Zum Inhalt springen

Kappeln Mehlby, Gut Roest

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Kappeln-Mehlby, Gut Roest, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/138d1590-4897-4f04-b53a-0c7e0a61be46

Inventarnummer: cbdd10364

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Auf Gut Roest haben sich eine großflächige Wandmalerei mit ins Monumentale vergrößerten Emblemen von 1641 erhalten, eine Decke mit zehn Malereien nach Fabeln von La Fontaine von 1675/1725 sowie ein weiterer Wandmalereizyklus mit mythologischen Szenen von 1725/50.

Gut Roest

Kurzbeschreibung und Lage

Gut Roest[1] liegt knapp drei Kilometer westlich von Kappeln in einer Talmulde. Die unregelmäßige ovale Anlage wird über eine Allee von Norden aus durch ein Torhaus betreten. Die ehemaligen Gräben sind teilweise erhalten. Im Süden der Anlage steht das Herrenhaus.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Gut stammt aus dem Mittelalter und war von 1498 bis 1779 im Besitz der Familie von Rumohr. Das Herrenhaus wurde um 1590 erbaut und 1641 umgestaltet sowie um einen östlichen Flügel ergänzt, der noch heute erhalten ist. Ein westlicher Flügel von 1770 wurde 1858 wieder abgerissen. Um 1770 erfolgten auch Veränderungen bzw. Modernisierungen im Inneren des Hauses. Im Laufe der Zeit sind die Außenwände des 1590 in Fachwerk errichteten Gebäudes abschnittsweise in Stein erneuert worden.

Auftraggeber

Das Herrenhaus wurde 1590 für Asmus Rumohr vollendet. Da er im selben Jahr starb, ist nicht klar, inwieweit er es noch selbst nutzte. Sein Enkel Heinrich Rumohr vergrößerte das Gebäude 1641. 1678 gelangte Roest an Cai Rumohr. Dieser lebte überwiegend in Sachsen, da er dänischer Gesandter in Dresden war. Nach Cais Tod 1714 erfolgten unter seinen Nachfolgern Umbauten bzw. Umgestaltungen, so der Anbau des Westtraktes 1770 nach dem Tod eines anderen Cai Rumohr, der der Neffe des 1714 verstorbenen war.[2]

Beschreibung

Das zweigeschossige Gebäude über Sockelgeschoss setzt sich heute aus zwei leicht versetzt parallel nebeneinander stehenden giebelständigen Häusern zusammen. Das westliche (rechte) ist der Ursprungsbau, das östliche (linke) stammt von 1641. Die Schweifgiebel der Hofseite sind einander sehr ähnlich. Der dreiachsige Altbau verfügt über ein zentrales Eingangsportal, das über eine Freitreppe erreicht wird. Man betritt eine Halle. Sie nimmt die linke und mittlere Achse des Hauses ein, während sich hinter der rechten ein Stubenteil befindet. Hier liegt auch ein Treppenhaus von 1669. Die Halle erschließt ferner die Räume im westlichen Anbau. Weitere Räume sind seit 1641 an der Rückseite des Hauses gelegen. Das Obergeschoss ist annährend identisch aufgeteilt.

Die Eingangshalle

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Eingangshalle von 1590 durchmaß ehemals die gesamte Tiefe des Hauses. 1641 wurde das hintere Viertel abgetrennt und der heute noch vorhandene Kamin erbaut. 1858 wurde dieser Restraum durch Zwischenwände in drei Einzelräume unterteilt, die aber 1967 wieder entfernt wurden. Die Holzbalkendecke erhielt wohl 1641 einen monochromen hellgrauen Erstanstrich direkt auf das Holz in Leimfarbentechnik. Auch die figürliche Ölmalerei an der Nord- und Ostwand wird auf die Zeit von 1641 datiert, sodass man davon ausgehen kann, dass der Raum zusammen mit dem Anbau im Osten 1641 neu gestaltet wurde. Spätestens 1858 wurde die Malerei überstrichen und erst 1937 in Teilen und zuletzt komplett wieder freigelegt sowie 2007 restauriert. An Süd- und Westwand sind keine Reste von Wandmalerei mehr vorhanden. Die Wände sind mit Lehmschlag verputzt. Es ist aber möglich, dass die Malerei alle Wände bedeckte.[3]

