Hagen, Burg
Inventarnummer: cbdd10107
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Auf Burg Hagen haben sich übereinander Grisaillemalereireste von ca. 1505, ca. 1575 sowie vom Anfang des 17. Jahrhunderts erhalten. Die Fassung von 1575 zeigt u.a. Vorhanggebinde und Granatapfeldraperien.
Burg Hagen im Bremischen
Bau- und Nutzungsgeschichte
Die sogenannte Stiftsburg[1] in Hagen stammt aus dem Hohen Mittelalter. Eine Vorgängeranlage wurde für den Bremer Erzbischof Hartwig II. gegen die Stedinger Bauern um 1200 errichtet. Seit der Unterwerfung der Stedinger 1234 diente sie vor allem der Verwaltung, war aber auch als umkämpfter Ort bis in das 16. Jahrhundert von militärischer Bedeutung. Ca. 1502–1507 erhielt die Burg im Auftrag von Erzbischof Johann Rodedann ihre endgültige Gestalt. Hagen war ein bevorzugter Aufenthaltsort der Bremer Fürsterzbischöfe in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In Hagen fand 1576 die Hochzeit des Fürsterzbischofs Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg mit Anna von Broich statt.
Seit dem 17. Jahrhundert fand kein höfisches Leben mehr in dem Gebäude statt. Im dritten Viertel des 17. Jahrhunderts wurde ein neues Amtshaus in Hagen errichtet. Die Burg diente im 19. Jahrhundert teilweise auch als Gefängnis und Dienstwohnung. 1887 wurde das Amt Hagen aufgelöst, 1976 das Amtsgericht Hagen. Anschließend erfolgten von 1978 bis 1988 Bauuntersuchungen, Restaurierungen und Renovierungen, in deren Rahmen die Wandmalereien wieder entdeckt, gesichert und teilweise wieder hergestellt wurden. Seither dient das Gebäude als Kulturstätte und Standesamt.
Beschreibung
Das Hauptgebäude ist ein breit von Ost nach West gelagertes, zweigeschossiges Steinhaus mit Kellergeschoss von 30 auf 10 Metern mit steilem Krüppelwalmdach. Es folgt damit dem Typus des mittelalterlichen Steinhauses in seiner fortgeschrittenen Form als einflügeligem Wehr- und Wohnbau. Das Innere barg über einem hohen, gewölbten Keller zwei Wohngeschosse, die je einen Saal und dazu ein Zimmer mit Kamin aufnahmen. Der Eingang befindet sich — leicht aus der Mitte verschoben — an der Nordseite.
Die erhaltenen Malereireste
Die Reste im Veranstaltungssaal und der sogenannten Kapelle
Bedeutende Malereireste[2] haben sich vor allem im Obergeschoss erhalten, und zwar in geringen Resten im sogenannten Veranstaltungssaal sowie im angrenzenden kleineren Raum — der sogenannten Kapelle. Sie sind von hoher Bedeutung, haben sich doch aus dem Spätmittelalter in Wohnräumen von Steinhäusern in Norddeutschland kaum nennenswerte Reste von Malereien erhalten.
Die Malerei in beiden Räumen stellt sich heute als Ergebnis der Restaurierungen nach 1987 dar. Dabei wurden wichtige drei Fassungen voneinander geschieden, von denen die zweite hier von Interesse ist. Die erste Fassung datiert um 1505, eine zweite um 1575. Hinzu kommt eine dritte Fassung aus dem beginnenden 17. Jahrhundert. Heute werden die drei Fassungen nebeneinander präsentiert. Dabei ist die erste Fassung vor allem im oberen Wandabschnitt zu sehen, die Vorhangmalerei der zweiten Fassung vor allem im unteren Bereich.[3]
Fassung I von ca. 1505
Die erste Fassung[4] hat sich vor allem in der sogenannten Kapelle erhalten und schmückt Fenster und Nischen mit gemalter gotischer Maßwerkarchitektur — Eselsrücken, Fialen, Krabben — die in verschiedenen Grautönen die Öffnungen umziehen. Die Bekrönungen wechseln jeweils und enden etwa in einem Standbild in Art eines kleinen Löwen. Die Grisaillen mit Lichthöhungen sind auf einer glatten Kalkschlämme aufgetragen. Die Deckenbalken wurden lediglich ornamental bemalt, die Deckenbretter sind verloren. Es handelt sich um Fischgrät- oder Sparren- und Streifenmuster, die rudimentär auch im Erdgeschoss erhalten sind. Diese erste Bemalung konnte nicht klar bestimmt werden und eine Zuordnung zur Wandmalerei bleibt unklar, denn sie scheint in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Gegensatz zu den Wänden nicht überfasst worden zu sein.
