Hamburg, Landhaus Billhof
Inventarnummer: cbdd10275
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Im Billhof, einem ehemaligen Landhaus der Pastoren der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, haben sich zwei Holzbalkendecken mit Malerei von ca. 1680 erhalten. Die eine Decke präsentiert Ideallandschaften in Medaillons.

Der Billhof in Hamburg
Kurzbeschreibung und Lage
Der Billhof[1] ist am Südufer der Bille gelegen. Er hat von außen das Aussehen eines bäuerlichen Hallenhauses mit hohem Satteldach, in der Region Hufnerhaus genannt. Tatsächlich nimmt der straßenseitige Bereich aber einen Landhausteil auf, der vom bäuerlichen Bereich getrennt war.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Der Billhof wurde um 1600 erbaut. 1647 gelangte er an den Pastor von St. Michaelis Jodocus Edzard Glanäus. Er wurde zum Landhaus mit straßenseitigem Wohntrakt umgebaut und diente bis 1708 den Pastoren der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis als Sommersitz. Das Fachwerkgebäude erhielt um 1850 zur hin Straße einen neuen Mauerwerksgiebel, der den bisherigen Fachwerkgiebel ersetzte.
Beschreibung
Das eingeschossige Gebäude mit Reetdach zeigt zur Straßenseite hin im Erdgeschoss vier Fensterachsen und im ersten Obergeschoss zwei. Während diese Fenster axial übereinander angeordnet sind, ist das Fenster im dritten Obergeschoss mittig platziert. In die Tiefe erstrecken sich acht Achsen des ehemals bürgerlichen und daran anschließenden bäuerlichen Wohnbereichs. Dann folgt der Wirtschafts- bzw. Stallabschnitt mit Krüppelwalmdach. Die vorderen vier Achsen gehörten zum Landhausteil. Es gab keinen Durchgang zum bäuerlichen Bereich. Das Gebäude wird von der Seite her betreten. Aus einer hallenartigen Diele führt eine Treppe in das Obergeschoss.
Stellung des Billhofs
Der Billhof ist ein letzter Rest der ehemals reichen Landhaus- und Gartenlandschaft östlich von Hamburg.[2] Die Bauten standen vor allem auf der Insel Billwerder, mit der damals das Gebiet zwischen Bille und Dove Elbe bezeichnet wurde. Die große Landhauszeit der Region reichte vom Ende des 16. Jahrhunderts bis um 1800. Zahlreiche Städter besaßen damals Land in der Region. Ihren Anfang nahm diese Entwicklung mit niederländischen Glaubensflüchtlingen, die die Landhauskultur aus ihrer Heimat mitbrachten. Sie wurde bald von den Hamburgern übernommen. 1663 soll sich über die Hälfte der Nutzfläche im Besitz Hamburger Stadtbürger befunden haben. 1674 heißt es „In der Elbe ligen vil lustige Insuln, welche alle gleichsam kleine Speise-Kammern diser Stadt sind, da ist auch Billwerder von dem Flusse Bille umschlossen, welcher nach der Länge und Breite von Schönen Lust-Höfen glänzet“.[3]
Die Landhäuser wurden oft an bestehende Bauernhäuser angefügt. Häufig entstand der Typus eines T-förmigen Hauses mit baulicher Trennung vom bäuerlichen Teil des Hauses. Der Billhof stellt hier eine Ausnahme dar, ist der Landhausteil doch baulich nicht eigens hervorgehoben. Zu den Landhäusern gehörten weiträumige Gärten. Mit dem Aufkommen der Landschaftsgärten gewann zunehmend der Westen Hamburgs mit seiner Hügellandschaft und dem weiten Blick über das Elbtal an Attraktivität gegenüber dem flachen Billwärder. Nun gelangte das Land wieder zunehmend in bäuerlichen Besitz.
