Fischhausen, sog Burg Fischhausen
Inventarnummer: cbdd10072
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Der Hauptsaal von Burg Fischhausen birgt einen um alle Wände umlaufenden Malereizyklus vom Beginn des 18. Jahrhunderts. Er präsentiert antikisierende Phantasielandschaft, teilweise mit Schäferszenen und Ruinen, aber auch mit zeitgenössichen Architekturen.

Burg Fischhausen
Baugeschichte
Die sogenannte „Burg“ Fischhausen[1] stammt baulich aus dem späten Mittelalter – erstmals urkundlich erwähnt 1511 –, ist aber in der Frühen Neuzeit mehrfach umgestaltet worden, sodass ihre bauliche Erscheinung weitgehend dem späten 17. Jahrhundert entspricht. Bereits um 1500 wurde das Haus um einen Flügel zu einer rechtwinkligen Anlage erweitert. 1578 erfolgte für den Häuptling Boing von Waddewarden ein Umbau zu einem Wohngebäude. In den Winkel der beiden Flügel wurde ein Treppenturm mit Zwiebelhaube gestellt. 1689 erwarb Lütke (Lüdeke) von Weltzien das Haus. Er war dänischer Drost in Nienburg und Kniphausen und gab dem Gebäude weitgehend seine heutige Gestalt. Der Ostteil des alten Steinhauses wurde niedergelegt, sodass ein Einflügelbau entstand. Neben den Treppenturm wurde 1690 durch Umgestaltung eines Fensters der gegenwärtige Haupteingang geschaffen. Der Rest des Steinhauses wurde von drei auf zwei Geschosse erniedrigt und der gesamte Baukörper mit einem einheitlichen Walmdach versehen. Eventuell erfolgte unter seinem Sohn Ulrich Friedrich — 1713 Drost in Kniphausen und 1719 Deichgraf und fürstlicher Kammerherr in Jever — und dessen Frau Juliane, geb. von Lilienburg, die Ausmalung des Hauptsaals 1707—1720. 1773 ging das Anwesen an Johann Fooken Müller und damit in bäuerlichen Besitz über. Eventuell erfolgte die Ausmalung des Saals erst jetzt unter Müller 1774. Das Gebäude erhielt im Norden Nutz- und Wirtschaftsanbauten, die den Kernbestand aber nicht veränderten, ferner wurden im 19. und 20. Jahrhundert die Fenster abgewandelt.
Architektur
Heute stellt sich Fischhausen[2] als zweigeschossiges Gebäude unter einem Walmdach mit annähernd mittigem Treppenturm vor der siebenachsigen Ostfassade dar. Rechts des Turms befindet sich der Eingang von 1690. Über der Turmtür ist das fischhauser Wappen mit der Jahreszahl 1578 zu sehen. Rechts am Kernbau befindet sich der spätere Anbau, fast komplett verdeckt vom ebenfalls neuen Seitenflügel.
Das Hauptgeschoss des Hauses[3] ist das Erdgeschoss. Es nimmt sechs Räume auf. Durch das Eingangsportal betritt man eine Halle. Nach links — im Süden — ist ein großer Hauptsaal an der Südostecke gelegen. Er weist mit zwei Fenstern nach Süden und mit zwei Fenstern nach Osten. An seiner Westseite steht ein Kamin. Links neben dem Kamin führt eine Tür in das an der Südwestecke gelegene (sogenannte) Engelszimmer. Es ist genauso breit wie der Hauptsaal, aber nicht ganz so tief und hat zwei Fenster an der Süd- und zwei Fenster an der Westseite. Der nach Norden anschließende Raum ist auch von der Eingangshalle aus zugänglich. Ein weiterer Raum folgt nach Norden, ein sechster liegt nördlich der Halle. Von diesem aus werden die Räume des Anbaus erreicht.
Wand- und Deckenmalerei hat sich in zwei Räumen des Erdgeschosses erhalten, im Hauptsaal und im Engelszimmer. Beide gehören zu jenen Räumen, die sich im Bereich des alten Steinhauses an der Südseite befinden.
Die Wandmalerei im Hauptsaal
Die Malerei
Der Hauptsaal,[4] auch Festsaal oder Rittersaal genannt, präsentiert über einem gemalten ornamentierten Holzsockel auf der Höhe der Fensterbrüstungen bis hin zur Decke große Wandmalereien. Fenster und Türrahmen sind blau marmoriert, der Sockel ist blau gestrichen und mit Rocaillen bemalt. Die Wandmalerei zeigt eine umlaufende — nur von den Fenstern und dem Kamin unterbrochene —, antikisierende Phantasielandschaft, teilweise mit Schäferszenen, kleinen Tempeln, Ruinen, aber auch Bauten der heimischen Umgebung. Prägend sind hohe, schlanke Bäume mit kahlem Stamm. Die Menschen sind überwiegend bei bäuerlich-ländlicher Tätigkeit dargestellt. Man erkennt einen Bauern am Pflug, Kühe mit Melkerinnen, Fischer und Wäscherinnen, aber auch einen einsamen Reiter. Es sind zwar keine Staffagefiguren, jedoch dominieren sie die Landschaft in keiner Weise; große Partien kommen ganz ohne sie aus.
