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Löbau, Stadthaus Markt 17, genannt Goldenes Schiff

Aus Deckenmalerei-Lab
Kruse, Jasmin:Löbau, Stadthaus Markt 17, genannt "Goldenes Schiff", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/a78c5a8d-1592-47d9-91a6-c1cf4f610c3f

Inventarnummer: cbdd20379

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im für den wohlhabenden Leinwandhändler Lücke erbauten Haus Markt, nach seinem Fassadenschmuck als "Goldenes Schiff" bekannt, haben sich Decken- und Wandmalereien aus der Entstehungszeit um 1730 erhalten, darunter ein Gemälde der Fortuna, umgeben von vier Emblemen.

Löbau, Haus Altmarkt 17 (sog. "Goldenes Schiff"), Stuckdecke im 2. Obergeschoss
Löbau, Haus Altmarkt 17 (sog. "Goldenes Schiff"), Stuckdecke im 2. Obergeschoss

Das Haus Markt 17, genannt "Goldenes Schiff"

Lage, Bau- und Nutzungsgeschichte

Das "Goldene Schiff" liegt an der Nordseite des Altmarkts in der Stadt Löbau am Fuß des Löbauer Berges. Es steht am östlichen Ende einer Häuserreihe, die nur durch das schmale Bankgässchen vom Löbauer Rathaus (Markt 1) getrennt ist. Im Westen schließt direkt das Haus Schlockwerder (Markt 16) an, das etwa zur selben Zeit vom Leinwandhändler Christian Schlockwerder errichtet wurde. Die vorherige Bebauung an der Nordseite des Marktplatzes wurde durch einen Stadtbrand am 22. Oktober 1710 zerstört[1]. Die besonders prominente Lage – direkt neben dem ab 1711 ebenfalls neu errichteten Rathaus am Hauptmarkt der Stadt – sowie seine detailreiche Außen- und Innengestaltung geben Hinweise auf den Status und das Sendungsbewusstsein des Auftraggebers. Dieser war Michael Lücke (1661–1733), der in Löbau als Leinwandhändler ansässig war. Um 1730 ließ er das repräsentative Stadthaus errichten, als Wohn- und vermutlich auch als Handelshaus, in dem mit Tuch gehandelt wurde – im 17. und 18. Jahrhundert einer der wichtigsten Wirtschaftsposten der Region.[2]In dieser Funktion wurde das Haus jedoch spätestens im 19. Jahrhundert nicht mehr genutzt: 1811 zog ein Restaurant- und Hotelbetrieb ein, der einem auffälligen Detail der Fassadengestaltung, einer Kartusche mit einem goldenen Schiff, seinen Namen entlehnte. Verschiedene Postkarten zeigen diesen Betrieb und weisen das Goldene Schiff noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert als besondere Sehenswürdigkeit im Zentrum der Stadt Löbau aus. Seit 1910 sitzen Teile der Stadtverwaltung in dem Gebäude, es ist normalerweise nicht für die Öffentlichkeit geöffnet.

