Hofgiebing, Filialkirche St. Johannes der Täufer
HOFGIEBING
Filialkirche, Pfarrei Oberornau (Pfarrverband Obertaufkirchen), Gemeinde Obertaufkirchen, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Pfarrei Reichertsheim, die den Kloster Au am Inn inkorporiert war, Erzbistum Salzburg Ehem. Schloßkirche des Hofmarkschlosses Hofgiebing Hofmarksinhaber war 1752 Georg Franz Jakob von Gobel Kurfürstlicher Regierungsrat zu Amberg in der Oberpfalz Gericht Neumarkt
Patrozinium: St. Johannes der Täufer
Zum Bauwerk: Die letzten Reste des ehem. kleinen Hofmarkschlosses, am Südhang eines Moränenrückens gelegen, wurden beim Straßenbau 1969 beseitigt. Die Kirche wurde im 15. Jh. erbaut. Um 1768 Barockisierung: Abschlagen der gotischen Gewölberippen, Ummantelung der gotischen Wandpfeiler und neue Innenausstattung. Die Stuckdekoration ist wie die der Kirchen Reichertsheim, Thambach und Riedbach, die alle zur Pfarrei Reichertsheim gehörten und 1765/68 ausgestattet wurden, dem Kraiburger Stuckator Johann Philipp Wagner zuzuschreiben.
Saalbau (9,20×6,00 m) zu drei Jochen, kaum eingezogener AR (5,00×4,45 m), einjochig, dreiseitig geschlossen. Gliederung im LHs durch seichte Wandpfeiler mit Vorlage und Pilaster.
Im O-Teil des AR noch gotische Dienste. Im W Empore. Belichtung in LHs und AR durch je zwei Fensterpaare aus hohen Rundbogenfenstern, im Chorschluß in halber Höhe.
Auftraggeber: Die Ausstattung hat wohl der Hofmarksher: Georg Franz Jakob von Gobel finanziert; der Pfarrvikar von Reichertsheim, P. Albert Penner (1763–68), hat bei der Durchführung der Barockisierung vermutlich großen Anteil gehabt, denn in seiner Amtszeit wurden alle Kirchen der Pfarrei neu ausgestattet. Auch die stilistische Ähnlichkeit der Chronogramme (s. u.) in der ehem. Reichertsheimer Pfarrei deuten auf den gleichen Verfasser.
Autor und Entstehungszeit: Hanns Singer (* Kissingen † unbekannt) 1768. Chronogramm am Chorbogen AD FONTEM SALVTIS TVAE VENI ST. IOANS PECCATOR (= 1768). Als Autor ist nach einer bei Erscheinen der KDB noch sichtbaren Signatur F. Hanns Singer überliefert. Dieser Maler ist identisch mit dem Maler der Fresken in Waal, LKr. Pfaffenhofen/Ilm, die mit Johann Michael Singer pinx anno 1780 signiert und datiert sind. Stilistisch vergleichbar mit dem – stark übermalten – Fresko in Waal ist die heftig bewegte, großfigurige Komposition. Kennzeichen der Malweise in Waal und Hofgiebing sind langgestreckte, körperlose Gewandfiguren und pathetische Gebärden, auffallend sind die zierlichen manieristisch gespreizten Hände. Die Malereien sind ungeschickt ausgeführt und lassen auf wenig Routine schließen.
Die Archivalien im Schloßarchiv Rohrbach, LKr. Pfaffenhofen, erhellen eine Zeitspanne des Lebens des bisher unbekannten Malers Johann Michael Singer. Danach stammte er aus Kissingen, war 1777 Witwer und heiratete am 17.9.1777 in Rohrbach, um dort ansässig zu werden. Einem Empfehlungsschreiben des Grafen Törring-Jettenbach vom 3.7. 1777 ist zu entnehmen, daß er zuvor in Winhöring, Lkr. Altötting, tätig war: »Er ist auch sehr geschickt in Frescomahlerey, und ha ihm mein Vatter der verstorbene Graf Töring yber seiner Accord der gefasten Kürchen zu Winnering 150f: Duceu gegeben«. Ein Diebstahl seines Stiefsohnes, in den er verwickelt wurde, vereitelte jedoch seinen Plan, und Singer lebte danach in dem benachbarten Markt Reichertshofen, von wo aus sich einige Aufträge nachweisen lassen (s. Brigitte Sauerländer in CBD, LKr. Pfaffenhofen).
