Esting, Ehem. Benefiziatenhaus
Ehem. Benefiziatenhaus, Privatbesitz, Hauptstr. 9, Pfarrei Esting, Gemeinde Olching, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung bestand ein an die Kapelle des Schlosses Esting (Hauptstr. 7) gestiftetes Benefizium. Die Schloßkapelle (geweiht 1666) war Filiale der Pfarrei Emmering; das Schloß Esting war gefreiter Sitz (bis zur Dachtraufe), aber innerhalb der Hofmark Maisach gelegen, die der Benediktinerabtei Ettal gehörte. Gericht Dachau
Zum Bauwerk: Bau des Benefiziatenhauses vor 1744 durch Jakob Schmid, Maurermeister von Bruck; das Baumaterial war teilweise schon 1740 beschafft worden, aber der Bau verzögerte sich durch die Erbstreitigkeiten (s. u.).
Zweistöckiger Bau mit Walmdach. Das Deckenbild befand sich im SO-Raum des ersten Geschosses.
Auftraggeber: Simon Judas Thaddäus Kemeter, erster Benefiziat (1747-72) und Verwandter des Stifters, der in seiner Chronik (AEM) schreibt: »Dises Fundations-Gemähl habe ex propriis expensis zu einen ewigen angedenckhen des Stifters machen und hier in Zimer einsezen lassen auch zu einen Zeichen der erkhentlichen schuldtigen Dankhbarkeit«.
Autor und Entstehungszeit: Das Bild ist in einem Chronogramm am Ende der Bildinschrift (s. Beschreibung) 1750 datiert. Der Autor ist unbekannt; Kemeter nennt ihn in seiner Chronik nicht. Für Kemeter arbeitete in den Jahren von 1742-51 mehrfach ein Maler aus Bruck namens Johann (Georg) Ludwig, der u. a. auch ein »Ehrengemehl des H. Johann Nepomuk« abrechnete (das Deckengemälde taucht in den Abrechnungen nicht auf, weil es nicht aus dem Vermögen des Benefiziums, sondern aus den Einkünften des Benefiziaten bezahlt war). Man kann immerhin vermuten, daß der Brucker Maler Johann Ludwig auch der Autor des Deckenbildes war. Johann Georg Ludwig war 1740-67 Bürger und Maler in Bruck und starb 1767 (Heimatbuch 1992, S. 443).
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit einfachem Stuckdekor
Rahmen: Stuckprofil
Technik: Öl auf Leinwand; polychrom
Maße: Höhe 2,80 m; ∅ 1,25
Erhaltungszustand: Das Bild wurde 1980 abgenommen und befindet sich heute im Pfarramt Esting. Es ist in sehr schlechtem Zustand: Abblätterungen, starke Verschmutzung, in der Mitte ein Loch.
Beschreibung und Ikonographie
GEORG HECHENTHALLER WEIHT SEINE STIFTUNG DER GOTTESMUTTER Hohe Stufen führen ins Bild ein, wo der Stifter am Fuße einer Säule kniet. Links sind in einem Landschaftsausblick Schloß und Schloßkapelle Esting sowie das Benefiziatenhaus zu sehen. Darüber erscheint in Wolken Maria mit dem Kind in Gestalt eines barocken Gnadenbildes. Hechenthaller präsentiert ihr mit der Rechten einen Zettel mit der Inschrift FUNDATIO, in der Linken hält er eine sehr große Schriftrolle, die sich über der Stufe im Vordergrund entfaltet.
Mater & Virgo Gl ...(?) / EGO / GEORGIVS Hechenthaller / ELeCtoris BaVarlae CappeL / LanVs IVbILaeVs SaCerDos / BenefICII FVnDator (= 1738)
Offero tibi hanc meam ad laudem / omnipotentis DEI, in tuum & Filii tui totiusque Curiae triumphantis honor & gloriam, ad utilitatem tam / militantia quam purgantis Ecclesiae erectam Estingae Fundationem, potenter / & temere per Decenium a lupis rapacibus oppugnatum, potentius tamen / & gloriosius ubique propugnatam; / Nunc tandem potentissime ab Eminentissimo / ac Serenissimo Domino Dno Joan: Theod: s: / Eccl: Card Bav: Duc: Frising: Ratisbon: & / Leodien: Epo, Ordinario nro gloriosissime confirmatam: Quam clementer acceptare, et / benedicere dignare. Amen.
AIt ItaqVe LaVs perennIs / atqVe IVbILatIo VnI trIno-/qVe Deo, aC MatrI VIrgInI nobIs PropItIae. (= 1750)
Quod & optat / Simon Jud. Thadd./ Kemeter Fundatoris Cognatus, & Beneficiatus / primus.
(Jungfrau und Mutter. Ich, Georg Hechenthaller, Kaplan des Kurfürsten von Bayern, Jubilierter Priester [= 50jähr. Priesterjubiläum], Stifter des Benefiziums, bringe dir dar diese meine Stiftung von Esting, zum Lob des allmächtigen Gottes, zu Deinem und Deines Sohnes sowie der triumphierenden Kirche Ehre und Ruhm; [eine Stiftung], die zehn Jahre lang vor reißenden Wölfen machtvoll und grundlos bekämpft wurde machtvoller jedoch und überall glorreicher verteidigt, nun zuletzt doch aufs machtvollste bestätigt wurde durch den erhabenen Herrn, Herrn Johann Theodor, Kardinal der Kirche, Herzog von Bayern, Bischof von Freising, Regensburg und Lüttich, unserem Ordinarius. Welche [Stiftung] Du huldreich anzunehmen und zu segnen würdigen wollest. Amen.