Baubeschreibung

Das Stadthaus ist als drei Stockwerke hoher, drei Fensterachsen breiter Bau mit einem steilen Zeltdach ausgeführt, aus dem zum Altmarkt hin eine große, an den Seiten mit Voluten geschweifte Gaube wie ein kleiner Giebel über der mittleren Fensterachse hervortritt. Diese die Zentralachse des Gebäudes besonders betonende Gaube ist jedoch nicht Teil der ursprünglichen Baugestalt: Durch die Lage unmittelbar neben dem Rathaus ist das „Goldene Schiff“ immer wieder mehr oder weniger detailreich in Darstellungen und später Fotografien am Rande mitdokumentiert wurden. Dadurch kann man einige bauliche Veränderungen der Außengestalt erkennen und auch ungefähr zeitlich verorten. Eine Lithografie des Marktplatzes von ca. 1850 zeigt zwar nur einen Teil des Stadthauses, jedoch sind hier eindeutig drei kleine, unauffällig gestaltete Dachgauben anstelle der heute vorhandenen einzelnen zu sehen[3]. Aufnahmen des Marktplatzes, die für Ansichtskarten gemacht wurden, bestätigen diese Dachform bis ins 20. Jahrhundert: Auf 1912[4]und 1914[5]datierte Aufnahmen des Verlagshauses Brück und Sohn dokumentieren ihr Vorhandensein noch; außerdem wurde das Dach 1901 instand gesetzt, worauf eine mit helleren Ziegeln eingelegte Jahreszahl hinweist. Auf 1925 datierte Aufnahmen für Ansichtskarten des Marktplatzes, ebenfalls von Brück und Sohn, zeigen jedoch die umgestaltete Dachzone mit der großen Dachgaube mit Volutendekor.[6] Die übereinstimmenden Geschosshöhen der beiden Reihenhäuser, die an der Lage der Fenster und Gesimse sowie der Traufhöhe erkennbar sind, legen nahe, dass das Goldene Schiff in enger Orientierung an das Nachbargebäude errichtet wurde; das höhere, asymmetrische Dach, das in Richtung des Hauses Schlockwerder gerade abgetrennt ist, steht dennoch ein wenig hervor.

Die Gestaltung der dem schmalen Bankgässchen zugewandten Ostfassade des „Goldenen Schiffes“ fällt völlig schmucklos aus. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude über den im Inneren bestehenden Innenhof hinaus entlang der Gasse verlängert, heute befindet sich in diesem Anbau die Stadtbibliothek.

Währenddessen ist die dem Marktplatz zugewandte Südfassade aufwändig strukturiert und dekoriert. Das Erdgeschoss ist als schlichter, gebänderter Sockel mit Sprossenfenstern aufgeführt. Aus diesem einfachen Rahmen tritt das Hauptportal hervor, das sich nicht in der mittleren, sondern in der linken Seitenachse der Fassade befindet. Auch diese Aufteilung, die sich im Haus Schlockwerder gespiegelt wiederfindet, legt nahe, dass bei der Errichtung der beiden Häuser aufeinander Bezug genommen und eine Einheit in der grundsätzlichen Baugestalt gesucht wurde. Der Haupteingang des „Goldenen Schiffes“ präsentiert sich als leicht aus der Fassade hervortretendes Bogenportal mit Rankenornamenten und betontem Kämpferstein. Nach oben schließt das Portal mit dem Hauptgesims ab, variiert dessen einfache Gestaltung aber durch eine aufwändigere Abstufung. Der geteilte Schriftzug „Stadt-Haus“ stammt ebenfalls von der Sanierung.

Im Kontrast zum Sockelgeschoss wird die Fassade über die Höhe der zwei oberen Vollgeschosse durch leicht hervortretende Wandvorlagen in drei Achsen unterteilt. Die drei Doppelfenster der Beletage werden von schlichten Stützen eingefasst, aber von detailreichen Schmuckgiebeln mit Ranken- und Rollwerk und Reliefs bekrönt. Die äußeren Fenster überfängt jeweils ein kleiner Spitzgiebel, unter dem das von Rankenwerk umfangene Relief eines Ankers zu sehen ist. Links steht der Anker gerade über einer Wasserfläche, rechts versinkt er zur Hälfte in den angedeuteten Fluten. Das Doppelfenster in der Mittelachse wird durch eine abweichende Ornamentik mit Ranken- und Rollwerk und einen Segmentgiebel betont. Im Zentrum steht das vergoldete Relief eines Schiffes, das neben einer Vielzahl vom Wind geblähter Segel auch eine beachtliche Anzahl von Kanonen besitzt. Ein darüber in den Giebelbogen gehängtes Banner trägt die Aufschrift „NON DORMIT QUI CUSTODIT“ (dt. "Er, der behütet, schläft nicht.") Es handelt sich dabei um eine emblematische Darstellung, die in mehreren Publikationen im 17. Jahrhundert gefunden werden kann. In der 1699 in Augsburg erschienenen Sammlung Emblematische Gemüths-Vergnügung etwa ist eine sehr ähnliche Darstellung mit diesem Sinnspruch verbunden.[7] Ob es sich auch um eine Art Familienmotto von Lücke handelte, lässt sich hier nicht nachweisen. Die prominente Anbringung an seinem prächtigen Handels- und Wohnhaus repräsentiert in jedem Fall die Umsicht, Wachsamkeit aber auch Wehrhaftigkeit, die dem Erfolg eines florierenden Handels zugrunde liegen, sowie auch einen Verweis auf die Milde Gottes, der allzeit eine schützende Hand über das Geschäft hält. Die beiden Anker-Reliefs über den seitlichen Fenstern sind vergleichbar zu deuten als emblematische Bilder; Embleme mit Ankern thematisieren zumeist Sicherheit und Stabilität, aber auch Glaubenstreue. Die Doppelfenster des zweiten Obergeschosses werden von kleineren Ornamenten bekrönt. Es ist zu bemerken, dass diese Ornamente in der lithografierten Ansicht des Stadthauses von ca. 1850 dargestellt und auch auf der Fotografe von Brück und Sohn von 1912 deutlich erkennbar sind – die Aufnahme von 1925 zeigt jedoch, dass sie in der .Zwischenzeit entfernt wurden – möglicherweise im Zuge der Umgestaltung der Dachzone (s.o.).

