Itzehoe, sog Prinzesshof
Inventarnummer: cbdd20151
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Im Prinzesshof in Itzehoe haben sich drei bemalte Holzbalkendecken von 1675 erhalten. Eine Decke zeigt inmitten von Blattwerk mehrere Knaben, die durch das Blattwerk klettern, eine Eule, einen Hasen und Obst. Die anderen beiden Decken sind ornamental gestaltet.

Der Prinzesshof in Itzehoe
Kurzbeschreibung und Lage
Der so genannte Prinzesshof steht östlich der Altstadt von Itzehoe und lag ehemals außerhalb der Stadt. Heute befindet sich im Osten an der Eingangsseite ein kleiner Platz, im Westen ist ein Garten gelegen.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Ein Gebäude an der Stelle des später so genannten Prinzesshofs wurde erstmals 1556 genannt und war ein Wohnhaus des Klosters Itzehoe. 1569 belehnte das Kloster der Steinburger Amtmann Otto von Thienen mit dem Grundstück. Dieser errichtete sich ein neues Gebäude. 1662 erwarb Graf Friedrich von Ahlefeldt zu Langeland und Rixingen den Hof. Er war von 1663 bis 1686 ebenfalls Amtmann in Steinburg und ließ das Haus ausbauen. Bereits 1674 verkaufte er es an den Amtsverwalter Nicolaus Brüggemann, der es umbauen ließ. 1680 wurde Brüggemann von König Christian V. in den Adelsstand erhoben. 1687 ist er gestorben. Das Gebäude wechselte auch weiterhin die Besitzer. Einer von ihnen, Rochus Friedrich zu Lynar, ließ die Rückfront des Hauses nach 1744 neu gestalten und wohl auch den Südflügel errichten. 1753 kam der Nordflügel hinzu. Erst 1807 wurde das Gebäude freies Eigentum und unabhängig vom Kloster. 1810 erwarb die Schleswig-Holsteinische Ritterschaft das Gebäude und ließ es im Inneren modernisieren, damit es der jeweiligen Äbtissin des Damenstifts Itzehoe als Wohnsitz dienen konnte. Auf die Zeit der nun folgenden Nutzung geht der Name Prinzesshof zurück. 1958 kaufte die Stadt Itzehoe das Anwesen. 1964 erhielt das Kreismuseum einige Räume. 1981-87 erfolgte eine durchgreifende Erneuerung und anschließend die Wiedereröffnung des Museums.[1]
Beschreibung
Der zweigeschossige Bau hat zehn Achsen Breite. Die mittleren fünf Achsen gehören zum ursprünglichen Kernbau von 1674 und sind unter einem hohen Walmdach zusammengefasst. Die Flügelbauten fluchten an der Westseite mit dem Kernbau. Sandsteinportale an der Eingangs- und Gartenseite erschließen ihn.[2]
Die ehemaligen Räume im ersten Obergeschoss

