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Göhl, Gut Gaarz

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Göhl, Gut Gaarz, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/b0da152f-f70f-4a92-93f8-064eec733c91

Inventarnummer: cbdd10415

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Auf Gaarz haben sich in zwei Räumen Wandgemälde in Blaumalerei aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten. Ferner präsentiert ein Kabinett eine komplette Wandverkleidung mit translozierten Emblemen aus der Zeit um 1700.

Gut Gaarz

Kurzbeschreibung und Lage

Gut Gaarz[1] liegt nördlich des Geländeabfalls zum Oldenburger Graben und wird von Nordosten aus durch ein Torhaus erschlossen. Am Ende einer unregelmäßig von Wirtschaftsbauten und einem Teich gesäumten Zufahrt steht das Herrenhaus.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Gut Gaarz geht auf eine mittelalterliche Burg zurück und war von 1529 bis 1765 im Besitz der Familie von Brockdorff. Das Herrenhaus stammt wohl in seinen Ursprüngen aus dem 16. Jahrhundert und war ehemals eingeschossig. Über die Baugeschichte und das ältere Aussehen des Herrenhauses vor der Mitte des 18. Jahrhunderts ist jedoch kaum etwas bekannt. Von 1745 bis 1757 wurde das heute noch erhaltene Hauptgebäude für Heinrich Friedrich von Brockdorff erbaut. Die erhaltenen Raumausstattungen werden in diese Zeit datiert. Die Nebengebäude stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. 1977-1980 wurde das Herrenhaus gründlich instand gesetzt.

Beschreibung

Das zweigeschossige Herrenhaus über hohem Sockelgeschoss ist elf Achsen breit und hat ein Krüppelwalmdach. Die mittleren drei Achsen sind unter einem Dreiecksgiebel zu einem schwachen Mittelrisalit zusammengefasst. Eine zweiläufige Freitreppe erschließt das zentrale Sandsteinportal. Durch dieses betritt man ein Vestibül. Zur Rechten befindet sich an der Eingangsseite ein Treppenhaus. Zur Rückseite hin ist ein Gartensaal gelegen. Links folgt ein Salon, der die gesamte Tiefe des Hauses durchmisst. Im Obergeschoss ist ein zentraler Mittelsaal gelegen. Zur Gartenseite hin gehen nach Norden zwei Räume ab, in denen sich sichtbare Wandmalerei erhalten hat: Das so genannte Teufelszimmer und die so genannte Bunte Kammer, die auch vom Treppenhaus aus zugänglich ist. Ehemals waren alle Räume des Hauses mit Wandmalerei oder marmorierter Quadermalerei versehen. Diese Malereien sind bis auf die genannten Räume überstrichen, überputzt oder mit Tapeten verdeckt.[2]

Der Salon zur Linken

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Salon[3] ist im Rahmen des Umbaus Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden. Im Rahmen der Sanierung ab 1977 wurde 1981 die Malerei an der Westwand freigelegt und restauriert.

Beschreibung

Der Salon wird vom Vestibül und Gartensaal im Westen erreicht. Je zwei Fenster sind an der Eingangs- und Gartenseite gelegen. Nach Osten schließen zwei Räume an, deren Türen in einer Enfilade mit jenen an der Westseite liegen. Der Raum ist also symmetrisch gegliedert.

Die freigelegte Wandmalerei im Salon

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Der Raum wurde vermutlich 1757 komplett ausgemalt. Später wurde die Malerei[4] überstrichen und erst 1981 an der Westwand wieder freigelegt und restauriert. Die Malerei wird dem Auftraggeber Heinrich Friedrich von Brockdorff zugeschrieben. Sie ähnelt der zeitgleichen Malerei des so genannten Teufelszimmers im Obergeschoss sehr. Diese ist mit „v. B.“ signiert, was allgemein auf Heinrich Friedrich von Brockdorff bezogen wird.

Beschreibung und Ikonographie

Zu sehen sind ländliche Szenen, die jeweils in gemalten Rocaillen gerahmt sind. Die Malerei erfolgt ausschließlich in Blautönen. Zwischen den beiden Türen befindet sich ein gänzlich freigelegtes Gemälde. Rechts und links der Türen beginnen weitere Malereien, die sich auf der Nord- bzw. Südwand fortsetzen, dort jedoch verdeckt und daher nur zum geringsten Teil sichtbar sind. Sie werden hier nicht weiter berücksichtigt. Über den Türen sind gemalte Supraporten aus Rocaillen zu sehen, die keine gegenständliche Malerei aufnehmen.

