Kiel, ehem Haus Alter Markt 21

Laß, Heiko:Kiel, ehem. Haus Alter Markt 21, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/8c5fcb48-d534-4895-8ecf-2f6709988525

Inventarnummer: cbdd20158

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Aus dem Haus am Markt 21 hat sich eine translozierte Decke von ca. 1700 mit einem Deckengemälde erhalten. Es zeigt die Geburt der Minerva aus dem Kopf Jupiters heraus.

Das ehemalige Haus Kiel Alter Markt 21

 
Alter Markt in Kiel um 1868

Kurzbeschreibung und Lage

Das verputzte Fachwerkhaus Markt 21 gehörte zu den so genannten Persianischen Häusern an der Ostseite des Kieler Marktes. Es hatte zwei Obergeschosse sowie einen breiten Zwerchgiebel.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus wurde in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts errichtet. 1674 erwarb es der aus Rendsburg stammende Matthias Gude oder erbaute es neu. Es wurde 1906 abgerissen.[1]

Die translozierte Decke

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde im Auftrag von Johann Matthias Gude, dem Sohn von Bartholomäus Gude, vermutlich durch die Stuckateure Joseph Mogia und Domenico Carbonetti um 1700 stuckiert. Mit Abbruch des Haues 1906 gelangte die Decke in das damalige Thaulow-Museum in Kiel. Als das Museumsgebäude 1970 abgebrochen wurde, erfolgte ein erneuter Ausbau der Decke. Sie kam in den gerade zum Stadtmuseum umgebauten Warleberger Hof. Die Decke musste dafür in mehrere Teile zerlegt werden, wurde verkleinert sowie nach Befund farbig neu gefasst in den heutigen Kassenraum wieder eingebaut.[2]

Beschreibung und Ikonographie

Die Mitte der Decke nimmt ein großes Deckengemälde auf. Sein Stuckrahmen ist von Eichenlaub. In den vier Ecken sind in Stuckrahmen auf altrosa Grund Blumenvasen stuckiert. Der Stuck ist teilweise vergoldet. Die Felder an den Seiten dazwischen haben ebenfalls eigene Rahmen und zeigen auf hellblauem Grund Akanthusschlingen. Aufgrund der Verkleinerung der Decke 1970 sind die Vasen heute näher an der Mitte als ursprünglich.[3]

Das Deckengemälde

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei wurde von einem unbekannten Künstler um 1700 direkt auf den Stuck gemalt. Auftraggeber war Johann Matthias Gude. 1906 kam die Malerei zusammen mit der Decke in das Thaulow-Museum. Bei der erneuten Versetzung 1970 musste die Malerei auf einen neuen Untergrund übertragen werden. Sie hing durch, hatte zum Teil die Haftung zum Putz verloren, wurde daher abgenommen und auf Polyester als neuen Träger aufgebracht.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Gezeigt wird die Geburt der Minerva. Sie war die Tochter von Jupiter und Metis. Da Jupiter prophezeit worden war, dass eine Tochter dieser Verbindung ihm ebenbürtig sein würde, ein Sohn ihn jedoch stürzen würde, verschlang er die Metis. Als er danach aber unter unerträglichen Kopfschmerzen litt, gab ihm Merkur zuletzt den Rat, sich von Vulkan den Kopf öffnen zu lassen. Daraufhin entsprang aus dem Haupt die komplett gerüstete Minerva.

Auf dem Kieler Bild ist im Vordergrund die gerüstete Minerva mit Brustpanzer, Helm, Schild und Speer zu sehen. Sie schwebt über einer mitteleuropäischen Landschaft und wird von Putten mit Blumengirlande begleitet. Rechts im Hintergrund erblickt man Jupiter mit Blitzbündel sowie Adler. Merkur verbindet ihm gerade den Kopf, während Vulkan mit seinem Hammer im Hintergrund enteilt.[5]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Beseler, Bericht, 1970. – Beseler, Hartwig: Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege über die Jahre 1968 und 1969, in: Nordelbingen 39 (1970), S. 192-237.
  • Hansen/Schulze, Marktplatz, 2008. – Hansen, Astrid/Schulze, Heiko K. L.: „Zur Segelolympiade der Welt zeigen, welcher Wille zur Neugestaltung die Stadt belebt“ – Die Bebauung des Kieler Marktplatzes von 1972, in: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 15 (2008), S. 17-40.
  • Karpf, Warleberger Hof, 2016. – Karpf, Eva-Maria: Der Warleberger Hof. Die Geschichte eines Kieler Baudenkmals. Kiel 2016.
  • Archivalien:
  • Löffler-Dreyer, Aktenvermerk, 2009. – Löffler-Dreyer, Birgit: Aktenvermerk vom 9. Juni 2009 im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte KI, Kiel, Dänische Straße 19, Stadtmuseum, Warleberger Hof).

Einzelnachweise

  1. Karpf, Warleberger Hof, 2016, S. 76; Hansen/Schulze, Marktplatz, 2008, S. 19-20. Löffler-Dreyer, Aktenvermerk, 2009.
  2. Karpf, Warleberger Hof, 2016, S. 76-77; Beseler, Bericht, 1970, S. 224. Löffler-Dreyer, Aktenvermerk, 2009.
  3. Karpf, Warleberger Hof, 2016, S. 76-77.
  4. Beseler, Bericht, 1970, S. 224. Löffler-Dreyer, Aktenvermerk, 2009.
  5. Karpf, Warleberger Hof, 2016, S. 76. Löffler-Dreyer, Aktenvermerk, 2009.