Laß, Heiko:Kühndorf, Johanniterburg, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/621998f6-ae37-41a9-a9de-14784c85552e

Inventarnummer: cbdd10164

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In der Johanniterburg von Kühndorf haben sich Reste von Decken- und Wandmalerei aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten. Sie wurden weitgehend 1921 überfasst.

Die sog. Johanniterburg in Kühndorf

Kurzbeschreibung und Lage

Die sogenannte Johanniterburg[1] in Kühndorf erhebt sich auf einer Anhöhe im Norden der gleichnamigen Ortschaft. Die Anlage setzt sich aus einer Unter- und einer Oberburg zusammen. Ihr ist im Süden zum Ort hin ein ehemaliger Wirtschaftshof vorgelagert.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Die sogenannte Johanniterburg wurde vom Johanniterorden 1315 auf den Resten einer niedergelegten Vorgängeranlage errichtet. Graf Berthold VII. hatte sie an den Orden und seinen Bruder Berthold VI., der Mitglied des Ordens war, verkauft. Es entstand eine kastellartige Anlage mit zwei Breitwohntürmen in der Oberburg sowie einer Unterburg. Die Gründung war für den Orden ein Misserfolg, 1429/30 wurde die Komturei aufgelöst und 1435/36 an die Henneberger verkauft. Die Grafen von Henneberg-Römhild modernisierten die Anlage, setzen einen Zwinger mit Ecktürmen um die Burg und ließen unter Graf Georg von Henneberg-Römhild ab 1539 ein Torhaus im Süden vor das Kastellgeviert setzen. 1549 gelangte Kühndorf an die Linie Henneberg-Schleusingen, die Kühndorf zum Amtssitz umbaute und den südlichen Wohnturm erhöhen ließ.

Nach dem Absterben der Linie Henneberg 1583 kam die Grafschaft Henneberg und mit ihr Kühndorf an die Wettiner. Ab 1590 war das Schloss Sitz des Hochgerichts. Die Wettiner bauten den Komplex aus, ließen einen Turm erhöhen und 1610 als dritten Flügel den sog. Küchenflügel aufführen. 1660 teilten die Wettiner die Grafschaft Henneberg auf und Kühndorf gelangte an das Kurfürstentum Sachsen. Bis 1718 gehörte Kühndorf zur Nebenlinie Sachsen-Zeitz und kam dann an die Dresdner Hauptlinie.

1815 gelangte es an Preußen. Diese verlegten den Gerichtssitz 1835 nach Suhl und verkauften das Schloss 1902 in Privatbesitz. Unterburg und Oberburg erhielten verschiedene Eigentümer. Die Oberburg gelangte 1920 an Gustav Treupel aus Jena, der Renovierungen und Innenausbauten vornehmen ließ. 1945 wurde das Schloss enteignet. 1991 kauften es Johann-Friedrich und Gudula von Eichborn. Seit 1992 wird die sog. Johanniterburg sukzessive saniert.

Beschreibung

Oberhalb der Vorburg erhebt sich die um einen engen Hof gruppierte trapezförmige Anlage hinter der teilweise erhaltenen Zwingermauer. Man betritt den Komplex durch das im Süden gelegene, über den Zwinger gebaute Torhaus. Der zentrale Bergfried zwischen Ober- und Unterburg ist heute bis auf einen Stumpf niedergelegt. Die U-förmige Oberburg selbst setzt sich aus drei Flügeln zusammen: dem viergeschossigen sogenannten Südflügel, dem im Westen gelegenen siebengeschossigen ehemaligen Wohnturm sowie im Norden dem fünfgeschossigen sogenannten Küchenbau.

Das sog. Gerichtszimmer

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Im Torhaus ist über dem Eingang das sogenannten Gerichtszimmer[2] gelegen. Hier haben sich in Resten teilweise übereinander Gewölbe- und Wandmalereien von ca. 1540, 1627 und 1921 erhalten. Man kann davon ausgehen, dass die erste Fassung entstand, als die Toranalgen um 1540 verändert bzw. neu erbaut wurde. Eine zweite Fassung kam in der Zeit der wettinischen Gesamtverwaltung 1627 in den Raum. Später wurden die Malereien übertüncht. Unter Treupel erfolgte eine dritte Fassung. Es ist bisher nicht bekannt, inwieweit sie sich auf die älteren Fassungen bezieht und inwieweit es sich um eine Neuschöpfung handelt. Mögliche Malereien in den unteren Wandbereichen sind weitgehend verloren.

Beschreibung

Das sogenannte Gerichtszimmer – auch Herrenstube genannt – im Obergeschoss des Torturms hat zwei Kreuzgewölbe. Er öffnet sich mit tiefen Fensternischen mit Fensterbänken zweimal nach Süden und einmal nach Osten. Türen im Westen und Norden erschließen den Raum.