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Im Bildvordergrund Malerei an der Westwand tanzt ein Bauernpaar. Rechts sitzen zwei Musiker auf einer Bank an einem Waldrand. Einer spielt Dudelsack. Links erstreckt sich eine hügelige Weide mit Kühen. Im Hintergrund ist ein Gehöft unter Bäumen auszumachen. Bei der Restaurierung wurden einige Details nicht richtig wiederhergestellt. So fehlt beispielsweise eine Melkerin bei den Kühen.

Das so genannte Teufelszimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Teufelszimmer[5] hat seinen Namen nach der Wandmalerei. Es ist Mitte des 18. Jahrhunderts im Rahmen der Hauserweiterung entstanden. Der Raum wurde zwischen 1977 und 1980 instand gesetzt.

Beschreibung

Der Raum liegt an der Gartenseite, zu dem er sich mit zwei Fenstern öffnet, und zwar zwischen dem Mittelsaal und der so genannten Bunten Kammer. Es handelt sich um einen Repräsentationsraum, der vermutlich mit der Bunten Kammer bei Bedarf zu einer Abfolge von Gesellschaftszimmern verbunden wurde. Die Türen liegen in Enfilade. Die Nordwest- und die Nordostecke sind abgeschrägt, wobei in der Nordostecke ein Ofen in einer Nische steht.

Die Wandmalerei im Teufelszimmer

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die blaugraue Freskomalerei[6] ist wohl 1757 entstanden. Sie wird aufgrund der Signatur „v. B.“ dem Auftraggeber Heinrich Friedrich von Brockdorff zugeschrieben. Sie wurde zwischen 1977 und 1980 gefestigt, gereinigt und retuschiert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände sind zwischen Paneel und Simsband komplett bemalt. Es handelt sich um insgesamt sechs Bilder und zwei Supraporten in der damals beliebten Blaumalerei, die vor blauem Grund in ebenfalls blauen Rocaillerahmen präsentiert werden. Die Malerei zeigt überwiegend verklärende und teilweise auch galante oder zweideutige Szenen aus dem Landleben. Ausnahme ist die Malerei an der Nordwand, die eine adelige Gesellschaft beim Kartenspiel zeigt. Von ihr hat das Zimmer seinen Namen.

Die Wandmalerei an der Nordwand

Beschreibung und Ikonographie

Im Bildvordergrund hat sich eine überwiegend maskierte höfische Gesellschaft zum Kartenspiel um einen Tisch, auf dem Karten und Münzen liegen, versammelt. Es handelt sich um Männer und Frauen im Wechsel. Die zentrale Figur einer Dame ist unmaskiert. Neben ihr sitzen bzw. stehen zwei maskierte Männer, die entfernt an den Pantalone und den Dottore aus der Commedia dell’arte erinnern. Beide schauen der Frau in die Karten. Der linke hält einen Geldsack, der rechte gibt ihr einen Ratschlag. Er wird als Teufel bezeichnet und hat dem Zimmer seinen Namen gegeben. Rechts sitzt ein männlicher maskierter Kartenspieler am Kopf des Tisches. Links der zentralen Gruppe sitzt eine weitere Frau, die ihre Maske emporgeschoben hat und der anderen Kartenspielerin in die Karten schaut. Ein Paar ganz links am Tisch hat sich abgewendet und beschäftigt sich mit sich selbst: Der Herr küsst den nackten emporgehobenen Unterarm der Dame. Die ganze Szenerie spielt in einem Innenraum, offenbar einem Seitenzimmer. Links an der Wand ist ein Armleuchter. Im Hintergrund kann man an einem gerafften Vorhang vorbei in einen erleuchteten Saal mit Tanzenden und Musikern sehen.[7]

Die Wandmalerei in der Südwestecke

Beschreibung und Ikonographie

Betritt man dem Raum vom Mittelsaal aus, fällt der Blick zuerst auf die Westwand. Links der Tür in das nächste Zimmer ist in der Südwestecke des Raums eine sommerliche Szene dargestellt. Man erblickt einen Mann mit erhobener Sichel, der Korn erntet.

