Idstein, ehem Grotte im Garten des Residenzschlosses
Inventarnummer: cbdd10559
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Die Grotte des Residenzschlosses entstand 1651/52. Das achtteilige Gewölbe der Decke wurde von Johann Jacob Walther 1653 mit rund vier Meter hohen Gemälden geschmückt. Die Zeichnungen dazu sind überliefert und zeigen antike Gottheiten, Planeten- und Tierkreiszeichen.

Idstein, ehem. Grotte im Garten des Residenzschlosses
Dieser Text wurde bereits veröffentlicht. Siehe hierzu Ausstellungskatalog: Zeichnungen von Meisterhand, die Sammlung Uffenbach, S. 230-231.
Geschichte
Nach der Niederlage der schwedischen Armee gegen die kaiserlichen Truppen bei Nördlingen im Jahre 1634 mußte der protestantische Graf Johannes von Nassau (1603-1677) sein Herrschaftsgebiet verlassen und sich nach Straßburg ins Exil begeben. Erst zwölf Jahr später konnte er in seine etwa 15 Kilometer nördlich von Wiesbaden im Taunus gelegene Residenz Idstein zurückkehren. Sofort nach seiner Heimkehr begann er, sein Schloß zu erweitern. Besonderes Augenmerk legte Graf Johannes auf den Schloßgarten, den er mit seltenen und kostbaren Pflanzen schmückte.[1]
Anlage
An der Südseite des Gartens lag ein im Jahre 1566 errichtetes achteckiges Gartenhaus, das der Graf 1651/52 in eine Grotte verwandeln ließ, indem die Wände mit Muscheln, Korallen und farbigen Steinen besetzt wurden. Solche Kunstgrotten als Nachahmungen natürlicher Felshöhlen waren seit der Renaissance ein populäres Zierelement der Gartenkunst.[2] Das achtteilige Gewölbe der Grotte wurde 1653 mit rund vier Meter hohen Gemälden des Idsteiner Hofmalers Johann Jacob Walther geschmückt.[3]
Garten und Grotte in Idstein sind nicht mehr vorhanden, weil im frühen 18. Jahrhundert die Residenz der nassauischen Grafen von Idstein nach Usingen verlegt wurde. So wurde 1737 die Balustrade um den Idsteiner Garten abgebaut und für den dortigen Schloßgarten verwendet.
Grotte im Residenzgarten Idstein
Innendekoration
Die Innenansicht der Grotte ist durch drei Zeichnungen Walthers überliefert, die heute in Paris und London aufbewahrt werden.[4] Das Gewölbefeld über der Tür zeigte die Wappen des Grafen Balthasar, der das Gartenhaus- die spätere Grotte- errichten ließ, sowie das Allianzwappen von Graf Johannes und seiner zweiten Ehefrau Anna von Leiningen-Dachsburg. Die anderen sieben Gewölbefelder waren mit antiken Gottheiten, die die Wochentage versinnbildlichen, Planeten- sowie Tierkreiszeichen geschmückt. Darunter waren Städte und Burgen aus den Besitzungen des Grafen zu sehen. So stellte sich die kleine Grafschaft dar als eingebunden in den antiken Götterhimmel und den Lauf der Welt.
Achtteiliges Gewölbe der Grotte mit antiken Gottheiten
Die Göttinger Kunstsammlung bewahrt vier Blätter, auf deren Vorder- und Rückseiten je ein dreieckig geschnittenes Stück Papier geklebt ist, dessen Form annähernd den sich nach oben verjüngenden Gewölbefeldern entspricht und auf das Walther Entwürfe für die acht Gewölbefelder zeichnete.[5]
Jupiter und Juno mit Ansicht von Idstein
Das hier ausgestellte Blatt zeigt auf der Vorderseite im Dreieck die Vorzeichnung für den Donnerstag mit Jupiter und Juno: Über der Stadt Idstein mit dem Schloß am rechten Rand sitzen Jupiter und Juno in den Wolken; die beiden Götter werden von Adlern und Pfauen, ihren Symbolvögeln, begleitet. In die Spitze des Dreiecks sind das Planetenzeichen für den Jupiter und die Tierkreiszeichen Steinbock und Fische eingezeichnet. Daneben sind Alternativentwürfe zu Jupiter und Juno in Rötel ausgeführt.
