Indersdorf, Kloster, ehem. Stiftskirche Mariä Himmelfahrt
KLOSTER INDERSDORF
Ehem. Augustiner-Chorherrenstift Markt Indersdorf, Ortsteil Kloster Indersdorf Erzdiözese München und Freising Ehem. Gericht Dachau
Ehem. Stiftskirche S. 98 Sakristei S. 132 Rosenkranzkapelle S. 135
Klostergebäude, heute Realschule Vinzenz von Paul der Erzdiözese München und Freising Nikolauskapelle, zeitweise Kapitelsaal S. 140 Ehem. Winterrefektorium, heute Speise- und Theatersaal S. 145
Literatur S. 150 f
Zur Geschichte: Stift Indersdorf wurde 1120 von Pfalzgraf Otto V. (IV.) von Scheyern-Wittelsbach gegründet als Sühne für seine Beteiligung an der Gefangennahme von Papst Paschalis II.; 1126 wurde es durch Augustiner-Chorherren aus dem elsässischen Marbach besiedelt. Indersdorf war wittelsbachisches Hauskloster und für kurze Zeit auch Grablege der Wittelsbacher. Das Augustiner-Chorherrenstift Indersdorf wurde 1783 aufgelöst; sein Vermögen fiel an das Kollegiatstift zu U. L. F. in München, in seine Gebäude zogen die Salesianerinnen von München ein, 1856 die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (bis 1995).
Ehem. Stiftskirche, heute Pfarrkirche der Pfarrei Markt Indersdorf; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Indersdorf dem Augustiner-Chorherrenstift inkorporiert
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Weihe der ersten Kirche 1128. Ein Neubau nach einem Brand im Jahre 1264 ist in seiner Grundform in der heutigen Kirche erhalten. Im Laufe der Zeit Erweiterungen durch Anbauten, darunter 1673/93 Taufkapelle und Sakristei. 1691 Barockisierung des AR, der eine Kuppel erhielt; 1754/55 Sanierung der Gewölbe, Vergrößerung der Fenster und Neudekoration des Kircheninnern mit Stuckierung durch Franz Xaver Feichtmayr d. Ä.
Steil proportionierte dreischiffige Pfeilerbasilika ohne Querhaus mit zwei W-Türmen, dazwischen eine Vorhalle. LHs zu vier Jochen (Laienkirche), über der Vorhalle und im ersten westlichen Joch tiefe Empore (nur teilweise ursprünglich, s. u.); Belichtung durch Obergadenfenster und durch Fenster im nördlichen Seitenschiff. Ehem. Regularchor zu drei Jochen mit geschlossenen Wänden im Erdgeschoß, dahinter im N Gang zur Sakristei, im S Klostergebäude; Belichtung durch Obergadenfenster. An den Chor schließt sich ein quadratischer AR in der Breite des Mittelschiffs der Kirche an. Belichtung durch seitliche Fenster.
Auftraggeber: Propst Gelasius Morhart von Indersdorf (1748–68). Unter ihm wurde zunächst 1752 eine neue Sakristei erbaut und ein Jahr später ausgestattet (s. S. 132-34); unmittelbar anschließend ließ Morhart die ganze Kirche mit ihren Anbauten sowie die Klostergebäude renovieren und im Zeitgeschmack umgestalten. 1762 erschien eine von ihm verfaßte Chronik des Klosters »Kurtze Historische Nachrich von dem Ursprung und Fortgang des Stifft= und Kloster Understorff«. Die darin enthaltenen Stiche von Johann Georg Dieffenbrunner geben Ansichten von Kloster und Kirche und aller darin unter Propst Gelasius barockisierten Räume wieder. Wegen seiner eigenmächtigen Verlegung des Regularchors auf die Musikempore im W der Kirche und der Versetzung des Choraltars gab es Streitigkeiten zwischen Morhart und dem Dekan des Stifts sowie dem Bischof und dem Geistlichen Rat, in deren Verlauf der Propst zunächst suspendiert, später aber wieder in sein Amt eingesetzt wurde
Autor und Entstehungszeit: Matthäus Günther (* 1705 Unterpeißenberg † 1788 Haid bei Wessobrunn) unter Mitarbeit von Johann Georg Dieffenbrunner (* 1718 Mittenwald † 1785 Augsburg) 1754/55. - Signatur in A Matthae (ae ligiert): Günther Pinxit. / 1755.
