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Ingolstadt, Stadtpfarrkirche St. Moritz

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 14: Landkreis Ingolstadt; Landkreis Pfaffenhofen. Hirmer, München 2010, ISBN 978-3-7774-3001-0, S. 117–121, geschrieben von Grimminger, Christina. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Untere Pfarr, Pfarrverband Münster St. Moritz. Nachweisbar am Schnittpunkt zweier sich kreuzender Hauptstraßen ist erst der 1232 geweihte Vorgängerbau, der sich topographisch wie ideell zum Zentrum der Gründungsstadt Ingolstadts entwickelte. Die barocke Ausmalung wurde bei der Regotisierung 1888/89 zerstört.

Patrozinium: St. Moritz

Zum Bauwerk: Im überkommenen Baubefund ist der Vorgänger einer niedrigen, spätromanischen Basilika mit seitlich angefügtem Turm nachweisbar, den der Eichstätter Bischof Heinrich von Rabensburg 1234 weihte. Sein heutiges Aussehen erhielt St. Moritz durch Umbaumaßnahmen ab der 2. Hälfte des 14. Jh.s, die mit der Chorweihe 1359 einen Anfang und mit der Aufrichtung des Dachwerks über dem Langhaus Anfang der 1380er-Jahre im Wesentlichen ihren Abschluss fanden. Nach kleineren Barockisierungsmaßnahmen im 17. Jh. wurde St. Moritz in den Jahren 1756-65 einer das innere Erscheinungsbild prägenden Umbaumaßnahme unterzogen. Baulich sind als wichtigste Veränderungen zu nennen die Schaffung einer Stichkappentonne, die Umgestaltung der Spitzbogenarkaden in Rundbogen sowie der Rundpfeiler in quadratische Pfeiler mit Vorlagen und die Ausgestaltung des Raumes mit Stuckdekor und -figuren, Deckengemälden und einem neuen Hochaltar. Als ausführende Kräfte wurden neben dem >auswärtigen < Johann Baptist Zimmermann, der mitten unter den Baumaßnahmen 1758 starb, die besten Stadtkünstler Ingolstadts bzw. die Hofkünstler des Hochstifts Eichstätts beauftragt Für die Maurerarbeiten des Umbaus zeichnete der Ingolstädter Stadtmaurermeister Veit Haltmayr verantwortlich. Stuck und Fresken waren das Spätwerk Johann Baptist Zimmermanns, assistiert von seinem Schüler Philipp Helterhof und dem Ingolstädter Johann Evangelist Hölzl. Der Hochaltar, den der Eichstätter Hofbaudirektor Mauritio Pedetti als achtsäuligen Ziboriumsaltar entwarf, führten die Ingolstädter Schreiner Matthias Betz (auch Petz) und Michael Zängl aus, die Figuren fertigte der Eichstätter Bildhauer Joseph Anton Breitenauer, den Tabernakel der Augsburger Goldschmied Franz Joseph Berdoldt.

Im Zuge der Regotisierung von St. Moritz, die ab 1852 und vor allem 1888/89 durchgeführt wurde, fiel fast die gesamte baufeste wie mobile Ausstattung zum Opfer. Das barocke Stuckkleid samt Freskenschmuck wurde abgeschlagen und neue Gewölberippen in Gips angebracht sowie eine neue Ausstattung aus Altären, Kanzel und Chorgestühl in neugotischen Stilformen angeschafft. Das ehemals barocke Erscheinungsbild des Kircheninneren überliefern historische Fotos sowie eine Federzeichnung von dem Ingolstädter Bildhauer Georg Widmann aus der Zeit um 1845 (s. unter Befund).

Das Kircheninnere von St. Moritz prägt heute, nachdem 1945 Bomben starke Schäden verursacht haben, ein Wiederaufbaukonzept; dieses entfernte die neugotische Überformung des Raumes und stellte das spätromanisch-gotische Raumbild wieder her, das mit den erhaltenen Resten der Barockzeit neu ausgestattet wurde. Letzte Restaurierungen fanden 1956/57, 1973 und 1999f. statt.