Fassung II von ca. 1575
Die zweite Fassung[5] stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wird mit der Hochzeitsfeier des Bremer Erzbischofs in Hagen 1576 in Verbindung gebracht. Die Malerei wurde auf einer grauen Kalkschlämme aufgetragen, ebenfalls in Grisaille. Sie umlief den gesamten Wandbereich beider Obergeschossräume und zeigt Vorhangdraperien in Schwarz und Grau im unteren Wandbereich. Die Fenster und Nischen werden von Sparrenornament-Bändern in Schwarz und Weiß umzogen. Teilweise gibt es eine Bekrönung mit Granatapfelgebinden. Diese festliche Dekoration wurde offenbar zügig ausgeführt.
Fassung III vom beginnenden 17. Jahrhundert
Die dritte Fassung[5] stammt wohl bereits aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist nicht gegenständlich. Erhalten haben sich Schwarze Streifen mit Eckblättern in Schablonentechnik in den Feldern zwischen den Balkenköpfen.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
- Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter: Katalog. In: Dies. (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-261.
- Kiecker, Geestemünde, 1939. – Kiecker, Oskar (Bearb.): Die Kunstdenkmale des Kreises Wesermünde, Teil 2. Der frühere Kreis Geestemünde (Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, 28). Hannover 1939.
- Königfeld/ Grote/Lausmann, Hagen, 1990. – Königfeld, Peter/Grote, Rolf-Jürgen/Lausmann, Manfred: Burg Hagen — Die Wandmalereien und ihre Restaurierung. Kulturgeschichte und Denkmalpflegerische Aspekte. In: Niedersächsische Denkmalpflege. Veröffentlichung des Niedersächsischen Landesamtes 13 (1990), S. 74-84.
- Königfeld/Grote/Lausmann, Hagen, 1994. – Königfeld, Peter/Grote, Rolf-Jürgen/Lausmann, Manfred: Wohnen im Spätmittelalter – Die Wandmalereien der Burg Hagen und ihre Restaurierung. Kulturgeschichtliche und denkmalpflegerische Aspekte. In: Behne, Axel Jürgen (Hrsg.): Die Burg Hagen im Bremischen. Geschichte – Baugeschichte – Kunstgeschichte. Hagen 1994, S. 77-89.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 582; Königfeld/Grote/Lausmann, Burg Hagen, 1990, S. 74-76, 79; Kiecker, Geestemünde, 1939, S. 65-66.
- ↑ Königfeld/Grote/Lausmann, Burg Hagen, 1990, S. 76, 83; Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 231; Königfeld/Grote/Lausmann, Burg Hagen, 1994, S. 80-85.
- ↑ Königfeld/Grote/Lausmann, Burg Hagen, 1990, S. 81-83.
- ↑ Königfeld/Grote/Lausmann, Burg Hagen, 1990, S. 77-78; Königfeld/Grote/Lausmann, Burg Hagen, 1994, S. 82-85.
- ↑ 5,0 5,1 Königfeld/Grote/Lausmann, Burg Hagen, 1990, S. 78-79; Königfeld/Grote/Lausmann, Burg Hagen, 1994, S. 84.