Der Saal im ersten Obergeschoss und seine Decke
Baugeschichte und Raumbeschreibung
Im ersten Obergeschoss ist an der Nordseite des Gebäudes ein ehemals repräsentativer Raum[4] mit zwei großen Fenstern in Richtung Straße bzw. Bille gelegen. Der Raum mit einer Grundfläche von 6,38 auf 10,01 Metern entstand in seiner gegenwärtigen Gestaltung weitgehend zwischen 1650 und 1680. Die Erneuerung der Nordwand schuf neue Fenster und erforderte einen neuen Anschluss für die sieben Deckenbalken an das Mauerwerk. Die Südseite zeigt das unverputzte Fachwerk, die Westseite hat heute wieder eine Dachschräge, die Ostwand wurde neu eingezogen. Der Raum wird im Südosten betreten und ist 2,90 Meter hoch.
Die Decke und ihre Malerei
Die Holzbalkendecke[5] erhielt 1679 ihre Bemalung. 1977 erfolgte eine weitgehende Übermalung durch Kurt Neubert im Rahmen einer Restaurierung. 2012 wurde die Malerei letztmalig restauriert.
Es handelt sich um eine Temperamalerei, die auf das Kiefernholz der sechs Fachen aufgetragen wurde. Jede Fache hat 20 Bretter. Die schmalen Bretter an der Nordseite sind eventuell erst hinzugekommen, als der Giebel neu aufgeführt wurde. Zwei übereinanderliegende Rotschichten nehmen gemalte Ornamente und Medaillons auf. Die Malerei von 1977 wurde mit Ausnahme des westlichen Bereichs auf das Original aufgetragen. Im Westen befindet sich zwischen den Schichten ein weißer Anstrich. Fotografien von 1970 zeigen teilweise noch die ursprüngliche Malerei.
Beschreibung und Ikonographie der Malerei
Zu sehen ist eine Rankenmalerei mit floralen Blumenelementen in Weiß, Gelb und Ocker auf rotem Fond. Die Fachen nehmen in der Mitte querformatige Medaillons mit in Grau- und Brauntönen marmorierten fingierten Rahmen auf. Sie präsentieren monochrome Landschaften in Gelb-Ocker. In der Mitte der Stirnseiten der Unterzüge, die im selben Farbspektrum gehalten sind, erblickt man Muschelornamente und Cherubim. Die Unterseiten zieren gemalte Ranken und Kugelornamente. Der farbliche Gesamteindruck ist rot dominiert.
Die sichtbare Fassung ist nur in geringen Teilen ursprünglich, fast alles geht auf die Übermalungen von 1977 zurück. Wenige Fotos, die 1970 aufgenommen wurden, zeigen, dass die Landschaften teilweise verändert wurden und dass vor allen die ursprüngliche Reihenfolge der Bahnen geändert wurde. Das westlichste Feld und die beiden äußeren Balken sind gänzlich neu bemalt. Die Ornamentmalerei wurde neu strukturiert und in Dunkelrot abschattiert. „Die Landschaften in den Medaillons sind weitgehend über- bzw. neu gemalt worden. Hier wie auch im Bereich der Rahmen erkennt man zum Teil die lasierende Grundfarbe oder die reduzierte Anlage der früheren Malerei“.[6]
Die Landschaften zeigen durchweg Motive aus der Niederdeutschen Tiefebene. Wenige hohe Bäume im Vordergrund geben den Blick in die Tiefe frei. Im Mittelgrund ist oft ein Gewässer zu sehen. Einmal fällt der Blick auf eine Kirche.
Der Raum im zweiten Obergeschoss und seine Decke
Der Raum
Das Giebelzimmer[7] an der Nordseite im zweiten Obergeschoss misst in der Grundfläche 6,85 auf 6,34 Meter. Es erhält Licht durch ein Fenster im Norden und wird von Süden aus betreten. Der Raum ist 2,70 Meter hoch. Seine Holzbalkendecke zeigt drei Unterzüge und zwei Fachen mit jeweils 20 Einzelbrettern sowie je einem schmalen Brett an der Nord- und an der Südseite.
Die Decke und ihre Malerei
Die Malerei[8] in Tempera auf Kiefernholz wird auf 1679 datiert. Der gelbe Fond wurde ohne Grundierung aufgetragen, ausgeglichene Unebenheiten und Anstückungen allerdings weiß grundiert. Das rote Ornament wurde in zwei Schichten aufgetragen. 1977 erfolgte im Rahmen einer Restaurierung eine großflächige Übermalung durch Kurt Neubert mit violetten und weißen Farben. In der Südostecke befindet sich eine nachträglich eingebaute Bodenluke.