Die Wandmalerei an der Westwand

Beschreibung und Ikonographie

An der Westwand gegenüber der Eingangstür erblickt man eine idyllische Szene. Im Bildervordergrund links hat sich vor einem Ziertopf mit Orangenbaum ein zahmes Damtier niedergelassen. Es trägt ein Halsband mit den Buchstaben „v. B.“, die als Initialen des Künstlers gedeutet und auf Heinrich Friedrich von Brockdorff bezogen werden.[8] Rechts ist ein Kavalier auf eine Leiter gestiegen und reicht zwei Damen Weintrauben herab. Im Bildmittelgrund erblickt man eine Gesellschaft auf einem Lustsee, die während der Fahrt tafelt. Dahinter erblickt man einen Lustgarten mit Gartenhaus und einem Diener, der an einer in den See führenden Treppe Wasser schöpft.

Die Wandmalerei an der Ostwand

Beschreibung und Ikonographie

An der Ostwand erblickt man zwischen Kamin und Eingangstür einen Baum, der über einem Parkbrunnen steht. Ein junger Mann ist in den Baum emporgestiegen, um ein Vogelnest auszunehmen. Ein weiterer Mann, der im Brunnen seine Gießkanne füllen will, blickt zu ihm empor.

Die Wandmalerei in der Südostecke

Beschreibung und Ikonographie

In der Südostecke wird ein Paar bei der Kornernte gezeigt. Beide knien eng hintereinander und kommen sich körperlich sehr nahe. Ein Kaninchen rechts verdeutlicht, dass diese Begegnung Folgen haben wird. Ein vornehmer Mann zu Pferde betrachtet das Paar.

Die Wandmalerei an der Südwand zwischen den Fenstern

Beschreibung und Ikonographie

An der Südwand sind aufgestellte Bienenkörbe und eine Katze zu sehen. Sie stellt Blickkontakt zu den Betrachtenden her und will offenbar zu den Körben hinaufklettern.

Die Supraporte an der Westwand

Beschreibung und Ikonographie

Die Supraporte zeigt zwei Jäger auf einem Feld, die mit einem Netz Vögel fangen.[9]

Die Supraporte an der Ostwand

Beschreibung und Ikonographie

Über der östlichen Tür erblickt man zwei Frauen im Garten, die mit einem Tuch hantieren.

Das Emblemkabinett, die so genannte "Bunte Kammer"

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die so genannte Bunte Kammer[10] stammt aus der Zeit der Hauserweiterung Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Raum wurde zwischen 1977 und 1980 instand gesetzt. Die Wandverkleidung ist älter als der Raum und wurde wohl im 19. Jahrhundert teilweise versetzt.

Beschreibung

Die Bunte Kammer hat ihren Namen nach der Wandverkleidung, die alle Wände und Türen gleichförmig mit bunten Bildern – Emblemen – bedeckt. Der annährend rechteckige Raum (mit abgeschrägter Ecke) misst 5,35 x 4,34 Meter. Er wird von Osten her aus dem so genannten Teufelszimmer betreten. Später erhielt er in der abgeschrägten Nordostecke einen weiteren Zugang direkt vom Treppenhaus her. Eine weitere Tür befindet sich links in der Nordwand. Hier steht auch ein Ofen des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich befand sich ein Ofen wohl vor der schrägen Nordostecke. Nach Süden öffnet sich das Zimmer mit zwei Fenstern zum Garten.

Die Embleme der "Bunten Kammer"

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Der gesamte Raum ist mit Emblemen im Rahmen ausgekleidet.[11] Wann die Embleme gemalt worden sind, für welchen Raum und ob sie überhaupt ursprünglich in Gaarz waren, ist unbekannt. Auftraggeber und Künstler sind dementsprechend ebenfalls nicht bekannt.[12] Aufgrund der verwendeten grafischen Vorlagen kann die Malerei nicht vor 1696 entstanden sein.[13] Es ist davon auszugehen, dass sie um 1700 entstanden ist. Sie wurde vermutlich in fetter Tempera auf dünner heller Grundierung auf meist zwei zusammengehörende Holzbretter gemalt.[2] Später wurde sie dann an ihren heutigen Ort versetzt. Offenbar wurden dabei nicht alle Icones und Inscriptiones wie ursprünglich kombiniert, denn es lassen sich bei den Inscriptiones einige korrigierende Übermalungen nachweisen.[14] Teilweise wurden auch die Bilder übermalt. Die Wandverkleidung ist also auf jeden Fall zumindest einmal versetzt und überarbeitet worden.[15] Beim Einbau der Tür in der Nordostecke sowie der dabei erfolgten Versetzung des Ofens wurden einige Embleme versetzt.[16] 1979-1988 wurde die Verkleidung restauriert und seither erstrahlt die Malerei wieder in leuchtenden Farben.[17]