1753 malte Matthäus Günther als erstes Werk für Indersdorf die neuerbaute Sakristei aus. - 1754/55 Barockisierung der gesamten Kirche einschließlich der Taufkapelle oder Annakapelle (T) durch Günther und Dieffenbrunner sowie den Stukkator Franz Xaver Feichtmayr d. Ä. Mit Günther und Feichtmayr als den beiden Hauptverantwortlichen der Innendekoration war eine Gesamtsumme von 1000 fl. für die Freskierung bzw. 1300 fl. für den Stuck vereinbart worden. Nachdem das Gewölbe saniert und die Fenster vergrößert waren, begann man 1754 mit den Arbeiten in der Kuppel über dem Hochaltar (D) und im Chorgewölbe (C). Feichtmayr erhielt einen Abschlag von 550 fl., Günther von 300 fl. Im Jahre 1755 wurden das Gewölbe im LHs und über der Orgelempore, die Hochschiffwände und die Seitenschiffe stuckiert (Abschlag 200 fl.). Günther erhielt im gleichen Jahr für die »mittere Kupl (B), das hintere grosse Stückh im Langhaus (A) und die 14. seitenstückh« (W1-14) einen Abschlag von 300 fl. (BHStA I, KL Indersdorf, Fasc. 972: 1754, Nr. 89; 1755, Nr. 94 f.; zitiert nach Paula 1982, S. 326 f.). Die weiteren Zahlungen sind nicht belegt, da die Rechnungen für 1756-60 fehlen. Die Beteiligung Dieffenbrunners geht aus einem Visitationsprotokoll von 1758 hervor, wonach die ganze Kirche »an allen drey Gewölben (d. h. in allen drei Schiffen) mit feinen Gemälden theils von dem Ginther, theils von dem Tiefenbrunner ausgezieret« sei (AEM, Fasc. 110, Visitation 110, 6p6; zitiert nach Paula 1982, Anm. 14). Dieffenbrunner sind, obwohl Günther dafür die Zahlung empfing, aus stilistischen Gründen die Fresken der Hochschiffwände W1-12 zuzuschreiben, während die beiden Fresken seitlich der als Regularchor bestimmten Westempore W13-14, die in Nahsicht betrachtet werden konnten, von Günther selbst ausgeführt wurden. Von Dieffenbrunner stammen außerdem die Fresken in den Seitenschiffen (S1-8), in der Taufkapelle (T), im Gang vor der Sakristei (G1-3) und in der Vorhalle (V) aufgrund der Figurentypen, dem dunklen, auf Grün und Braun gestimmten Kolorit und der gegenüber Günther viel weniger präzisen Organisation des Bildraums. Günther waren die Deckenbilder des Mittelschiffs vorbehalten. Die Ausmalung orientierte sich thematisch und zum Teil auch kompositionell an dem Augustinus-Zyklus, den Günther 1737 ff. in der Kirche des Augustiner-Chorherrenstifts Rottenbuch ausgeführt hatte; vor allem sind die Fresken Dieffenbrunners vergröberte Kopien der entsprechenden Szenen in Rottenbuch, während Günther seine Darstellungen stärker variierte.
1752 hatte Günther die Decke der Sakristei bemalt, 1758 freskierte er die Decke der Rosenkranzkapelle (A) und schuf dort das zugehörige Wandbild (W).
Händescheidung für die Fresken der ehem. Stiftskirche:
A–D Günther
W1-12 Dieffenbrunner
W13-14 Günther
G1-3 Dieffenbrunner
Zeichnungen
Zu C Vision des hl. Augustinus. Gesamtentwurf von Matthäus Günther mit Varianten gegenüber der Ausführung, Feder in Braun, braun, grau und stellenweise rötlich laviert. 37,5 × 23 cm, Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum.
Inv.Nr. Hz 4044. Lit.: Gundersheimer 1930, S. 73, 83, Kat.Nr. 6 und Abb. 133; Heffels, Monika, Die Handzeichnungen des 18. Jahrhunderts (= Die deutschen Handzeichnungen IV), Nürnberg 1969, S. 150 f., Nr. 169, mit Abb.; Hamacher 1983, Kat.Nr. 35, mit älterer Lit.; Gode Krämer, in: Kat. Günther 1988, Kat.Nr. 33, mit Abb.
Zu S8 Augustinus gibt Almosen. Gesamtentwurf für das Fresko von Dieffenbrunner, wohl von Günther gezeichnet, schwarzer Stift, grau laviert, weiß gehöht, 25 × 34,5 cm Würzburg, Martin von Wagner-Museum, Graphische Sammlung Inv.Nr. 9740/22 b. Lit.: Hamacher 1983, Kat.Nr. 54, als möglicherweise von Günther; Gode Krämer, in: Kat. Günther 1988, Kat.Nr. 34, mit Abb.
Zu G1 Augustinus wäscht dem als Pilger erscheinenden Heiland die Füße. Gesamtentwurf mit Varianten zur Ausführung für das Fresko von Dieffenbrunner, wohl von ihm selbst gezeichnet, Feder in Grauschwarz über Stiftvorzeichnung, grau laviert, 24,8 × 20 cm, Stuttgart, Staatsgalerie, Graphische Sammlung Inv.Nr. C 61/980. Lit.: Paula 1983, S. 264, hält Zuschreibung an Dieffenbrunner für fraglich; Hamacher 1983, Kat.Nr. 68, als Dieffenbrunner.
Zu G2 Augustinus verkauft kirchliches Gerät. Gesamtentwurf mit Varianten zur Ausführung für das Fresko von Dieffenbrunner, wohl von ihm selbst gezeichnet, Feder in Grau über Stiftvorzeichnung, grau laviert, 21 × 26,3 cm, Stuttgart, Staatsgalerie, Graphische Sammlung Inv.Nr. C 61/979. Lit.: Paula 1983, S. 265, hält Zuschreibung an Dieffenbrunner für fraglich; Hamacher 1983, Kat.Nr. 69, als Dieffenbrunner.