Deshalb sei ewiges Lob und Jubel dem einen und dreieinigen Gott und der Mutter und Jungfrau, die uns gnädig ist. Das wünscht auch Simon Judas Thaddäus Kemeter, Verwandter des Stifters und erster Benefiziat)
Unten an den Treppenstufen ist das Wappen des Stifters angebracht, in einem Ausblick rechts im Bild sieht man Minerva, die die stürzenden Laster niederkämpft.
Georg Hechenthaller war Hofkaplan und Kurfürstlicher Rat in München. Als Senior der Hofkapläne genoß er das St.-Georgs-und-Katharina-Benefizium, mit dem so gut wie keine Verpflichtungen verbunden waren, außer solchen zeremonieller Art, die mit der Stellung als Direktor der Hofkapelle zusammenhingen (eine der wenigen Aufgaben war das Sprechen des Benedicite« an der Hoftafel, was mit dem Reichen von täglich zwei Maß Wein, einer Maß Bier und zwei Hofsemmeln verbunden war). Zum ›St.-Georgs-und-Katharina-Benefizium‹ gehörte ein Gut in Esting. Hechenthaller (* 3. 9. 1660 in Aying) studierte in Ingolstadt, war drei Jahre Präfekt des Kosthauses der Jesuiten in München; als Kooperator in der Wallfahrtskirche Maria Thalheim bei Erding hörte ihn Kurfürst Max Emanuel das Hochamt singen und berief ihn darauf im Oktober 1689 als Hofkaplan. Lange Jahre (seit 1726) hatte Hechenthaller die zweithöchste Würde unter den Schloßkaplänen inne, das Elemosinariat, das mit dem Benefizium B.M.V. und St. Magdalena verbunden war.

Der erste Fundationsbrief des Benefiziums datiert vom 1. Juli 1737. Am 2. September ersetzte Hechenthaller ein früheres Testament durch sein letztes, in dem er außer vielen Legaten sein ganzes Vermögen (ca. 15000 fl., meist in ausständigen Kapitalien) zum Benefiziumskapital bestimmte. Der Kauf von Haus und Grundstücken dafür wurde testamentarisch angeordnet, und es wurden die Verpflichtungen festgelegt, die darin bestanden, in Esting täglic eine hl. Messe zu lesen. Als Benefiziat sollte ein Priester aus seiner „Freundschaft“ (= weitläufige Verwandtschaft) installiert werden, sei keiner vorhanden, sollte der Schloßherr von Esting das Präsentationsrecht haben. Am 11. 3. 1738 bat Hechenthaller den Fürstbischof von Freising, seinen Neffen Simon Kemeter zu den höheren Weihen zuzulassen, da er der erste Anwärter auf das neugestiftete Benefizium sei. Am 16. 3. 1738 starb Hechenthaller im Alter von sechsundsiebzig Jahren. Das Testament wurde von den Erben – meist den Geschwisterkindern – Hechenthallers angefochten. Sie waren es, die Kemeter als »reißende Wölfe« bezeichnete. Der Rechtsstreit zog sich über Jahre hin. Kemeter bemühte sich, unterstützt von den Testamentsvollstreckern, um seine Pfründe. Immerhin bezog er aus dem Stiftungskapital von den Testamentsvollstreckern schon nicht unbeträchtliche Einkünfte. Seit 1744 war er im inzwischen gebauten Benefiziatenhaus in Esting ansässig. 1745 drang Fürstbischof Johann Theodor auf den Vollzug der Fundation.
Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß das Wappen auf dem Bild das Wappen Hechenthallers ist. (Bei Siebmacher ist es nicht verzeichnet; das ist nicht ungewöhnlich, denn die Geistlichen pflegten sich zu dieser Zeit willkürlich Wappen zuzulegen, weil sie sie zum Siegeln der Briefe nötig hatten.)
Das auf dem Deckenbild dargestellte Gnadenbild dürfte die Muttergottes vor Weihenlinden sein; Hechenthaller hatte dorthin (er stammte ja aus der Einzugsgebiet der Wallfahrt Weihenlinden) schon 1733 die bedeutende Stiftung von 3600 fl. für eine tägliche Messe gemacht (Theodor Wiedemann, Geschichte der Pfarrei Hegling, in: Deutingers Beyträge 2, 1851, S. 295-396, S. 329 f).
Quellen und Literatur
BHStA I, HR I, Fasz. 29, Nr. 120: Verrichtungen und Einkünfte der Hofkapläne; Fasz. 31, Nr. 149: Akten und Briefe, die Hinterlassenschaft des Hofkaplans Hechenthaller betreffend.
AEM, PfA Emmering, 169 8251 00: Beschreibung des Benefiziums; 169 8251 01 (a-c) und 169 8251 02 (a-e): Akten, das Benefizium in Esting betreffend. 169 825 110: handschriftliche Chronik von Simon Judas Kemeter, »Archival der Hechenthallerischen Mess-Fundation in Marianischen Schloss Capellen zu Oesting 1738«.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 282 f.
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 287.
Zauner, Paul, Esting (Die Geschichte des Ortes. Das Schloß) in: Unsere Heimat, Beilage zum Fürstenfeldbrucker Wochenblatt, Nr. 17, 1922, S. 65 f.
Heimatbuch Fürstenfeldbruck (o.V.), Fürstenfeldbruck 1952, S. 245.
Historischer Atlas I, Bd II/12, S. 112-115.
Landkreis Fürstenfeldbruck (o.V.), Heimatbuch, Pörsdorf 1963, S. 141.
Kunst- und Kulturdenkmäler, S. 236.
Dehio 1990, S. 266 f.
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