Hamburg, ehem Haus Grimm 31
Inventarnummer: cbdd20043
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Aus dem zerstörten Haus Grimm 31 haben sich im Museum für Hamburgische Geschichte mehrere Deckenfragmente mit Malerei von ca. 1658-1691 erhalten. Im Rankenwerk gehen Putten verschiedenen Tätigkeiten nach.

Das ehemalige Haus Grimm 31
Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus Grimm 31[1] stammte aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 1691 wurde die Fassade modernisiert und das Haus erhielt ein neues Portal. Das Gebäude wurde 1943 zerstört. Es handelte sich um ein Kaufmannshaus und stand auf der damaligen Insel Grimm, nach der auch die Straße ihren Namen hat.
Beschreibung
Das vier Achsen breite Haus hatte drei Obergeschosse und einen zweigeschossigen geschweiften Giebel. Das über niedrigem Sockel gelegene Erdgeschoss wurde über ein paar Treppenstufen durch ein aufwendiges Steinportal betreten, das mit Engelsköpfen und Nixen geziert war. Es war mit dem darüberliegenden Fenster zu einer Einheit zusammengefasst.
Die translozierte Deckenmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Erhalten haben sich Reste mehrerer Holzbalkendecken aus verschiedenen Räumen des Obergeschosses. Die Malerei wurde für den Kramer Christian Hasenbank ca. 1658-1691 geschaffen. Der Künstler ist unbekannt. Die Malerei erfolgte auf mit Kreide grundierten Kiefernbrettern in Kasein-Öltechnik. 149 Bretter haben sich erhalten. Die Deckenfragmente gelangten durch Schenkung an das Museum für Hamburgische Geschichte und wurden dort 1922 in der so genannten Kaufmannsdiele zu einer Decke zusammengesetzt eingebaut. 17 rekonstruierte Querbaken bilden Fachen, in denen die Malerei – ergänzt um weitere Bretter – heute (2023) präsentiert wird. 2007 wurde die Malerei restauriert.[2]
Auftraggeber
Auftraggeber der Malerei war Christian Hasenbank, der das Haus damals besaß. Er war Angehöriger des Krameramtes.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Große schwarz-blaue Akanthusranken mit braunen Blüten, Festons und teilweise auch rot-braune Blätter vor hellgrauem Grund dominieren die Darstellung. In den Ranken tummeln sich einige Vögel und zahlreiche Putten in rot-brauner Farbe, die verschiedenen Tätigkeiten nachgehen. Auch zwei antikisierende Büsten (weiblich und männlich) sind zu entdecken. Sie stammen vermutlich aus einem anderen Raum als die Putten. Diese befinden sich jeweils auf einem ebenfalls rot-braunen Bodenstreifen. Sie reiten Steckenpferd, rauchen Pfeife oder musizieren (Rummelpott und Geige), sie tragen Fruchtkörbe und Topfpflanzen oder sie gehen der Jagd sowie weiteren Tätigkeiten nach. Die Malerei hat durchaus scherzhafte Momente. So reitet eine Putte einen Ziegenbock. In ihrer rechten Hand hält sie eine Tuchschere. Es handelt sich um eine Verhöhnung des Schneidergewerbes, wie sie damals üblich war. Es gab Streit zwischen Kramern und Wandschneidern um das Vorrecht des Detailhandels mit Woll- und Leinenstoffen. An anderer Stelle ist der Brudermord von Kain an Abel dargestellt. Diese Darstellung bezieht sich auf den historischen Standort des Hauses „Im Grimm“. Laut einer Hamburger Redensart war der Grimm die älteste Straße der Welt, denn laut Bibel hatte Kain seinen Bruder Abel ja „im Grimm“ erschlagen. Wir haben es hier mit einem spezifisch hanseatischen Humor zu tun.[4]
Bibliographie
- Literatur:
- Erbe/Ranck, Bürgerhaus, 1911. – Erbe, A[lbert]/ Ranck, Chr[istoph]: Das Hamburger Bürgerhaus. Seine Bau- und Kunstgeschichte, Hamburg 1911.
- Heckmann, Hamburg, 1990. – Heckmann, Hermann: Barock und Rokoko in Hamburg, Berlin 1999.
- Jaacks, Zimmer, 1997. – Jaacks, Gisela: Hamburger Zimmer vom Barock zum Klassizismus, in: Bracker, Jörgen/Jaacks, Gisela (Hrsg.): Decken- und Wanddekoration in Hamburg vom Barock zum Klassizismus (Hamburg-Porträt. Nr. 28. Museum für Hamburgische Geschichte). Hamburg 1997, S. 3-18.
- Archivalien:
- 39-105.302. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Grimm 31, Standort: Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24, Kaufmannsdiele, Aktenzeichen 39-105.302.