Die Supraporten sind in Rocaillerahmen angebracht. Sie präsentieren wie die Kaminseiten antiken Ruinen ohne Figuren. Auf der Kaminschürze an der Südwand ist eine Ansicht des Hauses Fischhausen zu sehen.
An der Ostwand des Hauptsaal ist zwischen den Fenstern ein Rocaillerahmen gemalt, der nur mit schlichtem blau gefüllt ist. Zwischen den Südfenstern ist ein sich in der Mitte teilender, roter Vorhang gemalt. Dabei schlingen sich die Stoffbahnen um jeweils eine Säule. Ehemals befanden sich zwischen den Fenstern Spiegel und Ahnenporträts.[5]
Technik, Restaurierung und Künstler
Die Malerei[6] in Kasein-Öl-Emulsionsfarben wurde im 19. Jahrhundert überarbeitet und 1970 mit Leimfarben in verändertem Farbton und formal vergröbernd restauriert. Damals wurde eine frühere Wandfassung festgestellt, aber nicht freigelegt. An der Decke wurden gemalte schablonierte Ornamente frei gemalt ergänzt. Die Fassung von 1970 ist 1990 wieder abgenommen worden.
Der Künstler der Wandmalerei ist unbekannt. Weltzien vermutete Juliane von Weltzien und datiert daraus folgend die Malerei auf 1707—1720,[7] Onnen jedoch auf 1774, da das Kaminbild auf der Wetterfahne das Monogramm von Müller und die Jahreszahl 1774 zeigt.[8] In jedem Fall hatte der Maler Schwierigkeiten mit den Proportionen: Weder stimmen die Verhältnisse der Bäume zu den Figuren, noch die der Architekturen.[9]
Zusammenfassung und Synthese
Die Ausmalung gehört zu den zahlreichen Landschaftsdarstellungen an Wänden, wie sie um 1700 in der niederdeutschen Tiefebene von den Niederlanden bis hin nach Dänemark weit verbreitet sind. Im lokalen Bereich des Jeverlandes ist eine derartige Ausstattungen sonst jedoch nicht erhalten.[10]
Die Deckenmalerei im Engelszimmer
Das so genannte Engelszimmer[11] an der Südwestecke des Hauses erhielt den Namen von seiner Deckenbemalung. Die Deckenbalken sind an den drei sichtbaren Seiten im Wechsel mit Kreisen und auf der Spitze stehenden Quadraten verziert. Während die Quadrate der Unterseite und das Innere der Kreise grundsätzlich mit Ornamenten gefüllt sind, präsentieren die Quadrate an den Balkenseiten Engelsköpfe. Die Holzdecke wurde 1884/85 restauriert.
Bibliographie
- Literatur:
- Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter: Katalog. In: Dies. (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-266.
- Onnen, Fischhausen, 1990. – Onnen, Elke: Fischhausen. Ein Häuptlingssitz der Renaissance im Jeverland. Magisterarbeit. Kiel 1990.
- Warnecke, Schlösser, 1993. – Warnecke, Edgar F.: Burgen und Schlösser im Oldenburger Land. Oldenburg 1993.
- Weltzien, Fischhausen, 1987. – Weltzien, Wolf Lüdeke: Schloß Fischhausen. In: Oldenburger Jahrbuch 87 (1987), S. 35-40.
Einzelnachweise
- ↑ Zur Baugeschichte: Weltzien, Fischhausen, 1987, S. 35-38; Onnen, Fischhausen, 1990, S. 9-10, 32-42; Warnecke, Schlösser, 1993, S. 38-42.
- ↑ Vgl. zum Äußeren: Weltzien, Fischhausen, 1987, S. 35; Onnen, Fischhausen, 1990, S. 11-17.
- ↑ Vgl. zum Inneren: Onnen, Fischhausen, 1990, S. 21-24, S. 31, zum Hauptsaal S. 71-72.
- ↑ Onnen, Fischhausen, 1990, S. 22, 71-79; Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 257.
- ↑ Onnen, Fischhausen, 1990, S. 77.
- ↑ Onnen, Fischhausen, 1990, S. 76-77; Wolfram Kummer: 15.02.1989. Unteruchunsbericht zu Burg Fischhausen.
- ↑ Weltzien, Fischhausen, 1987, S. 38.
- ↑ Onnen, Fischhausen, 1990, S. 38.
- ↑ Onnen, Fischhausen, 1990, S. 78.
- ↑ Onnen, Fischhausen, 1990, S. 79.
- ↑ Weltzien, Fischhausen, 1987, S. 38; Onnen, Fischhausen, 1990, S. 21.