Klösterl am Walchensee, Hauskapelle St. Anna, Maria und Joseph
Hauskapelle, Gemeinde Kochel, Pfarrei Walchensee, der zeit genutzt vom Katholischen Kreisbildungswerk Neu burg-Schrobenhausen; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Kochel die Kloster Benediktbeuern inkorporiert war, Klosterhof mark Benediktbeuern
Patrozinium: St. Anna, Maria und Ioseph
Zum Bauwerk: Haus mit Kapelle der Hieronymitaner- Eremiten, 1686/89 mit Hilfe des Klosters Benediktbeuern errichtet; Grundsteinlegung am Fest der hl. Anna (26. Juli), Weihe am 27. 9. 1689. 1725 erwarb Abt Magnus Pachinger von Benediktbeuern das Klösterl für 6000 fl. Nach Abzug der Eremiten 1728 wurde die Kapelle durch einen Bautrupp unter dem Bichler Palier Joseph Hainz erweitert und ausgestattet. Die Hauskapelle liegt im W- Teil des Erdgeschosses inmitten von Zellen und erstreckt sich über zwei Stockwerke
Die ursprünglich rechteckige Kapelle bildet den AR, in ihr befinden sich die Deckenbilder; der niedrigere Anbau westlich der Empore ist schmucklos und bildet den Gemeinderaum. Belichtung durch W-Fenster über der Empore
Auftraggeber: Abt Magnus Pachinger von Benediktbeuern (1707–42)
Autor und Entstehungszeit: Die Deckenmalerei ist nach dem Chronogramm in den vier Eckmedaillons (1–4) I spIrItV paVpertatIs / & Voto CastItatIs / Vt seMper poenItea / a obeDIat in das Jahr 1728 datiert. Stilistische Zuschreibung an Frater Lucas Zais von Benediktbeuern (* 1674 Lam bach/OO. † 27. 9. 1739 Benediktbeuern), der mit Joseph Hainz mehrfach im Auftrag von Kloster Benediktbeuer zusammenarbeitete. Von den Lucas Zais zugeschriebene Deckenbildern (Kloster Benediktbeuern Okonomiehof, S

132; ehem. Schlafzimmer, S. 94; Walchensee, S. 261; Bad Heilbrunn, S. 21) ist dies das späteste; Zais zeigt hier eine stark zeichnerisch betonte Malweise, im Figuralstil ist aber noch die stilistische Verwandtschaft zu den Deckenbildern des Kapitelsaals in Benediktbeuern (S. 69) augenfällig.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Verschliffenes Kreuzgratgewölbe
Rahmen: Stuckprofil
Technik: Fresko; A polychrom, 1–4 Grisaillen auf rosa Grund
Maße: A Höhe 8,60 m; 3,80 × 2,30
Erhaltungszustand: Der Farbbestand scheint original zu sein, verblaßt und in der Substanz geschwunden; Scheitelriß in der rechten Bildhälfte. Restaurierungen nicht bekannt.
Beschreibung und Ikonographie
A AHNEN UND SIPPE CHRISTI Einansichtiges, hochovales Bildfeld (Aufnahmestandort in der Mitte darunter). Tafelbildmäßiger Aufbau der vielfigurigen Gruppe, die das ganze Bildfeld füllt. Die Darstellung ist unräumlich, ohne Klärung der Fußpunkte der einzelnen Figuren angelegt. Geringe Untersicht weisen nur die thronenden Figuren in der Mittelachse auf, Abraham im unteren Bildabschnitt, die Madonna in der Mitte und Gottvater darüber. Die übrigen biblischen Personen sind unverkürzt und meist im Profil dargestellt.
Als Basis der Figurenkomposition dient ein Stufenpodest von dem nur die Kanten der Trittstufen frontal gezeig sind. Neben Abraham wächst der Stamm des »Wurzel Jesse«-Baumes auf und teilt sich nach links und rechts in zwei dünne belaubte Aste; diese verzweigen sich ranken ähnlich emporkletternd zwischen den Vorfahren und Ver wandten Christi. In der Bildmitte die Mutter Gottes au Wolken über der Weltkugel, sie setzt einen Fuß auf die Mondsichel, den anderen auf den Kopf der Schlange (Ger 3, 15). Joseph zur Rechten Mariens reicht dem Jesuskna ben seine Lilie. Zu Häupten der Hl. Familie die Geistes taube und Gottvater mit Krone und Zepter.
Unbuntes blasses Rosa-Violett, Hellblau und Graugrün sind im ganzen Bild gleichmäßig eingesetzt, kleinteilig gegliedert und in gebrochenen Tönen aufgehellt. Dadurch wirkt das Fresko optisch in die ornamentale Stuckdekoration einbezogen.