Venus mit Wiesbaden
Die Zeichnung auf der Rückseite- für Freitag- zeigt bei identischem Aufbau über der Silhouette von Wiesbaden die Liebesgöttin Venus auf einem Wagen, der von zwei Vögeln gezogen wird. Daneben schwebt Amor mit gespannten Bogen; die Spitze des Dreiecks zeigt Tierkreiszeichen Waage und Steinbock sowie das Planetenzeichen der Venus.
Wappenbild des Grafen Balthasar
Das Gewölbefeld über der Tür zeigte die Wappen des Grafen Balthasar, der das Gartenhaus- die spätere Grotte- errichten ließ, sowie das Allianzwappen von Graf Johannes und seiner zweiten Ehefrau Anna von Leiningen-Dachsburg.
Sol mit Lohr
Sol mit der Ansicht von Lohr
Mars und Fama mit Ansicht von Nassau
Mars und Fama mit der Ansicht von Nassau
Saturn mit Burg Schwalbach
Saturn mit Ansicht von Burg Schwalbach
Merkur mit Ansicht von Idstein
Merkur mit der Ansicht von Idstein
Diana mit Ansicht von Wechen
Diana mit der Ansicht von Wechen
Bibliographie
- Zeichnungen von Meisterhand, Ausstellungskatalog, die Sammlung Uffenbach aus der Kunstsammlung der Universität Göttingen, hrsg. von Gerd Unverfehrt, Göttingen 2000
- Christel Lentz, Der Frankfurter Bildhauer Justus Glesker und seine Tätigkeit für den Grafen Johannes von Nassau-Idstein, in: Nassauische Annalen 106/1995, S. 159-167.
- Christel Lentz, Martina Nath-Esser, Der Schloßgarten zu Idstein, in: Die Gartenkunst 2/1990, S. 165-216.
- Ferdinand Luthmer, Die Bau-und Kunstdenkmäler der Kreise Unter-Westerwald, St.Goarhausen, Untertaunus und Wiesbaden Stadt und Land. Frankfurt/M. 1914(= Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezierks Wiesbaden, Bd. 5).
- Barbara Rietzsch, Künstliche Grotten des 16. und 17. Jahrhunderts. Formen der Gestaltung von Außenbau und Innenraum an Beispielen Italien, Frankreich und Deutschland, München 1987 ( = Beiträge zur Kunstwissenschaft, Bd. 17).
- Gerd Unverfehrt (Hrsg.), Katalog der Zeichnungen in der Kunstsammlung der Universität Göttingen. CD-ROM Ausgabe, München 1999 (= Digitales Informationssystem für Kunst- und Sozialgeschichte (Diskus), Nr. 17).
Einzelnachweise
- ↑ Lentz, Nassau, 1995, S. 159
- ↑ Rietzsch, 1987, S.44
- ↑ Vgl. die Inschrift Walthers auf dem Göttinger Blatt (Wappenbild und allegorische Darstellung (H675 verso):“ Cete huits piece sont peint en grand, en huile, dans les Grottes à Itzstein pour son //Exellence le Conte de Naßau, par mes mainsen l’An.1653.13 1/2-pieds du hauteur.“
- ↑ Den Zustand der Grotte um 1653 überliefert eine Zeichnung Walthers im Victoria & Albert Museum, London. Das Aussehen nach einer weiteren Umgestaltung im Jahre 1656 zeigen zwei Zeichnungen Walthers in der Bibliothèque Nationale, Paris. (vgl. Lentz/Nath-Esser 1990, S.173-175)
- ↑ Vgl. Unvervehrt 1999,“Künstler: entPlanetenWalther:H 675-678“. Weitere Arbeiten Walthers in der Göttinger Sammlung sind ebenda verzeichnet.