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Fridolfing, Alter Pfarrhof

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 51–52, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Alter Pfarrhof (bis 1959) der Pfarrei Fridolfing, heute Rathaus der Gemeinde Fridolfing, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzdiözese Salzburg. Fürstbischöflich Salzburgisches Pfleggericht Tittmoning

Zum Bauwerk: Das heutige Rathaus ist ein stattlicher dreigeschossiger Bau mit steilem Dach in der Ortsmitte Fridolfings, erbaut laut Inschrift von Pfarrer Johannes Veichtner 1493. Der Bau bietet von außen fast unverändert das spätgotische Bild, nur die Fenster wurden in der Barockzeit vergrößert. Unter Pfarrer Simon Strauß († 1717) wurde das bis dahin als Wohnung unbenützte zweite Geschoß ausgebaut und »Neupaugenannt«, zunächst aber nicht eingerichtet (AEM, Nachlaß Bomhard). Dort und im ersten Geschoß wurden im weiteren 18. Jh. einige Räume verändert. Das Dach bekam im 19. Jh. einen Schopfwalm. Baureparaturen sind aus den Jahren 1893 und 1929 überliefert. Erwerb des Gebäudes 1993 durch die Gemeinde Fridolfing, aufwendige Gesamtsanierung des Baus und Einrichtung als Rathaus und Fremdenverkehrsamt 1995-98.

Die Deckenmalerei befindet sich im großen Zimmer in der Südostecke des zweiten Geschosses, das heute als Zimmer des Bürgermeisters dient. Dieses Zimmer war Bestandteil des »Neupaugen« aus der Zeit nach 1700 und ist nicht identisch mit dem sog. »Fürstenzimmer«, als das es bisher gilt (Roth, S. 229). Dieses lag nach den Inventaren im ersten Stock.

Einfacher rechteckiger Raum (6,80×4,90) im zweiten Obergeschoss mit Türen im N und W, je zwei Fenster nach O und S.

Auftraggeber: Die endgültige Fassung (s.u.) der Ausmalung des großen Zimmers, die Stuckierung einiger Räume und zwei sehr schöne Öfen in Formen des fortgeschrittenen 18. Jh. (Heimatmuseum Tittmoning) gehören zur ungewöhnlich herrschaftlichen Ausstattung einiger Zimmer des Pfarrhofes, die in die zweite Hälfte des 18. Jh. zu datieren ist. Pfarrer in dieser Zeit waren Andreas Franz Dienstmann (1737-62), Johann Kaspar Kolberer (1762-67), Joachim Adam Wieland (1767–74) und Johann Michael Rudolph (1775–1828). Von der Persönlichkeit her ist Rudolph als Auftraggeber der weitaus wahrscheinlichste. Er wurde 1737 in Weißwasser in Böhmen geboren, genoß eine vornehme Erziehung, war 1767 Hofkaplan des Fürstbischofs von Gurk (Hieronymus Graf Colloredo, später Fürsterzbischof von Salzburg), Sekretär und Protonotarius apostolicus. Er tat im Lauf seiner dreiundfünfzig Jahre als Pfarrer viel für die Kirche und die Gemeinde und starb 1828 im Alter von 91 Jahren in Fridolfing.

Decke im ehemaligen Pfarrhof mit Illusionsmalerei um das Marienbild Maria Schnee (2.H. 18. Jh.)

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, zweite Hälfte des 18. Jh.

Die Deckenmalerei ist sehr schwer zu datieren. Da in Fridolfing im 18. Jh. vor dem Auftreten von Balthasar Häberl in der benachbarten Hofmark Tengling (tätig 1754-93) so gut wie ausschließlich der jeweilige Tittmoninger Maler beschäftigt wurde und man die Tittmoninger Maler Adam Panhammer (1709–27) und Ignaz Andreas Dinzl (1728–53) ausschließen kann - ihr Können in figürlicher Malerei überstieg das des Malers der Fridolfinger Decke weit – kann man außer Häberl nur die Tittmoninger Maler Franz Raphael Herbst (tätig 1758- 72) und Joseph Rieger (tätig 1773–1803) in Betracht ziehen. Diese drei Maler malten alle auch figürlich, aber von keinem ist ein mögliches Vergleichsbeispiel erhalten, sodaß die Frage nach dem Autor offenbleiben muß.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit niedriger Hohlkehle

Rahmen: Die Malerei füllt die gesamte Deckenfläche Technik: Secco polychrom

Maße: Höhe 3,30m; 6,80×4,90

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1848 war die Deckenbemalung laut Inventar bereits übertüncht. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. wurde aber die Darstellung im Bereich des Mittelfeldes freigelegt und mit einem glänzenden Überzug versehen, um die Farbigkeit aufzufrischen. Während der Gesamtsanierung des Gebäudes restaurierte Alois Stein, Inzell 1997/98 die Deckenbemalung: der Mittelbereich wurde von der glänzenden Schicht und von Übermalungen befreit, die übrige Decke freigelegt und die Fehlstellen wurden retuschiert, wobei die Retuschierung der figürlichen Malerei nicht ohne Schwierigkeit war. Die Rocaillekartuschen an den Seitenmitten mußten großenteils erneuert werden (links vom Ein gang mußten beträchtliche Teile der Decke ergänzt werden, rechts davon ist der größere Teil der Malerei original, Mitt. Alois Stein, Inzell). Problematisch waren die Stuckleisten, die in ihrem Verlauf der Kuppelkomposition widersprechen.

