, c ocker-blau, d ocker-gelb
Maße: A Höhe 22,90 m; 5,10 × 4,10 B Höhe 22,90 m; 6,50 × 5,70 C Höhe 22,90 m; 5,10 × 4,10 EU Höhe 7,80 m; 3,00 × 3,90
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1901/02 umfassende Innenrestaurierung, bei welcher die Deckenbilder im Chor so gut wie vollständig durch W. Kolmsperger erneuert wurden und daher nur kurz in ikonographischer Hinsicht behandelt werden (keine Abbildungen). Die Fresken im LHs (A–C) sind nur in einigen Partien geringfügig übermalt, sie sind inzwischen verschmutzt und weisen Risse auf. In B sind auch Feuchtigkeitsschäden. Die Medaillonbilder a–d sind recht gut erhalten, ebenso die Ölbilder unterhalb der Empore, EU und EU1–4 sind nur leicht verschmutzt.
Beschreibung
A ST. VEIT ALS PATRON DER PFARREI Einansichtige Bildanlage, Basis im Westen. — Die Himmelszenerie nimmt drei Viertel des Bildfeldes ein, sie ist dicht gefüllt mit Wolkenpolstern. In das untere Bildviertel ist ausschnittartig die Stadtansicht von Landsberg in Vogelperspektive wiedergegeben. Die Vogelperspektive widerspricht der illusionistisch-perspektivisch gemalten Rahmenleiste ebenso wie der unperspektivischen achsialen Himmelsdarstellung.
Die Hauptfiguren des Bildes, Maria mit dem Jesusknaben und der hl. Veit, sind auf horizontalen Wolkenbänken untereinander wiedergegeben — im Sinne einer mittelalterlichen Heiligenverehrung, bei welcher die Muttergottes als Patronin der Stadt und der hl. Veit als Nebenpatron dargestellt werden.


alterlich-hierarchisch anmutenden Bildordnung, ganz ohne illusionistisch-perspektivische Darstellungsmittel. Der Jesusknabe auf dem Schoß Mariens ist im Begriff, einen Pfeil zur Erde hinabzuschießen. St. Veit breitet schützend seinen Mantel über die Stadt aus. Der Heilige, in römischer Tracht, ist durch den bauchigen Kessel zu seiner Seite bezeichnet. Putti rechts und links des Heiligen halten den bayerischen Kurhut und den Wappenschild der Stadt Landsberg (Kreuz auf einem Hügel).
B HEILIG-GEIST-GLORIE Das längsovale Bildfeld hat in der Mitte eine runde Öffnung, auf deren Decke - der liturgischen Bestimmung gemäß - die Taube der Hl. Geistes gemalt ist (z. Z. der Aufnahme falsch eingeschlossen). Wolkenringe mit Putti und musizierenden Engeln sind in das Bildoval darum geordnet. Trotz des barocken Ringschemas ist die Darstellung einansichtig. Berachterstandpunkt unterhalb des westlichen Bildviertels. In diesem Bild wird entschieden eine Untersichtsperspektive angestrebt – am konsequentesten bei der Geisttaube echt überzeugend auch bei den Blumen streuenden Putti am westlichen Bildrand.
C ST. SEBASTIAN ALS PATRON DER STADT Die einansichtige Bildanlage und die Gliederung des Bildfeldes in horizontale Streifen entspricht der Darstellung in Fresko A. Bei den Figuren dieses Bildes ist jedoch – wie schon bei Fresko B — das illusionistische sotto-in-su-Darstellungsprinzip bestimmend, das hier auch die Verringerung des Größenmaßstabes der Figuren nach »oben« hier bewirkt.
Hoch in den Wolken erscheint Christus im Purpurmantel, die Linke im Hoheitsgestus erhoben, die Rechte feurige Blitze schleudernd. Der hl. Sebastian darunter hält einen runden Schild abschirmend den Blitzen entgegen. Er präsentiert kniend die Pfeile seines Martyriums. Putti zu den Seiten tragen Helm, Pfeile und Bogen, Palmzweig und Kränze – die Attribute des römischen Präfekten und Martyrers - und wiederum den Wappenschild der Stadt Landsberg.