Befund
Träger der Deckenmalerei: V Kreuzgratgewölbe mit verschliffenen Graten; A, C Tonne mit Stichkappen; B querovale Kuppel zwischen Gurtbändern; D achtseitiges Klostergewölbe; S1-8 und G1-3 Kreuzgratgewölbe mit verschliffenen Graten; W1-14 Hochschiffswand
Rahmen: Stuckprofilrahmen mit Rocailledekoration, teils vergoldet
Technik: Fresko; polychrom
| e: A Höhe 14,70 m; 11,00 × 6,20 |
| B Höhe 15,50 m (Stich 2,00); 4,00 × 6,20 |
| C Höhe 13,60 m; 10,50 × 6,00 |
| D Höhe 16,85 m (Stich 2,50); 5,90 × 5,90 |
| W1-14 Abstand vom Boden 8,40 m; 2,85 × 3,40 |
| S1,5 Höhe 3,20 m (ab Empore); 3,60 × 3,40 |
| S2,6 Höhe 8,15 m; 3,90 × 3,30 |
| S3,7 Höhe 8,15 m; 3,80 × 3,20 |
| S4,8 Höhe 8,15 m; 4,10 × 3,40 |
| T Höhe 7,85 m; 3,90 × 3,90 |
| V Höhe 4,10 m; 2,70 × 4,50 |
| G1 Höhe 7,30 m; 4,10 × 2,80 |
| G2 Höhe 7,30 m; 2,40 × 3,30 |
| G3 Höhe 7,30 m; 3,45 × 2,85 |
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1906 vollständige Innenrestaurierung durch Anton Ranzinger, München (Faßmaler Doser und Göz, Stukkator Reitmair). Im Mai/Juni 1937 Renovierung unter Leitung des BLfD von Prof. Voraus. Fa. Finkenzeller, Rohrer und Titus, München. 1960/61 Renovierung des Hochaltarhauses und der Taufkapelle (T). Gesamtinstandsetzung der Kirche ab 1978 (vgl. Berghammer/Schnell 1982, S. 13). Begonnen wurde mit Sanierungsarbeiten, bei denen im Mittelschiff Risse behandelt wurden - vor allem ein durchgehender Scheitelriß -, die durch statische Mängel entstanden waren. »Durch die unsachgemäße Behandlung von Gewölberissen entstanden dabei schwere Schäden an den Fresken Matthäus Günthers« (G. Vits, in: Jahrbuch der bayerischen Denkmalpflege 32, Jahresbericht für 1978, S. 280). 1980-82 und 1985 Restaurierung der Fresken durch Werner Peltzer, Söcking. Er behob zunächst die entstandenen Schäden im Bereich des Scheitelrisses und ergänzte die Fehlstellen. In der ganzen Kirche wiesen die Fresken durch Wassereinbrüche und aufgrund geringer Entlüftung des Gewölbes Feuchtigkeitsschäden auf. In besonders schlechtem Zustand waren die Deckenfresken S1-8 in den Seitenschiffen und G1-3 im Gang zur Sakristei (vgl. die Photos vor der Restaurierung). Durch wiederholte Feuchtigkeitseinwirkung war der Putz verrottet, die Farbsubstanz zeigte erhebliche Schäden, zu beobachten waren auch Ergänzungen auf neu angetragenem Putz, wohl von 1906, die in S1 fast 100% ausmachen, in den Fresken S5-8 des südlichen Seitenschiffs 30-60% (Restaurierungsbericht von Peltzer im BLfD). Als Restaurierungsmaßnahmen erfolgten Reinigung, Abnahme von z. T. großflächigen Übermalungen, Ausbesserungen und neue Retuschen. (Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen den Zustand vor der Restaurierung.)
1985 wurde zwischen Kirche und Sakristei eine nicht ursprüngliche Zwischendecke herausgenommen; bei dieser Gelegenheit wurden die Fresken G1-2 restauriert, ebenfalls von Peltzer. Bei den Fresken Günthers an der Kirchendecke und auch bei denen in der Sakristei (s. u.) sind die geraden Tagwerk-Putzgrenzen auffallend (s. auch Reichwald 1986).
Beschreibung und Ikonographie
Die gotisch steilen Proportionen der mittelalterlichen Kirche mit dem starken Tiefenzug ihres schmalen Mittelschiffs sind unverändert erhalten geblieben. Sie boten ungünstige Bedingungen für eine Neuausstattung im Rokokostil. Man begegnete diesen Schwierigkeiten, indem man bei den Mittelschiffgewölben die parataktische Reihung gleichartiger Joche aufgab und zwei große Bildfelder schuf, die sich über jeweils drei Kompartimente erstrecken. Zwischen sie schob man eine erhöhte querovale Kuppel, gewissermaßen als Ersatz für eine Vierungskuppel vor dem Eintritt in den um einige Stufen erhöhten Chor. Mit dieser Neugestaltung wurde nicht nur eine Vereinheitlichung in der Gewölbezone erreicht, sondern zugleich auch eine wirksame Rhythmisierung des Raumsgefüges in die Tiefe. Im steilen AR mit dem wie doppelt aufeinandergetürmten spätbarocken Hochaltar, der beibehalten wurde, begegnet man erneut dem Kuppelmotiv, in der Wirkung noch gesteigert durch perspektivische Malerei in der Tradition Pozzos.
Zu den großen Leistungen Günthers gehört – gerade auch in Indersdorf – die formale und farbliche Eingliederung der
Fresken in das Ensemble. Der Gesamteindruck wird zunächst durch die Helligkeit des lichtdurchfluteten Raums bestimmt. Das strahlende Weiß von Wandflächen und Stuck ist nur an wenigen Stellen abgetönt, nur wenige Details sind vergoldet. Die stärksten Akzente bilden die goldenen Rahmen um die Deckenfresken. Weiße Stuckteile greifen in und über diese Rahmenleisten und verklammern sie optisch mit der Decke. Die kräftigen Profile werden zu einem wirkungsvollen Repoussoir, über dem sich die Darstellung mit ihrer jähen perspektivischen Untersicht und der Öffnung des Himmels selbständig entfalten kann. Die Himmelsräume führen ein völliges Eigenleben, sie nehmen auf die gebaute Architektur der Kirche nicht Bezug.
O Auffallend ist das Vorherrschen kühler Grau- und Sandtöne; manche Partien sind fast grisaillehaft gehalten. Die farbigeren Akzente in hellem Blau, Rot oder Grün sind sparsam gesetzt, dunkle Farben und tiefe Schatten wurden vermieden. Die Darstellung besitzt feste Struktur und Klarheit, aber sie entwickelt sich formal und farblich nicht als ein Bild, das sich aus dem Kontext herauslösen ließe. Im Gegensatz zu Günther bleibt Dieffenbrunner mit seiner kräftigeren, weniger differenzierten und stumpferen Farbigkeit, bei der sich eine vergleichbare Raumvorstellung nicht realisiert, viel stärker traditionellen Vorstellungen verhaftet; seine Fresken wirken fast wie Tafelmalerei. Es gelingt ihm in weit geringerem Maße, seine Darstellungen im Raumganzen harmonisch aufgehen zu lassen.