Im Inneren des Gebäudes führt das dem Altmarkt zugewandte Hauptportal durch einen mit einer Stuckdecke mit symmetrischer Bandelwerkdekoration überwölbten Gang durch durch das Gebäude bis in den Innenhof. Im ersten Obergeschoss haben sich eine schlichte Decke mit einem Stuckrahmen im Vestibül und eine mit Marmorierung und Ranken gefasste Decke in einem daran angrenzenden Raum, der sein Fenster nach Süden öffnet erhalten. Die Räume mit erhaltenen Wand- und Deckengemälden befinden sich im zweiten Obergeschoss.

Der Raum mit der bemalten Holzdecke im 1. Obergeschoss

Löbau, Haus Altmarkt 17 (sog. "Goldenes Schiff"), Raum mit Holzdecke im 1. Obergeschoss

Im ersten Obergeschoss hat sich in einem kleineren Raum eine Holzbalkendecke erhalten. In der dem Altmarkt zugewandten Südwand öffnet sich ein Doppelfenster in einer in die Wand eingeschnittenen Bogennische. Eine weitere Nische, die auf ein inzwischen zugesetztes Fenster hinweist, befindet sich in der Ostwand, die die Außenwand zum Bankgässchen ist. Die ursprüngliche Nutzung dieses Raumes ist unbekannt, heute wird er als Büro genutzt.

Auf den Balken sind Reste einer Marmorierung oder Fassung mit abstrakt verschlungenen Formen in gelb, rot und weißgrau zurückgeblieben. Die Füllbretter zwischen den Balken zeigen besser erhaltene, stilisierte Blattranken in Grautönen auf blauem Grund, die mit rot akzentuierten Bändern umwickelt sind.

Das Vestibül im 2. Obergeschoss

Durch spätere Erweiterungen und Umbauten, darunter die Nutzung als Restaurant und Hotel sowie der Einbau eines Fahrstuhls, entspricht die innere Struktur des "Goldenen Schiffes" nur noch teilweise dem Aufbau zur Erbauungszeit. Von der Durchfahrt im Erdgeschoss aus führt eine Steintreppe im ersten und zweiten Obergeschoss jeweils in einen saalartiger Raum, der möglicherweise nicht nur wie heute als Vestibül diente. Während im ersten Obergeschoss ein schlichter Stuckrahmen erhalten ist, verfügt der Raum im zweiten Obergeschoss über eine detailreich gestaltete Stuckdecke mit mehreren ineinandergelegten Rahmen und direkt auf die Decke gebrachten Gemälden. Der Raum ist im Verhältnis zu seiner Länge relativ niedrig und wird nur vom Innenhof im Norden aus beleuchtet. In der Südwand gewähren zwei Türen Zugang zu den schmalen, dem Altmarkt zugewandten Zimmern.