Forschung

Die Bunte Kammer hat bereits früh die Aufmerksamkeit der Forschung gefunden. 1975 wurde sie im Band „Außerliterarische Wirkungen barocker Emblembücher. Emblematik in Ludwigsburg, Gaarz und Pommersfelden“ erstmals ausführlich behandelt.[18] Michael Schilling konnte zahlreiche Vorlagen für die Embleme in Gaarz identifizieren. Bodil Maria Busch konnte in ihrer Kieler Magisterarbeit zur Bunten Kammer neue Aspekte der Malerei herausarbeiten und weitere Vorlagen bestimmen. Die Arbeit wurde 2006 in Teilen publiziert.[19] Auch La Corte steuerte in seiner Arbeit zur „Emblematik als Teil der profanen Innenraumgestaltung deutscher Schlösser und Herrenhäuser“ 2019 weitere Erkenntnisse und neu erkannte Vorlagen bei.[20]

Beschreibung und Ikonographie

Die umlaufende Wandvertäfelung integriert auch die Türen und wird nur von der Ofennische und den beiden Fenstern unterbrochen. Die 3,97 Meter hohen Wände haben insgesamt eine Breite von 13,71 Metern. In drei Reihen übereinander sind insgesamt 54 Icones, umgeben von schlanken roten Profilleisten, angeordnet. Sie befinden sich in einem blau-weißmarmorierten Rahmenwerk, auf dem unter den Bildern die überwiegend lateinischen Lemmata in rosa-rot aufgemalten Versalien geschrieben stehen. Unten bleibt an der Wand ein ca. 25 Zentimeter hoher Streifen übrig, der mit Landschaftsszenen, in denen sich einzelne Figuren bewegen, bemalt ist. Der Untergrund ist Nadelholz bis auf die Türen, wo Eichenholz Verwendung fand.[21] Auf den Türblättern befinden sich über dem Landschaftssockel jeweils zwei Bildtafeln übereinander.[22] Die einzelnen Tafeln sind bis zu rund 75 cm hoch und rund 70 cm breit. Einige Tafeln sind schmaler und nur 30 Zentimeter breit.[23]

Alle Tafeln sind gleichberechtigt. Es gibt keine Hervorhebungen oder eine logisch nachzuvollziehende Anordnung. Ein ursprüngliches Programm konnte bisher nicht erkannt werden.[24] Dies mag auf den Wiedereinbau zurückgehen. Mindestens 15 Embleme sind der weltlichen Liebe gewidmet. Ein weiterer Schwerpunkt sind Führung, Herrschaft und Machtanspruch mit elf Tafeln. Fünf weitere Tafeln mahnen zum vorsichtigen Umgang mit der Macht.[25] Insgesamt handelt sich um alltagsnahe Motive. Es wird kein idealisiertes Bild geschaffen oder die Nähe zu einer höfisch-adeligen Lebenswelt gesucht.[26]

Bei einigen Icones und noch mehr Lemmata sind Veränderungen bzw. alte Fassungen zu erkennen.[27] Tafel 34 zeigt etwa eine Geige spielende Sirene, unter der man die ursprüngliche Malerei einer männlichen Gestalt erkennt. Auf der Tafel 02 wurde eine Dame hinzugefügt. Tafel 31 zeigt heute einen Löwen mit Zepter, unter dem ein nach links schreitender Mann auszumachen ist. Während hier die Darstellung aus unbekannten Gründen verändert wurden, ist bei den Lemmata zu vermuten, dass beim Wiedereinbau Fehler gemacht wurden und daher später der Ort von Icon und Lemma auf dem Rahmen nicht mehr zusammenpassten. Der Text musste korrigiert werden. So ist unter zahlreichen Schriftzügen ein anderer zu erkennen.[28]

Die Landschaften im Sockelbereich zeigen das vermeintliche Vergnügen des Landlebens.[29] Im Bildvordergrund steht meist ein adliger Mann oder ein Jäger – aber auch ein Lasten tragender Mann und eine Frau mit Cupido –, im Mittelgrund befinden sich teilweise Bauten. Die Darstellungen passen nicht immer aneinander und man kann daher davon ausgehen, dass auch sie zumindest teilweise nicht mehr in der ursprünglichen Anordnung zu sehen sind.

