Dreyer, Angelika:Gundelfingen, Münzmühle, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/6fa831cd-8ead-4060-be37-258d70d0e35c

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Die Münzmühle in Gundelfingen ist ein bedeutendes städtebauliches und historisches Dokument, das für wirtschaftliche Prosperität und Geschichte eines Landstädtchens steht.

Gundelfingen, Münzmühle
Gundelfingen, Münzmühle

Das Gebäude

Die sog. Münzmühle in der alten Donaustadt Gundelfingen[1] ist wahrscheinlich einer der drei Mühlen, die „im zweiten Herzogsurbar von 1280“[1] der wittelsbachischen Stadt Gundelfingen genannt sind (Abb: https://www.stadtbild-deutschland.org/forum/index.php?thread/5346-Gundelfingen-an-der-Donau-galerie/). Damit hätte sie zu den im Mittelalter vier bekannten Mühlen gehört (vom Unter- zum Oberlauf der Brenz: Unter-Mühle, Neu-Mühle, Münz-Mühle, Obere Mühle),[2] die ihren Energieantrieb vom Wasser der Brenz bezogen und deren Betrieb für einen gewissen Wohlstand mit überregionaler Bedeutung sorgte.[2]

Das heute noch als Münz-Mühle bekannte Gebäudeensemble war im Mittelalter die ehem. Keckenmühle[2] und erhielt ihren heute noch geläufigen Namen erst in der Zeit um 1620. Den historischen Hintergrund gab die Frühzeit des Dreißigjährigen Krieges ab, als es „in wirtschaftlicher Hinsicht [...] in jenen Jahren nach Beginn des großen Krieges zu einer der schlimmen Münzkatastrophen der deutschen Geschichte, zur sogenannten Kipper- und Wipperinflation“[3] kam. Diese in weiten Teilen Mitteleuropas vorherrschende Münz-Entwertung, deren Höhepunkt zwischen 1619-1622 lag, führte dazu, dass die seit 1505 zum Fürstentum Pfalz-Neuburg gehörende Stadt Gundelfingen[1] die damals zweifelhafte Ehre“ [4] widerfuhr, „zu einer der pfalzneuburgischen Münzstätten ausersehen worden zu sein. Abraham von Goldkronach stellte im Auftrag des Pfalzgrafen die Gundelfinger Münzen her, der Name Münzmühle erinnert noch heute an die einstige Münzstätte.“[4] Diese kurzzeitige funktionale Umwidmung und dennoch namengebende Prägung behinderte den Normalbetrieb der Mühle kaum. Im Gegenteil, „Ende des 18. Jahrhunderts“ baute man die bestehenden Bauten um und schuf eine Gebäudegruppe aus vier Einzelbauten, die sich zu einer reizvollen längsgestreckten Insellage fügen, die auf zwei Seiten von den Armen der Brenz umflossen wird.

Den funktionalen Mittelpunkt des Ensembles bildet das in Ost-West-Richtung angelegte Gebäude, das als Wohnhaus und Mühle genutzt wurde. Es ist ein „zweigeschossiges Giebelhaus zu 13 Fensterachsen, die beiden östlichen leicht abgewinkelt. Beide Giebel zweigeschossig mit Anschwüngen im unteren und umrahmten Giebeldreieck mit Pyramidenspitze im oberen Geschoss. In der 6. Achse von Osten Tür mit geschweiftem Bogen und Oberlicht. Werksteingewände gefeldert und mit erhabenen Rosetten verziert. Im Oberlicht die Initialen: BK – CK. Über dem Sturz stuckiertes, farbig gefasstes Müllerwappen. Westliches Portal mit [...] erhabenem Müllerwappen, darauf stukkierter Pyr.“[5] Dieses Wappen ist in seiner Motivwahl sehr sprechend und schnell erfassbar. In dem symmetrischen Aufbau stehen zwei nach innen sich streckende Löwen jeweils auf einem Hügel aus Getreidegarben, deren Rohprodukt hier zu Mehl gemahlen wird, und halten mit ihren Vorderpfoten ein großes Mühlenrad. Den Antrieb dazu leistet die Wassermenge der Brenz, das in der unteren Muschelform alludiert wird.[6]

Östlich an das Wohnhaus/Mühle schließt ein schmales, ebenfalls zweigeschossiges Wirtschaftsgebäude mit Satteldach an, das wiederum von dem um 90-Grad gedrehten Stallgebäude verlängert wird. Auch an diesem quergestellten Bau sind beiderseits Giebel angebracht, die dem Hauptgebäude formal ähnlich sind. In der Ecke dieser beiden Gebäude ist eine massive Freitreppe angebracht, die zum 1. Obergeschoss führt.

Diesem Stallgebäude ist auf der westlichen Seite der Anlage ein annähernd parallel ausgerichteter zweigeschossiger Scheunenbau mit Satteldach hinzugefügt. Auf diese Weise ergibt sich auf der Nordseite der Mühle eine Hofsituation die in ihrer Gesamtkonzeption, allein bautypologisch und strukturell gesehen, an die Anlage eines Schlosses mit drei Flügel und Ehrenhof erinnert. Ohne jeweils einen solchen repräsentativen Anspruch erreichen zu wollen (und können) bleibt es dennoch ein ungewöhnliches Gewerbe-Schlösschen, das zudem „städtebaulich von eminenter Bedeutung“[7] ist. Der Zugang von der nördlichen Flussseite her war und ist bis heute, trotz baulicher Schäden, beeindruckend.