Der Raum wurde letztmalig bei der Sanierung des Gebäudes 2014-16 renoviert[8]; dabei wurden an mehreren Stellen unterliegende Farbschichten an den Wänden freigelegt. In der südwestlichen Raumecke wurden Teile einer tapetenartig gestalteten Wandbemalung freigelegt, die eine Wandvertäfelung in Grau- und Türkistönen mit geschnitzten Kartuschenrahmen und aufgehängten Blumengebinden nachahmt. Die Stuckdecke und Deckengemälde waren stellenweise beschädigt und wurden bei der Sanierung restauriert.

Die Stuckdecke mit Gemälden

Löbau, Haus Altmarkt 17 (sog. "Goldenes Schiff"), Stuckdecke im 2. Obergeschoss

Die flache Spiegeldecke sitzt auf einem umlaufenden Gesims auf; in den Ecken sowie in der Mitte der Langseiten der Voute befinden sich stilisierte Konsolen, auf denen jeweils ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln hockt. Die Vögel haben eine größere Plastizität, der übrige Stuckdekor ist dagegen fein aber flach gestaltet. Zwischen den Vögeln sind Blättergirlanden aufgespannt, die an einem schlichten Stuckrahmen aufgehängt sind. Innerhalb dieses Rahmens ist ein Geflecht aus symmetrischem Ranken- und Bandelwerk ausgebreitet. In den vier Ecken der Decke sind Kartuschen ausgebildet, die jeweils ein kreisrundes Gemälde aufnehmen. Ein stärker profilierter Stuckrahmen separiert noch einmal die spitz gezackte Kartusche des Mittelbildes und die umgebenden Stuckornamente mit Rosenzweigen und stilisierten Blätterranken.

Der Stuckateur ist unbekannt.

Die vier Trabantenbilder mit moralisierenden Versen

Die vier Tondi zeigen emblematisch gemeinte Szenen, jeweils überschrieben mit einem Vers in schwarzer Frakturschrift auf einer gelben Banderole. Der Maler ist unbekannt.

Das Mittelbild und die beiden Tondi darunter sind auf die Betrachtung von der Westwand des Raumes aus ausgerichtet und orientieren sich damit an der Treppe, über die man das Zimmer an der Westseite betritt. Die beiden entlang der Ostwand gelegenen Rundbilder sind dagegen um 180 Grad und fordern damit dazu auf, sich durch den Raum zu bewegen, um sie zu betrachten. Die kurzen Inschriften sind so gereimt, dass sie in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können, und sind inhaltlich von einander unabhängig, sodass auch dadurch keine zwingende Reihenfolge entsteht, um sie zu lesen.

Das südöstliche Rundbild eröffnet den Blick in eine Nachtlandschaft: Am unteren Bildrand liegt eine stilisierte Stadt mit Stadtmauer, die von Wald umgeben ist. Im Vordergrund steht ein einzelner Baum auf einem kleinen Hügel. Den größten Teil des Bildes nimmt die Darstellung des Nachthimmels mit zahlreichen goldenen Sternen und einem blassen Vollmond ein. Darüber lautet die Inschrift "In dunckeln leuchten noch die Sterne." Das Motiv vermittelt, dass auch in schwierigen Zeiten Hoffnung (=Licht im Dunkeln) besteht.

Das an der gegenüberliegenden Schmalseite gelegene nordöstliche Tondo zeigt die Ecke eines dreigeschossigen Hauses am linken Bildrand, hinter der sich eine weite Landschaft mit Wäldern und Buschwerk ausbreitet. Über die Horizontlinie lugt gerade die (vermutlich aufgehende) Sonne empor, darüber öffnet sich ein blauer Himmel mit Schleierwolken. Das angeschnittene Haus versinnbildlicht vermutlich das Haus Markt 17, entrückt es aber in die freie Landschaft und damit quasi an einen besonderen Platz an der Sonne. Die Inschrift "Gott thut uns wohl und auch so gerne!" verweist auf das segensreiche Wirken Gottes und die positive Wirkung des festen Glaubens auf das Glück und den Erfolg des Hauses und seiner Bewohner.

