Hamm Heessen, Haus Heessen
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In Haus Heesen hat sich eine Decke mit Malerei von ca. 1710 erhalten, die eine Apotheose des Perseus zeigt. Im zugehörigen Garten steht ein Pavillon mit einem Deckengemälde von ca. 1750.

Haus Heessen
Kurzbeschreibung und Lage
Haus Heesen[1] ist im Tal der Lippe, dicht am Nordufer des Flusses gelegen. Die den Gebäudekomplex umgebenden Gräben bilden ein Dreieck. Er setzt sich aus einem Hauptgebäude im Osten und Wirtschaftsbauten im Westen zusammen und wird von Norden aus erreicht. Hier befand sich ehemals jenseits des Grabens ein orthogonaler Garten. Im Osten, hinter dem Hauptgebäude und noch innerhalb der Gräben befindet sich ein weiterer Garten, in dem ein kleines Gartenhaus steht. Südlich des Komplexes auf einer eigenen Insel kam im 19. Jahrhundert ein weiterer Garten hinzu.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Haus Heessen geht auf eine Burg des 14. Jahrhunderts zurück, die eine ältere Anlage ersetzte. Es befand sich im Besitz der Familie von der Recke, die um 1440 das Hauptgebäude umbauen ließ. Zwischen 1580 und 1590 entstanden die Wirtschaftsgebäude im Westen des Haupthauses, die Toranlage im Norden 1600. Nach einem Brand 1625 wurde das Hauptgebäude repariert und eventuell entsandt damals der westliche Flügel des Haupthauses.
1745 starben die von der Recke aus und Heesen kam auf dem Erbgang 1775 an die Freiherren von Boeselager zu Nehlen und Höllinghofen. 1780-82 wurden die Bauten nach Abriss des Westflügels im Sinne des Klassizismus umgestaltet. Die Gräben unmittelbar am Gebäude wurden zugeschüttet. Das frühe 20. Jahrhundert strebte dann 1905-08 eine Rekonstruktion des Zustandes des 15. Jahrhunderts an, was laut Dehio einer weitgehenden Neuerrichtung entsprach. So ist der Turm ein kompletter Neubau. Seit 1957 ist ein Gymnasium bzw. Internat in Haus Heessen untergebracht.
Beschreibung
Der Komplex ist auf einer dreieckigen künstlichen Insel gelegen. Alle Bauten sind in rotem Backstein errichtet. Im Norden steht ein zweigeschossiges Torhaus, über das man die Anlage betritt. Es wird von einem dreigeschossigen Turm mit Glockendach flankiert. Man erreicht den Wirtschaftshof, der vom Haupthaus durch eine niedrige Mauer getrennt ist. Die ehemaligen Gräben um das Hauptgebäude sind zugeschüttet. Torhaus, Turm, Stallgebäude und die Rentei haben bzw. hatten Schießscharten. Teilweise sind sie wie das Haupthaus mit Staffelgiebeln geziert. Das dreiflügelige Hauptgebäude öffnet sich mit einem offenen Hof gegen die Vorburg. Ein vierter Westflügel ist im Norden angefügt. Hinter dem Hauptbaus im Osten befindet sich ein Garten mit einem Gartenpavillon aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Das Hauptgebäude
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Hauptgebäude[2]gründet auf mittelalterlichen Grundmauern und wurde vor allem um 1440, nach 1625, 1782 und 1905-08 tiefgreifend umgestaltet. Nur wenige sichtbare Reste der Zeit vor 1782 haben sich erhalten.
Beschreibung
Das Hauptgebäude stellt sich als eine unregelmäßige nach Westen geöffnete Dreiflügelanlage dar, an die im Norden ein vierter Westflügel angefügt ist. Die Bauten sind zweigeschossig, haben Satteldächer und hohe fialenbesetzte Treppengiebel. Einen prägnanten Akzent bildet ein 30 Meter hoher Turm am Ende des Nordflügels.
Trotz der zahlreichen Umbauten haben sich im Innen mehrere barocke Stuckbalkendecken erhalten sowie eine Raum mit barocker Deckenmalerei im Erdgeschoss des Südflügels.
Das so genannte Perseus-Zimmer
Beschreibung
Das so genannte Perseus-Zimmer[3] hat seinen Namen nach der Deckenmalerei. Es ist an der Südseite des Südflügels gelegen und öffnet sich mit zwei Fenstern zur Lippe hin. Der fast quadratische Raum wird von Norden her betreten, ist aber über je eine Tür an der Fensterseite mit den angrenzenden Zimmern im Osten und Westen verbunden. An der Ostwand steht ein Kamin. Otten hat 2022 vermutet, dass die Decke eventuell erst im Zuge der Umbaumaßnahmen 1905-08 sekundär in diesem Raum gekommen ist.
Die Decke des Perseus-Zimmers
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke[4]des Perseus-Zimmers – so hat es Otten vermutet – ist möglicherweise aus Anlass der Hochzeit des Schlossherrn Franz Wilhelm von der Recke (1665–1716) mit Beatrix Angela von Vittinghoff um 1708 entstanden.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke präsentiert in Stuckrahmen fünf Ölgemälde: vier Rundbilder in den Ecken und ein zentrales querrechteckiges Hauptbild. Der flache Deckenstuck zeigt teilweise aus Füllhörnen wachsendes Rankenwerk im durch ein Profil abgegrenzten Spiegel und Festons in den Ecken der Voute.