Unmittelbar unterhalb des Himmelsschauplatzes stehen Bürger der Stadt hinter einer profilgeschmückten Brüstung – sie wenden sich Hilfe erflehend zu dem Heiligen empor. Bei letzteren Figuren werden krasse Verzerrungen der Untersicht nicht gescheut. Sie stehen dicht gedrängt, über ihnen, während die Himmelsgestalten freier in Szene gesetzt sind.
Die Farben dieser drei Fresken sind ziemlich hell und gebrochen im Tonwert. Der Farbklang Ockergelb oder gebrochenes Rot zu Schiefergrau und Blau ist bestimmend. Die Farben sind gleichwertig ohne lichte Transparenz; himmlisches Licht wird durch weiße Strahlen gegenständlich wiedergegeben.
a–d Vier Emblemkartuschen sind paarweise in den Jochen zwischen den Großfresken angeordnet.
EU ST. VEIT IN DER GLORIE Das breitgelagerte vierpaßähnliche Bildfeld ist einansichtig komponiert. Der römische Heilige thront in der Mitte des Bildes auf einem Wolkenpolster (Kugel?), in der Rechten die Martyrerpalme. Engel tragen seinen roten Mantel und zahlreiche Blumengebinde. Ein Engel hält den Kurfürstenhut. Ganz links des Heiligen.
Bei der perspektivischen Anlage des Bildes gibt der Maler zaghaft Untersichten bei einigen Engeln um den hl. Veit. Wirklich von unten gezeigt ist nur der bauchige Ölkessel. Eine perspektivisch gemalte Leiste »oberhalb« soll den schrägen Einblick in den Bildhimmel vermitteln. Diese perspektivische Leiste findet sich auch wieder in der westlichen Rahmenhälfte.
EU1-4 Das Heiligenbild wird von vier ovalen Emblem-Bildern begleitet.
Ikonographie
Dem ursprünglichen Patron der Landsberger Stadtpfarrkirche St. Veit ist im W der Kirche, unterhalb der Orgel-empore, ein Altar geweiht, der mit einer plastischen Darstellung des Heiligen (L. Luidl, 1696) geschmückt ist. Szenische Darstellungen aus der Vita des Heiligen an der Westwand und an der Emporenbrüstung.
Während in EU — direkt über dem Altar — St. Veit sinngemäß in einer Gloriendarstellung wiedergegeben ist, zeigt das Gewölbefresko A den Heiligen als Patron, der die Strafe Christi von der Pfarrgemeinde abwendet. Dieser Darstellung der Pestheilige, seine Pfeile weisen nicht nur auf sein Martyrium hin, sondern sind zugleich Symbol der Pest, so wie auch der Pfeil Gottes auf das Übel der Pest hinweisen kann. Veit, Patron der Epileptiker und anderer Geisteskranker, ist seit dem 15. Jh. einer der Vierzehn Nothelfer. Beide Heilige haben während des Barocks große Bedeutung im Kult und daher auch in den bildlichen Darstellungen der Pestbilder. Der zürnende Gott ist hier durch Christus in zwei verschiedenen Bildmotiven dargestellt. Während der blitzeschleudernde Christus - der auferstandene Salvator (Purpurmantel, Seitenwunde) — als Bildform üblich ist (vgl. LCI, Bd 1, s. v. Christus, Christusbild, Sp. 442) ist der pfeileschleudernde Jesusknabe auf dem Schoß seiner Mutter als weiteres Motiv übernommen.

ner Mutter ein ungewöhnliches Motiv. Maria wird sonst als Fürbitterin der Menschheit gezeigt und das Kind Jesus nicht als Rächer.
a-d EMBLEME IM LANGHAUS
a VESTIGIA SOLIS ADORANT — Sonnenblumen im Beet eines Schloßparkes richten ihre Blütenköpfe nach der Sonne. Es handelt sich hier um ein sehr beliebtes Emblem, das allgemein für die auf Gott gerichtete, beständige Liebe steht. Picinelli, Liber 11, s. v. heliotropium, bringt die Sonnenblumen-Icon häufig, bei Nr. 58 mit dem sinngemäß ähnlichen Lemma »usque ad occasum sequor«.