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Im Zuge der Baumaßnahmen unter Nicolaus Brüggemann entstanden 1674 im Obergeschoss drei Räume an der Gartenseite. Im Rahmen der Restaurierung 1981-87 wurde die erhaltene Deckenmalerei der Räume entdeckt. Zunächst war daraufhin angedacht, die Räume wieder herzustellen, doch entschied man sich 1985 dagegen, als in den Nordbereich das neue Treppenhaus des Museums eingebaut wurde.[3]
Beschreibung
Die Räume haben sich nicht erhalten. Die ursprüngliche Raumaufteilung ist an der Deckenmalerei ablesbar. Heute befindet sich hier ein durchgehender Raum, der auch das Treppenhaus miteinschließt.[4]
Die erste Decke
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei geht auf den Umbau des Hauses von 1674 zurück. Sie wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt verdeckt, eventuell im Zuge der Veränderung der Rückfront des Hauses nach 1744, und 1982 wieder gefunden.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Die Holzbalkendecke ist in drei Fachen unterteilt. Die linke Fache wird von einem weiteren Querbalken horizontal geteilt und das so entstandene obere Feld ein weiteres Mal von einem diagonalen. Vom unteren Feld ist durch einen weiteren Querbalken ein schmaler Streifen abgetrennt. Die Unterseiten aller Balken sind bzw. waren mit orangenen Ornamenten auf dunklem Grund gestaltet. An den übrigen beiden Seiten gibt es in der Mitte zusätzlich Obstdarstellungen in Weiß.
Die Malerei in den Fachen präsentiert auf dunklem Grund orangefarbenes vegetabiles Rankenwerk mit verschiedenen Früchten. Wenige weiße Blätter und große weiße Blumen setzen Akzente. In den Ranken befinden sich ferner verschiedene ebenfalls weiß angelegte Figuren. Im oberen Bereich der linken Fache hält sich ein Knabe am Blattwerk fest. Im Feld darunter bläst ein weiterer Knabe in ein gewundenes Horn. Die mittlere Fache hat in der Mitte eine große Fehlstelle. Oben klettert ein Knabe durch das Schlingwerk und blickt interessiert in die nächste Fache. Unter ihm hockt eine Eule. Das Interesse des Knaben gilt einem weiteren, der in der Mitte der rechten Fache offenbar den Halt verloren hat und kopfüber nach unten stürzt. Rechts über ihm kann man einen Hasen entdecken. Im unteren Bereich hat sich ein Knabe auf ein Knie niedergelassen. Er blickt empor und hat die Arme geöffnet. Er wird den Stürzenden auffangen.
Die hohe Qualität der Malerei und ihr sehr guter Erhaltungszustand machen sie in Bezug auf ihre Entstehungszeit für das Land Schleswig-Holstein einzigartig.[5]
Die zweite Decke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei geht auf den Neubau des Hauses von 1674 zurück. Sie wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt verdeckt, eventuell im Zuge der Veränderung der Rückfront des Hauses nach 1744, und 1982 wieder gefunden.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Die Holzbalkendecke ist in vier Fachen unterteilt. Die Fachen sind mit malerischen Mitteln ornamental geometrisch gegliedert. Einige Bereiche sind verloren. Man erblickt fingierte grüne Kassetten, von denen scheinbar goldfarbene Schmuckelemente herabhängen. An den Rändern wurden auf rotem Grund Obstgehänge gemalt. Die Balkenseiten folgen der Gestaltung der Fachen.
Die dritte Decke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei geht auf den Neubau des Hauses von 1674 zurück. Sie wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt verdeckt, eventuell im Zuge der Veränderung der Rückfront des Hauses nach 1744, und 1982 wieder gefunden.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Die Holzbalkendecke ist in drei Fachen unterteilt. Die rechte Fache wird von einem weiteren Querbalken horizontal geteilt und das so entstandene obere Feld von einem diagonalen noch einmal. Vom unteren Feld ist durch einen weiteren Querbalken ein schmaler Streifen abgetrennt. Die Malerei in den Fachen ist oben und unten verloren. Sie fingiert zentrale achteckige Kassetten mit goldenen Schmuckgehängen. Der übrige Bereich ist mit orangenem Blattwerk und weißen Früchten bemalt. Diese Gestaltung erinnert an die erste Decke.
Die translozierte Wandmalerei aus dem ehem. Hof Hein in Wewelsfleth

Die Malerei ist unter ihrem ursprünglichen Standort erfasst:
https://www.deckenmalerei.eu/723e8aa2-8c06-4ad4-bc03-04fd5045caa5
Bibliographie
- Literatur:
- Bericht Denkmalpflege, 1982. – Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 1980 und 1981, in: Nordelbingen 51 (1982), S. 165-210.
- Bericht Denkmalpflege, 1988. – Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 1986 und 1987, in: Nordelbingen 57 (1988), S. 197-302.
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Schünemann, Prinzesshof, 1970. – Schünemann, Hugo: Prinzeßhof, in: Heimatmuseum Prinzesshof. Itzehoe (Heimatverband für den Kreis Steinburg e.V.). Itzehoe 1970, S. 20-23.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 391; Schünemann, Prinzesshof, 1970.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 391.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Bericht Denkmalpflege, 1988, S. 260; Bericht Denkmalpflege, 1982, S. 199.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 391; Bericht Denkmalpflege, 1988, S. 260.
- ↑ Bericht Denkmalpflege, 1982, S. 199.