Beschreibung

Die Halle[4] wird direkt durch das Eingangsportal betreten. Sie misst heute acht auf 17 Meter und ist 3,70 Meter hoch. Der Fußboden ist mit Öländer Platten belegt. Ein Fenster befindet sich neben der Eingangstür, ein weiteres in der Südostecke an der Ostwand. In der Mitte der Südwand steht ein Kamin, der von zwei Türen flankiert wird. Im Westen befindet sich das Treppenhaus hinter einer Doppeltür. Weitere Türen erschließen drei Wohnräume im Westbereich und zwei Räume im östlichen Anbau. An der Nordwand sowie im nördlichen Bereich der Westwand hat sich Wandmalerei erhalten. In eine umlaufende Landschaft mit Vögeln am Himmel, die von einer gemalten Scheuerleiste bis zur Decke reicht, sind monumentale emblematische Darstellungen eingebunden.

Die emblematische Wandmalerei in der Einganghalle

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei stammt von 1641 und wurde spätestens 1858 überstrichen. Die Malerei ist auf heller Grundierung in Öl- und Mischtechnik auf Putz ausgeführt. Der Untergrund besteht aus einem groben Kalkunterputz von ca. 2 cm sowie einer feinen Kalküberputzung von ca. 1 cm. 1937 wurde ein Bildteil an der Ostwand freigelegt, der einen Mann zeigt. Man hielt ihn fälschlich für einen Falkner und rekonstruierte 1938 Teile gemäß dieser Fehlinterpretation. Nach der restlichen Freilegung wurden bei der anschließenden Restaurierungen 2007 nur Retuschen vorgenommen und auf Rekonstruktionen weitgehend verzichtet. Die Malerei wird im Erhaltungszustand präsentiert. Verfälschende spätere Übermalungen wurden beibehalten.[5]

VELLE, AT NON POSSE, DOLENDUM EST

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei stammt von 1641 und wurde spätestens 1858 überstrichen. 1937 wurde jener Teil des Bildes freigelegt, das den Mann zeigt, der als Falkner rekonstruiert wurde. Die Malerei wird im Erhaltungszustand präsentiert. Auch die verfälschende spätere Übermalung wurde beibehalten und die Figur des Mannes nicht auf das Original zurückgeführt.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei[7] befindet sich an der Ostwand zwischen den beiden Türen. In einer Landschaft steht im Bildvordergrund knapp unterlebensgroß ein Mann in merkwürdiger Verrenkung. Rechts von ihm befinden sich ein Baum und dahinter ein Haus. Links über dem Mann ist der Schriftzug „VELLE, AT NON POSSE, DOLENDUM EST“ (Wollen, aber nicht Können ist schmerzlich) zu lesen. Die Verrenkung des Mannes in zeitgenössischer Gewandung ist offenbar darauf zurückzuführen, dass er an seiner rechten Hand von einem Greifvogel emporgezogen wird, der an seinem Handgelenk befestigt ist – sein Hut fällt dabei von seinem Kopf –, während seine linke Hand eine Schlinge umfasst, die um einen schweren Stein am Boden herumführt und ihn daher am Boden hält. Der Schriftzug führt zum richtigen Verständnis der Darstellung: Es handelt sich um eine monumentalisierte Übertragung der Pictura eines Emblems und der Schriftzug ist die Inscriptio. Lediglich das Epigramm fehlt.

Vorlagen und Vergleiche

Bereits 1965 erkannte Wolfgang Müller, dass es sich bei der Darstellung um ein Emblem handelte und konnte ihr Vorbild bestimmen.[8] Die Darstellung geht auf Emblem 73 in Daniel Cramers Emblembuch von 1630 zurück.[9] Als der Raum 1641 gestaltet wurde, war das Buch noch sehr aktuell. Die Vorlage zeigt, dass der Mann zwischen zwei Prinzipien hin- und hergerissen wird, aber keinen Falken steigen lassen will. Ursprünglich ist seine eine Hand an ein Flügelpaar gebunden, seine andere an den Stein. Das Werk Cramers ist moralisierend und bezieht sich auf konkrete Bibelstellen. Sie erklärt die Bedeutung der Darstellung: „So finde ich mir nun ein Gesätz/ der ich will das// Gute thun/ daß mir das Böße anhanget/ Röm. 7.v.II.“[10] Der Mensch ist im Zwiespalt von Gut und Böse. Er will das Gute zwar tun, es gelingt ihm aber nicht aufgrund seiner Schwächen.