Beschreibung und Ikonographie der Malerei
Die Decke zeigt auf gelbem Grund ausschließlich Ornamentmalerei mit Akanthusblattranken in Weiß und Violett. Auf den Unterseiten der Balken sind Rankenwerk und Kugelornamente gemalt, die Stirnseiten zeigen Rankenwerk und in der Mitte zwischen weiteren Kugeln Cherubim. Die Farbanmutung insgesamt ist gelb, aufgrund des heute fehlenden Rots aber in keiner Weise die ursprüngliche.
Bibliographie
- Literatur:
- Finder, Billwärder, 1935. – Finder, Ernst: Die Landschaft Billwärder, ihre Geschichte und ihre Kultur (Veröffentlichung des Vereins für Hamburgische Geschichte, 9). Hamburg 1935.
- Gabrielsson, Entwicklung, 1975. – Gabrielsson, Peter: Zur Entwicklung des bürgerlichen Garten- und Landhausbesitzes bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Bauche, Ulrich (Bearb.): Gärten, Landhäuser und Villen des hamburgischen Bürgertums. Kunst, Kultur und gesellschaftliches Leben in vier Jahrhunderten (Aus den Schausammlungen des Museums für Hamburgische Geschichte, 4). Hamburg 1975, S. 11-18.
- Klée-Gobert, Bergedorf, 1953. – Klée-Gobert, Renata (Bearb.): Bergedorf - Vierlande - Marschlande. Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg. Bd.1. Hamburg 1953.
- Mathieu/Fischer, Baukunst, 1975. – Mathieu, Kai/Fischer, Manfred F.: Baukunst und Architekten. In: Bauche, Ulrich (Bearb.): Gärten, Landhäuser und Villen des hamburgischen Bürgertums. Kunst, Kultur und gesellschaftliches Leben in vier Jahrhunderten (Aus den Schausammlungen des Museums für Hamburgische Geschichte, 4). Hamburg 1975, S. 26-44.
- Schmal, Marschlande, 2001. – Schmal, Helga: Vier- und Marschlande (Hamburg-Inventar. Stadtteilreihe 6.1). Hamburg 2001.
- Archivalien:
- 39-611.106. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Billwerder Billdeich 256, Aktenzeichen 39-611.106.
- Klose, erstes Obergeschoss, 2008. – Britta Klose: Die gefasste Holzbalkendecke im ersten Obergeschoss des Hauses Billwerder Billdeich 256. Februar 2008.
- Klose, zweites Obergeschoss. 2008. – Klose, Britta: Die gefasste Holzbalkendecke im zweiten Obergeschoss des Hauses Billwerder Billdeich 256. Februar 2008.
- Klose, Holzbalkendecken, 2012. – Klose, Britta: Zwei gefasste Holzbalkendecken im Haus Billwerder Billdeich 256. Konservatorische und restauratorische Maßnahmen. August 2012.
Einzelnachweise
- ↑ Schmal, Marschlande, 2001, S. 51-52; Klée-Gobert, Bergedorf, 1953, s. 202-203. 39-611.106.
- ↑ Schmal, Marschlande, 2001, S. 48-52; Gabrielsson, Entwicklung, 1975, S. 12-14; Mathieu/Fischer, Baukunst, 1975, S. 30, 35-36; Finder, Billwärder, 1935, S. 154-156.
- ↑ Zitiert nach Gabrielsson, Entwicklung, 1975, S. 12.
- ↑ Schmal, Marschlande, 2001, S. 52. 39-611.106.
- ↑ Klose, Holzbalkendecken, 2012; Klose, erstes Obergeschoss, 2008.
- ↑ Klose, erstes Obergeschoss, 2008, S. 10.
- ↑ Klose, Holzbalkendecken, 2012; Klose, zweites Obergeschoss. 2008.
- ↑ Klose, zweites Obergeschoss, 2008.