Illusionsmalerei im Zimmer des Bürgermeister

Beschreibung und Ikonographie

ILLUSIONSMALEREI MIT MARIENBILD MARIA SCHNEE Durch die Ausrichtung des Marienbildes im Mittelmedaillon ist die Ansicht auf den von Norden, vom Flur aus Eintretenden berechnet. Die Decke zeigt eine umlaufende Balustrade mit untersichtigen Ecklösungen, vor die in den Seitenmitten große Ornamentkartuschen gelegt sind. Auf der Balustrade setzt eine Kassettendecke mit Pilastern in den Ecken an, zentralperspektivisch eine Kuppelbemalung illusionierend. In dieser Zone der >Scheinkuppel< bildet eine geschwungene stuckierte, mehrfach unterbrochene Leiste eine Art Bildfeld. Die Leiste wurde sichtlich nachträglich bemalt. Die Mitte bildet ein rundes Feld mit einem kleinen Mittelfeld. Die Deckendekoration im heutigen Zustand ist wohl kein einheitliches Werk, sondern ist in zwei Phasen entstanden. Die erste Deckenzier dürfte die Stuckierung gewesen sein, eine in einfachen, aus- und einschwingenden Bogen geführte Profilleiste, die einstmals wohl ein Deckenfeld ergeben hat, wobei der Stuckrahmen aber in der jetzigen Fassung in den Ecken und in den Seitenmitten unterbrochen ist. Unter Miteinbeziehung des Stucks oder eines Teils des Stucks wurde dann später die architektonische Dekorationsmalerei ausgeführt. Auf die Stuckleiste bzw. an die Stelle der Unterbrechungen wurden dabei in den Ecken und in den Seitenmitten Ziervasen mit bunten Blumen und Putten gemalt, und zwar in den Ecken Putten ohne Attribute, in den Seitenmitten Putten mit den Attributen der drei göttlichen Tugenden: dem Kreuz für Fides (N), dem Anker für Spes (O), dem Herz für Caritas (W) sowie dem Zepter mit dem Auge Gottes für Divina Providentia (S).

Das große Mittelfeld ist mit ockerfarbener Brokatmalerei versehen und umfaßt ein zweites kleines Mittelfeld, das von Wolken und Puttenköpfchen umgeben ist und ein Mariengnadenbild zeigt. Das gleiche Marienbild ist über der Sonnenuhr an der Südseite des Außenbaus zu sehen. Bei diesem Brustbild der Madonna mit Schleier und dem Kind auf dem linken Arm, wobei das Kind ein Buch (fast nicht mehr zu erkennen) und die Madonna ein Tüchlein hält, handelt es sich um Maria Schnee, das alte Gnadenbild von Sta. Maria Maggiore in Rom (s. das Gnadenbild in Ponlach, EB2, S. 184).

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Fridolfing, 195 0001 01 Pfarrbeschreibung; 195 0001 03: Ernest Geiß, Beiträge zur Geschichte der Pfarrei, Ms. 1843 und Reihe der Pfarrer; 195 1002 01: Baufälle an den Pfarrgebäuden; 195 2002 11: Verlassenschaft Wieland mit Inventar 1774.

AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 223: Pfarrei Fridolfing.

BLfD, Akt Fridolfing, Alter Pfarrhof. Darin: Christian Baur, Der Umbau des spätgotischen Pfarrhofs Fridolfing zum Rathaus. Anmerkungen aus der Sicht der Denkmalpflege (Ms).

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 385f.

KDB IOB (3), S. 2684f.

Roth, Hans, Vom Pfarrhof über private Nutzung zum Rathaus, in: Schönere Heimat. Erbe und Auftrag (hg. Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V.), 87, 1998, S. 228–30.

Blankenauer, Mathias, Die Geschichte des alten Pfarrhofes, in: Fridolfing. Sanierung des alten Pfarrhofes (Hg. Gemeinde Fridolfing), Fridolfing 1998, S. 11f.

Stein, Alois, Freilegung und Restaurierung der Deckenmalereien im Fürstenzimmer, in: Fridolfing (s. o.), S. 24 f.

A. B.

GRASSAU

Markt Grassau, Pfarrei Grassau Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Gericht Marquartstein

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Sieben-Zufluchten-Kapelle S. 77 Totenkapelle S. 79