Die Malerei an der Münzmühle

Neben den beiden Müllerwappen an der Nordseite des Wohnhauses/Mühle über den beiden Eingangsportalen sind an dieser Außenwand Wandmalereien angebracht, die in ihrer einfachen, volkstümlich anmutenden Programmatik dennoch den religiösen Zeitgeist der damaligen Bevölkerung widerspiegeln.

Am Obergeschoss des Hauptgebäudes sind „in der 3. und 7. Achse von Osten statt der Fenster Blendfenster mit Fresken, östlich Heiliger Wandel, westlich Dreifaltigkeit und Maria.“[5] Diese ikonographisch kompakte und grundlegende Bezugnahme auf die Dreifaltigkeit und Maria ist allgemein schnell nachvollziehbar.

Zusammen mit der Darstellung des Heiligen Wandel zeigt die Auswahl des Bildmotivs einerseits seinen familiären Charakter, der sich auf den Zusammenhalt von Kind und Elternschaft bezieht. Weitet man den geistesgeschichtlichen Horizont, so scheinen sich vielleicht in dieser Themenwahl ein später Nachhall der religionspolitischen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts zwischen Katholiken und Protestanten anzudeuten/abzuzeichnen. Gundelfingen, eine Stadt, die traditionell dem katholischen Glauben zugehörte(?), erfuhr unter der Herrschaft von Herzog Ottheinrich von Pfalz-Neuburg eine radikale religiöse Neuorientierung, indem er 1543 dort die Reformation einführte.[8] Dieser kollektive Schock, vielleicht sogar Trauma bei der katholischen Bevölkerung, könnte, trotz der 1616 erfolgten Re-Katholisierung,[8] eine (unter)bewusste Glaubens-Versicherung bei den Gläubigen hervorgerufen haben, die sich in ihrer Bezugnahme auf elementare Glaubens-Wahrheiten ausdrückte. Einen wesentlichen ikonographischen Bestandteil der gegenreformatorischen Bildpropaganda bildete dabei der Bildtypus des Heiligen Wandels, der besonders „von den Jesuiten nach spanischen Vorbildern verbreitet“[9] wurde und die religiösen Vorstellungen der katholischen Gläubigen sinn-bildlich besetzte. So ist möglicherweise die menschlich-familiäre Situation des Gehens der Heiligen Familie an der Fassade der Münzmühle, die viele Mitbürger zu sehen bekamen, nicht allein als Manifestation des richtigen Glaubens zu verstehen, sondern auch als verspäteter, unterbewusst wirkende Kompensation auf die ehemals aufgezwungene Zeit der lutherischen Überzeugungen.

Das Ensemble der Münz-Mühle befindet sich in keinem guten baulichen Zustand, was auch zugleich die Wandmalereien an der Außenwand des Hauptgebäudes betrifft (Stand: 2013).[7]

Immerhin hatte man vor Oktober 2013 in Zusammenarbeit der Eigentümer (Familie Stehle) mit „dem Denkmalschutz, Landkreis, Bezirk und Stadt“ eine Notsicherung des maroden Daches in die Wege geleitet, wodurch „das Gebäude [...] nicht [mehr] bestandsgefährdet“[7] ist. Mit den eingeleiteten Bestandserhaltungen keimten gleichzeitig hoffnungsvolle Ideen auf, die Gebäudegruppe zukünftig als Brauerei, Biergarten oder als Museum zu nutzen.[7]

Östlich: Der heilige Wandel

Am Obergeschoss des Hauptgebäudes sind „in der 3. und 7. Achse von Osten statt der Fenster Blendfenster mit Fresken aufgemalt. Das östliche zeigt einen Heiliger Wandel.[5]

Westlich: Dreifaltigkeit und Maria

Am Obergeschoss des Hauptgebäudes ist an der 7. Achse von Osten die Heilige Dreifaltigkeit und Maria. dargestellt.[5]

Bibliographie

  • Bosl, Bayern, 1981— Bosl, Karl: Handbuch der Historischen Stätten Deutschland, 7. Bayern. Stuttgart 1981.
  • Bushard/Paula, Schwaben, 2008 — Bushart, Bruno/ Paula, Georg: Bayern III. Schaben (Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler), München 2008.
  • Gaugenrieder, Schmuckstück, Augsburger Allgemeine, 21.10.2013 — Gaugenrieder, Katharina: Bröckelndes Schmuckstück. In: Augsburger Allgemeine, 21.10.2013.
  • Layer, Gundelfingen, 1977 — Layer, Adolf: 700 Jahre Stadt Gundelfingen. Vergangenheit und Gegenwart einer schwäbischen Kleinstadt. Gundelfingen 1977.
  • Meyer, Kunstdenkmäler, 1972 — Meyer, Werner: Die Kunstdenkmäler von Schwaben. Landkreis Dillingen an der Donau. In: Die Kunstdenkmäler von Bayern, VII, München 1972.
  • online

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Bosl, Bayern, 1981, S. 257.
  2. 2,0 2,1 2,2 https://www.vhs-gundelfingen-donau.de/index.php?id=134.
  3. Layer, Gundelfingen, 1977, S. 30.
  4. 4,0 4,1 Layer, Gundelfingen, 1977, S. 30-31.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Meyer, Kunstdenkmäler, 1972, S. 340.
  6. Abb. in: Layer, Gundelfingen, 1977, nach S. 31.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 Gaugenrieder, Schmuckstück, Augsburger Allgemeine, 21.10.2013.
  8. 8,0 8,1 Bushart/Paula, Schwaben, 2008, S. 418.
  9. https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Wandel.