Husum, Schwanapotheke
Inventarnummer: cbdd20150
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In der Husumer Schwan Apotheke hat sich im Verkaufsraum die translozierte Decke aus der ehemaligen Offizin erhalten. Sie präsentiert eine Personifikation des Glaubens, die von den Allegorien der vier Elemente umgeben ist. In einer Apotheke ist der Glaube die heilende fünfte Essenz.

Die Schwan Apotheke in Husum

Kurzbeschreibung und Lage
Die Schwan Apotheke[1] in Husum steht an der Nordseite der Großstraße, fast am Marktplatz.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das giebelständige zweigeschossige Gebäude mit Krüppelwalmdach wurde für den Apotheker Thomas Zimmermann 1656 erbaut. Die Fassade wurde in den kommenden Jahrhunderten mehrfach umgestaltet, so auch 1795.[2]
Die ehemalige Offizin
Auch die Offizin ist mehrfach verändert worden. 1795 wurde sie neu eingerichtet. Bis 1937 hatte der Raum nur eine Größe von 20 Quadratmetern. 1977/78 wurde er zu einem modernen Geschäftsraum umgestaltet.[3]
Beschreibung
Das zweigeschossige Haus wird durch eine mittig gelegene Tür mit Rundbogen betreten, die heute in den Verkaufsraum führt. Wie die Offizin ehemals gestaltet war, ist unbekannt.
Die translozierte Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei ist vermutlich im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts geschaffen worden. Der Sohn des Erbauers, Thomas Zimmermann führte die Apotheke bis 1728. Dann gelangte sie an seinen Sohn Harro Zimmermann. Vermutlich ließ bereits Thomas die Decke der Offizin mit Malerei schmücken. Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Decke erst 1730 im Rahmen einer Neugestaltung bemalt wurde. Auch ein noch späterer Zeitpunkt ist denkbar. Da hätte Harro die Apotheke allerdings 1731 bereits verkauft gehabt. Zu einem unbekannten Zeitpunkt, eventuell 1795, wurde die Malerei verdeckt und erst 1977 bei Umbauarbeiten wiederentdeckt, restauriert (mit partiellen Übermalungen) und unter die Decke des Verkaufsraums gehängt. 2010 erfolgte eine erneute Restaurierung.[4]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke misst ca. 4,5 auf 3 Meter. Sie ist bzw. war am Rand mit einem umlaufenden rosafarbenen marmorierten Band bemalt. Das graue rechteckige Feld dazwischen nimmt fünf Gemälde in goldfarbenen fingierten Rahmen auf. Der mittlere Rahmen ist an den Ecken konkav eingezogen und hat an den Längsseiten in der Mitte konvexe Ausbuchtungen. An allen vier Seiten sind in der Mitte scheinbar Medaillons an ihn gehängt, die ebenfalls golden gerahmt scheinen. In den vier Ecken der Decke sind kreisrunde Gemälde gebracht.
Das Hauptbild zeigt auf Wolken eine Frau mit Kelch in der einen und Kreuz in der anderen Hand. Es handelt sich um eine Personifikation des Glaubens. Die vier Eckbilder bilden Putten ab, die jeweils eines der vier Elemente allegorisieren. Links über dem Hauptbild gießt der Putto Wasser aus einer Kanne. Über dem Rahmen ist zu lesen: „Ich erfrische und befeuchte.“ Er steht für das Element des Wassers. Rechts oben hält der Putto eine Kerze und ein Öfchen. Über dem Rahmen steht geschrieben: „Ich Erwärme und Erläuchte.“ Hier wird das Element des Feuers verbildlicht. Der Putto unten rechts hat eine Korngarbe geschultert und hält in der Hand eine Sichel. Der Schriftzug über dem Rahmen lautet: „Ich Muss allen Nahrung geben.“ Hier ist die Erde gemeint. Links unten produziert eine Putte mit Seifenwasser und Strohhalm Seifenblasen. Der zugehörige Text erläutert: „Ohne Mich kan Niemand Leben.“ Gemeint ist die Luft.
Im Kontext der anderen Bilder und des Anbringungsortes in der Offizin einer Apotheke ist Rüdiger Articus zu folgen, dass mit dem Glauben die „quinta essentia“ gemeint sei.[5] Denn diese ist der heilende Auszug aus allen Dingen. Und die Heilung erfolgt in diesem Fall durch den Glauben. Da die Malerei in den Medaillons offenbar verloren ist, handelt es sich aber nur um eine mögliche Interpretation. Im Mittelpunkt steht aber in jedem Fall der Glaube, der im lutherischen Sinne allein zur Erlösung führt.
Künstler
Die Malerei ist nicht signiert. Da in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Husum der Maler Johann Christof Eyerschüttel tätig war, könnte er der Künstler sein.[5]
Bibliographie
- Literatur:
- Articus, Apotheken, 1981. – Articus, Rüdiger: Geschichte der alten Husumer Apotheken. Ein Beitrag zur Geschichte des Gesundheitswesens in Schleswig-Holstein. Husum 1981.
- Beseler, Bericht, 1980. – Beseler, Hartwig: Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 1978 und 1979, in: Nordelbingen 49 (1980), S. 154-211.
- vb, Schwan-Apotheke, 2010. – vb: Schwan-Apotheke in Husum. Deckengemälde in neuem, altem Glanz, in: Husumer Nachrichten, 10.08.2010.