Die Vorlage ist relativ genau umgesetzt worden. Sogar die hügelige Landschaft im Hintergrund entspricht weitgehend der Vorlage, doch wurde das Gewässer im Bildmittelgrund weitgehend durch Äcker ersetzt und ist nur noch rechts vor dem Wäldchen, aus dem ein Gebäude herausragt, zu erkennen. Wäldchen und Gebäude rechts stammen ebenso von der Vorlage wie der Turm links und der Baumstumpf im Bildvordergrund. Der belaubte Baum und die Vögel am Himmel sind hingegen eine Zutat. Insgesamt erinnert die Landschaft an das reale Umfeld von Roest. Ob die Hand mit den Flügeln in Roest ursprünglich wie auf der Vorlage abgeschnitten war, ist unbekannt, könnte aber die gegenwärtige Abknickung erklären.[11]

IUSTUS SE DAMNAT, QVO PECCAT DIE

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei stammt von 1641 und wurde spätestens 1858 überstrichen. Nach der Freilegung wurden bei der anschließenden Restaurierung 2007 nur Retuschen vorgenommen und auf Rekonstruktionen weitgehend verzichtet. Die Malerei wird im Erhaltungszustand präsentiert.[12]

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei[13] befindet sich an der Ostwand zwischen der zweiten Tür und dem Fenster. Sie ist stark beschädigt und muss anhand der grafischen Vorlage interpretiert werden. Nur der linke Teil direkt neben der Tür ist annähernd erhalten. Er zeigt ein paar Gebäude, die hinter einem Gebüsch aufragen. Ein paar Buchstaben am Himmel sind zu entziffern: „USTUS SE D | PE“.

Vorlagen und Vergleiche

Renate Voß hat 2004 in ihrer Kieler Magisterarbeit die Darstellung und ihre Vorlage identifizieren können.[14] Es handelt sich um Emblem 24 in Daniel Cramers Emblembuch von 1630. Die Inscriptio kann ergänzt werden zu „IUSTUS SE DAMNAT, QVO PECCAT DIE.“ (Der Gerechte wird an dem Tag verdammt, an dem er sündigt).[15] Als der Raum 1641 gestaltet wurde, war das Buch noch sehr aktuell. Die heute noch erhaltene Darstellung des giebelständigen Hauses mit dem Baum dahinter ist von der Vorlage übernommen. Der Turm links daneben wurde hinzugefügt. Rechts davon befand sich die Darstellung einer Kuh, die von einer Magd gemolken worden war. Während die Magd noch vor der Kuh kniet, stößt diese bereits mit ihrem rechten Hinterlauf den Milchbottich um – die Arbeit der Magd war vergebens. Zusammen mit der Inschrift ist die Darstellung als Warnung zu sehen, dass ein Fehler alles zuvor richtige Handeln zunichtemachen kann. Man darf nie nachlassen und muss stets beim Richtigen bleiben, eine begangene Schuld kann nicht rückgängig gemacht werden.[16] Das Werk Cramers ist moralisierend und bezieht sich auf konkrete Bibelstellen. Sie erklärt die Bedeutung der Darstellung: „Seine Gerechtigkeit/ die er gethan hat// wirdt nicht angesehen/ Ezech 3.v.20.“[17] Dies könnte nach Voß so interpretiert werden, dass auf jedes moralische Fehlverhalten eine Strafe folgt. Durch das Fehlen der Bibelstelle wird diese Interpretation in Roest ausgeschlossen.

Die Malerei an der Nordwand „IGNAVIS FORTUNA REPUGNAT“

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei stammt von 1641 und wurde spätestens 1858 überstrichen und 2007 freigelegt und retuschiert. Sie wird ebenfalls im Erhaltungszustand präsentiert.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die Nordwand ist mit einer Landschaft mit Bäumen und Vögeln bemalt, die übergangslos die der Ostwand fortsetzt.[18] Zwischen Eingangstür und Fenster erkennt man unter einem Baum einen Eselskopf. Darüber befindet sich eine Inschrift: „IGNAVIS FORTUNA REPUGNAT“ (Das Glück widersetzt sich den Faulen). Die Darstellung ist stark beschädigt und muss anhand der grafischen Vorlage interpretiert werden.

