Landrecht, Hof Witt
Inventarnummer: cbdd20166
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Aus dem Hof Witt aus Landrecht befindet sich im Altonaer Museum eine translozierte Sommerstube von ca. 1750. Die Wände sind ornamental gestaltet. In Medaillons sind Blumenvasen und Obstkörbe zu sehen sowie zahlreiche Veduten.

Hof Witt

Kurzbeschreibung und Lage
Der ehemalige Hof Witt steht südlich der Straße Am Steindamm im Osten der Stadt Wilster.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Es ist unbekannt, wann das Haus gebaut wurde. Vermutlich um 1750/70 wurde ein Sommerhaus angefügt. Der Hof gehörte ehemals der Familie Witt.[1]
Beschreibung
Es handelt sich um ein so genanntes Husmannshaus. Von einer Diele aus wurde die beheizbare Stube auf der einen Seite und die nicht beheizbare Sommerstube auf der anderen Seite betreten.[1]
Die translozierte Sommerstube
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Stube stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie ausgebaut und im Altonaer Museum wieder eingebaut. Um einen Museumsrundgang zu ermöglichen, kam in die den Alkoven gegenüberliegende Wand eine zusätzliche Tür und die Fensterwand wurden mit der gegenüberliegenden vertauscht. Der Flügel des linken Alkovens ist zudem erneuert worden. Während des zweiten Weltkriegs war die Stube ausgelagert.[2]
Beschreibung
Bis auf die geflieste Fensterseite (Schiffsbild in der Mitte) sind alle Wände holzvertäfelt. Die geschnitzten gedrehten Halbsäulen zwischen den Fenstern werden in der gemalten Wandgliederung mit gedrehten, von Rosen umrankten Säulen, wieder aufgenommen. Neben der Eingangstür ist ein Einbauschrank gelegen. Zwischen den beiden Alkoven befindet sich eine weitere Tür.[3]
Die Wände
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Stube wurde um 1750/70 geschaffen und ihre mit Kiefernholz verkleideten Wände bemalt. Die Alkoven bekamen ihre Fassung erst nach 1800.[4]
Beschreibung und Ikonographie
Der Gesamteindruck der Stube ist schwarz, da alle Ornamente, Schmuckformen und Medaillons auf diesen dunklen Fond gemalt wurden. Sie treten leuchtend hervor. Die Wände sind mittels gemalter gedrehter Säulen auf Postamenten in mehrere Rapporte gegliedert. Aufgrund der vertauschten Wände stehen in den Raumecken teilweise Säulen nebeneinander, zwischen Alkoven und Fensterwand aber gibt es keine. Die Säulen sind von Rosen umrankt, auf ihren Kapitellen stehen Töpfe oder Körbe mit Blumen bzw. Obst. Abgesehen von den Alkoventüren und den Supraporten sind alle Rapporte mit Bandelwerk, Akanthusschlingen und weiteren ornamentalen Motiven wie Rocaillen groteskenartig spiegelsymmetrisch gefüllt. Oben und unten gibt es jeweils eine kurvierte Kartusche, in der man meist oben einen Fruchtkorb und unten eine Blumenvase erblickt. Ausnahmen sind die Wand mit der nachträglich eingefügten Tür, wo in den beiden oberen Kartuschen rechts Vögel präsentiert werden sowie die Eingangsseite, wo links unten statt der Blumenvase ebenfalls ein Obstkorb zu sehen ist. Die Tür zum Wandschrank hat einen rosa marmorierten Rahmen, ist sonst aber wie die übrige Wand gestaltet. Über den Türen befinden sich weitere Wandschränke. Sie haben ebenfalls einen rosa marmorierten Rahmen, in dem sich aber jeweils eine Vedute befindet. Die beiden Alkoven durchbrechen dieses Schema. Ihre Türen sind nicht in die ornamentale Wandgestaltung integriert, sondern lediglich dunkel gestrichen. Auf diesem Untergrund sind geöffnete rote Zelte gemalt, die an Prunkzelte von Feldherren erinnern. Ihre Vorhänge sind oben zur Seite gerafft. Doch blickt man nicht in das Innere des Zeltes, sondern lediglich auf eine helle Fläche, aus der je zwei Hochovale ausgeschnitten sind. Durch diese kann man in den realen Alkoven hineinsehen.[5]
Die Landschaftsveduten mit Architektur
Beschreibung und Ikonographie