Zwei Figuren an der Bildbasis, der Engel des Matthäus links und der Stier des Lukas rechts, führen in das Bild ein. Die dazugehörigen Inschriften bieten den Schlüssel für die Bildikonographie: Die Evangelistensymbole verweisen auf die Genealogie Christi nach Matthäus und Lukas, ebenso die Buchinschrift beim Stier LIBER / GENE=/RATI=/
ONIS / IESV / CHRISTJ / Secundum / LVCAM (Text nach Mt 1, 1; Verweis auf die Genealogie Lc 3, 23–38). In der Stammtafel des Engels ist ein Geschlechterbaum zu sehen, um verzweigte Blattranken winden sich Inschriftbänder mit den Namen der Ahnen und der Sippe der Anna, von unten zu lesen, in der Mitte an der Wurzel ABRAHAM. Pater Multarum / Gentium - direkt darüber - ISAAC. - am linken Zweig folgen – DAVID – und darüber – IACOB (die drei Stammväter, vgl. Mt 1, 1-2 u. 1, 6; Lc 3, 31 u. 34; Jakob ist vielleicht auch als Vater Josephs, des Nährvaters Jesu - Mt 1, 16 - zu verstehen). Am rechten Zweig - AARON (Bruder des Moses und erster Hoherpriester)darüber – MATHATHIAS (ein Vorfahre in der Liste Lc 3, 26 »Qui fuit Mathathiae« und der Priester zu Modin, der Vater des Helden Judas Makkabäus – 1 Mach 2) – darüber - MEPHIBOS. (Mephiboseth, Sohn des Jonathan und Enkel Sauls – 2 Sam 21, 7).
Etwas unterhalb der Mitte der Tafel stehen nebeneinander die Namen der Eltern Mariens – IOACHIM. ANNA – und weiter darüber die der Eltern Jesu – IOSEPH / MARIA – die Bandschleifen vereinen sich bei – IESVS. An der linken Seite folgen nach »Iacob« (neben »Ioachim«) übereinander - MARIA / CLEOPHAE / SIMEON / IOSEPH. IVDAS. Weiter sind rechts von oben zu lesen – MARIA. / IACOBVS. / MINOR. ZEBB/EDEVS. / SALOME. IOAN- NES / EVANGELISTA / IACOB. MAI / ZACHARIAS (»Salome« gehört sinngemäß zu »Maria«; der Name »Iacobus Minor« zu denen bei »Maria Cleophae«).
»Maria Cleophae« ist nach der Trinubiumslegende die zweite Tochter Annas und Mutter der »Brüder [Jesu Jakobus und Joseph und Simon und Judas« (Mt 13, 55) das sind die Apostel »Iacobvs minor«, »Ioseph« Justu oder Barnabas, »Simon« Zelotes und »Ivdas« Thaddäus »Maria Salome« ist die dritte Tochter Annas und Gemah lin des Fischers »Zebbedevs«, ihre Kinder sind die Aposte »Ioannes Evangelista« und »Iacob. mai.«. Der Prieste »Zacharias« ist der Vater des »Ioannes Evangelista«.
Die Bildfiguren sind nach der Stammtafel zu benennen: Unten anstelle von Jesse, dem der Stammbaum entwächst (Wurzel Jesse), ist Abraham als »Pater multarum gentium« dargestellt, gekennzeichnet durch Tracht und Räu- chergefäß. An ihn gelehnt steht sein Sohn Isaak, ein Bündel Holzscheite auf dem Rücken. David links hat Königstracht und -insignien und die Harfe, Jakob daneben fehlt ein spezifisches Attribut. Aaron rechts im Bild ist im Ornat des Hohenpriesters mit einem Räuchergefäß wiedergegeben, Mattathias als Priester- bzw. Prophetentypus. Als Mephiboseth müßte die Gestalt darüber, am Bildrand bezeichnet werden, diese ist jedoch eher weiblich charakterisiert und ragt über die Bildzone der Ahnen hinaus.
Zu Füßen der Madonna knien Joachim – links im Bild, in untypischer Tracht - und Anna - rechts, als Matrone gekennzeichnet. Die Komposition hebt die Gruppe von Joseph, Jesus und Maria und darüber Gottvater und Hl. Geist hervor. Die Figuren sind in zwei theologischen Sinnbezügen zu verstehen, dem der (himmlischen) Dreifaltigkeit und dem der »Trinitas terrestris«.
Nach der Stammtafel sind die weibliche und die männliche Figur hinter Joachim als Maria Kleophas und ihr Ehemann Kleophas, die drei männlichen Gestalten hinter Joseph als Simon Zelotes, Joseph Justus (Barnabas) und Judas Thaddäus zu bezeichnen; bei keinem von ihnen is das geschulterte Kreuz als Attribut geläufig. Ein weiterer Kopf neben Joseph ist nicht zu benennen.
In der Gruppe rechts sind durch Attribute gekennzeichnet Jakobus der Jüngere, der Sohn der Maria Kleophas, durch die Walkerstange, Zacharias durch die Hohepriester-Mitra und auch Elisabeth, die Base Mariens: sie trägt der Knaben Johannes den Täufer auf dem Schoß, dieser häl das Kreuz mit dem ECCE AGNVS [DEI]-Schriftband. Die Mutter mit den zwei kleinen Kindern ist wohl Maria Salome mit den Söhnen Jakobus dem Alteren und Johan nes Evangelista. Der barhäuptige Greis neben Maria Salome ist ihr Ehemann Zebedäus.
Der Ikonographie von Hl.-Sippe-Darstellungen folgende könnte man in den beiden Köpfen über Anna die Wiedergabe der Eltern Annas vermuten. In der nach der Stammtafel im Bild als Mephiboseth bezeichneten Figur is vielleicht eher Annas Schwester Esmeria, die Mutter de Elisabeth, zu sehen, die Figur ist im Bild diesen Frauen hinzugesellt. (Zur Ikonographie vgl. LCI, Bd 4, s. v. Sippe Heilige, Sp. 163–68, und s. v. Wurzel Jesse, Sp. 549–58.)
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 347 ff. UDD I, OD (1) C CCO
Emerich, Karl, Die Gründung des Klösterls am Walchensee, in: Bayerland 19, 1908, S. 559–61, 571–73.