Vorhalle
V DIE HLL. AUGUSTINUS UND GELASIUS Augus tinus thront auf Wolken und bringt sein brennendes Herz, Symbol seiner Liebe zu Gott, der Heiligsten Dreifaltigkeit dar. Zu seinen Füßen kniet ein Papst in der Tracht der Augustiner-Chorherren, Tiara und Kreuzstab liegen neben ihm auf den Wolken. Er wird von der zur Dreifaltigkeitsdarstellung gehörenden Taube des Hl. Geistes inspiriert und empfiehlt dem hl. Augustinus den rechts unten an einem Betpult knienden Geistlichen, der in einen Rauchmantel gehüllt ist. Untenhalb der Dreifaltigkeit vertreibt ein Engel mit einer Fackel zwei Häretiker, die kopfüber in die Tiefe stürzen.
Der von der Taube inspirierte Papst ist nicht der hl. Gregor, der unter den Kirchenvätern bevorzugt in dieser Weise wiedergegeben ist. Aufgrund der Darstellung des Papstes in Chorherrntracht und der Vertreibung der Häretiker dürfte es sich vielmehr um den hl. Papst Gelasius I. (492-96) handeln, der den knienden Gelasius Morhart, Propst des Klosters Indersdorf und Auftraggeber der Umgestaltung der Kirche, als dessen Namenspatron dem hl. Augustinus empfiehlt. Panet Colorina stampet : 1 11 4
Papst Gelasius stammte wie der hl. Augustinus aus Afrika, wurde allerdings in Rom geboren. Er stritt gegen die wieder-auflebende Häresie und das Heidentum, bekämpfte die Pelagianer und die Manichäer und befahl, die Bücher der letzteren öffentlich zu verbrennen. Auf einer 494 einberufenen Synode, deren Beschlüsse vor allen Dingen gegen die Häretiker gerichtet waren, ließ er die Schriften des hl. Augustinus für rechtgläubig erklären. Er selbst verfaßte
»etliche Kirchen = Gebetter und Lob = Gesänge, deren sich noch bey den Altar die Priester gebrauchen« (o.V., Inhalt Augustinianischer Heiligkeit ..., Linz 1727).
Papst Gelasius I. gehört zu den Heiligen der Augustiner- Chorherren. Ihm wird die Einführung des Ordens der regulierten Chorherren des hl. Augustinus in die Lateransbasilika, die Bischofskirche des Papstes, zugeschrieben (tatsächliche Einführung erst unter Papst Alexander II., † 1073). Unter den verschiedenen Kongregationen des Ordens war die lateranensische die angesehenste; den Anschluss von Kloster Indersdorf an sie hatte Propst Georg Moll im Jahre 1682 erreicht (Hartig, Bd 1, 1935, S. 205).
Beim Betreten der Kirche sieht man auf dem Deckenfresko der Vorhalle als eine für diesen Ort passende Darstellung den Sieg über die Häresie, gegen die sowohl der hl. Augustinus als auch der hl. Gelasius gekämpft hatten. Dazu bekennt sich auch der Auftraggeber der Kirche, Propst Gelasius, der von seinem Namenspatron auf den Ordensgründer verwiesen wird und auf die Liebe, die dieser der Dreifaltigkeit entgegenbringt.
Mittelschiff und Chor
A AUGUSTINUS ALS KIRCHENLEHRER UND VER- TEIDIGER DES GLAUBENS (Doctor ecclesiae et malleus haereticorum) Das große LHs-Fresko des Gemeinderaums ist auf zwei Blickrichtungen konzipiert, die Hauptansicht geht nach O in Richtung auf den Hochaltar, der Betrachterstandpunkt liegt unterhalb des westlichen Bilddrittels. Die Fläche teilt sich in eine himmlische Zone mit dem hl. Augustinus, einer Allegorie der Ecclesia und Engeln auf Wolken sowie einen etwa ebenso großen irdischen Schauplatz mit den huldigenden Erdteilen und dem Sturz der Häresie. Eine umlaufende Darstellung erlaubt das Thema nicht, doch sind die Szenen an den Schmalseiten geschickt herumgeführt und zu den Mitten der Langseiten hochgezogen, um einen einheitlichen Bildraum zu suggerieren. Auf Wolken thront, die gesamte Darstellung beherrschend, der Titelheilige im bischöflichen Ornat. Eine mächtige Liebesflamme lodert von seinem Herzen empor zur Trinität, symbolisiert durch das gleichseitige Dreieck mit den drei Flammen, von dem ein starker Lichtschein ausgeht. Links von Augustinus sitzt etwas tiefer
KLOSTER INDERSDORF Die Vier Erdteile in der Krypta
Vision des hl. Augustinus im Beisein der Augustinerchorherren, Ausschnitt aus Fresko C die Allegorie der Ecclesia, zu ihren Füßen ein Engel, der ein großes Kreuz emporhebt. Ecclesia hält die Heilige Schrift und einen Kelch in Händen, über ihrem flammenbekrönten Haupt schwebt die Taube des Hl. Geistes. Der hinter ihr aus den Wolken auftauchende Rundbau mit den päpstlichen Insignien als Kartuschenbekrönung ist ein Symbol der Kirche. Musizierende Engel auf Wolken, konzentrisch um die Gloriole angeordnet, ergänzen die Himmelszone.
