Gehlensiel, Loofthof
Inventarnummer: cbdd20133
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Im Looft-Hof hat sich eine bemerkenswerte Wandmalerei von 1776 erhalten, die in vier Bildern das Leben des Auftraggebers Peter Magens (I.) in Zusammenhang mit der Heilsgeschichte stellt. Zu zwei neutestamentlichen Szenen kommen zwei aus dem Leben Magens mit einer Ansicht seines Hofes hinzu.

Der Loofthof in Gehlensiel

Kurzbeschreibung und Lage
Das heute Looft-Hof genannte Bauernhaus steht auf einer von einem Wassergraben umgebenen Warft. Dazu gehören eine ehemalige Scheune und ein rekonstruiertes Backhaus.[1]
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Nach einer Sturmflut 1756 wurde der Hof in den 1770er Jahren für Peter Magens (I.) neu erbaut. Das Haupthaus stammt von 1772-74. Das Sommerhaus kam bereits 1776 hinzu. Nach drei Generationen gelangte der Hof Anfang des 20. Jahrhunderts an die Familie Wohlert und zuletzt 1974 an die Familie Looft. Seither erfolgen Sanierung und Wiederherstellung des Hofes. Zudem wurde eine Döns von ca. 1800 aus dem Nachbarhof Bahlmann eingebaut.[2]
Beschreibung
Es handelt sich um ein großes reetgedecktes Hallenhaus mit Durchgangsdiele. Der abgewalmte Wirtschaftsteil befindet sich im Westen, der Wohnbereich mit steilem Giebel liegt im Osten mit nach Norden angefügtem Sommerhaus.[3]
Die Sommerstube

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Sommerstube stammt von 1776 und wurde für Peter Magens (I.) erbaut. Im Rahmen der Sanierung des Hofes seit den 1970er Jahren wurde auch die Sommerstube restauriert.[4]
Beschreibung
Die Stube wird von Süden aus betreten. Eine weitere Tür ist in der Nordwand gelegen. Der Raum misst 4,24 auf 4,34 Meter und ist 2,9 Meter hoch. Nach Osten öffnet er sich mit einem breiten dreiteiligen Gruppenfenster. Beiderseits und zwischen den Fenstern stehen vier verzierte Säulen. Im Süden befinden sich ein eigebauter Sekretär sowie ein Einbauschrank. Die Nord- und Westwand sind von Holz und bemalt. Die Nordwand ist kassettiert und blau gestrichen. Jede der 39 Kassetten nimmt eine rote, rosafarbene oder weiße Blume auf — die Türfüllung eine Prunkvase mit buntem Blumenstrauß, über die ein Vogel fliegt. Die Westwand präsentiert vier große Gemälde, die durch ein Leistenkreuz voneinander geschieden sind.[5]
Die Wandmalerei an der Westwand

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die vier Gemälde wurden 1776 für Peter Magens (I.) gemalt. Anfang der 1980er Jahre erfolgte ihre Restaurierung — die Farbschichten wurden gefestigt und die Fehlstellen retuschiert.[6]
Beschreibung und Ikonographie
Die Wand besteht aus glatt gehobelten Brettern von Kiefernholz, die blau angestrichen sind. Auf ihr befinden sich vier polychrome Bilder in gemalten roten Rocaillerahmen. Die vier Bilder werden durch rot-rosa marmorierte Leisten voneinander getrennt. Zu zwei biblischen Historien aus dem neuen Testament in der oberen Reihe kommen zwei Alltagsszenen aus dem Leben des Auftraggebers in der unteren Reihe hinzu. So wird die Heilsgeschichte direkt mit dem Leben der Hausbewohner verbunden.[7]
Der Gang nach Emmaus

Beschreibung und Ikonographie
Das erste Bild links oben zeigt den so genannten Gang nach Emmaus. Nach der Kreuzigung von Jesus Christus gingen zwei Jünger niedergeschlagen von Jerusalem nach Emmaus. Ihnen schloss sich ein Mann an, den sie erst als Jesus Christus erkannten, als er beim Abendmahl das Brot brach.
Man sieht die Jünger mit Jesus Christus in der Mitte durch eine norddeutsche Landschaft gehen. In der Mitte unten ist die Bibelstelle angegeben. Rechts befindet sich ein Gewässer und im Hintergrund steht auf einer Anhöhe eine Gruppe weißer Gebäude. Diese wird oft fälschlicherweise mit dem Herrenhaus Oevelgönne identifiziert.[8]
Die Flucht nach Ägypten

Beschreibung und Ikonographie
Auf dem Bild rechts daneben ist die Flucht nach Ägypten zu sehen. Ein Engel war Josef im Traum erschienen und hatte ihm befohlen, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu reisen. So entging Jesus dem Bethlehemitischen Kindermord des Königs Herodes. Zu sehen ist Joseph mit Wanderstab, der einen Esel führt, auf dem Maria mit dem Jesuskind sitzt. In der Mitte unten ist die Bibelstelle angegeben. Auch hier ist die Szene in eine norddeutsche Landschaft verlegt. Die Gruppe geht an einem baumbestandenen Fluss entlang, an dessen gegenüberliegenden Ufer sich ein Fels befindet. Wieder ist am Horizont die Architektur eines Schlosses zu erkennen.[9]
Der Pferdeführer

Beschreibung und Ikonographie
Das linke Bild in der unteren Reihe zeigt einen Mann, der ein Pferd über eine Ebene führt. Er ist rotgewandet. Zwei Bäume erheben sich vor einer Kette spitzer Hügel am Horizont.[9]
Der eigene Bauernhof

Beschreibung und Ikonographie
Das Bild rechts unten zeigt den heutigen Looft-Hof im Jahr 1776, also genau den Hof, im dem man sich befindet. Er ist auf der Warft mit Bäumen und Nebengebäuden dargestellt. Rechts im Vordergrund steht ein blau gekleideter Mann und sieht aus dem Bild heraus auf die Betrachtenden. Es dürfte sich um den Hausherrn Peter Magens (I.) handeln. Der Hof ist von Osten dargestellt. Gut sind der verbretterte Giebel und rechts das Sommerhaus unter den Bäumen zu erkennen.[10]
Bibliographie
- Literatur:
- Beseler, Bericht, 1984. —Hartwig Beseler: Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 1982 und 1983, in: Nordelbingen 53 (1984). S. 197-256.
- Beseler, Bericht, 1982. — Beseler, Hartwig: Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 1980 und 1981, in: Nordelbingen 51 (1982), S. 165-210.
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. — Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Gremnitz, Looft-Hof. — Gremnitz, Klaus: Looft-Hof in Gehlensiel, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-273398 (Abgerufen: 7. August 2024).
- Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 368.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 368; Gremnitz, Looft-Hof; Beseler, Bericht, 1984, S. 246.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 368; Gremnitz, Looft-Hof.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 368; Gremnitz, Looft-Hof; Beseler, Bericht, 1982, S. 203-204.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 368; Gremnitz, Looft-Hof; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1179-1182.
- ↑ Gremnitz, Looft-Hof; Beseler, Bericht, 1982, S. 204.
- ↑ Gremnitz, Looft-Hof; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1179-1182.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 368; Gremnitz, Looft-Hof; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1182.
- ↑ 9,0 9,1 Gremnitz, Looft-Hof; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1179.
- ↑ Gremnitz, Looft-Hof; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1182.