Das südwestlich gelegene Tondo zeigt eine geflügelte Amorette, die mit einem Teleskop oder Fernrohr in Richtung des Himmels blickt. Im Hintergrund ist eine von Bäumen eingerahmte Siedlung zu erkennen, aus der ein mit einem Kreuz markiertes Kirchgebäude leicht heraussteht. Der Hintergrund wird durch einen Fluss oder Weg von der Amorette mit dem Fernrohr getrennt. Die Bildinschrift lautet "Die Klugheit siehet in die Ferne." Damit kann das Bild als Verweis auf aufmerksames Beobachten der Umwelt und vorausschauendes Handeln verstanden werden, das kluge Entscheidungen und damit Erfolg in der Zukunft begünstigt. Die im Hintergrund angedeutete Kirche fügt das Vertrauen in Gott hinzu.

In der nordwestlichen Ecke der Decke befindet sich schließlich die Darstellung eines einsamen Baumes auf einem kleinen Hügel vor einer weiten Landschaft. Auf dem Boden unterhalb des Baumes befinden sich zahlreiche schwarze Insekten. Überschrieben ist die Szene mit dem Aufruf "Oh Mensch du fauler sieh und lerne!" Dabei handelt es sich um die vereinfachte Version eines Bibelverses: "Geh zur Ameise, du Fauler, / betrachte ihr Verhalten und werde weise!" (Buch der Sprüche 6,6) Das Bild ruft zu Fleiß und vorausschauendem Wirtschaften und Handeln auf - tugendhafte Eigenschaften, die mit der Ameise assoziiert werden. Die Darstellung der Ameisen, die den Stamm eines Baumes umkrabbeln, ist in verschiedenen Emblembüchern zu finden.[9]

Das Mittelbild: Fortuna

Das in eine langgezogene, gezackte Kartusche eingepasste Mittelbild zeigt Fortuna, die Personifikation des Glücks, die in Gestalt einer nackten Frau auf einer geflügelten Kugel balanciert. Mit einer Hand hält sie einen Stab in die Höhe, an dem sich ein rotes Segeltuch halbkreisförmig neben ihr aufbläht; mit der anderen hält sie das Ende dieses Tuches fest im Griff. Diese Darstellung der Fortuna entspricht einer seit dem 16. Jahrhundert in Stichen und Zeichnungen festgehaltenen Bildtradition, eine konkrete Vorlage lässt sich an dieser Stelle allerdings nicht benennen.

Das Segel der Fortuna, das vom Wind gebläht wird, versinnbildlicht gemeinsam mit der Kugel, auf der sie steht, die Wechselhaftigkeit des Glücks; Gleichzeitig schlägt es einmal mehr einen Bogen zum Thema der Schifffahrt und damit zum erfolgreichen, bis nach Übersee reichenden Leinwandhandel. Über der Fortuna schmiegt sich ein Spruchband an den Stuckrahmen, das die Inschift „Bis hieher hat der HERR geholffen.“ präsentiert. Der Spruch ist der Bibel entnommen (1. Buch Samuel 7,12) und drückt Dankbarkeit aus für die göttliche Gunst, die den Auftraggeber begleitet und der er verdankt, dass das Glück – ungeachtet seiner grundsätzlich wechselhaften Natur – ihm bisher hold war. Die Hoffnung, dass es auch in Zukunft so ein wird, schwingt ebenfalls mit.

Bemerkenswert ist der abstrakt anmutende Hintergrund: Große Quaderformen, engstehenden Hecken oder stilisierten Gebäuden gleich, reihen sich dort aneinander, im zentralen Korridor direkt hinter der Fortuna beginnt scheinbar eine Allee kleiner Pyramiden, die den Weg säumen wie Formschnittbäume oder kleine Skulpturen. Möglicherweise sind diese Strukturen als eine Art Labyrinth oder Heckengarten zu deuten und stehen für Wirrungen, Herausforderungen oder Gefahren, die überwunden wurden. Durch den stark restaurierten Zustand können hier aber auch relevante Details verloren gegangen sein.