Vorlagen und Vergleiche

Renate Voß hat 2004 in ihrer Kieler Magisterarbeit die Darstellung und ihre Vorlage identifizieren können.[14] Es handelt sich um Emblem 65 in Daniel Cramers Emblembuch von 1630.[19] Als der Raum 1641 gestaltet wurde, war das Buch noch sehr aktuell. Die Inscriptio lautet „IGNAVIS FORTUNA REPUGNAT“. Es zeigt einen vornehmen jungen Mann mit Eselskopf, der unter einem Baum auf einem Kissen lagert und Ameisen bei der Arbeit zuschaut. Mit dem Eselskopf ist der faule Mann als Narr gekennzeichnet, der den fleißigen Ameisen nur bei der Arbeit zusieht, anstatt selbst tätig zu werden. Das Werk Cramers ist moralisierend und bezieht sich auf konkrete Bibelstellen. Sie erklärt die Bedeutung der Darstellung: „Gehe hin zur Ameysen/ du Fauler/ sihe ire Wie=// se an/ vnd lerne/ Prov.6.v.6.“ Der Mann nimmt sich aber kein Beispiel, sondern vernachlässigt seine Pflichten gegenüber seinen Hof, der im Hintergrund zu sehen ist. Er verträumt vielmehr seine Zeit.[20]

Das Bildprogramm der Eingangshalle

Das moralische Programm der Darstellungen ist einheitlich. Wenn Sinnspruch und Bild miteinander verbunden werden, erschließt sich die Aussage. Es geht um eine Gegenüberstellung von Tugend und Laster. Für einen Eingangs- aber auch Ausgangsraum erscheint das als angemessenes Programm. Besuchende werden somit auf den Hausherrn eingestimmt, Verlassende bekommen eine Ermahnung mit auf den Weg. Ursprünglich geht es um eine Hinwendung des Menschen zu Gott, der aber durch seine weltlichen Traditionen und Gesetze, seine Unachtsamkeit und Schwäche oder einfach seine Bequemlichkeit daran gehindert wird. Die religiöse Aussage der Vorlage kann jedoch ohne die Epigramme nicht erschlossen werden.[21] Zudem führt die Monumentalisierung sowie das Einbinden in eine Landschaft, die der um Roest gleicht dazu, dass Bezüge der Darstellungen untereinander sowie zur Lebenswirklichkeit vor Ort und damit zum Gutsalltag hergestellt werden. Ihre Darstellung in der Landschaft zeigt auf, dass sie auch Gültigkeit außerhalb des Raumes der Halle haben. Die Inscriptiones verdeutlichen aber, dass es sich nicht um ein Abbild der Wirklichkeit handelt.[22] Ungeklärt bleiben die Fragen, ob noch weitere derartige Darstellungen im Raum waren sowie welche, und aus welchem Grund sie nicht über die ganze Wand verteilt wurden, sondern nur neben den Türen gemalt sind.

Das so genannte Tapetenzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Tapetenzimmer wurde 1641 erbaut und mit einer Quaderimitation ausgemalt, die sich unter der jetzigen Wandverkleidung fast komplett erhalten hat.[23] Die heute sichtbare Wandmalerei stammt aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts und wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt in den Raum gebracht. Der Holzdielenfußboden ist original.[24] Auch das Türblatt und die Paneele stammen überwiegend aus der ersten Ausstattungsphase. Der Eisenofen trägt die Jahreszahl 1707.[25] Im 19. Jahrhundert wurde der Raum überarbeitet. Eine schriftliche Datierung am Ofen zeigt die Jahreszahl 1863.[26] 2007-08 wurde der Raum restauriert.