Die irdische Szenerie besteht aus einer sich vorwölbenden Stufenanlage als Sockel für die Figuren und die sie umgebende, in steiler Untersicht gesehene Architekturkulisse. Die Vertreter der Vier Erdteile gruppieren sich um eine große Erdkugel in einer von links ansteigenden Figuration, der wir bei Günther häufig in ähnlicher Form begegnen und die sehr wesentlich durch den pathetischen Fall der schleppenden Gewänder bestimmt wird. Links im Vordergrund kniet Europa, deren lange Brokatschleppe von zwei Pagen getragen wird; hinter ihrem Rücken hält Asia ein Räuchergefäß empor, während die hochaufgerichtete Gestalt Africas im Turban ganz rechts am weitesten emporragt und damit dem hl. Augustinus am nächsten kommt, wohl in Anspielung auf die Herkunft des Heiligen aus diesem Erdteil. Vor Europa liegen auf einem Kissen als geistliche und weltliche Herrschaftszeichen Tiara, die deutsche Kaiserkrone, Mitra, Kardinalshut und eine weitere Krone sowie davor kostbare Gefäße. Ein Strahl, der vom Herzen des Kirchenvaters ausgeht, trifft auf Kelch und Bibel in Händen der Ecclesia und wird von dort auf die Erdkugel herabgelenkt, wo sie eine Flamme, wohl das Feuer des Glaubens, entzündet. So wird das Wirken des hl. Augustinus als Kirchenlehrer anschaulich gemacht. Von den schweren Folianten, die am linken Bildrand von zwei großen Engeln mittels einer Draperie hochgestemmt werden, gehen Blitze aus und treffen am unteren Bildrand auf die personifizierten Irrlehren, die der Heilige mit seinen Werken bekämpfte und zu widerlegen suchte. Mit ihren Büchern und einem großen Globus stürzen die geblendeten Gegner rücklings in die Tiefe. Rechts durchbrechen sie den Rahmen und die Malerei setzt sich auf einer über das Gesims hinausragenden Platte fort. Um die Illusion noch zu steigern, gehen an einigen Stellen die gemalten in plastische Gestalten über: Plastisch sind der Kopf und der herausragende Stab des unteren sten der Häretiker, dann die Hand, die links die Volute umfaßt, sowie die Hand des rechten, die auf dem Rahmenprofil liegt.
B AUGUSTINUS ALS PATRON SEINER ORDENSFAMILIE (Patriarcha religiosorum)
Im Zentrum – genau in die Hl.-Geist-Öffnung einbeschrieben – erscheint auf Wolken der hl. Augustinus als Bischof. Von seinem Haupt geht eine Strahlenglorie aus. Mit der Linken weist er auf die Augustinerregel, ein Buch mit der Aufschrift S: REGULA, das von zwei Engeln emporgehalten wird; zu seiner Rechten umfaßt ein Putto Mitra und Bischofsstab. In umlaufender Darstellung auf Wolken erscheinen Repräsentanten der vielen religiösen Gemeinschaften, die nach der Augustinerregel leben. Als besonderer Hinweis auf das Stift in Indersdorf ist rechts an hervorgehobener Stelle ein Augustiner-Chorherr dargestellt: im weißen, spitzenbesetzten Rochett, der geknöpften, violetten Mozetta, in der linken Hand das Birett. Zu seinen Füßen sitzt, ganz in Weiß, ein Prämonstratenser als weiterer Vertreter der Regularkanoniker, die ihren Ursprung auf Augustinus’ »monasterium clericorum« in Hippo zurückführen. Die beiden Chorherren sind flankiert links von einem Dominikaner, rechts von einem Augustiner-Eremiten in schwarzem Habit mit schwarzer Kapuze und einem Barmherzigen Bruder mit schwarzem Skapulier über schwarzem Habit. Es folgen Vertreter von Ritterorden und schließlich Päpste, Kardinäle und Bischöfe aus der augustinischen Ordensfamilie.
C VISION DES HL. AUGUSTINUS
Das große Bildfeld des Chorraums mit dem Betrachterstandpunkt unter dem westlichen Drittel gliedert sich in drei übereinander liegende Kompartimente. Man blickt zunächst in einen zweigeschossigen Kirchenraum, in dessen kryptaähnlichem Untergeschoß sich Augustiner-Chorherren versammelt haben. Andächtig und voll Staunen blicken sie zum hl. Augustinus empor, der, als Augustiner-Chorherr gekleidet, neben einem Altar im Kreis von Kanonikern sitzt, von denen zwei ihn stützen. Sein Blick ist in Verzückung zum Himmel gerichtet, wo Christus mit dem Kreuz und Maria, von Engeln umgeben, erscheinen. Ein Blutstrahl aus der Seitenwunde Christi und ein Milchstrahl aus der Brust Mariens gehen nieder zum flammenden
Herzen des Heiligen, Ausdruck seiner leidenschaftlichen Verehrung der Gottesmutter und seiner Liebe zum leidenden Heiland. Das Bildthema tritt in der barocken Augustinus-Ikonographie häufig auf, gelegentlich ergänzt durch die Inschrift »Positus in medio, quo me vertam nescio: hinc pascor a vulnere, hinc lactor ab ubere«. Beides zusammen ist zum erstenmal nachweisbar in einem Stich des Marius Karturius um 1570 (vgl. CBD, Bd 2, S. 622; Courcelle, Bd 3, 1972, S. 24, Taf. 10).
D SCHEINKUPPEL MIT DEM EUCHARISTISCHEN LAMM Die gemalte hohe Tambourkuppel mit Laterne folgt dem Vorbild Pozzos. In der Tambourzone wechseln fingierte rundbogige Fenster in den Hauptrichtungen mit stark plastischen Vorlagen aus drei Säulen, deren mittlere von einem Pilaster hinterfangen ist. Über dem verkröpften Gesims wölbt sich die Kuppelschale mit der durchfensterten Laterne. In der Hauptblickrichtung über dem Altar schwebt auf Wolken das von zwei Engeln verehrte Lamm Gottes, das auf dem Buch mit den sieben Siegeln liegt. Aus seiner Wunde fließt Blut nach unten, auf seinem Rücken steht der Kelch mit der Hostie, umgeben von einer Strahlengloriole. Kelch und
Hostie erinnern an die Eucharistie, das Lamm an den Opfertod Christi. Dadurch wird die Bedeutung des darunter stehenden Hochaltars, auf dem das Meßopfer gefeiert wird, betont.
