Kassel, ehem Jägerhaus
Inventarnummer: cbdd10517
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Im ehem. Jägerhaus befand sich heute zerstörte Deckenmalerei von Johann Oswald Harms aus dem Jahr 1703. Ein Ausführungsriss hat sich im HAUM erhalten.
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Kassel: Entwurf zu einem runden Deckengemälde: Diana in einem von Hirschen gezog
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Das ehemalige Jägerhaus in Kassel

Kurzbeschreibung und Lage
Das alte Jägerhaus stand in Kassel in der Unterneustadt direkt an der Fulda.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Jägerhaus[1] ging institutionell an diesem Standort mindestens auf das 14. Jahrhundert und Landgraf Heinrich II. zurück. Der Komplex wurde immer wieder umgestaltet und seit dem 18. Jahrhundert wechselte auch die Nutzung. 1540 wurde die Anlage für Landgraf Philipp erneuert und zur Fulda hin erweitert. Um 1600 kam es zum Neubau einer Vierflügelanlage. Das Jägerhaus diente den Landgrafen und ihrem Gefolge als Ausgangspunkt für Jagden. Hier lagerten zudem die nötigen Jagdgerätschaften. Landgraf Karl verlegte die Jägerei nach Waldau und ließ das alte Jägerhaus 1686 zu Kaserne und Magazin umbauen. Bis auf das Hauptgebäude wurden alle Bauten niedergelegt. Einige jagdliche Funktionen müssen aber im Gebäude verblieben sein, sonst hätte der Landgraf nicht 1703 ein Jagdgemälde im Haus anbringen lassen. Die Umbauten zogen sich hin und wurden 1766 abgeschlossen. Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu einem erneuten Umbau und im 19. Jahrhundert diente die Anlage auch als Gefängnis bzw. Militärgefängnis. 1943 wurde der Komplex zerstört.
Architekten, Künstler
Die Decken- und Wandfresken des Hauses schuf Johann Oswald Harms.[2] Harms hatte im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts eine prägende Stellung in Nord- und Mitteldeutschland inne. Nach Aufenthalten in Italien war er zwischen 1675 und 1708 u.a. an den Höfen in Bayreuth, Dresden, Eisenberg, Kassel, Weißenfels und Wolfenbüttel tätig. Zeitgenossen verglichen ihn mit Andrea Pozzo. Leider ist sein Werk fast komplett vernichtet und nur über seine Entwürfe greifbar. Lediglich in Eisenberg haben sich umfangreichere Zyklen von seiner Hand erhalten. Er konzipierte anfänglich aufwendige Quadraturmalerei in Bologneser Tradition, zuletzt aber auch Bandelwerk und Arabesken in Anlehnung an französische Vorbilder. In den 80er und 90er Jahren erstellte er für Weißenfels und Salzdahlum aber auch große illusionistische Wandfresken mit monumentalen Perspektivgemälden. Ferner schuf Harms Deckenfresken mit gewagten Untersichten und Verkürzungen wie etwa in der Schlosskirche der Christiansburg in Eisenberg 1684.
Die Gemälde des Jägerhauses
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Kassel: Entwurf zu einem runden Deckengemälde: Diana in einem von Hirschen gezog
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Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Im Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig hat sich ein Entwurf von Johann Oswald Harms erhalten. Er ist auf der Rückseite von Harms beschriftet worden mit: „in Caßel Caßel [sic] im Jägerhause gemahlt a fresco. 1703 JoHarms fecit“.[3] Es ist unbekannt in welchem Raum des Jägerhauses der Entwurf ausgeführt wurde.
Beschreibung und Ikonographie
Die Zeichnung gibt das kreisrunde Mittelbild für eine Stuckdecke wieder. Auf Wolken fährt Diana in ihrem von zwei Hirschen gezogenen Wagen. Sie trägt ein Halbmonddiadem und hält einen Jagdspieß in ihrer erhobenen rechten Hand sowie einen Bogen in ihrer linken. Effektvoll bauscht sich ihr Umhang hinter ihrem Kopf. Diana wird von ihrem Jagdgefolge mit Hunden begleitet. Zahlreiche Putten fliegen in den Lüften, blasen Jagdhörner oder halten Jagdspeere. Eine hält die Zügel der beiden Hirsche, eine andere zwei der sieben Hunde an der Leine.
Bibliographie
- Literatur:
- Holtmeyer, Cassel, 1923. – Holtmeyer, Alois W.: Kreis Cassel-Stadt (Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, 6). 2 Teile. Kassel 1923.
- Neuber, Kastell, 1906. – Neuber, C.: Das Kastell in Kassel. In: Hessenland 20 (1906), S. 271-273.
- Richter, Harms, 1963. – Richter, Horst: Johann Oswald Harms. Ein deutscher Theaterdekorateur des Barock (Die Schaubühne, 58). Emsdetten 1963.
- Tintelnot, Harms, 1941. – Tintelnot, Hans: Johann Oswald Harms. Ein norddeutscher Maler des Barock. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstgeschichte 8 (III/IV/1941), S. 245-260.