Beschreibung

Das Tapetenzimmer[27] befindet sich im ersten Obergeschoss an der Nord-West-Ecke des 1641 errichteten Osttraktes. Der trapezförmige Raum misst ungefähr vier auf fünf Meter und ist knapp drei Meter hoch. Er wird durch eine Tür im Süden betreten und öffnet sich mit einem Fenster nach Norden und einem Fenster nach Westen. Die Wände sind mit Ausnahme der Nordwand mit figürlich bemalter Leinwand bespannt. An der nördlichen Wand befindet sich ein Kamin sowie eine Fensternische. Sie ist wie auch die westliche Fensternische malerisch an die Wandbespannung angepasst. Ein umlaufendes niedriges Sockelpaneel und die Tür haben eingelegte marmorierte Kassettenfelder. Über der Tür befindet sich ein Oberlicht mit Glassegmenten in Palmettenform. In der Nordwestecke ist zwischen den Fenstern eine Abschrägung, die unten einen Spiegel und oben ein Gemälde aufnimmt. In der gegenüberliegenden Nordostecke steht ein Ofen. Aufgrund seiner farbigen Ausmalung ist die Raumwirkung rot.

Die Wandmalerei des Tapetenzimmers

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Leinwandmalerei wurde offensichtlich nicht für den Raum geschaffen, in dem sie sich heute befindet. Das wird vor allem an der Südwestecke deutlich, wo ein Bild über die Raumecke gezogen ist.[28] Die Malerei muss nach 1726 entstanden, da sie auf Stichvorlagen zurückgeht, die erst 1726 publiziert wurden.[29] Der Auftraggeber ist unbekannt. Die Malerei muss nicht einmal ursprünglich für Roest geschaffen worden sein. Die Ölmalerei besteht aus einzelnen rotbraun grundierten Gewebebahnen, die miteinander vernäht wurden.[30] Sie sind sieben bis fünf Meter lang und ca. zweieinhalb Meter hoch.[31] Die Malerei wurde mehrfach überarbeitet bzw. restauriert. Die Jahreszahl 1863 könnte sich auf die Übermalungen des 19. Jahrhunderts mit Ölfarbe beziehen oder den Einbau.[32] Es gab ehemals Flicken auf den Leinwände und kleine Retuschen. Im Rahmen der Restaurierung 2007/08 wurden die Flicken entfernt und die Fehlstellen geschlossen.[33]

Beschreibung und Ikonographie

An den Wänden werden insgesamt sechs polychrome mythologische Darstellungen[34] präsentiert. Sie werden von gemalten Régencerahmen mit muschelförmiger Bekrönungen gerahmt. Unter jedem Gemälde befindet sich in einem eigenen Rahmen jeweils eine monochrome Landschaftsdarstellung in blau. Die Malereien werden vor einem kräftigen roten Untergrund präsentiert. Prinzipiell stehen zwischen den Darstellungen von Blumen umrankte gedrehte jonische Marmorsäulen auf Postamenten. Doch ließ sich dieses Konzept bei der Zweitverwendung im Tapetenzimmer aufgrund der Raummaße nicht konsequent umsetzen. An der Westwand rechts fehlt eine Säule, die allein neben dem Fenster an der Nordwand angebracht wurde.

Vorlagen und Vergleiche

Die Wandmalerei entspricht weitgehend der des Roten Zimmers und des Kleinen Roten Zimmers auf Schloss Oppurg. Auch hier ist unter der mythologischen Szene eine Landschaft in blauen Farben angebracht und die einzelnen Rapporte werden von gedrehten von Blumen umwundenen Säulen getrennt.

Prometheus bringt den Menschen das Feuer

Beschreibung und Ikonographie

Rechts neben der Eingangstür an der Südwand erblickte man Apoll im Sonnenwagen. Im Vordergrund beugen sich Prometheus und Minverva über die Wolken und blicken hinab auf die Erde. Entgegen dem Befehl Jupiters will Prometheus den dort lebenden Menschen das Feuer bringen. Minerva wird ihm dabei helfen, indem sie ihn zum Sonnenwagen begleiten wird, wo sich der Riesenfenchel, den Prometheus in der Hand hält, entzünden soll. Dieses Feuer wird er dann gleich einer Fackel den Menschen übergeben.

Venus in der Schmiede des Vulkan

Beschreibung und Ikonographie

Das rechts folgende Bild zeigt Venus in der Schmiede Vulkans. Links steht Vulkan am Amboss mit dem Hammer in der Hand und schmiedet einen Brustpanzer. Der Helm ist bereits fertig und Amor überreicht ihn der auf Wolken sitzenden Venus. Vermutlich handelt es sich um die Waffen des Aeneas, die erstellt werden und die Venus für ihren Sohn erbittet.