wickelt wurde, vereitelte jedoch seinen Plan, und Singer lebte danach in dem benachbarten Markt Reichertshofen, von wo aus sich einige Aufträge nachweisen lassen (s. Brigitte Sauerländer in CBD, LKr. Pfaffenhofen).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR gotisches Stichkappengewölbe, barock verschliffen
Rahmen: A und B Stuckprofil; A1-4 Rocaillekartuschen Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 5,70 m; 3,80 × 2,40
B Höhe 5,40 m; 1,70 × 1,39
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1875 fand eine Restaurierung im neuromanischen Stil statt. 1901 malte Alois Zierer, Haag, eine Darstellung Madonna mit Kind, eine Kopie Raffaels, an die AR-Decke. Bei der Restaurierung 1932 durch Peter Keilhacker, Taufkirchen/Vils, und Kunstmaler Michael Gottschalk wurde eine Rebarockisierung vorgenommen, bei der die barocken Deckenbilder freigelegt wurden. Vor der letzten Restaurierung 1985/86 durch Karl Holzner, Ampfing, waren Stuck und Deckengemälde in sehr schlechtem Zustand: Große Stuckteile und Teile des Bildträgers hatten sich von der Decke gelöst. Die losen Teile wurden gesichert, Scheitel- und Längsrisse verpreßt, die Fresken durch 5- bis 7faches Behandeln mit Kalksinterwasser gefestigt, Übermalungen abgetragen und Fehlstellen ausgebessert. Im wesentlichen wurde die Raumfassung von 1932 wiederholt. Die Deckengemälde sind in gutem Zustand.
Beschreibung und Ikonographie
A ABENDMAHL Einfache hochformatige Darstellung ohne illusionistische Effekte bzw. Untersichten. Durch das für das Thema ungünstige Format ist die Gruppe von Christus und den Aposteln in der unteren Hälfte auf schmalem Raum um die Tafel gedrängt, indem alle Figuren – bis auf die Rückenfigur des Judas – zur zentralen Gestalt Christus hingeneigt sind. In der oberen Bildhälfte sieht man einen unbestimmten hohen Raum mit umlaufendem Gesims, Nische und Gitterfenster. Hinter Christus ragen zwei schmale Pfeiler auf, die an der Decke durch ein Gebälkstück verbunden sind; hier ist eine Öllampe angebracht. Dieser Aufbau dient dazu, die Gestalt Christi hervorzuheben und den Gegensatz zwischen dunkler Figurenfülle und heller Raumleere abzuschwächen. Die Farbigkeit des Freskos ist in Rot bis Ocker gehalten, den Farben der marmorierten Pilaster, die den Grundton anschlagen. Einziger Kontrast ist das grüne Gewand des Johannes.
B TAUFE JESU Im Vordergrund des Bildes steht ein kleiner bewachsener Felsen, von Wasser umspült. Christus, im Jordan stehend, empfängt die Taufe durch Johannes, der mit den Knien am Felsen lehnt und sich auf seinen Kreuzstab stützt. Ein paar Grasbüschel begrünen die Flußlandschaft. Von der Höhe sendet die Geisttaube einen Lichtstrahl auf Christus und Johannes herab. Lichte Farben in Weiß, Rosa und Rot.
A1-4 HEILIGE In den Rocaillekartuschen erscheint jeweils ein Heiliger in voller Gestalt vor Wolkengrund. Die Heiligen sind sich paarweise zugeordnet; im O erscheinen zwei Ordensheilige, Augustinus als Ordenspatron des Augustinerchorherrenstifts Au, in dessen geistliche Zuständigkeit die Kirche gehörte, und Norbert von Magdeburg. Norbert gründete den Orden der Prämonstratenser auf der Grundlage der Augustinerregel. Die beiden Ritterheiligen Georg und Florian im W sind vielleicht als Namenspatrone eingesetzt; Georg war der Name des Hofmarksherrn um 1752.
A1 AUGUSTINUS als Bischof mit Mitra und Stab. Ein Putto hält das brennende Herz und eine kleine Kelle, die sich auf die Legende vom wasserschöpfenden Kind bezieht.
A2 NORBERT Der Heilige steht im weißen Gewand der Prämonstratenser, vor ihm liegen Mitra, Stab und erzbischöfliches Pallium. Maria in Wolken reicht ihm eine Kasel (nach der Legende das Skapulier).
A3 GEORG als Ritter mit dem Drachen zu seinen Füßen. A4 FLORIAN in Ritterrüstung, Mantel und Helm, in der Hand eine Fahne. Ein Putto gießt Wasser auf ein brennendes Haus.
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Reichertsheim, Filiale Hofgiebing BLfD, Akt Hofgiebing, Kirche St. Johannes d. T.
Mayer-Westermayer Bd 2, S. 171. KDB I OB (2), S. 1972. Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 181, 258f. Dehio 1990, S. 443. 1200 Jahre Oberornau, Festschrift und Chronik der Pfarrei und ehemaligen Gemeinde Oberornau, 1990, S. 30, 45. Pfarrverband Obertaufkirchen, Schwindegg, Oberornau, iP Kunstführer 1997, S. 33f.