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Eutin, Alte Hofapotheke

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Eutin, Alte Hofapotheke, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/6079ac9b-6ff2-48b0-8ad0-31d3d630758d

Inventarnummer: cbdd20126

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In der ehemaligen Hofapotheke von Eutin hat sich der Rest einer Deckenmalerei von 1704 erhalten, auf der in Ranken verschiedene Früchte, Blumen und Vögel wie etwa ein Pelikan oder ein Pirol mit einem Apfel zu sehen sind.

Die Alte Hofapotheke in Eutin

Kurzbeschreibung und Lage

Die ehemalige Eutiner Hofapotheke steht an der Ecke der Straßen am Rosengarten/Schlossstraße und der Königstraße. Die Schlossstraße führt zum ehemaligen Residenzschloss, die Königstraße auf den Marktplatz.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Anstelle des heutigen Hauses stand ein Vorgängerbau. Dieser wurde 1703 vom Apotheker August Friedrich Boye erworben, an den die Alte Apotheke 1699 durch Heirat gekommen war und der 1700 ein herzogliches Privileg erhalten hatte. Er ließ das Haus abbrechen und 1704 den heute noch erhaltenen Neubau errichten. Vor allem im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude verändert und es kam ein Anbau hinzu. In seiner Raumsturkutr blies es weitgehend erhalten. Bis 1859 war das Haus in Familienbesitz, bis 1996 diente es als Apotheke. In diesem Jahr erwarb es die Sparkasse Ostholstein, die es von 2000 bis 2003 aufwendig sanieren ließ. Seitdem befinden sich beispielsweise anstelle der großen Schaufenster wieder Fenster in ursprünglicher Größe in der Fassade des Erdgeschosses. Über der Eingangstür ist eine Kopie des Hofapothekenwappens angebracht.[1]

Beschreibung

Das zweigeschossige Fachwerktraufenhaus mit Ziegelausfachungen hat ein Krüppelwalmdach und über dem zentralen Eingang einen Giebelerker. Die über einige Treppenstufen zu erreichende Eingangstür erschloss einen breiten durchgehenden Flur, in dem sich vermutlich auch ein steiler Treppenaufgang befand. Im Erdgeschoss lagen die Apothekenräume, im Ober- und Dachgeschoss die Wohnungen. Die Räume rechts und links des Flures sind nahezu gleich groß. Der linke war die Offizin bzw. der Verkaufsraum der Apotheke.[2]

Die ehemalige Offizin

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Offizin wurde 1704 für August Friedrich Boye eingerichtet und bis 1996 als Verkaufsraum der Apotheke genutzt. Spätestens im 19. Jahrhundert wurde der Raum verändert. Im Rahmen der seit 2000 stattfindenden Sanierungsarbeiten erhielt er wieder Fenster in ursprünglicher Größe.[3]

Beschreibung

Der Raum wird vom Flur aus betreten und öffnet sich mit zwei Fenstern zur Königstraße.

Die erhaltenen Deckenmalereireste

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckenmalerei wurde um 1704 als fette Temperamalerei auf die Eichenholzbalkendecke der damaligen Offizin aufgetragen. Vermutlich recht bald wurde sie in großen Teilen ergänzt bzw. überfasst, sodass zwei Malschichten unterschieden werden müssen. Heute zeigt nur noch ein Drittel der Decke Malerei. Diese wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt verdeckt und erst im Zuge der Sanierung des Hauses 2001 wieder aufgefunden. Ihre Reste waren in „ungewöhnlich frischen Farben vorzüglich erhalten“. Die Malerei wurde 2003 gereinigt, gefestigt und retuschiert.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Die Bohlenbretterdecke reicht heute noch über vier quadratische Balkenlagen. Die Bretter sind mit Nut und Feder verbunden. Sie dienten als Fußboden für den Raum darüber. Außerdem sind die Deckenfelder zwischen den Balken sowie deren Sichtseiten bemalt. An den Unterseiten zieren die Balken Wellenbänder im Wechsel von Blau und Gelb. Die Seiten zeigen auf weißem Grund Muschelornamentik.