b ARDET ET ASPICIT VNVM — In bergiger Landschaft schwingt sich ein Adler auf, der Sonne entgegen. Picinelli, Liber 4, s. v. aquila, hat unter Nr. 204 ein ganz entsprechendes Emblem: »Aquila, in solem defixa, illius venustate magis semper magisque inardescit. TUENDO, id est, intuendo; INARDESCIT«; es bedeutet die Liebe Gottes, die den frommen Menschen, den Heiligen — bei Picinelli wird der hl. Paulus genannt – entflammt.
c CAELESTES CONCIPIT IGNES—In baumbestandener Landschaft steht unter einem Blumenstrauß ein menschliches Herz, darin entfachen die Sonnenstrahlen Flammen mit Hilfe eines Hohlspiegels. Picinelli, Liber 15, s. v. speculum, Nr. 208 und folgende, gibt das Bild des die Sonnenstrahlen sammelnden Hohlspiegels – also ohne das Herz —: »Speculum concavum, recepto solarium radiorum splendore, flammas passim clarissimas spargit. Unde lemma alterius lumine gaudet. Praeclara haec Beatorum imago est, qui Solis Divini radio cumulate illustrati, immensam gloriae lucem in orbis conspectu spargunt.«. Ähnlich Nr. 209 »radii solarii, qui in speculum concavum illapsi, et inde in materiam solidam reverberati eam extenuant ac incendunt — ET DURISSIMA CEDENT —« für die Liebe. – Das Herz in unserem Emblem verdeutlicht nur noch den Liebesgedanken: Göttliche Liebe wird im




Menschen(herzen) entzündet, vermittelt durch die Heiligen Gottes.
d TENDO INARDESCIT - In baumbestandener Landschaft springt ein Löwe, zur Sonne aufblickend. Picinelli, Liber 5, s. v. leo, Nr. 447: »Gratum hominis animum et ad beneficia rependenda pronum, leo exhibet; qui solaribus radiis attactus, claritatem aliquam reflectere dicitur - LUCENTI RENIDET.«. Lemma und Sinngehalt der Icon entsprechen weitgehend unserem Emblem b, hier ist es ein Löwe, dort ein Adler, die die Sonne betrachten. Picinelli hat bei dem zitierten Adleremblem genau das Lemma unseres Löwenemblems.
Die vier Langhausembleme haben die Sonne gemeinsam als Bildgegenstand. Die Sonne steht für Gott und Gottes Liebe, die vier verschiedenen, auf die Sonne bezogenen Gegenstände deuten emblematisch das Verhältnis des frommen Menschen zu Gott. Die Embleme beziehen sich hier speziell auf die durch die Deckenbilder verherrlichten Heiligen und Schutzpatrone St. Veit und St. Sebastian.
EU1-4 EMBLEME AN DER UNTERSEITE DER OGELMPORE
EU1 PERCUSSA TRIUMPHANT – Zwei Hände schlagen vom Himmel her auf zwei Kesselpauken in einer Landschaft. Picinelli, Liber 22, s. v. tympanum, bringt unter Nr. 194 folgendes Emblem: »Tympanum, bacillis suis ligneis junctum, epigraphen tenet; percussum resonat«. Es steht für Calamitas: »Illum ipsum tympani morem congenitum habet homo, qui calamitatibus...voces et suspiria in coelum spargit.« coelum spargit. Das Lemma PERCUSSA TRIUMPHANT gibt dem Paukenbild eine speziell auf den Martyrer – hier St. Veit – bezogene Bedeutung; die durch Schläge erzeugten Paukentöne werden dem durch das Martyrium errungenen Triumph des Martyrers verglichen. Die Schläge bedeuten eine »Calamitas utilis« (vgl. Emblem EU4).
