Zum Inhalt springen

Freiberg, Schönlebehaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Freiberg, Schönlebehaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/4f3ee281-7aed-4c43-9421-4ba2aae7cc65

Inventarnummer: cbdd20092

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das Schönlebehaus gehört mit seiner spätgotischen Fassade und dem reichgeschmückten Giebel zu den stattlichsten Bürgerhäusern Freibergs und beinhaltet mit seinen wiederentdeckten reichen figürlichen Wand- und Deckenmalereien aus dem 17. Jhd. eine der bedeutendsten Innenausstattungen der Stadt.

Freiberg, Schönlebehaus (Obermarkt 1)
Freiberg, Schönlebehaus (Obermarkt 1)

Das Schönlebehaus

Baugeschichte / Beschreibung

Das Schönlebehaus, Obermarkt 1, welches zu den stattlichsten Bürgerhäusern Freibergs gehört, war im Jahre 1525 über L-förmigem Grundriss um einen später vierseitigen Hof mit Wendeltreppe errichtet worden. Nach 1624 war das Patrizierhaus durch den Bürgermeister Jonas Schönlebe (1582–1658) umgebaut worden. Der dreigeschossige Eckbau, welcher an seinen beiden Fronten von spätgotischen Fenstergewänden mit Stabwerk geprägt ist, weist mit einer zehnachsigen Fassade zur Erbischen Straße. Dort wird der rechte Abschnitt in der Höhe von einem drei Geschosse hohen, mit Knorpelwerkvoluten und einem bekrönendem Obelisken reich geschmückten Giebel abgeschlossen. Die breitgelagerte, ebenfalls zehnachsige Fassade zum Markt wird im Erdgeschoss hingegen von dem 1975/76 rekonstruierten gequaderten Rundbogenportal aus Sandstein mit seitlichen Löwendarstellungen, sowie zwei Bergmannsfiguren mit dem Schönlebeschen Wappen oberhalb des reichgeschmückten Frieses geprägt.[1]

Bauwerksabschnitt (Geschichte)

Mit seinen wiederentdeckten reichen figürlichen Wand- und Deckenmalereien des 17. Jahrhunderts beinhaltet das Schönlebehaus die vielleicht bedeutendste Freiberger Innenausstattung. Neben einer mit Beschlagwerk bemalten Decke im ersten Obergeschoss aus der Zeit des Jahrhundertbeginns beherbergt das Bürgerhaus in der gleichen Etage und im Stockwerk darüber auch zwei Decken vom Ende des 17. Jahrhunderts.

Der große, beiderseits dreiachsige Saal, erstes Obergeschoss

Im ersten Obergeschoss des Hauses befindet sich in dem großen, beiderseits dreiachsigen Saal an der Ecke zur Erbischen Straße eine spätgotische Holzbalkendecke mit einer außerordentlich kostbaren frühbarocken Bemalung aus der Zeit um 1680.

Malerei im großen Saal, erstes Obergeschoss

Freiberg, Schönlebehaus (Obermarkt 1) - 1. Obergeschoß

Zwei schwere Unterzugsbalken, die mit doppelten Schiffchenkehlen reich profiliert und mit einer Marmorierung bemalt sind, tragen die Decke. An dieser selbst werden durch umlaufende Profile im Wechsel breitere und schmale längsrechteckige Kassettenfelder abgegrenzt. Während letztere nur mit Marmorierungen versehen sind, befindet sich in den größeren Feldern vor dunkelblauem Grund ein üppiges, in Dunkelockertönen gehaltenes Akanthusrankenwerk. Auf perspektivische Weise mit lichten Höhungen versehen und mit Schlagschatten abgesetzt, spiegelt die Malerei in illusionistischer Weise außerordentlich fein gefertigte Holzschnitzarbeiten vor. Immer wieder sind zwischen die Blütenrosetten und Früchte in derselben Farbe aber auch in phantasievoller Weise verschiedene Lebewesen eingewoben: Putten sowie Tiere, wie etwa Jagdhunde, Hirsche, Rehe, Eber, oder Löwen. Zur Belebung der Gesamtkomposition ist in vier der größeren Felder in der Mitte eine kleine Vedutendarstellung mit Landschaften und antiken Gebäuden in Grisailletönen eingelassen.

Der Eckraum, zweites Obergeschoss

Auch in dem drei zu vier Fensterachsen einnehmenden Eckraum im zweiten Obergeschoss des Schönlebehauses befindet sich eine Holzbalkendecke, welche eine kostbare Bemalung vom Ende des 17. Jahrhunderts aufweist.

Die Malerei im Eckraum, zweites Obergeschoss

Die die Decke tragenden Holzbalken sind an der Unterseite mit einer Aneinanderreihung von kleinen Palmetten bemalt, während die Seitenflächen mit dem Ziermotiv des Laufenden Hundes sowie mit rosettenartigen Rundschilden geschmückt sind. Den hauptsächlichen Dekor bilden aber zahlreiche Bergbaudarstellungen, die recht genau auf das Werk „De metallica libri XII“ des deutschen Arztes, Apothekers und Begründer der modernen Geologie und Bergbaukunde, Georgius Agricolas (1494–1555) zurückgehen. Felder mit flächigem Beschlagwerk wechseln sich innerhalb der Balkenabschnitte und sowie über diese hinweg mit länglichen Abschnitten mit halbrunden seitlichen Ausformungen ab. In letztere schmiegen sich jeweils zusammengerollte Palmzweige oder Akanthusblattwerk, zwischen denen wiederum die verschiedenen Bergbaudarstellungen angeordnet sind.[2]

Bibliographie

  • Dehio, Sachsen II, 1998, S.293. – Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München/Berlin 1998, S. 293.
  • Hoffmann/Richter, Denkmaltopographie, 2020, S. 361–364. – Yves Hoffmann /Uwe Richter: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen. Stadt Freiberg, Bd. IV., Stadt Freiberg. Altstadt, Petersberg 2020, S. 361–364.
  • Dülberg, Wand und Deckenmalereien in Freiberger Bürgerhäusern, 2004, S. 829–866. – Dülberg, Angelica: Wand und Deckenmalereien vom 15. bis zum ausgehenden 17. Jahrhundert in Freiberger Bürgerhäusern. Mit einem Katalog der Wand und Deckenmalereien vom 15. bis zum 19. Jahrhundert in Freiberg, In: Yves Hoffmann / Uwe Richter (Hg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen. Stadt Freiberg. Beiträge, Bd. III, Freiberg 2004, S. 829–866.

Einzelnachweise

  1. Dehio Sachsen II, S. 293. Hoffmann/Richter 2020, S. 361–364.
  2. Dülberg, Wand und Deckenmalereien in Freiberger Bürgerhäusern, 2004, S. 829–866