Die ältere der beiden Malschichten ist die qualitätsvollere. Sie zeigt ein buntes verschlungenes Rankenwerk in Ocker mit gemalten Blumen, Früchten und Vögeln. Dazu gehören ein Pelikan (der nur zu identifizieren ist, da er sich die Brust aufreißt, um aufopfernd seine Brut zu nähren) und ein Pirol (keine Taube) mit Apfel sowie Bauernrosen. Die Ränder der Ranken wurden zusätzlich mit einer hellblau-grauen Umrandung eingefasst. Zu den Balken hin begrenzt ein braunrotes Band die Malerei. In der zweiten Phase wurde der rotbraune Hintergrund weiß übermalt. Dabei wurden auch Randbereiche der Ranken sowie der figürlichen Bereiche verdeckt. Dafür kamen zahlreiche neue Motive zwischen den Ranken hinzu. Zu ihnen gehörten verschiedenes Obst, Blumenvasen, Nelken, Tulpen und ein sich umarmendes Menschenpaar. Während die Ranken eher stilisiert sind, erscheinen die Vögel und Blumen in naturalistischen Farben. Das Menschenpaar ist fast schwarz, was wohl auf die Verwendung von bleihaltiger Farbe zurückzuführen ist. Die Motive zwischen den Ranken sind auf keinen Betrachterstandpunkt hin ausgerichtet.[5]

Programm

Sollten mit dem Paar Adam und Eva gemeint gewesen sein, wäre die Deckenmalerei mit der zweiten Fassung zu einer Darstellung des Paradieses verändert worden. Dafür würde auch die weiße Farbe des Hintergrundes als himmlisches Licht sprechen.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Berg/Schulze, Apotheke, 2004. — Berg, Hartwig/Schulze, Heiko K. L.: Die Sanierung der Eutiner Hofapotheke, in: Jahrbuch für Heimatkunde. Eutin 38 (2004), S. 139-142.
  • Bericht Denkmalpflege, 2004. — Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 2002 und 2003, in: Nordelbingen 73 (2004), S. 167-268.
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. — Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Hofapotheke, 2003. — Die Eutiner Hofapotheke [Faltblatt]. Eutin 2003.
  • Krauskopf, Hofapotheke, 2003. — Krauskopf, Achim: Fertigstellung der Hofapotheke Eutin, in: Ostholsteiner Anzeiger (28.03.2003).
  • Schulze, Bericht, 2007. — Schulze, Heiko K. L.: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein 2001 bis 2006, in: Nordelbingen 79 (2007), S. 249-284.
  • Archivalien:
  • ONR 1734. — Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte OH Eutin, Stadt, Königstraße 13, Hofapotheke, ONR 1734.
  • Beetz, Restaurierungsbericht, 2003. — Beetz, Alwin B.: Restaurierungsbericht Holzbalkendecke der ehemaligen Hofapotheke in Eutin. 2003. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte OH, Eutin, Stadt, Königstraße 13, Hofapotheke, ONR 1734).
  • Beetz, Restaurierungsbericht, 1999. — Beetz, Alwin: Restaurierungbericht 9.7.1999. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte OH, Eutin, Stadt, Königstraße 13, Hofapotheke, ONR 1734).
  • Beetz, Holzbalkendecke, 1993. — Beetz, Alwin: Restaurierungsbericht. Bemalte Holzbalkendecke der ehemaligen Hofapotheke 23701 Eutin. 1993. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte OH, Eutin, Stadt, Königstraße 13, Hofapotheke, ONR 1734).

Einzelnachweise

  1. Schulze, Bericht, 2007, S. 255; Berg/Schulze, Apotheke, 2004, S. 139-140, 142; Krauskopf, Hofapotheke, 2003; Hofapotheke, 2003. ONR 1734, Bd. 3.
  2. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 258; Hofapotheke, 2003.
  3. Bericht Denkmalpflege, 2004, S. 216; Berg/Schulze, Apotheke, 2004, S. 139-141; Krauskopf, Hofapotheke, 2003.
  4. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 258; Bericht Denkmalpflege, 2004, S. 216; Berg/Schulze, Apotheke, 2004, S. 141 (Zitat); Hofapotheke, 2003. ONR 1734, Bd. 2.
  5. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 258; Bericht Denkmalpflege, 2004, S. 216; Berg/Schulze, Apotheke, 2004, S. 141; Krauskopf, Hofapotheke, 2003. Beetz, Restaurierungsbericht, 2003; Beetz, Restaurierungsbericht, 1999.