Die Veduten in der Mitte der Rapporte geben durchweg keine realen Ansichten wieder. Unterschiedliche Versatzstücke wie Laubbäume, helle Häuser mit roten Dächern, Berge (mit Burgen) und Städte hinter Mauern und Wällen werden immer wieder aufs Neue kombiniert. An der Eingangswand links der Tür erblickt man vor dem Horizont vier Häuser mit Schornsteinen zusammen mit einem hohen roten Turm. Hinzu kommen ein paar Bäume und Sträucher. Die Ansicht der nächsten Vedute in der Mitte zeigt links vor Bäumen einen mit Mauern und Turm geschützten Hof und rechts einen Felsen. Die Vedute auf der Tür des Wandschranks ganz rechts präsentiert ein paar Gebäude vor einem Wald links zusammen mit einer Stadt hinter Wällen rechts. In der Mitte erhebt sich ein Hügel mit Ruinen. Auf der Vedute zwischen den beiden Alkoven wird wiederum links eine Gruppe von Häusern vor einem Wald gezeigt. Die Gebäude stehen hinter einer Mauer. In der Mitte ragt im Hintergrund ein Berg mit einer Burg auf der Spitze auf und ganz rechts stehen einige Häuser zusammen mit zwei hohen blauen Türmen. Die den Fenstern gegenüberliegende Wand präsentiert wie die Eingangswand drei Veduten. Ganz links ist eine vieltürmige Stadt hinter einer Mauer zu sehen. Sie steht direkt an einem Fluss, der von einer Brücke zum Stadttor hin überquert wird. Auf dem Fluss fahren Schiffe oder Kähne. Am diesseitigen Ufer des Flusses steht ein Brückenhaus. Im Vordergrund erkennt man einige Männer. Die mittlere Vedute rechts der nachträglich eingefügten Tür zeigt einen hochaufragenden Berg mit einer Burgruine auf der Spitze. Links im Hintergrund stehen eine vieltürmige Stadt und rechts ein Dorf sowie noch weiter rechts ein weiterer Berg mit einer Burg. Im Bildvordergrund befinden sich wenige Häuser, Büsche und Bäume. Auf der Vedute ganz rechts erblickt man in der Mitte ein Gehöft vor Bäumen. Rechts steht hinter einer Mauer ein Gebäudekomplex mit Türmen und einer Kapelle. Links ist im Hintergrund die Silhouette einer Stadt auszumachen.[6]
Die Supraporten
Beschreibung und Ikonographie
Die drei Wandschränke oberhalb der Türen nehmen ebenfalls Veduten auf. Alle Bilder sind in drei hintereinander gestaffelten Zonen aufgebaut, wobei die einzelnen Bereiche wie eigenständige Ansichten ohne Bezug zu den anderen wirken. An der Eingangsseite erblickt man über der Tür im Vordergrund zwei Männer und hinter ihnen ein Haus. In der mittleren Bildebene befinden sich links eine Gebäudegruppe und rechts eine Burg auf einem Berg. Die hintere Ebene zeigt hohe Bäume und eine Stadtsilhouette. Am Himmel fliegen Vögel. Die Tür über dem Wandschrank rechts daneben zeigt im Vordergrund saftige Pflanzen. Im Mittelgrund sind links ein Gebäudekomplex auf einem Berg und rechts einer im Tal dargestellt. Im Hintergrund erblickt man auch hier eine Stadtsilhouette. Die Tür des Wandschranks zwischen den Alkoven zeigt im Vordergrund Pflanzen vor einem steil aufragenden Hügel mit einer Burg auf dem Gipfel. Die Mitte wird von einem Gewässer oder Meer mit zahlreichen Segelschiffen eingenommen. Im Hintergrund erblickt man auch hier eine Stadtsilhouette.[7]
Bibliographie
- Literatur:
- Kaufmann, Bauernstuben, 1979. — Kaufmann, Gerhard: Bauernstuben. Vortrag im Altonaer Museum am 18.1.1977 in der Reihe „Das Altonaer Museum – Ein Norddeutsches Landesmuseum“, in: Altonaer Museum in Hamburg. Norddeutsches Landesmuseum 16/17 (1978/79), S. 93-139.
- Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
- Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967. – Schwindrazheim, Hildamarie: Führer durch die Bauernstuben des Altonaer Museums (Altonaer Museum Hamburg. Schausammlungen des Altonaer Museums, 2). Hamburg 1967.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 14.
- ↑ Kaufmann, Bauernstuben, 1979, S. 100; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 16.
- ↑ Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 14-16.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1118; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 16.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1112-1132, 1059; Schwindrazheim, Bauernstuben, 1967, S. 16.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1113-1114, 1117.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1113-1115.