Der Raum mit Resten einer Wandfassung im 2. Obergeschoss

Löbau, Haus Altmarkt 17 (sog. "Goldenes Schiff"), Raum im 2. Obergeschoss mit Resten einer Wandfassung

Vom Vestibül führt die rechte Tür in der Südwand in einen snschließenden, schmalen Raum, in dem sich Reste einer Wandfassung erhalten haben. Der Raum, der heute als Büro genutzt wird, verfügt über ein Doppelfenster in Richtung Süden (Altmarkt). Die Bestimmung des Zimmers ist unbekannt, vermutlich handelte es sich um einen Wohn- oder Schlafraum.

An der Ostwand wurden bei der Sanierung des Gebäudes Fragmente einer aufgemalten Wandgliederung freigelegt. Zwei Pilaster mit goldgelben Komposit-Kapitellen rahmen ein Wandfeld mit einem geschwungenen Rahmen ein, in das von oben zarte Blätterranken herabhängen. Die mögliche Struktur der ruinierten Ausmalung wurde bei der Restaurierung durch grafische Linien nachgezeichnet.

Bibliographie

  • Gurlitt, Cornelius: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Heft 34: Amthauptmannschaft Löbau, Dresden 1910, S. 390, 394-396.
  • Hermann, Gottlob/Ulrich, Traugott Benjamin: Das Löbauische Brand-Jubiläum, oder zum Gedächtniß des im Jahre 1710. den 22. Octob. nunmehro gleich vor Funfzig Jahren in Löbau entstandenen entsetzlichen Brandes, wie auch zu bußfertiger Erinnerung derer in diesem 1760sten Jahre aufgegangenen vielfältigen Feuers-Brünste wurde dieses zuschreiben veranlaßt, [Löbau 1760].
  • URL: http://digital.slub-dresden.de/id427604362 (06.04.2023).
  • Offelen, Heinrich, Emblematische Gemüths-Vergnügung bey Betrachtung der curieusten und ergözlichsten Sinnbildern, mit ihren zuständigen Deutsch-Lateinisch-Francösisch- und Italianischen Beyschrifften, Augsburg 1693.
  • Pietschmann, Thorsten: Denkmäler im Dreiländereck, herausgegeben von Peter Knüvener für die Städtischen Museen Zittau, Zittau 2022.
  • [1]

Einzelnachweise

  1. Bei dem Feuer lagen im Stadtzentrum „nicht weniger das Rathhaus, der Raths-Keller, die Stadt-Wage, Schuh- Brod- und Fleischbäncke, des Stadt-Musici Wohnung, der Marstall und Behausung derer Raths-Bedienten, die Fröhnerey nebst der Bedachung der halben Stadt-Mauer […] gäntzlich in der Aschen“, Hermann/Ulrich, Das Löbauische Brand-Jubiläum, [1760], S. 7-8.
  2. Lückes offensichtlichen Handelserfolge schlugen sich nicht nur in dem Stadthaus, sondern auch in einer Gruft nieder, die er 1731 für sich und seine Frau Christiane auf dem nahegelegenen ehemaligen Friedhof der Frauenkirche errichten ließ (heute öffentlicher Park mit Resten der repräsentativen Grabanlagen, die Gruft stark heruntergekommen), s. Pietschmann, Denkmäler im Dreiländereck, 2022, S. 25.
  3. https://skd-online-collection.skd.museum/Details/Index/2092094
  4. https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71836857/df_bs_0015104
  5. https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71840131/df_bs_0018443
  6. https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71844885/df_bs_0023252
  7. Offelen, Emblematische Gemüths-Vergnügungen, 1693, S. 2.
  8. Sanierung durch Büro für Architektur und Städtebau Augustin, https://architekt-augustin.de/hochbau/oeffentliche-bauten/stadthaus-loebau-mit-stadtbibliothek/
  9. z.B. Cramer, Daniel: Octoginta emblemata moralia novae sacris literis petita, formandis ad veram pietatem accommodata & elegantibus picturis aeri incisis repraesentata, Frankfurt/Main 1630, S. 256-7.