Dreischiffige Basilika zu sechs Jochen (LHs Mittelschiff ca. 30×9m), der dreijochige Chor in Mittelschiffbreite (ca. 19×9m) fünfseitig geschlossen im N und S Anbau von 5 bzw. 3 Kapellen, Läutturm im Chorwinkel der N-Seite, daran angeschlossen die Sakristei. Erschließung des LHs vor Westen, Belichtung durch schmale, langgestreckte Maßwerkfenster im AR und kleine Spitzbogenfenster im Obergaden des LHs.

Auftraggeber: Pfarrer Johann Georg Hagn (1756–65). Hagn studierte 1707-13 am Collegium Germanicum in Rom und promovierte 1714 in Ingolstadt zum Dr. theol. Danach war er als Domizellar in der Pfarrei Ilmmünster tätig, trat 1716 ein Kanonikat an der Münchner Frauenkirche an und wirkte ab 1724 als Dekan des Kollegiatstiftes Altötting. 1756 übernahm Hagn die Professur für Bibelwissenschaft an der theologischen Fakultät der Universität Ingolstadt, zugleich betreute er die Moritzpfarrei. Nach Dengler 1904 (S.105) nahm Hagn die Barockisierung von St. Moritz 1756, also noch im Jahr seines Amtsantrittes, in Angriff; er soll 30000 Gulden dafür aus eigenen Mitteln verwendet haben. Hagn starb am 8.9.1765 während eines Besuches bei seinem Bruder in Achdorf bei Landshut, wo er auch bestattet wurde. St. Moritz stiftete Hagn seinen gesamten Nachlass »in augmentum cultus divini et decoris ecclesiae«; eine Gedenktafel in der Pfarrkirche erinnert an ihn. Seine Bibliothek hatte er der Universität vermacht (Götz 1928, S.74; Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 564; Winfried Müller, Hagn, in: Laetitia Boehm, Winfried Müller Wolfgang J. Smolka und Helmut Zedelmaier (Hg.), Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München. Teil I: Ingolstadt- Landshut 1472-1826, Berlin 1998, S. 164.)

Hagn gilt als Entwerfer des Bildprogramms der Barockisierung. Innerhalb der Fresken sollen sich zwei Porträts von ihm befunden haben (s Bildfeld C und Wa). Überliefert sind zwei Porträts von Hagn. Dasjenige im Pfarrhof von St. Moritz zeigt ihn halbfigurig neben einem Tisch stehend, in priesterlichem Talar mit Bäffchen, einen Professorenmantel um die Schultern geworfen. Mit der linken Hand hält Hagn eine Bibel, in der rechten eine Schriftrolle mit der Aufschrift »PARAPHRASIS/Psalterii Davidici« (Abb. Hofmann 1984, S. 35). Ein posthumes Porträt stellt dasjenige in der Reihe der Moritzpfarrer im Alten Rathaus, dem ehemaliger Pfarrhof, dar; es zeigt Hagn als Halbfigur in Talar und mit Professoren mantel vor dunklem Hintergrund, wo in der linken Ecke sein Wapper angebracht ist, in Händen hält er eine Schriftrolle mit der Aufschrif »TESTA/MENTUM/PIUM«. (s. Götz 1928, Abb. im Anhang, woh überarbeitet; Hofmann 1984, S. 38 »In Freilegung begriffen«; Denkmal topographie Ingolstadt Bd 1, Farbtafel XVIII.1 und Bd 2, S. 394, s.v. Rat hausplatz 2).

Autor und Entstehungszeit: Johann Baptist Zimmermann (* 1680 Gaispont bei Wessobrunn † 1758 München) unter Mitarbeit von Philipp Helterhof (* Cham † 1807 München) und Johann Evangelist Hölzl (* 1716 Dietramszell † 1765 Ingolstadt) 1756/65.

Quellen der Ausmalung existieren nicht. In der Literatur taucht der Name Zimmermanns als Stuckator und Helterhofs als Freskant erstmals bei Mederer 1807 (S. 301) auf. Auf Mederer beruft sich Lipowsky in seiein Beitrag über Zimmermann (Bd 2, S. 186f.), jedoch zitiert er nicht korrekt, denn er behauptet, Zimmermann habe mit Helterhof die Fresken gemalt. Der Name Hölzl begegnet erstmals bei Dengler 1904 und nicht schon bei Lipowsky 1810, wie bei Bauer 1985 angegeben. Den überlieferten Fotos zufolge kommt eher Helterhof als Autor in Frage. Hölzl soll die Darstellung des Konzils von Trient gemalt haben, was seiner Vorliebe für wirklichkeitsgetreue Schilderungen sicher entgegen gekommen ist.