Diana und Endymion

Beschreibung und Ikonographie

Die rechte Szene an der Westwand zeigt Diana und Endymion. Diana mit Halbmonddiadem und Köcher nähert sich dem Geliebten auf Wolken, während er schläft. Auch der Jagdhund zu Endymions Füßen ist eingeschlafen.

Kybele mit Ceres und einer Dienerin

Beschreibung und Ikonographie

Das linke Gemälde an der Ostwand zeigt die auf einem Löwen sitzende Kybele mit Stadtkrone auf dem Haupt und Füllhorn in der Hand. Hinter ihr hält Ceres eine Korngarbe, während vor ihr eine Dienerin mit Früchten kniet.

Glaukos und Skylla

Beschreibung und Ikonographie

Auf dem rechten Gemälde an der Ostwand erblickt man den Meeresgott Glaukos, der sich in Skylla verliebt – er wird gerade vom Pfeil Amors getroffen, als er Skylla erblickte. Die Geschichte endet traurig, denn Skylla weist seine Werbung ab und Glaukos wendet sich daher an die Zauberin Kirke um Hilfe. Diese ist jedoch selbst in Glaukos verliebt und verwandelte Skylla daher in ein Monster.

Juno und Iris

Beschreibung und Ikonographie

Das letzte Gemälde links neben der Eingangstür an der Südwand zeigt Juno auf Wolken mit ihrem Pfau hinter sich. Links von ihr kniet ihre Botin Iris unter einem Regenbogen. Iris kann auch Winde erzeugen, daher erblickt man auch eine kräftig pustende Putte.

Das Bild über dem Spiegel

Beschreibung und Ikonographie

In Ergänzung zu den sechs mythologischen Bildern wurde über dem Spiegel in der Nordwestecke ein weiteres Bild angebracht. Es zeigt ein urnenähnliches Gefäß auf steinernem Sockel in bewaldeter Landschaft.[35]

Das Zimmer mit der Fabeldecke

Beschreibung

Im ersten Obergeschoss ist an der Südwestecke ein Eckzimmer gelegen, dass sich mit einem Fenster nach Süden und zweien nach Westen öffnet. Der Raum hat eine Holzbalkendecke, deren Fachen sekundär eingebracht wurden.

Die Fabeldecke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckenmalerei ist vermutlich um 1700 entstanden und wurde später an die Decke des Raumes gebracht. Da die Malerei Fabeln von Jean de La Fontaine zeigt, ist eine Entstehung nur nach 1670 möglich. Die geschwungenen Akanthusranken sind in der Region im 17. und 18. Jahrhundert üblich. Es ist möglich, dass die Decke nach 1714 im Rahmen der damals stattfindenden Umgestaltungen in diesen Raum kam. Die Malerei in den Fachen ist schmaler als die Abstände zwischen den Deckenbalken. Die Dielen in jeder Fache sind für sich verlegt und laufen nicht durch. Beides sind Indizien dafür, dass die Deckenmalerei ursprünglich für einen anderen Raum geschaffen wurde.