Die Decken- und Wandmalerei im Gerichtszimmer

Deckenmalerei

Die Deckenmitte wird von einer Rose eingenommen. Diese Malerei stammt aus dem 20. Jahrhundert. Auch die nach Osten in der Wölbung anschließende Personifikation der Gerechtigkeit (Justitia) mit Richtschwert und Waage auf einem Bodenstreifen stammt ebenso wie die im Westen zu sehende Personifikation der Klugheit (Prudentia) mit Spiegel und eventuell einer Schlange am linken Handgelenk auf einen Bodenstreifen von 1921. Sie nehmen Bezug auf die ehemalige Funktion des Raumes als Gerichtszimmer und überfassen eventuell ältere vergleichbare Darstellungen.

Die südlichen Stichkappen sowie das südliche Gewölbefeld nehmen ein Rankenwerk auf. Dabei wechseln sich goldenes und schwarzes Rankenwerk ab. Aus den Ranken wachsen Blätter und verschiedene Blumen hervor. Auch diese Malerei stammt zumindest in ihrer gegenwärtigen Erscheinung von 1921. Die nördlichen Stichkappen und das nördliche Gewölbefeld präsentieren ein ähnliches Rankenwerk gleicher Zeitstellung.

Wandmalerei

An der Südwand ist oberhalb der Fenster in der Mitte der Rest eines gemalten, großen sächsischen Staatswappens zu sehen. Die unteren Bereiche der Malerei sind soweit zerstört, dass sie ebenso wenig wie die in den Fensterlaibungen bestimmt werden können. Zumindest das Wappen stammt von 1627, wie vermutlich auch andere Wandmalereien an der Nord, West- und Ostwand.

Der südliche Stichbogen an der Westwand zeigt einen Pelikan, der mit seinem Blut seine Jungen im Nest füttert. Der nördliche Stichbogen präsentiert das Rad des Schicksals, an das sich drei Menschen klammern. Zur Darstellung gehört ein Schriftband, dessen Buchstaben unlesbar geworden sind. Es zitierte ehemals wie alle anderen Schriftbänder auch einen Sinnspruch aus der Rechtspflege.

An der Nordwand haben sich über der zentralen Tür zwei gemalte Engel erhalten, die ein Schriftband mit ebenfalls nicht mehr lesbaren Buchstaben halten. Sie stammen in ihrer gegenwärtigen Erscheinung, wie das die Wand überfangende weitere Schriftband, von 1921.

Die Ostwand hat in ihrer linken nördlichen Hälfte eine tiefe Nische. Über dieser wird ein Schriftband präsentiert. Die Malerei in der Südhälfte über dem Fenster ist nicht mehr zu bestimmen.

Der Saal im Südflügel

 

Beschreibung und Datierung

Der Saal[3] im Südflügel nimmt mit ca. 100 Quadratmetern das gesamt Geschoss ein und öffnet sich mit fünf Fenstern nach Süden. Die Fenster sind spätere Erweiterungen und stammen nicht aus dem Mittelalter. Ursprünglich befanden sich hier wohl mehrere Räume. Die Deckenbalken stammen aus der Zeit zwischen 1520 und 1619.

Die Wandmalereireste im Saal

 

Beschreibung und Ikonographie

Bei Eichborn heißt es: „An den Wänden sind Reste von Malerei der Renaissance in Rollwerk und Architekturmalerei aus Zeit zwischen 1520 und 1610 zu erkennen, die gleichfalls auf die frühere Raumaufteilung hinweisen.“[4] Zwischen den beiden westlichen Fenstern hat sich im oberen Wandbereich der Rest einer in Grisaille gemalten Blumenvase erhalten.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Altwasser, Kühndorf, 2001. – Altwasser, Elmar: Die Johanniterburg Kühndorf und ihr architektonisches Erscheinungsbild im Jahre 1320. In: Biller, Thomas (Red.): Burgen kirchlicher Bauherren (Forschungen zu Burgen und Schlössern, 6). München/Berlin 2001, S. 255–270.
  • Bergner, Ziegenrück und Schleusingen, 1901. – Bergner, Heinrich: Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Schleusingen. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Ziegenrück und Schleusingen. Halle a.d.S. 1901.
  • Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. Berlin/München 1998.
  • Eichborn, Kühndorf, 2015. – Eichborn, Johann Friedrich und Gudula von: Johanniterburg Kühndorf im Henneberger Land. Aidhausen 2015.
  • Archivalien:
  • Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege. Archiv [66.063-0001]. Kühndorf, Schloß, Band I, 1958–1979.

Einzelnachweise

  1. Eichborn, Kühndorf, 2015; Altwasser, Kühndorf, 2001; Dehio, Thüringen, 2003, S. 736–737; Bergner, Ziegenrück und Schleusingen, 1901, S. 156–162 (zum Schloss S. 159–162).
  2. Eichborn, Kühndorf, 2015, S. 38. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege. Archiv [66.063-0001]. Kühndorf, Schloß, Band I, 1958–1979.
  3. Eichborn, Kühndorf, 2015, S. 12–13.
  4. Eichborn, Kühndorf, 2015, S. 13.