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Löbau, Rathaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Löbau, Rathaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/a76d3d6e-4979-44d3-9ab5-c40dbe92e83a

Inventarnummer: cbdd20103

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das Löbauer Rathaus entstand 1710 bis 1714, nachdem der Vorgängerbau einem Brand zu Opfer fiel. In diesem Neubau wurde eine prachtvolle Rats- und Waisenstube mit einem Deckengemälde, welches „Friede und Gerechtigkeit“ zeigt, eingerichtet.

Löbau, Rathaus, Ratsstube (heute Bürgermeisterbüro), Deckengemälde: Friede und Gerechtigkeit
Löbau, Rathaus, Ratsstube (heute Bürgermeisterbüro), Deckengemälde: Friede und Gerechtigkeit

Das Rathaus

Nachdem es ein Brand im Jahre 1668 schwer beschädigt hatte, war das Löbauer Rathaus in den Jahren 1710–14 von Heinrich Prescher unter Verwendung von Resten des Vorgängerbaus aus dem 15. Jahrhundert wiedererrichtet worden. Noch dreimal war es im 19. Jahrhundert im Äußeren und Inneren verändert sowie in den Jahren 1990–93 restauriert worden.

Der mit einem Mezzanin insgesamt dreigeschossige Bau erhebt sich auf fast quadratischem Grundriss von acht zu acht Achsen und wird von einem Mansarddach abgeschlossen. An dem in einem kräftigen Rotton gestrichenen Bau mit hellgrau abgesetzten Gliederungen werden die Ecken durch breite Lisenen betont. Die Fenster sind mit geohrten und profilierten Gewänden ausgebildet und im ersten Obergeschoss wechselweise durch Dreiecksgiebel- und Segementbogenverdachungen bekrönt. Die Marktseite wird von einem vierachsigen Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel beherrscht, dem ein einachsiger Eingangsbau mit ionischen Pilastern und Altan vorangesetzt ist. Dort sitzt das stichbogige Eingangsportal mit seitlichen Pilastern, auf denen sich Löwenplastiken und in der Mitte eine Rundbogenverdachung mit dem Stadtwappen und zuoberst das kurfürstlich-königlich sächsische Staatswappen befinden. Nachträglich wurde der gesamten Marktseite schließlich noch ein geschlossener Laubengang mit Stichbogen-, ovalen und kleinen quadratischen Fenstern vorangesetzt. Die Ostseite des Rathauses ist wiederum mit einem vierachsigen Mittelrisalit mit ionischen Eckpilastern und Dreiecksgiebel ausgezeichnet. An der Südostecke steht der von Vorgängerbau übernommene Turm. In seinen unteren Geschossen ist er mittels Eckpilastern dem übrigen Bau angepasst, die beiden folgenden Etagen sind in Bruchsteinmauerwerk ausgeführt, darüber befindet sich ein Zinnenkranz, sowie ein oktogonales Türmchen mit spitzer Haube.[1]

Die Rats- und Waisenstube

Löbau, Rathaus, Ratsstube (heute Bürgermeisterbüro), Blick gegen die Noedwand

Im Löbauer Rathaus hatte die „Rats- und Waisenstube“ eine besonders kunstvolle Ausstattung erhalten und war von Nikolaus Prescher in den Jahren 1712/13 mit dem Deckengemälde von „Frieden und Gerechtigkeit“ – sie sind die Grundlage einer guten Regierung – geschmückt worden. In dem sonst schlichten Raum sind an den Wänden lediglich die Türen der Eingänge sowie der Ratsschränke mit profilierten und geohrten Gewänden sowie teilweise an den Seiten dazugesetzten, vergoldeten Blattgirlanden versehen. Darüber sind die auf Kupferblech gemalten Porträts der Löbauer Bürgermeister (zwischen 1714 und 1811) aufgehängt. An der flachen Kehle der Stuckdecke werden durch blütenverzierte Konsolen unterschiedlich große, wiederum mit Blütenketten und Festons geschmückte Felder unterteilt. An der Decke selbst ist das Gemälde in einen runden Stuckrahmen mit herausgesetzten, rhombenförmigen Ecken hineingefügt. Darüber hinaus gliedern weitere Felder mit Ecken und halbrunden Einschwüngen den Plafond.[2]

Das Deckenbild: Friede und Gerechtigkeit (Pax und Astraea)

Löbau, Rathaus, Ratsstube (heute Bürgermeisterbüro), Deckengemälde: Friede und Gerechtigkeit

Externes Bild
Samuel Bottschild: Pax und Astraea, 1693
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Das mehrfach restaurierte und heute nicht in hervorragender künstlerischer Qualität in Erscheinung tretende Gemälde zeigt die beiden allegorischen Gestalten Friede und Gerechtigkeit vor einem hell-dunkel bewölkten Himmel und auf dichten Wolken sitzend. Der Friede – mit dunklem Unter- und weißem Obergewand – trägt den Lorbeerkranz im Haar und hält in seiner Rechten einen Ölzweig vor einer weiß dahinter aufragenden Wolke hoch empor. Die erste Figur umarmend und herzend sitzt rechts neben ihr die Gerechtigkeit in einem rot-weißen Gewand, mit langem schwarzen Haar, worauf sie die goldene Krone trägt. Direkt unterhalb vor den beiden Allegorien halten zwei Putten ein Füllhorn, aus dem verschiedene Früchte quellen als Zeichen für wirtschaftliche Prosperität. Links daneben reicht ein dritter Putto einen weiteren Ölzweig empor. Ganz auf der rechten Seite im Hintergrund sitzt schließlich vor der hell dahinter aufgehenden Sonne ein vierter, der die wichtigsten Symbole der Gerechtigkeit – Waage und Schwert – in seiner Linken hält. [Herzig]

Das Deckengemälde kopiert eine Vorlage aus Samuel Bottschilds Opera varia. Bottschild identifiziert die Figuren als "Pax grata" (dt. ersehnter/willkommener Frieden) und "Astraea", die jungfräuliche Göttin der Gerechtigkeit aus der griechischen Mythologie, deren Verbindung/Kuss die Rückkehr des "Goldenen Zeitalters" markiert, das auch durch die Sonne, die hinter den Figuren erstrahlt, angedeutet wird.[3] [Kruse]


Bibliographie

  • Bechter, Barbara/Fastenrath Vinattieri, Wiebke: Regierungsbezirk Dresden, in: Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen I. Regierungsbezirk Dresden, München/Berlin 1996.
  • Gurlitt, Cornelius: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Heft 34: Amthauptmannschaft Löbau, Dresden 1910, S. 371-379.
  • [1]
  • Prescher, Jürgen: Nikolaus Prescher. Kirchen- und Kunstmaler aus Zittau (1673–1741), in: Weises Geschenk. 300 Jahre Bibliothekssaal und Wunderkammer in Zittau (=Zittauer Geschichtsblätter, Heft 40), Zittau/Görlitz 2009, S. 29-35.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Sachsen I, S. 538f.
  2. Prescher, Nikolaus Prescher, 2009, S. 31-32. Ein ebenfalls von Prescher 1714 für die Ratsstube geschaffenes Porträt Kurfürst Friedrich Augusts I. (Augusts des Starken) ist heute nicht mehr erhalten.
  3. "Redde meis Pax Grata, | Astraea, genislaeta oscula, pulsis | Ut redeant orbi secula fausta dotis.", Opera varia historica, poetica & iconologica, inventa & edita à Samuel Bottschild, hrsg. von Johann Christian Weigel, 1693/1710.