Vorlagen und Vergleiche

Für nahezu alle Embleme lassen sich Vorlagen nachweisen.[30] Die meisten Embleme in Gaarz gehen auf drei Vorlagenbücher zurück.[31] Dies ist an erster Stelle Emblematische Gemüths-Vergnügung von 1693.[32] 14 Embleme stammen aus diesem Werk und damit so viele wie aus keinem anderen.[33] Ferner sind die 1614 erschienenen Sinnepoppen von Roemer Pieterszoon Visscher[34] zu nennen. Zehn Embleme sind aus dem Werk übernommen. Zwei wichtige Themen sind die Selbstdisziplin und das eigenständige, verantwortungsvolle Handeln.[35] Zehn weitere Embleme gehen auf Daniel Cramers Emblembuch Emblemata Sacra von 1624[36] zurück. Leitmotiv bei Cramer ist das Herz. Der religiöse Bezug der Vorlage fehlt in Gaarz jedoch.[37] Drei Embleme wurden Gabriel Rollenhagens Selectorum emblematum centuria secunda von 1613[38] entnommen.[39] Zwei weitere Tafeln – im Lemma abgeändert – stammen aus dem Werk Elegantissimorvm emblematvm von 1696.[40] Ein Emblem hat seine Vorlage eventuell in Joachim Camerarius Buch Symbolorvm & emblematvm von 1595.[41] Für sechs Tafeln ließen sich bislang keine Vorlagen ermitteln.[42] Da bei den nachgewiesenen Vorlagen die Übernahme der Icones sehr genau ist,[42] kann man annehmen, dass es auch für die nicht ermittelten Motive Vorlagen gab.[43] Lediglich bei den sehr kleinen Gemüths-Vergnügungen, die daher oft keinen ausgearbeiteten Hintergrund haben, musste ein Hintergrund für die Darstellungen geschaffen werden.[43]

Die Bunte Kammer in Gaarz steht sicher in engem Zusammenhang mit der Bunten Kammer in Kohöved[44] und wurde von dort vermutlich auch beeinflusst. Auch dort gab es eine wandhohe Vertäfelungen, die etwa 180 emblematische Ölbilder aufnahm. Etwa drei Viertel davon haben sich in Ludwigsburg erhalten.[45]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Busch, Bunte Kammer, 2006. – Busch, Bodil Maria: Die Embleme der Bunten Kammer auf Gut Gaarz. In: Nordelbingen 75 (2006), S. 15– 48.
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • La Corte, Emblematik, 2019. – La Corte, Michael: Emblematik als Teil der profanen Innenraumgestaltung deutscher Schlösser und Herrenhäuser. Vorkommen – Form – Funktion. Göttingen 2019.
  • Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
  • Reitinger, Epoche, 2016. – Reitinger, Franz: Die blaue Epoche. Reduktive Farbigkeit im Rokoko. Berlin 2016.
  • Rumohr, Ostholstein, 1989. – Rumohr, Henning von: Schlösser und Herrenhäuser in Ostholstein. Frankfurt a. M. 1974.
  • Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
  • Schilling, Embleme, 1975. – Schilling, Michael: Die literarischen Vorbilder der Ludwigsburger und Gaarzer Embleme. In: Harms, Wolfgang/Freytag, Hartmut (Hrsg.): Außerliterarische Wirkungen barocker Emblembücher. Emblematik in Ludwigsburg, Gaarz und Pommersfelden. München 1975, S. 41-71.
  • Seebach, Herrenhäuser, 1985. – Seebach, Carl-Heinrich: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Neumünster 1985.
  • Stilling, Herregårde, 2021. – Stilling, Niels Peter: Danmarks Herregårde. Slesvig og Holsten. Kopenhagen 2021.
  • Quellen:
  • Camerarius, emblematvm, 1595. – Camerarius, Joachim Symbolorvm & emblematvm ex animalibvs qua=drvpedibvs desvmtorum centvria altera collecta. Nürnberg 1595.
  • Cramer, Emblemata, 1624. – Cramer, Daniel: Emblemata sacra. Hoc est, decades quinque emblematum ex sacra scriptura, de dulcissimo nomine & cruce Jesu Christi, figuris aeneis incisorum. 2. Bde. Frankfurt am Main 1624.
  • Elegantissimorvm emblematvm, 1696. – Elegantissimorvm emblematvm corpvscvlvm latinis belgicisque versibus elvcidatum. Versameling van uytgeleesene sinne-beelden met latynse en neederduitse verklaringen in rym. Leiden 1696.
  • Gemüths-Vernügungen, 1693. – Emblematische Gemüths=Vergnügung bey betrachtung 715 der curieusten und ergözlichsten Sinnbildern mit ihren zuständigen Deutsch=Lateinisch=Francös.= u. Italianische beyschrifften. Augsburg 1693.
  • Rollenhagen, emblematum, 1613. – Rollenhagen, Gabriel: Selectorum emblematum centuria secunda. Utrecht 1613.
  • Visscher, Sinnepoppen, 1614. – Visscher, Roemer Pieterszoon: Sinnepoppen. Amsterdam 1614.
  • Archivalien:
  • Ochsenfarth, Restaurierung, 1980. – Restaurierung der Tafelgemälde in der Bunten Kammer. 1979-1980 A. Ochsenfarth Paderborn. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte OH, Göhl, Gut Gaarz, ONR 1920, R; 3330).