Apostelkonzil in Jerusalem

Der Entstehungszeitraum 1756/65 ergibt sich wie folgt: Dengler überliefert, Hagn habe die Barockisierung 1756 mit Beginn seines Amtsantritts in Angriff genommen. Zum Zeitpunkt des Todes von Johann Baptist Zimmermann am 2. 3. 1758 dürfte das Dekorationssystem entworfen gewesen sein und die Arbeiten dürften begonnen haben. Es vergingen allerdings mehrere Jahre, bis die Fresken beendet wurden, denn laut Dengler (S. 106) starb Johann Evangelist Hölzl am 1. 10. 1765, »..., als e eben das Tridentinum malte«. Da die übliche Bauabfolge von Ost nach West ist, dürfte dieses Fresko A tatsächlich als letztes Bildfeld 1765 ausgeführt worden sein. Helterhof jedenfalls arbeitete ab 1764 auch oder hauptsächlich anderweitig (s. u.).

Johann Baptist Zimmermann stand zum Zeitpunkt der Beauftragung in der Endphase seines schöpferischen Schaffens, sowohl als Stuckator wie auch als Freskant. Seine bedeutendsten Werke, die er für den Münchner Hof, Adelige und Klöster gefertigt hatte, gingen der Ausstattung von St. Moritz zeitlich voraus, so auch die Freskierung der Wieskirche (1749- 54). In Ingolstadt hatte er bereits Ende der 1730er-Jahre in der Wallfahrtskirche zur Schuttermutter stuckiert und freskiert (s. S. 122).

Philipp Helterhofs Werdegang überliefert Lipowsky. Er arbeitete zunächst in München als Vergolder, assistierte danach Zimmermann bei der Ausmalung von St. Peter in München, der Klosterkirche Andechs und eben von St. Moritz in Ingolstadt. Nach Zimmermanns Tod arbeitete Helterhof selbständig, und zwar freskierte er 1764 in der Nördlichen Antecamera im Schloss Schleißheim und 1767/68 in St. Georg in München-Bogenhausen. In den 1780er-Jahren arbeitete Helterhof als Diener in Schloss Schleißheim, wo er 1783 für Weißelarbeiten bezahlt wurde. Die erhaltenen Fresken in Bogenhausen zeigen Helterhofs Schulung und stilistische Orientierung an Zimmermann auf, insgesamt lassen Entwurf und Figurenkomposition jedoch dessen Souveränität vermissen. (Vgl. Lipowsky Bd 1, S. 116; CBD Bd 3/1, S. 73-78, 249; Ebd. Bd 3/2, S. 495, 499–502; Hofmann, Siegfried, Zum Werk Ingolstädter Freskenmaler des 18. Jh.s., in: SHVI 82, 1973, S. 156–84, hier: S. 181; Bauer 1985, S. 25.) Johann Evangelist Hölzl, der seit 1747 in Ingolstadt als Maler ansässig war, ist z.Z. der Ausmalung von St. Moritz der künstlerisch bedeutendste wie auch produktivste einheimische Maler Ingolstadts, wenn auch mit Schwerpunkt als Porträt- und Altarbildmaler. Über Hölzls Lehrjahre gibt es keine gesicherten Nachrichten. Aus stilistischer Sicht ist eine Ausbildung und Mitarbeit bei Johann Baptist Zimmermann möglich; gekannt hatte Hölzl, der 1716 als Sohn des Kochs des Augustiner-Chorherrenstifts Dietramszell zur Welt kam, sicher die Fresken in der dortigen Klosterkirche, die Zimmermann 1741 schuf. Kurz vor seiner bereits geplanten Übersiedelung nach Ingolstadt heiratete Hölzl in Altenhausen bei Freising die Tochter des Malers Franz Deschler. Die einzigen bislang bekannten Fresken in Elsendorf (NB, LKr. Kelheim), die Hölzl 1761 signierte, dokumentieren sein Können auch in dieser Gattung, zeigen jedoch Hölzls Vorliebe für die Ölmalerei. (Vgl. Literaturverzeichnis im Anhang S. 269).

