Laß, Heiko:Flensburg, Eckener Haus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/778dfee3-7389-4f80-8c85-988ba182f9d7

Inventarnummer: cbdd20128

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An der Nordwand des sog. Biedermeierzimmers ist 2019 eine Wandmalerei entdeckt worden, die bislang nur partiell freigelegt wurde. Es handelt sich um eine Stadtansicht von über 4 Metern Breite, die gegen 1800 geschaffen wurde.

Wandmalereifragment an der Nordwand des Biedermeierzimmers
Wandmalereifragment an der Nordwand des Biedermeierzimmers

Das Eckener Haus

 
Eckener Haus (Vorderansicht), viertes Bild

Kurzbeschreibung und Lage

Das so genannte Eckener-Haus steht an der Ostseite der Norderstraße. Im Osten schließt sich ein Hof an, der an der Nordseite bebaut ist.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Gebäude wird erstmals 1436 genannt und wurde in mehreren Etappen vor allem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. Seine gegenwärtige Fassade mit den beiden Standerkern und dem Giebel entstand allerdings erst 1775 für den Kaufmann Hinrich Carstensen Feldstedt. Um 1800 ließ Feldstedt im Innen eine neue Treppe einbauen und einen Saal neu ausstatten. 1914 wurde das Gebäude renoviert und teilweise im Inneren für eine Ausstattung massiv umgebaut. Als so genanntes Alt-Flensburger Haus diente es hinfort als ein Denkmal bürgerlicher Wohnkultur sowie als Gaststätte. Dafür wurden aus Abbruchhäusern Ausstattungen oder auch ganze Decken oder Wände transloziert und die neu entstandenen Räume mit einer hochwertigen Ausstattung versehen, die entweder aus Originalen oder Repliken bestand. Die Nutzung als Gaststätte führte zu konservatorischen Problemen, weshalb nach 1945 zunehmend Originale entfernt und wieder in das städtische Museum verbracht wurden. 1996 erhielt das Gebäude den Namen Eckener-Haus. Die Nutzung als Gaststätte währte bis 2008. Gegenwärtig (2024) steht das Gebäude ohne Nutzung leer und wird restauriert.[1]

Auftraggeber

Die Umbauten, die das Haus bis heute prägen, wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durchgeführt, als es dem Kaufmann Hinrich Carstensen Feldstedt gehörte.[2]

Beschreibung

Das zweigeschossige Giebelhaus aus Backstein wird über einen zentralen Eingang zwischen zwei schmalen Fenstern betreten. Den Eingang flankieren zu beiden Seiten zweigeschossige Standerker von je zwei Achsen Breite. Über einer abschließenden Attika erhebt sich ein Schweifgiebel mit nachträglich aufgesetzten Figuren. Im Osten schließt sich an der Nordseite des rückwärtigen Hofes ein gestaffelter zweiteiliger Rückflügel mit Saalbau an. Das Innere mit Eingangsdiele, die flankierenden Räume hinter den Standerkern (ehemals Handelskontor sowie Wohnzimmer) und Saal (verbaut) sowie die Wohnräume im rückwärtigen Flügel entsprechen prinzipiell dem um 1800 geschaffenen Zustand.[3]

Forschungsstand zur Baugeschichte

Das Eckener Haus wurde erstmals im Jahr 1915 von Ernst Sauermann in seinem Aufsatz „Das Alt-Flensburger Haus“ beschrieben.[4] Alle späteren Veröffentlichungen fußen auf seinen Ausführungen. Zu nennen sind vor allem das Denkmalinventar von Rohling aus dem Jahre 1955[5] und die Abhandlung Wenzels von 2018.[6] Die Geschichte der Hausbesitzer hat Kraack 2013 veröffentlicht.[7]

Das so genannte Biedermeierzimmer

 
Wandmalereifragment an der Nordwand des Biedermeierzimmers

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der heute Biedermeierzimmer genannte Raum wurde um 1800 für Kaufmann Hinrich Carstensen Feldstedt gestaltet. Später erfolgten mindestens zwei Veränderungen (dokumentiert durch zwei Tapetenschichten über der Wandmalerei an der Nordwand), und 1914 wurde hier das so genannte Biedermeierzimmer eingerichtet.[8]

Beschreibung

Der 22,31 Quadratmeter große Raum ist im Erdgeschoss des zweiten Seitenflügels gelegen. Er wird von Norden aus betreten und hat zwei Fenster nach Süden. Im Osten schließt sich ein weiterer Raum an.[9]

Die Malereifragmente an der Nordwand

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalerei entstand um 1800 für Hinrich Carstensen Feldstedt. Später wurde sie mehrfach übertapeziert und erst 2019 wiederentdeckt. Sie befand sich unter zwei Tapetenschichten und zwei Farbfassungen. Unter der Malerei liegt eine grüne Farbschicht, die entweder als Grundierung diente oder eine frühere Fassung darstellt.[10]