EU2 VIS NULLA TENEBIT — Eine Hand vom Himmel zündet mit einem Luntenstock eine Kanone. Die Kanonenkugel fliegt weit über einen festen Turm hinaus ins Leere. Picinelli, Liber 22, s. v. tormentum militare, gibt unter Nr. 172 ein entsprechendes Bild: »Nobile quoddam ingenium glandem a bombarda sparsam figuravit, quae diruta quadam
turri, necdum acquiescebat, sed impetuoso cursu ulteriu grassabatur. Epigraphen addidit superest cursus.«. Das Emblem steht für den »profectus« der »magnanimita militaris«. Unser Emblem bezieht sich sicher wie die übrigen drei Embleme auf den Martyrer St. Veit. Das Bild einer Kanone, bzw. einer abgefeuerten Kanonenkugel kann emblematisch auf den Martyrer gedeutet werden. Picinelli gibt dafür zwei Beispiele, deren Icones jedoch nicht den Turm miteinbeziehen und deren Lemmata in der Sinngebung stark abweichen (Liber 22, s. v. tormentum bellicum, Nr. 163 mit dem Lemma »NON VIRIBUS SUIS« und Nr. 151 »IMPELLOR FLAMMIS«). Die in unserem Emblem gegebene Kombination von Lemma und Icon weicht von den Beispielen bei Picinelli und auch bei Boschius (vgl. Register, s.v. bombarda und tormentum bellicum) stark ab.
EU3 SEMEN CHRISTIANVM (=christianum) - Lilien, Rosen und Tulpen in kunstvoll angelegten Beeten werden von einer Hand aus dem Himmel mit Blut begossen. Dieses emblematisch aufgemachte Bildchen zeigt einzelne christliche Symbole, die durch eine emblematische Handlung verbunden werden. Das Blut Christi oder das Blut der Martyrer entströmt der Gießkanne und wird fruchtbar: Blumen, das sind menschliche Tugenden, entwachsen der Erde. Das Lemma deutet das Bild nicht, sondern hat nur die Funktion eines Titels.
EU4 EO FECUNDIOR (= fecundior) — Eine Hand aus dem Himmel beschneidet mit einer Hippe die Triebe dreier Weinstöcke. Picinelli, Liber 9, s. v. vitis, gibt einige sinngemäße Embleme; Nr. 517: Für die »Calamitas utilis« steht der beschnittene Weinstock mit dem Lemma »RECISA FOECUNDIOR«. Durch das Leiden wird der Heilige groß. Diese vier Embleme haben das Motiv der aus dem Himmel handelnden Hand gemeinsam, und zwar als typisch emblematisches Handlungsmotiv, nicht wie die Sonne in den vier Langhausemblemen als sinntragender Bezugspunkt. Die Embleme verdeutlichen den Sinn des christlichen Martyriums, hier speziell bezogen auf St. Veit.
Maria ist seit dem 15. Jh. die Hauptpatronin der Stadtpfarrkirche. Der Hochaltar zeigt die Huldigung der Erdteile an Maria – ein Gemälde Antonio Trivas von 1680. Maria sind auch die 1902/03 erneuerten Fresken gewidmet. Das mittlere Hauptbild zeigt die zum Himmel aufgefahrene Maria, die zwei kleinen Bilder in der Längsachse geben Motive aus der Himmelfahrt – den leeren Sarkophag – und aus der Krönung – Gottvater und zwei Putti mit der Krone – wieder. Die vier seitlichen Rundbilder zeigen die vier lateinischen Kirchenväter. Die Neuausmalung überliefert nicht unbedingt die ursprünglichen Bildthemen. Sicher war das Marienthema bestimmend – die Himmelfahrt Mariens ist ein sehr geläufiges Thema, doch die heutige Aufgliederung in die drei Teilbilder mutet in der gegebenen Form fremdartig an. Statt der Kirchenväter sind auch Embleme oder Mariensymbole denkbar.

Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 374.
KDB I, OB (1), S. 495 ff.
Schober, Josef Johann, Die Restauration der Stadtpfarrkirche in Landsberg; in: Landsberger Geschichtsblätter 2, 1914, Nr. 1 S. 5 f.
Schmidt, Hermann, Landsberg am Lech (= Deutsche Kunstführer Rd 41), Augsburg 1999, S. 9 ff.
Hofmann, Sigfrid, Beiträge zur Kunstgeschichte der Stadtpfarrkirche zu Unserer Lieben Frau in Landsberg am Lech (Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Heimatpflegers von Oberbayern, Heft 6), Schongau 1955.
Schmidt, Hermann und Hugo Schnell, Stadtpfarrkirche Landsberg am Lech (= KKF 88), München 21961.