Konzil von Trient, Gemälde 17. Jh., Kaisheim

Befund

Träger der Deckenmalerei: ursprünglich Stichkappentonne Rahmen: ursprünglich profilierte Stuckrahmen

Technik: wohl Fresko; polychrom

Maße: A-C Höhe 18 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Fresken fielen der Renovierung von St. Moritz 1888/89 zum Opfer. Ihr Aussehen dokumentieren die Federzeichnung des Ingolstädter Bildhauers Georg Widmann aus der Zeit um 1845 (Stadtmuseum Ingolstadt, Graphische Sammlung II/111 49,5 × 42 cm; Abb. S. 118) sowie historische Fotoaufnahmen der Zeit vor 1888/89, die teils bereits das aufgestellte Gerüst zeigen. Im Chorfresko soll der Auftraggeber der barocken Ausmalung, Pfarrer Hagn, abgebildet gewesen sein. Dengler überlieferte 1904 »Der Kopf Hagn’s wurde aus der Gypsmasse, als man jüngst das Gemälde entfernte, ausgelöst und befindet sich jetzt im Besitz des historischen Vereins hier«. Der Kopf muss jedoch als verschollen gelten (Frdl. Mitt. Edmund Hausfelder, Stadtmuseum Ingolstadt).

Rekonstruierende Beschreibung und Ikonographie

Das Dekorationssystem bestand aus drei großformatigen Bildfeldern in passig geschweifter Form, zwei im LHs und eines im AR, begleitet von mit Rocaillen umrahmten Kartuschen. Das Bildprogramm der Deckengemälde komplettierten ein Apostelzyklus (an den Wänden des Mittelschiffes, möglicherweise al fresco; vgl. W1-12) und Soldaten der Thebäischen Legion (acht Stuckfiguren auf den Kämpfern der Arkadenpfeiler).

Als Entwerfer des Ausstattungsprogramms gilt Pfarrer Hagn. Bereits Mederer bemerkte (S. 303): »Als etwas Sonderbares bey dieser Morizkirche verdienen angemerkt zu werden die drey großen Fresko-Gemälde im Plafonde, ...«. Dengler 1904 (S. 105) brachte erstmals das Bildprogramm mit Hagn in Zusammenhang: »Der Gegenstand der Gemälde steht mit der lehramtlichen Tätigkeit Dr. Hagn’s als Professor der biblischen Wissenschaften im Zusammenhange«. Dies griff Hofmann auf und nannte das Programm »ekklesiologisch-apologetisch«.

A KONZIL VON TRIENT Blickrichtung nach West. Das Bildfeld gewährte den Blick in einen Kircheninnenraum. Zwei hohe Arkadenreihen begrenzten ein tonnengewölbtes Mittelschiff, seitlich waren Kapellenräume zu erahnen. Im Mittelschiff saßen sich links das Kardinalskollegium im Chorgestühl und rechts in einem Halbrund und in vier erhöhten Reihen die Konzilsväter mit Mitra und Birett gegenüber. In der freien Mitte der Anlage saß der Vertreter des Kaisers sowie an einem kleinen Tisch der Konzilssekretär. Nach vorne war die Versammlung durch eine Holzbrüstung abgetrennt, vor der weitere Teilnehmer saßen. Ein Schweißer Gardist stand zuvorderst als Wache. An das Mittelschiff schloss sich der Chorraum der Kirche mit einem mächtigen Altaraufbau an. Hier hatte sich das Volk versammelt; davor stand der Redner auf der Kanzel. Die Darstellung zeigte eine Sitzung des Konzils von Trient (1545-63) in Santa Maria Maggiore. Die Bildaufteilung folgte detailgetreu einer Komposition, die durch Kupferstiche weit verbreitet war. Oft kopiert wurde aber auch ein Gemälde von Elia Naurizio aus dem Jahre 1633. Diesem Gemälde folgt eine Kopie aus der 2. Hälfte des 17. Jh.s, das in der Sakristei der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Kaisheim überkommen ist und der Darstellung in St. Moritz sehr ähnlich ist (s. Herbert Immenkötte, Konzil von Trient, in: Als Frieden möglich war. 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden, = Begleitband zur Ausstellung im Maximilianmuseum Augsburg 16. 6.–16. 10. 2005, Regensburg 2005, S. 412f. Abb. S. 63; vgl. auch LCI Bd 2, Sp. 555f. s. v. Konzil).