Einzelnachweise

  1. Stilling, Herregårde, 2021, S. 294-296; La Corte, Emblematik, 2019, S. 164; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 175-177; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 328-329; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 15; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 348-361; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 216-219.
  2. 2,0 2,1 Ochsenfarth, Restaurierung, 1980.
  3. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 176; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 329; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 360; Ochsenfarth, Restaurierung, 1980.
  4. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 176; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 359-361; Ochsenfarth, Restaurierung, 1980.
  5. Stilling, Herregårde, 2021, S. 295; La Corte, Emblematik, 2019, S. 164; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 329; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 40; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 359-369.
  6. Reitinger, Epoche, 2016, S. 195; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 176; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 355, 359-360.
  7. Reitinger, Epoche, 2016, S. 195; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 355.
  8. Reitinger, Epoche, 2016, S. 195; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 355-356; Ochsenfarth, Restaurierung, 1980.
  9. Reitinger, Epoche, 2016, S. 195; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 356.
  10. Stilling, Herregårde, 2021, S. 296; La Corte, Emblematik, 2019, S. 163-173; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 329; Busch, Bunte Kammer, 2006, vor allem S. 15-16, 39-40; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 359-160.
  11. La Corte, Emblematik, 2019, S. 163-173; Busch, Bunte Kammer, 2006; Schilling, Embleme, 1975. S. 66-71.
  12. La Corte, Emblematik, 2019, S. 167, 172; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 40-41.
  13. La Corte, Emblematik, 2019, S. 172. Korrigiert Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 39.
  14. La Corte, Emblematik, 2019, S. 164, 173; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 39.
  15. La Corte, Emblematik, 2019, S. 169.
  16. La Corte, Emblematik, 2019, S. 169; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 39-40.
  17. Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 15; Ochsenfarth, Restaurierung, 1980.
  18. Schilling, Embleme, 1975.
  19. Busch, Bunte Kammer, 2006.
  20. La Corte, Emblematik, 2019.
  21. La Corte, Emblematik, 2019, S. 165; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 356; Ochsenfarth, Restaurierung, 1980.
  22. Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 16.
  23. La Corte, Emblematik, 2019, S. 165; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 15.
  24. Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 16, 41-42.
  25. La Corte, Emblematik, 2019, S. 170-171; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 42.
  26. Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 43.
  27. La Corte, Emblematik, 2019, S. 166-167; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 34-35.
  28. La Corte, Emblematik, 2019, S. 168.
  29. La Corte, Emblematik, 2019, S. 165.
  30. Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 15.
  31. Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 17.
  32. Gemüths-Vernügungen, 1693.
  33. La Corte, Emblematik, 2019, S. 166; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 30, 34.
  34. Visscher, Sinnepoppen, 1614.
  35. La Corte, Emblematik, 2019, S. 165; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 18-19, 23.
  36. Cramer, Embelmata, 1624.
  37. La Corte, Emblematik, 2019, S. 165-166; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 30.
  38. Rollenhagen, emblematum, 1613.
  39. La Corte, Emblematik, 2019, S. 166.
  40. Elegantissimorvm emblematvm, 1696. Vgl. La Corte, Emblematik, 2019, S. 166.
  41. Camerarius, emblematvm, 1595. Vgl. La Corte, Emblematik, 2019, S. 166.
  42. 42,0 42,1 La Corte, Emblematik, 2019, S. 167.
  43. 43,0 43,1 Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 37.
  44. http://www.deckenmalerei.eu/16442b5e-1895-4e8d-b5b3-0fdec53b0773.
  45. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 20; Busch, Bunte Kammer, 2006, S. 15; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 142.