W1-14 LEBEN DES HL. AUGUSTINUS Fresken an der Hochschiffwand; die Folge von Szenen aus der Vita beginnt in der NO-Ecke des Presbyteriums und setzt sich, jeweils von N nach S springend, bis zur SW-Seite über der Musikempore fort.
W1 AUGUSTINUS VERLÄSST SEINE MUTTER IN AFRIKA (Augustinus, Confessiones 5,8) Vor einem Portal steht weinend Monika, die Mutter Augustinus', mit ihren Dienerinnen und blickt auf ihren Sohn, der auf das reisefertige Segelschiff im Hintergrund weist; links nimmt ein Diener ein geschnürtes Bündel auf. – Geschildert ist die heimliche Abreise des hl. Augustinus nach Rom im Jahre 383, auf deren Überstürztheit der noch offene Hemdkragen hindeutet. Augustinus hatte seine Mutter, die ihn von seinem Plan abhalten oder ihn begleiten wollte, getäuscht und in der Kapelle des hl. Cyprian zurückgelassen.
W2 AUGUSTINUS IM KREISE DER MANICHÄER (Confessiones 5,14; 6,1) Auf Treppenstufen etwas erhöht sieht man Augustinus, in jeder Hand ein Buch haltend, im Kreise seiner Freunde. Die links etwas tiefer stehenden Anhänger der Sekte des Mani blicken zu ihm empor. – Augustinus hatte sich während seines Studiums in Karthago der Manichäern angeschlossen und ihnen über viele Jahre angehört, sich jedoch innerlich allmählich von ihnen entfernt. In Mailand, wohin er 384 als magister rhetoricae berufen worden war, bewirkten die Predigten des hl. Ambrosius schließlich seine endgültige Abkehr vom Manichäismus.
W3 PREDIGT DES BISCHOFS AMBROSIUS (Confessiones 6,4) In einem Kirchenraum lauscht Augustinus, umgeben von anderen Zuhörern, der Predigt des hl. Ambrosius, die er, auf der Suche nach einem der Weisheit gewidmeten, asketischen Leben, jeden Sonntag besuchte.
W4 BEGEGNUNG MIT PONTIANUS (Confessiones 8,14 f.) In seiner Studierstube sitzend, empfängt Augustinus als junger Lehrer der Rhetorik seinen afrikanischen Landsmann, den Hofbeamten Pontianus. Dessen Bericht
über den Eremiten Antonius und das ihm bisher noch wenig bekannte Mönchtum machten einen tiefen Eindruck auf Augustinus.
W5 BEKEHRUNG (Confessiones 8,12) In Gedanken versunken, sitzt Augustinus unter einem Baum und wendet sich einer weiblichen Gestalt am Himmel zu, die durch eine weiße Lilie und eine Schildkröte, die ein Putto neben ihr hält, als Enthaltsamkeit charakterisiert ist. Von ihrem Mund geht ein Strahl aus mit der Inschrift TOLLE LEGE TOLLE LEGE. Links stürzen die Personifikationen von Frau Welt und ihrem Sohn Amor carnalis in die Tiefe. – Dargestellt ist die Bekehrung des Augustinus im Jahre 386. Er hörte, im Garten unter einem Feigenbaum sitzend, aus einem benachbarten Haus eine Kinderstimme, die sang: tolle, lege (Nimm, lies) und verstand dies als göttliche Aufforderung, die Bibel aufzuschlagen. Er fand die Schriftstelle Röm 13,13 f., die zum asketischen Leben in Christo ermahnt, und fühlte sich durch dieses Erlebnis aufgefordert und innerlich gestärkt, dem Ruf zu folgen. (In Rottenbuch ist die Darstellung noch durch weitere allegorische Figuren bereichert, CBD, Bd 1, S. 490.)
W6 TAUFE (Confessiones 9,6) In einem Kirchenraum empfängt Augustinus im Kreise seiner Freunde durch Bischof Ambrosius die Taufe. - Das Ereignis fand in der Osternacht des Jahres 387 in Mailand statt. Augustinus und Ambrosius sollen dabei zum ersten Mal das >Te Deum laudamus< gesungen haben, dessen Noten und Textbeginn man als Inschrift auf einem Spruchband sieht, das Putten von einem Gesims herabhängen lassen.
W7 PRIESTERWEIHE (Possidius, Vita Augustini 3,3) Neben einem Altar sitzt links Valerius, Bischof von Hippo, und erwartet Augustinus, der von zwei Männern vorwärts gedrängt wird. Diese weisen auf das Priestergewand, das auf dem Altar für ihn bereit liegt. - Wie sein Biograph Possidius berichtet, war Augustinus im Jahr 388 mit seinen Begleitern nach Afrika zurückgekehrt. Bei einem Aufenthalt in Hippo Regius (um 390) äußerte Bischof Valerius öffentlich den Wunsch nach einem Presbyter, worauf das Volk einstimmig Augustinus vorschlug. Dieser gab widerstrebend und unter Tränen nach.
W8 KLOSTERGRÜNDUNG (Augustinus, Sermones 355, 2; Possidius, Vita Augustini 5,1) In einer Türöffnung steht Augustinus im Habit der Augustiner-Chorherren, die Almutie aus Pelz über den Schultern, und überreicht einem zukünftigen Ordensbruder die Augustinerregel, das Buch mit der Aufschrift REGULA. In der Mitte präsentiert der Baumeister den Klosterplan und deutet links auf den zukünftigen Standort des Klosters. Unter den Zuschauern steht ein Bauarbeiter, der Mörteltrog und Kelle zur Grundsteinlegung bereit hält. - Um das asketisch-monastische Leben aufrechterhalten zu können, das Augustinus seit seiner Bekehrung führte, erhielt er von Bischof Valerius ein Grundstück, auf dem er das sog. Gartenkloster von Hippo erbauen ließ. In diesem Laienkloster lebten alle Eintretenden in Gütergemeinschaft und unter Verzicht auf Eigentum. Augustinus errichtete außerdem noch ein »monasterium clericorum«, denn er gehörte zu den ersten Verfechtern des gemeinsamen mönchischen Lebens der Kleriker. Die Überreichung der Ordensregel durch den Heiligen im Gewand eines Augustiner-Chorherrn bezieht sich speziell auf diese Gründung, aus der auch das Augustiner-Chorherrenstift Indersdorf seine Legitimation bezog.