Beschreibung und Ikonographie

In fünf Fachen sind jeweils zwei Medaillons in Akanthusrahmen gemalt. Die Fläche um die Medaillons herum wird von geschwungenen, schlanken Akanthusranken in Mittelgrau auf hellgrauem Fond gefüllt. Schwarze Schattenlinien und dunkelgraue Schatten geben eine Anmutung von Plastizität. Die Malerei in den Medaillons ist polychrom. Sie zeigt Darstellungen nach Fabeln von Jean de La Fontaine. Zu sehen sind u.a. die Fabel vom Häher, der sich mit Pfauenfedern schmückte, vom Kalb, der Ziege und dem Schaf als Genossen des Löwen, den Fröschen, die einen König haben wollten, dem Frosch, der dem Stier an Größe gleichen wollte, dem Fuchs und dem Storch sowie dem Storch und dem Wolf.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Ellger, KDM Flensburg, 1952. – Ellger, Dietrich (Bearb): Die Kunstdenkmäler des Landkreises Flensburg. München/Berlin 1952.
  • La Corte, Emblematik, 2019. – La Corte, Michael: Emblematik als Teil der profanen Innenraumgestaltung deutscher Schlösser und Herrenhäuser. Vorkommen – Form – Funktion. Göttingen 2019.
  • Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
  • Löffler-Dreyer, Roest, 2008. – Löffler-Dreyer, Birgid: Zur Restaurierung des Portals und der Wandmalereien im Rittersaal des Herrenhauses Roest. In: DenkMal! 15 (2008), S. 63-66.
  • Löffler-Dreyer, Roest, 2009. – Löffler-Dreyer, Birgid: Die Restaurierung des kleinen „Tapetenzimmers“ im Herrenhaus Roest. In: DenkMal! 16 (2009), S. 36-41.
  • Müller, Roest, 1965. – Müller, Wolfgang J.: Eine Wandmalerei im Herrenhaus Roest. Versuch zur Deutung ihres emblematischen Inhaltes. In: Nordelbingen 34 (1965), S. 129-138.
  • Müller, Roest, 1968. – Müller, Wolfgang J.: Das emblematische Vorbild für die Wandmalerei im Herrenhaus Roest. In: Nordelbingen 37 (1968), S. 15-17.
  • Neuschäffer, Schlösser, 1989. – Neuschäffer, Hubertus: Schleswig-Holstein. Schlösser und Herrenhäuser. Husum 1989.
  • Rumohr, Schleswig, 1987. – Rumohr, Henning von: Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Schleswig. Würzburg 1987.
  • Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
  • Schulze, Bericht, 1995. – Schulze, Heiko K.L.: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege 1991-1994. In: Nordelbingen 64 (1995), S. 179-223.
  • Seebach, Herrenhäuser, 1985. – Seebach, Carl-Heinrich: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Neumünster 1985.
  • Stilling, Herregårde, 2021. – Stilling, Niels Peter: Danmarks Herregårde. Slesvig og Holsten. Kopenhagen 2021.
  • Teuchert, Bericht, 1985. – Teuchert, Wolfgang: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein 1969-1984. In: Nordelbingen 54 (1985), S. 193-301.
  • Voß, Roest, 2014. – Voß, Renate: Daniel Cramer auf Gut Roest bei Kappeln. In: Höpel, Ingrid (Hrsg.): Architektur als Ort für Embleme. Beiträge zu einer Tagung des Kunsthistorischen Instituts der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel am 26.01.2013 (Mundus Symbolicus, 2). Kiel 2014, S. 67–76.
  • Quellen:
  • Cramer, Emblemata, 1630. – Cramer, Daniel: Octaginta Emblemata Moralia nova [...]. Frankfurt/Main 1630.
  • Archivalien:
  • Böddeker/Schlichting, Roest, 1991. – Restauratorenteam GbR Jürgen Böddeker & Udo Schlichting DVR: Untersuchungsbericht Kappeln/Melby, Gut Roest, Halle EG, Tapetenzimmer OG. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte SL, Kappeln, Gut Roest ONR 1076, RM 665).
  • Lins, Tapetenzimmer, 1991. – Lins, Ursula: Restaurierungen im Tapetenzimmer. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte SL, Kappeln, Gut Roest ONR 1076, RM 662).
  • Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008. – Konservierung und Restaurierung der textilen und hölzernen Ausstattung des „kleinen Tapetenzimmers“ auf Gut Roest, Kappeln/Melby. Dokumentation der durchgeführten konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen aus den Jahren 2007-2008. Ausführende Restauratoren: Dorothée Simmert, Markus Freitag, Bettina Heine, Hanna Johann. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte SL, Kappeln, Gut Roest ONR 1076, RM 661).
  • Butt, Roest, 2007. – Butt, Britta (Butt Restaurierungen): Gut Roest, Herrenhaus. Dokumentation zur Konservierung und Restaurierung der Wandmalereien und des Stuckkamins in der Eingangshallte im EG sowie der Wandmalereien im Tapetenzimmer im 1. OG. Lübeck. Dezember 2007. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte SL, Kappeln, Gut Roest ONR 1076, RM 666).

