Zum Inhalt springen

Hohenaschau, ehem. Burg der Grafen Preysing-Hohenaschau, Treppenhaus

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 302–303, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davor

Treppenhaus im Turm

An der Südwest-Ecke der alten Anlage

Zum Bauwerk: Der Turm, der alte Bergfrit, stammt im Kern noch aus der Gründungszeit der Burg im letzten Drittel des 12. Jh. Im Zug der barocken Umbauarbeiten wurde der Bergfrit um zwei Geschosse erhöht und erhielt sein heutiges Satteldach; als Zugang zum ab 1680 umgebauten Südtrakt mit Festsaal und Repräsentationsräumen im Obergeschoß wurde im Turm ein rundes Treppenhaus als Zugang eingebaut.

Kreisrundes Treppenhaus (Durchmesser 5,60 m) mit weiter umlaufender Holztreppe. Im Auslauf der Treppe, auf der Höhe des Saales, weitet sich das runde Treppenhaus zu einem quadratischen Raum. Fenster im S und W.

Auftraggeber: Maximilian Johann Franz (Max II.) Graf von Preysing-Hohenaschau (1672–1718).

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Jacob Carnutsch (? ca. 1650 Ort unbekannt † 1716 Prien) 1682/84 Bomhard schreibt das Deckenbild aus stilistischen und äußeren Gründen Joseph Eder zu (S. 371; in den Vorarbeiten im AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 172, hält er das Bild noch für das Werk eines oberitalienischen Malers um 1685). Doch ergibt ein Vergleich des Figurenstils und der Art und Weise der illusionistischen Darstellung mit den von Eder signierten Fresken im Dom von Herrenchiemsee, daß das Treppenhaus-Fresko von Hohenaschau nicht ihm zugewiesen werden kann, sondern daß es mit ziemlicher Sicherheit von Jacob Carnutsch ist. Zwar fehlen als Vergleichsbeispiele durch Quellen oder Signatur für Carnutsch eindeutig gesicherte Freskoarbeiten aus der fraglichen Zeit, doch ist die gesamte Gruppe der Arbeiten, die um signierte oder sonst gesicherte Arbeiten Carnutschs gebildet werden kann, so einheitlich, und das Hohenaschauer Treppenhaus-Fresko mit dieser Gruppe so eng verwandt, daß es Eder abgeschrieben und der Gruppe von Arbeiten, die mit Carnutsch in Verbindung gebracht werden können, zugeordnet werden kann.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Spiegelgewölbe

Rahmen: Breiter runder Stuckrahmen in Eichblattornament mit innerem Perlstab, weißer glatter Leiste und äußerem kräftig plastischen Blattkranz

Technik: Fresko oder Öl auf Putz; polychrom Maße: Höhe (vom oberen Treppenabsatz) 5,80 m; Ø 2,10 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen sind nicht bekannt, sie wurden wohl im Zusammenhang mit anderen Restaurierungen im Schloß durchgeführt.

Jupiter, Deckenbild im Treppenhaus des Turms

Beschreibung und Ikonographie

JUPITER Das runde Bildfeld gibt Einblick in einen blaugrauen Wolkenhimmel. Auf einem mächtig geballten Wolkenkissen erscheint Jupiter, auf dem Adler sitzend, die nackte Gestalt in eine rote Draperie gehüllt, und hält mit der Linken Flammenbündel und Blitze hoch. Links im Hintergrund ist das flügelbehelmte Haupt Merkurs zu sehen, der den Caduceus in Händen hat.

Quellen und Literatur

AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 172.

Bomhard, Bd 2, S. 360, 363, 371. Jahn, Maud, in: Chronik Aschau im Chiemgau 2000, S. 137f.