W9 BISCHOFSWEIHE (Possidius, Vita Augustini 8) Augustinus kniet in der Bildmitte und wird von Valerius geweiht, der ihm die Mitra aufsetzt. - Im Jahr 395/97 ernannte Valerius Augustinus zum Mitbischof. Nach dessen Tod wurde er alleiniger Bischof von Hippo.
W10 DISPUTATION MIT DEM MANICHÄER FORTUNATUS (Possidius, Vita Augustini 6) In der Mitte steht Augustinus und diskutiert mit dem Manichäer Fortunatus, der ein großes aufgeschlagenes Buch in Händen hält. Rechts stürzen die personifizierten Irrlehren mit ihren Büchern die Stufen hinab. – Die öffentliche Disputation zwischen Augustinus und Fortunatus fand am 28./29. August 391 in Hippo statt.
W11 AUGUSTINUS SUCHT DIE DREIFALTIGKEIT ZU ERGRÜNDEN – DAS KIND AM MEER Am Meeresufer steht Augustinus, einen großen Strohhut auf dem Kopf, ein aufgeschlagenes Buch vor sich haltend und weist auf einen kleinen Knaben zu seinen Füßen; im Himmel erscheint die Dreifaltigkeit. - Nach der Legende (AASS, S. 357 f., 707 f.) versuchte der Knabe, das Wasser des Meeres mit einem Löffel in eine kleine Grube zu schöpfen. Von Augustinus auf die Sinnlosigkeit seines Tuns hingewiesen, antwortete das Kind, seine Tätigkeit gleiche dem Bemühen Augustinus', die Geheimnisse der Dreifaltigkeit ergründen zu wollen. Diese häufig dargestellte Szene bezieht sich auf das 410/20 entstandene Werk »De Trinitate«.
W12 AUGUSTINUS VERFASST »DE CIVITATE DEI« An seinem Studiertisch, auf dem das mit DE / CIV[itate] / DEI bezeichnete Werk liegt, hat Augustinus seine Arbeit unterbrochen und scheint - im Sessel zurückgelehnt - zu meditieren. Sein Herz schwebt beflügelt empor zum Himmlischen Jerusalem, das im Hintergrund mit einer Schar von Engeln auf der Dachbalustrade zu erkennen ist. Links neben dem Schreibtisch sieht man zwei Putten mit Bischofsstab, Mitra und einem Buch. - Die Darstellung spielt an auf Augustinus' zweites Werk »De civitate Dei« (entstanden 413-426/27), an dem er zu arbeiten begann, nachdem Rom 410 durch Alarich erobert und zerstört worden war. Im Untergang Roms erblickte er ein Werk der göttlichen Vorsehung und verwies auf die >Civitas Dei< als die Gemeinschaft derer, die Gott lieben und auf ihn ausgerichtet sind.
W13 KRANKENLAGER (Possidius, Vita Augustini 31,2) Augustinus auf dem Krankenlager, umgeben von Chorherren, betet die Bußpsalmen Davids. Das aufgeschlagene Buch auf einem Wandpult im Hintergrund trägt die Inschrift PSALMI / POENITENTIÆ: / Dne Ne / In Furore / Tuo Arguas me (Herr, strafe mich nicht in Deinem Zorn. Ps 6,1). – Augustinus ließ sich während seiner Krankheit die vier kürzesten der sieben Bußpsalmen Davids abschreiben und an die Wand heften und las sie immer wieder mit Andacht und in Tränen. Der in der Inschrift genannte Psalm ist der erste dieser Bußpsalmen. Damit seine Andacht nicht gestört würde, verlangte Augustinus in den letzten Tagen seines Lebens, daß nur dann Besucher vorgelassen werden sollten, wenn ohnehin Ärzte zur Untersuchung anwesend waren oder wenn ihm Speise gebracht wurde. - Der Mann in historisierender Barocktracht, der links an dem mit Medizin und Getränken bedeckten Tisch steht, die Feder in der Hand, wendet sich ergriffen ab. Feulner wollte in der entsprechenden Figur in Rottenbuch ein Selbstbildnis des Malers erkennen (CBD, Bd 1, S. 493). Es handelt sich wohl eher um den Arzt, vielleicht ist auch Possidius in seiner Chronistentätigkeit gemeint (Abb. S. 114).
W14 TOD DES HL. AUGUSTINUS (Possidius, Vita Augustini 31,10-29) Vom Haupt des Sterbenden gehen Strahlen aus, in den Händen hält er ein Kreuz, trauernde Ordensbrüder sind um ihn versammelt. Ein Torbogen rechts gibt den Blick auf eine belagerte Stadt frei. – Augustinus starb im Jahre 430 während der Belagerung Hippos durch die Vandalen (Abb. S. 115).
S1-8, T, G1-3 AUGUSTINUS-SZENEN In den Seitenschiffen, in der Taufkapelle und im Gang vor der Sakristei wird der Augustinus-Zyklus fortgeführt.