Einzelnachweise

  1. Stilling, Herregårde, 2021, S. 59-64; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 474-477; Voß, Roest, 2014, S. 67; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 401-402; Rumohr, Schleswig, 1987, S. 124-138; Teuchert, Bericht, 1985, S. 264-268; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 3; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 46-51; Ellger, KDM Flensburg, 1952, S. 282-285.
  2. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 474-475; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 50.
  3. Löffler-Dreyer, Roest, 2008, S. 63-64; Butt, Roest, 2007; Böddeker/Schlichting, Roest, 1991, S. 5, 8, 10-11.
  4. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 477; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 401; Löffler-Dreyer, Roest, 2008, S. 63-64; Böddeker/Schlichting, Roest, 1991, S. 5, 8-9; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 47-48.
  5. La Corte, Emblematik, 2019, S. 236; Löffler-Dreyer, Roest, 2008,S. 64-66; Böddeker/Schlichting, Roest, 1991, S. 10-11, 14; Ellger, KDM Flensburg, 1952, S. 284.
  6. 6,0 6,1 La Corte, Emblematik, 2019, S. 236; Löffler-Dreyer, Roest, 2008, S. 64-66; Böddeker/Schlichting, Roest, 1991, S. 10-11, 14; Ellger, KDM Flensburg, 1952, S. 284.
  7. La Corte, Emblematik, 2019, S. 236; Voß, Roest, 2014, S. 67.
  8. Müller, Roest, 1965; Müller, Roest, 1968.
  9. Cramer, Emblemata, 1630. Vgl. La Corte, Emblematik, 2019, S. 236; Voß, Roest, 2014, S. 71-74.
  10. La Corte, Emblematik, 2019, S. 236; Voß, Roest, 2014, S. 71.
  11. La Corte, Emblematik, 2019, S. 238; Voß, Roest, 2014, S. 72.
  12. Löffler-Dreyer, Roest, 2008,S. 64-66; Butt, Roest, 2007, S. 15-17ff.; Böddeker/Schlichting, Roest, 1991, S. 10, 14.
  13. La Corte, Emblematik, 2019, S. 236; Voß, Roest, 2014, S. 68.
  14. 14,0 14,1 Voß, Roest, 2014, S. 71-72; Löffler-Dreyer, Roest, 2008, S. 64.
  15. Cramer, Emblemata, 1630. Vgl. Voß, Roest, 2014, S. 72.
  16. La Corte, Emblematik, 2019, S. 237; Voß, Roest, 2014, S. 68, 74.
  17. La Corte, Emblematik, 2019, S. 237.
  18. Voß, Roest, 2014, S. 67; Löffler-Dreyer, Roest, 2008, S. 65.
  19. Cramer, Emblemata, 1630.
  20. La Corte, Emblematik, 2019, S. 235, 237-238; Voß, Roest, 2014, S. 72, 74.
  21. Corte, Emblematik, 2019, S. 238-240; Voß, Roest, 2014, S. 74; Löffler-Dreyer, Roest, 2008, S. 64-65.
  22. La Corte, Emblematik, 2019, S. 239-142.
  23. Butt, Roest, 2007, S. 78-80.
  24. Böddeker/Schlichting, Roest, 1991, S. 18.
  25. Ellger, KDM Flensburg, 1952, S. 284.
  26. Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008, S. 8.
  27. Löffler-Dreyer, Roest, 2009, S. 36; Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008, S. 3; Böddeker/Schlichting, Roest, 1991, S. 5, 18.
  28. Löffler-Dreyer, Roest, 2009, S. 37; Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008, S. 8.
  29. Etwa die Vorlage für das Gemälde mit Glaukos und Skylla, das auf Jacques Dumont, gen. Le Romain zurückgeht und 1726 bei Louis Surugue veröffentlich wurde.
  30. Löffler-Dreyer, Roest, 2009, S. 37; Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008, S. 3-4.
  31. Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008, S. 3.
  32. Löffler-Dreyer, Roest, 2009, S. 37.
  33. Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008, S. 13, 20-24.
  34. Löffler-Dreyer, Roest, 2009, S. 38; Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008, S. 3-4; Böddeker/Schlichting, Roest, 1991, S. 5; Ellger, KDM Flensburg, 1952, S. 284.
  35. Simmert/Freitag/Heine/Johann, Tapetenzimmer, 2008, S. 6.