A1-2 BIBELZITATE in den seitlichen Schriftkartuschen A, ALIOS/AUTEM PASTO/RES ET DOCTO/RES IN AEDIFICA /TIONEM CORPO/RIS CHRISTI Eph 4,11f., Fortsetzung von B2: » ... etliche zu Hirten und Lehrern, dass die Heiligen zugerichtet werden zum Werk des Dienstes, dadurch der Leib Christi erbaut werde.«

A, ECCLESIA/DEI VIVI/COLUMNA ET/FIRMAMENTUM/ VERITATIS 1 Tim 3,15: »So ich aber verzöge, dass du wissest, wie du wandeln sollst in dem Hause Gottes, welches ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit.«

B APOSTELKONZIL IN JERUSALEM Blickrichtung nach Ost. Schauplatz des Geschehens war eine steil sich erhebende und nahezu das untere Bilddrittel einnehmende, in sich verschachtelte Treppenanlage, die von einem kolonnadenähnlichen Architekturprospekt hinterfangen wurde, worüber der Blick in den freien Himmel geführt wurde. Auf den Stufen waren mehrere Apostel sitzend bzw. stehend dargestellt. Auf den oberen Stufen standen zu beiden Seiten Gruppen von Aposteln, die auf eine isolierte, zentrale Gestalt ausgerichtet waren; dies dürfte Petrus gewesen sein, der sich besänftigend in den Streit der Apostel und der Altesten eingemischt hatte. Im Himmel darüber dürften Putten und Engel dargestellt gewesen sein.

Das Apostelkonzil ist in Act 15, 1-35 beschrieben. Die Versammlung fand in Jerusalem zwischen 44 und 49 statt und traf Beschlüsse für die künftige Heidenmission.

B1-3 BIBELZITATE in Schriftkartuschen seitlich und am Kopfende des Freskos

B. VISUM/EST SPIRITUI SANC/TO ET NOBIS Act 15,28: »Denn es gefällt dem heiligen Geiste und uns, ...«

B2 DEDIT/QUOSDAM APOSTOLOS [quosdam autem prophetas alios vero evangelistas] Eph 4,11: »Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, ... « Fortsetzung in A, B. SI/ECCLESIAM/NON AUDIERET/SIT SIBI SICUT/ ETHNICUS/ET PUBLICA/NUS Mt 18,17: »Hört er die Gemeinde nicht, so halt ihn als einen Zöllner oder Heiden.«

a-f EMBLEME Die beiden Hauptfresken im LHs A und B umgaben sechs Kartuschenfelder; für drei Felder können die Darstellungen rekonstruiert werden.

C CHRISTUS ALS LEHRER IM TEMPEL Chorfresko, Blickrichtung nach Ost. Schauplatz der Szenerie war ein offener Tempelbezirk aus einer baldachinähnlichen Anlage links und einer hohen, von einer Balustrade abgeschlossenen Brüstungsmauer rechts. Zu dem Baldachin führten eine Treppenanlage empor, obenauf nochmals eine runde Treppenanlage. Hier saß Christus als Erwachsener, erkennbar am Strahlenkranz. Auf den Stufen lagerten Männer, teils mit Büchern in der Hand, teils dem Gottessohn zuhörend. Auf der rechten Seite wohnten weitere Männer mit Büchern stehend dem Geschehen bei. Der Lagernde vorne war der Überlieferung nach der Auftraggeber der Freskenausstattung. »Hagn ließ sich, mit dem Professorenmantel angetan und in sitzender Stellung auf die unterste Stufe malen. Sein Blick war auf den göttlichen Lehrer gerichtet, der eben die Schrift deutete und in der Hand trug er ein Buch mit der Inschrift: da mihi intellectum et scrutabor. Neben ihm stand sein Namenspatron, der hl. Johannes, der ihn auf Christus den Herrn hinwies. (Dengler 1904, S. 105 f.; s. Befund S. 120). Bei der Inschrift handelt es sich um Ps 119,34.