Seitenschiffe
Die acht Deckenbilder im nördlichen und südlichen Seitenschiff sind einansichtig mit Blickrichtung nach O. Der Zyklus ist so angeordnet, daß die einander gegenüberliegenden Fresken in Format, Rahmung und Komposition einander entsprechen. Die Darstellungen S1 und S5 im ersten westlichen
Joch können vom Kirchenschiff aus nicht betrachtet werden, da die über die ganze Breite der drei Schiffe eingezogene Empore den Blick verstellt. In Übereinstimmung mit den übrigen Seitenschiff-Fresken sind sie auf eine Ansicht von unten und nicht auf Nahsicht von der Empore aus konzipiert. Wie der Längsschnitt der Kirche auf Dieffenbrunners Stich in der Morhart-Chronik (s.o.) zeigt, setzte die Empore ursprünglich erst hinter dem ersten Pfeiler im W an. Sie wurde bei einer späteren Erneuerung weiter ins Schiff vorgezogen. Sie hatte ursprünglich auch eine zurückschwingende Balustrade, so daß die Fresken von unten zu sehen waren, allerdings nicht in der richtigen Blickrichtung.
S1 AUGUSTINUS GRÜNDET DEN ORDEN DER AUGUSTINER-CHORFRAUEN Der links stehende Augustinus wendet sich einer Augustiner-Chorfrau zu, die ihm gegenüber in einem hohen Lehnsessel sitzt, neben sich ein Kind, das mit einer Taube spielt. Zwischen beiden sind die Köpfe von Frauen und Kindern zu sehen, davor ein Säugling in der Wiege.
S3 AUGUSTINUS PREDIGT Über einer brückenartigen Vordergrundkulisse, wie in S5, steht links Augustinus an einem Altar, offenbar in einem Innenraum, die Hand auf ein Buch gelegt. Er spricht zu einer Gruppe von Leuten, unter denen ein vornehm gekleideter Herr hervorgehoben ist, der ihm gegenüber in einem Lehnstuhl sitzt. - Vielleicht handelt es sich um die Bekehrung des Kaufmanns Firmus durch die Predigt des hl. Augustinus (Possidius, Vita Augustini 15). Wie aus einer Eingebung hatte Augustinus sein ursprüngliches Predigtkonzept geändert und gegen die Manichäer geredet. Das hatte die Bekehrung des Firmus zur Folge, der später Mönch wurde.
brachte die Leute von Hippo dazu, jährlich einmal den Armen neue Kleider zu geben; als sie es in seiner Abwesenheit einmal unterließen, mahnte er sie: »Nunciatum est mihi quod morem vestrum de vestiendis pauperibus fueritis obliti« (Gelasius Hieber 1720, S. 199).
S8 AUGUSTINUS GIBT ALMOSEN (Possidius, Vita Augustini 23,1) Vor einer in Untersicht gesehenen Architekturkulisse steht Augustinus auf einer geschwungenen Stufenanlage und reicht von links kommenden Bettlern und Krüppeln Almosen. – Augustinus war stets der Mitarmen, d. h. der wirklich Armen neben den Mönchen eingedenk und spendete ihnen. »Compauperum vero semper erat memor« (Gelasius Hieber 1720, nach Possidius, S. 197).
Taufkapelle oder Annakapelle
An das nördliche Seitenschiff ist die Taufkapelle angebaut. Das hier befindliche Fresko (T) bezieht sich thematisch auf die Bestimmung des Raums; gleichzeitig gehört es inhaltlich zum Zyklus der Seitenschiff-Fresken.
T AUGUSTINUS SPENDET DIE TAUFE Ansicht nach N. In der Bildmitte steht der Heilige und tauft zwei Knaben, die sich über ein rundes Becken beugen. Hinter ihm werden seine bischöflichen Insignien herbeigetragen. Der Zeremonie wohnen die Väter der Täuflinge bei, zwei vornehme Herren, über die ein Schirm gehalten wird.
Gang zur Sakristei
Drei Deckenbilder befinden sich am Ganggewölbe. G1 und G3 sind auf dem Weg zur bzw. von der Sakristei zu betrachten, G2 – quer dazu ausgerichtet – von dem mittleren der Oratorien aus, die in den drei Chorjochen zwischen den Pfeilern eingebaut sind.
G1 AUGUSTINUS WÄSCHT DEM ALS PILGER ERSCHEINENDEN HEILAND DIE FÜSSE Ansicht nach W. – Augustinus kniet vor Christus, der durch Stab, Muschel und Mantel als Pilger gekennzeichnet ist, und umfaßt seinen Fuß, wobei er ihn am Wundmal erkennt. Im Hintergrund zwei Chorherren, von denen einer erschreckt zurückweicht. Die Legende (AASS S. 358, 711), wonach Augustinus ein Gastmahl für die Armen gab, unter denen Christus als Pilger erschien, veranschaulicht den Hauptgedanken des Almosenspendens: »Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan« (Mt 25,40).
G2 AUGUSTINUS VERKAUFT KIRCHLICHES GERÄT (Possidius, Vita Augustini 24, 12 f.) Ansicht nach N. – Augustinus übergibt Leuchter, Weihrauchgefäße und anderes Gerät an einen Händler; zwei links stehenden Personen, von denen eine gefesselt (?) ist, überreicht er ein Geldstück. – In Notfällen, wenn es der Kirche an Geld fehlte, ließ er zugunsten der Armen und der Gefangenen die silbernen Altargefäße verkaufen und berief sich dabei auf den hl. Ambrosius, der ebenso gehandelt hatte.
G3 AUGUSTINUS IST VON DER GOTTESLIEBE ENTFLAMMT (Confessiones 9, 2) Ansicht nach O. – Entrückt kniet Augustinus am Altar, gestützt von einem Engel, der einen feurigen Pfeil auf sein entflammtes Herz lenkt. Der Pfeil fährt auf einem Lichtstrahl herab, der vom Symbol der Dreifaltigkeit ausgeht und der zwei Spitzen hat, zum Zeichen, daß die von Gott in Augustinus entfachte Liebe zu Gott zurückkehrt (»Sagittaveras tu cor meum charitate tua«, Confessiones 9, 2). Drei (?) Putten entzünden an dem Gnadenstrahl eine Ampel, Versinnbildlichung des Lichts der Erkenntnis, das Augustinus zuteil wird.
Ikonologie s. S. 134 f.
Literatur s. S. 150