Beschreibung und Ikonographie

Freilegungsproben an der Nordwand erbrachten den Nachweis auf ein sich über die ganze Breite (ca. 4,8 m) der Nordwand erstreckendes Wandbild. Ob es einen — sehr wahrscheinlichen — Sockelbereich gab und wie weit die Malerei zur Decke reichte, ist bislang unbekannt. Es handelt sich offenbar um ein Stadtpanorama. Gleich Flensburg liegt diese Stadt mit einem Wasser am Hafen, hinter dem recht bald das Gelände ansteigt. Man kann Schiffe, Häuser und Kirchen sowie Menschen ausmachen. Die bislang freigelegten Häuser und Kirchen mit ihren Türmen schließen Flensburg als abgebildete Stadt jedoch aus.[11]

Das so genannte Renaissancezimmer

 
Decke im Renaissanceraum des Eckenerhauses

Das Renaissancezimmer wird unter dem ursprünglichen Standort seiner Malerei - Große Straße 30 - erfasst:

https://www.deckenmalerei.eu/81ee98dc-6941-4041-96d1-3bd9c6540329

Das so genannte Schifferzimmer

 
Ehem. Schifferstube im Eckener-Haus

Das Schifferzimmer wird unter dem ursprünglichen Standort seiner Malere - Große Straße 41 - erfasst:

https://www.deckenmalerei.eu/ab56538f-0eae-46ea-a090-1573c49c7899

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Kraack, Kataster, 2013. — Kraack, Gerhard (bearb.): Historisches Kataster der Stadt Flensburg. Die Häuser und ihre Besitzer von 1436 bis 1795 (Große Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte e.V., 76). 3 Bde. Flensburg 2013.
  • Rohling, Flensburg, 1955. — Rohling, Ludwig: Die Kunstdenkmäler der Stadt Flensburg (Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein, 7). München/Berlin 1955.
  • Sauermann, Alt-Flensburger Haus, 1915. — Sauermann, Ernst: Das Alt-Flensburger Haus, in: Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender 1915, S. 50-63.
  • Archivalien:
  • Binger, Eckener Haus, 2020. — Binger, Heike: 3. Teil. Restauratorische Malschichtuntersuchung. Freilegungsproben an der Nordwand im Biedermeierzimmer, Eckener Haus / Alt-Flensburger-Haus, Norderstraße 8, 24939 Flensburg. Januar 2020.
  • Sobotka, Alt Flensburger Haus, 2020. — „Alt-Flensburger Haus“ — Eckenerhaus / Baugeschichtliche Untersuchung und Dokumentation. 2020.
  • Sabottka, Eckenerhaus, 2020. — Sabottka, Larissa: Bericht. Projekt: „Alt-Flensburger Haus“ – Eckenerhaus. Baugeschichtliche Untersuchung und Dokumentation (Raumbuch). Bearbeitungszeitraum: August 2019-Februar 2019. März 2020.
  • Wenzel, Eckenerhaus, 2018. — Wenzel, Eiko: Eckenerhaus / Alt-Flensburger Haus, Norderstraße 8-10. 25.05.2017. Ergänzt 30.10.2018, in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte FL Flensburg, Norderstraße 8. Kaufmannhof: Vorderhaus. ONR 198. Akten-Nr. 23772, Bd. 1.

Einzelnachweise

  1. Kraack, Kataster, 2013, S. 570; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 249; Rohling, Flensburg, 1955, S. 489-491; Sauermann, Alt-Flensburger Haus, 1915, S. 57. Sabottka, Eckenerhaus, 2020, S. 3-11; Wenzel, Eckenerhaus, 2018, S. 2, 7-9.
  2. Kraack, Kataster, 2013, S. 466.
  3. Kraack, Kataster, 2013, S. 465; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 249; Rohling, Flensburg, 1955, S. 489-491. Sabottka, Eckenerhaus, 2020, S. 9; Wenzel, Eckenerhaus, 2018, S. 3.
  4. Sauermann, Alt-Flensburger Haus, 1915.
  5. Rohling, Flensburg, 1955.
  6. Wenzel, Eckenerhaus, 2018.
  7. Kraack, Kataster, 2013.
  8. Sabottka, Eckenerhaus, 2020, S. 11; Binger, Eckener Haus, 2020, S. 15, 17.
  9. Sobotka, Alt Flensburger Haus, 2020, S. 220.
  10. Binger, Eckener Haus, 2020, S. 15.
  11. Sobotka, Alt Flensburger Haus, 2020, S. 223; Binger, Eckener Haus, 2020, S. 15, 17.