Hildesheim, Residenzschloss
Inventarnummer: cbdd10086
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Die ehemalige Malerei im Bischöflichen Palais aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde 1945 zerstört. Photographien und alte Beschreibungen erlauben ihre partielle Rekonstruktion.
Das Bischöfliche Palais
Bau- und Nutzungsgeschichte
Die vergleichswiese bescheidene Architektur des ehemaligen Residenzschlosses der Hildesheimer Fürstbischöfe — Bischöfliches Palais genannt — im Hildesheimer Domhof erklärt sich durch den Umstand, dass das Bistum und Fürstentum in der Frühen Neuzeit oft in Personalunion von anderen Territorien aus regiert wurden, von 1702–1761 durchgängig von Kölner Kurfürsten aus dem Hause Wittelsbach.
Nach den Besetzungen im Dreißigjährigen Krieg erfolgte 1645/49 ein Neubau der Residenz gegenüber dem Dom im Westen. Dieser diente bis in das 19. Jahrhundert als Kanzlei, Ratsstube und Archivgewölbe.[1] Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts war das Hauptgebäude recht baufällig, aber erst unter Kurfürst Clemens August beschloss man 1727 einen Neubau, der auch 1728 nach den Plänen Justus Wehmers wirklich begonnen wurde, sich in der Ausführung bis 1754 hinzog und nicht vollendet wurde — ein zweiter Seitenflügel, der einen Ehrenhof gebildet hätte, wurde nie errichtet. So entstand nur ein Bau im rechten Winkel. Ferner verband nun ein Brückengebäude — „Dreibogengebäude“ — die Residenz mit dem Dom.
Mit der Säkularisation 1802 endete die Geschichte von Fürstbistum und Residenz Hildesheim. Die geistliche Verwaltung verblieb im Domhof, das ehemalige Residenzschloss wurde angekauft. Die Brücke zum Dom wurde 1840 niedergelegt. Dom, Domhof und Schloss brannten 1945 weitgehend aus.
Baubeschreibung
Das ehemalige Residenzschloss ist ein dreigeschossiger, schlichter Bau im rechten Winkel an der Westseite des Domhofs gegenüber dem Westwerk des Doms. Zwei Portale, ein seitlicher Eingang und eine zentrale Durchfahrt erschließen das Innere. Das Eingangsportal nimmt im Giebel das Wappen des Bauherrn Clemens August mit Kurhut auf.
Die ehemalige Malerei im Bischöflichen Palais
Verlorene Malerei im ehemaligen Speisesaal
Die Malerei[2] im ehemaligen Residenzschloss hat die Kriegszerstörung nicht überdauert. So gab es einen Raum mit Wand- und Deckenmalerei, der wohl ehemals ein Speisesaal war und 1912 als Kanzlei der Staatsanwaltschaft diente. 1925 waren nur fragmentarisch erhaltene Reste zu sehen. An der östlichen Längswand stand ein Kamin. Die Wände des Raums zeigten eine Flusslandschaft hinter Säulen, zwischen deren Kapitelle Girlanden mit Medaillons mit Cäsarenköpfen gehängt waren. Es entstand die Anmutung einer Loggia. An den Schmalseiten standen zwischen den Säulen Vasen mit figürlichen Darstellungen in Grisaille. Über dem Kamin befand sich ebenfalls eine Grisaillemalerei. Sie zeigte Putten, die ein Feuer anbliesen sowie sich an diesem wärmten. An der Decke erblickte man vor einem Wolkenhimmel Putten mit Blumengirlanden und Blumenampeln in Händen. Ein Blumengewinde bildete die Initialen F. W.[3] Es dürfte sich um die Initialen des Fürstbischofs Friedrich Wilhelm handeln. Dieser wurde erst 1763 Fürstbischof. Damit scheidet Francesco Bernardini als Künstler aus, den Zeller 1912 annahm (Bernardini schuf 1728–1730 die Deckenmalerei im Dom). Auch der damals in Hildesheim tätige Josef Gregor Winck – den Dreyer vermutete – scheidet als Urheber aus, da derart klassizistisch anmutende Arbeiten von Winck gänzlich unbekannt sind.[4]
Bibliographie
- Literatur:
- Braun, Winck, 1983. – Braun, Hermann: Joseph Gregor Winck, Deggendorf 1710 – Hildesheim 1781. Leben und Werk eines Barockmalers in Norddeutschland (Forschungen der Denkmalpflege in Niedersachsen, 2). Hameln 1983.
- Dreyer, Winck, 1925. – Dreyer, Herbert: Josef Gregor Winck 1710 – 1781. Ein Beitrag zur Geschichte der Barockmalerei in Norddeutschland (Hildesheimer Kunstbücher, 1). Hildesheim [u.a.] 1925.
- Hamann, Bischofsresidenz, 1964. – Hamann, Manfred: Die Hildesheimer Bischofsresidenz. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 36 (1964), S. 28–65.
- Twachtmann-Schlichter, Hildesheim, 2007. – Twachtmann-Schlichter, Anke: Baudenkmale in Niedersachsen, 14.1. Stadt Hildesheim (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Hameln 2007.
- Zeller, Hildesheim, 1912. – Zeller, Adolf (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. II. Regierungsbezirk Hildesheim. 4. Stadt Hildesheim. Bürgerliche Bauten. Hannover 1912.
Einzelnachweise
- ↑ Zeller, Hildesheim, 1912, S. 136-140; Hamann, Bischofsresidenz, 1964, S. 54-59; Twachtmann-Schlichter, Hildesheim, 2007, S. 79.
- ↑ Zeller, Hildesheim, 1912, S. 138-140; Dreyer, Winck, 1925, S. 27-28.
- ↑ Zeller, Hildesheim, 1912, S. 140, ferner Taf. XVIII, Fig. 92 und Taf. XVII., Fig. 93-96.
- ↑ Braun, Winck, 1983, S. 57.