C1-4 BIBELZITAT nach 2 Tim 3,16f.: »Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt.«

C. OMNIS/SCRIPTURA DI/VINITUS INSPIRATA

C. UTILIS EST/AD DO/CENDUM

C, [ad erudiendum in iustitia] zu ergänzen; auf den Fotos nicht erkennbar

C. UT/PERFECTUS SIT/HOMO DEI. 2 Timoth...

Wa,b PFARRER HAGN IM ORATORIUM Zwei Bilder an der N- Wand des Chores: »Hagn ließ auch in der vordersten Fensterblende an der linken Chorwand am Läutturm eine kleine Malerei anbringen und zwar ließ er sich selbst malen, wie er gerade aus dem Chorgitter eines Oratoriums in die Kirche gegen den Choraltar herabblickt, und an der nächsten Fensterblende ist ein Positiv gemalen durchs Chorgitter sichtlich. Ein Stück des Bildes mit dem Kopfe Hagn’s liegt gegenwärtig im obersten Kapellenraum des Pfeifturmes.« (Dengler 1904, S. 106)

W1-12 ZWÖLF APOSTEL Dengler überliefert 1904, dass an den »Wänden des Mittelschiffes ... bis zum Jahre 1853 große Apostelbilder al fresco« waren, weiter »können also nicht mit den erwähnten Apostelbildern im Rahmen identisch sein«. Die Rahmen, die auf der Federzeichnung auszumachen sind, könnten in Stuck gefertigt gewesen sein. Dies ist gut möglich, denn auch die »acht Figuren der thebaischen Legion« waren »in steingrau gemalten Nischen teils gemalt, teils in Gyps geformt, die aus der Malerei heraustraten.«

Der Zeichnung zufolge zeigten die Gemälde die Apostel als Ganzfiguren mit ihren Attributen.

Quellen und Literatur

Mederer, Johann Nepomuk, Geschichte des uralten königlichen Maierhofes Ingolstadt, itzt der königl. baierischen Hauptstadt Ingolstadt. Von ihrem ersten Ursprunge, erweislich vom Jahre 806 an, bis zur Wiederherstellung des König-thums in Baiern, im Jahre 1806, nach den Zeiten geordnet und aus ächten Quellen zusammengetragen, Ingolstadt 1807, S. 300-03.

Lipowsky, Felix Joseph, Baierisches Künstlerlexicon, 2 Bde, München 1810, Bd 1, S.116, Bd 2, S.186f.

KDB I OB (1), S. 54-58

Dengler, Alois, Zur Baugeschichte der St. Moritz-Pfarrkirche in Ingolstadt, in: Unterhaltungsblatt zur Ingolstädter Zeitung 1904, S. 105 f.

Götz, Johann Baptist, St. Moritz in Ingolstadt. Kirche und Pfarrei auf Grund urkundlicher Quellen dargestellt (= Sonderdruck SHVI 47, 1928) Ingolstadt 1928.

Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 563f.

Koislmeier, Franz, Die »Untere Pfarr« St. Moritz, Ingolstadt 1954.

Sauermost, Heinz Jürgen, Die frühen Kirchengebäude, in: Müller/Reis müller Ingolstadt 1974, Bd I, S. 121-68, hier: S. 121-34.

Hofmann, Siegfried, Aus der Geschichte von Kirche und Pfarrei, in: 750 Jahre Pfarrkirche St. Moritz Ingolstadt 1234–1984, Festschrift, Ingolstadt 1984, S. 19–39.

Bauer, Hermann und Anna, Johann Baptist und Dominikus Zimmermann. Entstehung und Vollendung des bayerischen Rokoko, Regensburg 1985, S. 25, 324f.

Hofmann, Siegfried, Ingolstadt St. Moritz (= KKF Nr. 1118), München- Zürich 1977; 21988.

Denkmaltopographie Ingolstadt Bd 1, S. 303-20

Dehio OB 2006, S. 527–30