Die Apotheose des Perseus
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[5] ist mit Ölfarbe auf den mit einer Kalktünche versehenen Putz aufgetragen. Ein breiter Riss verläuft heute quer durch das Bild.
Beschreibung und Ikonographie
Präsentiert wird die Apotheose des Perseus. Perseus war als Sohn des Jupiter ein Halbgott und vollbrachte im Laufe seines Lebens zahlreiche Heldentaten. Zu den wichtigsten gehörte die Tötung der Gorgonin Medusa. Der Anblick ihres Schlangenhauptes war todbringend und Perseus konnte die Tat nur vollbringen, da ihm Minerva einen spiegelnden Schild gegeben hatte, sodass er nur das Spiegelbild der Medusa und nicht diese selbst anblickte.
In Heessen ist Perseus im roten Mantel auf Wolken in der Mitte des Bildes zu sehen. Er sitzt auf Trophäen und präsentiert mit seiner rechten Hand sein Schwert. Unter seinen Füßen erkennt man Medusa. Perseus blickt nach rechts zu Minerva, die seinen Schild hält. Über ihm kommt Victoria mit Siegeskranz und Siegespalme herbei. Zahlreiche Putten bejubeln Perseus.
Die Allegorien der vier Jahreszeiten
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die vier Eckmedaillons[6] sind als Secco-Malerei auf den Putz aufgetragen.
Beschreibung und Ikonographie
Sie zeigen Allegorien der vier Jahreszeiten. Im Südwesten erkennt man den Winter, im Nordwesten den Frühling, im Nordosten den Sommer und im Südosten den Herbst. Sie werden jeweils durch Putten auf Wolken verbildlicht. Für den Winter steht eine Putte, die sich an einem Feuerbecken wärmt und in einen Hermelinmantel gehüllt hat. Der Frühling zeigt zwei Putten, von denen eine mit einer Blumengirlande spielt, die die andere knüpft. Auch der Sommer wird durch zwei Putten visualisiert, von denen eine Sense und Korngarben, die andere eine Sichel und Ähren hält. Für den Herbst stand eine Putte im Mantel mit einem Weinglas und Trauben in Händen.
Der Gartenpavillon
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Im Garten an der Ostseite des Hauses hat sich ein Gartenpavillon[7] aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten. 1968 wurde der Bau instandgesetzt. Ende des 20. Jahrhunderts setzte ein zunehmender Verfall ein, der jedoch 2019 mit einer Abdichtung des Daches gestoppt wurde.
Beschreibung
Das achteckige quergelagerte Gartenhaus mit Mansarddach wird durch einen übergiebelten Eingang betreten, der mit Pilastern ausgezeichnet ist.
Der Innenraum des Pavillons
Beschreibung
Der Pavillon nimmt nur einen Raum auf. Vier Fenster an den kurzen Seiten und die Fenster in der Tür lassen Licht hinein.
Die Decke und ihre Malerei
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[8] der Decke ist nicht datiert. Stilistisch entstammt sie der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ältere Fotografien von 1963 zeigen sie bereits stark geschädigt. Bei einer Restaurierung des Pavillons 1968 wurde die Malerei abgenommen. Als sie anschließend wieder aufgebracht werden sollte, war während der Einlagerung ein Teil zerstört worden.
Beschreibung und Ikonographie
Die Deckenmalerei fingiert einen Ausblick in den freien Himmel. Über ein Geländer beugen sich verschiedene Personen beiderlei Geschlechts herab. Unter ihnen sind auch Musiker sowie ein Maler an der Staffelei – vermutlich ein Selbstbildnis des unbekannten Künstlers.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Mummenhoff, Profanbaukunst, 1961. – Mummenhoff, Karl Eugen: Die Profanbaukunst im Oberstift Münster von 1450 bis 1650 (Westfalen. Sonderheft, 15). Münster 1961.
- Otten, Perseuszimmer, 2022. – Otten, Heinrich: Die Decke des Perseus-Zimmers auf Schloss Heessen bei Hamm. Hochbarocke Ausstattungskunst aus Stuck und Malerei. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe (1/2022), S. 31-34.
- Rübesamen, Heessen, 2012. – Rübesamen, Klaus: Spurensuche am Gebäude. Zur Baugeschichte von Schloss Heessen. Münster 2012.
- Steinkühler, Heessen, 1952. – Steinkühler, Emil: Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen [1952].
- Westfalen 46 (1968). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 46. Münster 1968.
- Archivalien:
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Schlosstraße 1. Schloss Heessen. Landschulheim. Hamm. Akte V 2002.
Einzelnachweise
- ↑ Rübesamen, Heessen, 2012; Dehio, Westfalen, 2011, S. 390-391; Mummenhoff, Profanbaukunst, 1961, S. 185-187.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 391; Steinkühler, Heessen, 1952, S. 34-35.
- ↑ Otten, Perseuszimmer, 2022.
- ↑ Otten, Perseuszimmer, 2022, S. 31, 34.
- ↑ Otten, Perseuszimmer, 2022, S. 33-34.
- ↑ Otten, Perseuszimmer, 2022, S. 31-32.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 391; Westfalen 46 (1968), S. 307; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Westfalen 46 (1968), S. 307; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.