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Erfurt Molsdorf, Schloss Molsdorf

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Erfurt-Molsdorf, Schloss Molsdorf, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/586e46b2-c518-4073-8167-07bbb90cd7c5

Inventarnummer: cbdd10235

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In Schloss Molsdorf hat sich eine überreiche Ausstattung aus der Zeit von 1736-1748 erhalten mit zahlreichen Decken- und Wandgemälden. Zu den ausführenden Künstlern gehören etwa Jacob Samuel Beck, Johann Kupetzky, Antoine Pesne und Peter Weingart. Auftraggeber war Gustav Adolf von Gotter.

Flora inmitten der olympischen Götter
Flora inmitten der olympischen Götter

Schloss Molsdorf

Kurzbeschreibung und Lage

Schloss Molsdorf[1] liegt südwestlich von Erfurt im Tal der Gera, im Süden der gleichnamigen Ortschaft. Zum vierflügeligen Schloss gehören ein Garten im Süden und ein ehemaliger Wirtschaftshof im Norden. Im Westen ist die ehemalige Schlosskirche St. Trinitatis gelegen.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Schloss geht auf eine mittelalterliche Burg zurück. Ihre Besitzer wechselten oft. 1713 gelangte die Anlage an Otto Christoph Schulze, der mit einem modernisierenden Umbau begann. Nach seinem Tod 1728 kaufte Gustav Adolf von Gotter im Jahre 1734 Schloss und Gut Molsdorf. Er ließ das Schloss bis 1745/46 teilweise tiefgreifend umbauen und neu ausstatten. So wurde der alte Schlossturm im Hof niedergelegt. Der sachsen-weimarische Landbaumeister Gottfried Heinrich Krohne schuf 1744 vor allem an der Gartenseite eine moderne Fassade, hinter der prächtige Repräsentationsräume angeordnet wurden. Für die Innenausstattung konnte Gotter neben Krohne den preußischen Hofmaler Antoine Pesne und die Maler Johann Kupetzky und Jacob Samuel Beck sowie den Stuckateur Johann Baptist Pedrozzi gewinnen. Bereits 1748 verkaufte der verschuldete Gotter Molsdorf wieder, behielt sich aber ein lebenslanges Wohnrecht vor, das er 1757 ein letztes Mal in Anspruch nahm. 1762 starb er hoch geehrt in Berlin. Im selben Jahr erwarb Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg Molsdorf und wandelte es zu einem Gut um. Ab 1851 wurde es verpachtet. 1907 kam die geschiedene Gräfin Gneisenau aus Berlin nach Molsdorf und konnte den Besitz 1910 erwerben. Zwischen 1910 und 1918 ließ sie wichtige Umbauten im Schloss vornehmen. Bedeutende Jugendstileinrichtungen gehen auf sie zurück. 1922 musste sie den Besitz verkaufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten ab den 50er Jahren viele Restaurierungen sowie historisierende Umbauten und freie Rekonstruktionen, die so geschickt ausgeführt wurden, dass die Veränderungen oft gar nicht erkannt werden können.[2]

Auftraggeber

Gustav Adolf von Gotter stammte aus Gotha. Er war Jurist und wurde vom Gothaer Hof als Diplomat eingesetzt. 1724 erhob ihn Kaiser Karl VI. in den Freiherrenstand. 1727 erhielt er den russischen Alexander-Newski-Orden. 1728 ging er nach Berlin, wo ihm 1729 der Schwarze Adlerorden verliehen wurde. 1732 wurde Gotter auf eigenen Wunsch aus Gothaer Diensten entlassen und diente fortan als preußischer Minister am kaiserlichen Hof in Wien. 1740 wurde er zum preußischen Oberhofmarschall und geheimen Staats- und Kriegsrat ernannt. Im selben Jahr erhob ihn Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand. Gotter war ausgesprochen gut vernetzt und zählte zahlreiche bedeutende Zeitgenossen zu seinen Freunden.[3]

Beschreibung

Die vier Seiten der verputzten, unregelmäßigen Vierflügelanlage haben ein unterschiedliches Aussehen, was der Geschichte des Gebäudes geschuldet ist. Die alte Eingangsseite im Norden zeigt eine Fassade aus dem 17. Jahrhundert mit zwei Ecktürmen, der ehemals ein Wirtschaftshof vorgelagert war. Lediglich das rundbogige Portal stammt von 1738. Es wird von Volutenkapitellen flankiert. Über dem Bogen befindet sich das Wappen Gotters. Die Südseite wird durch die Umgestaltung aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts bestimmt. Die elfachsige zweigeschossige Fassade ist stark gegliedert. Zwei Seitenrisalite von je drei Achsen werden von Dreiecksgiebeln bekrönt. Ihre mittleren Achsen werden von Skulpturennischen eingenommen, der ebenfalls dreiachsige Mittelrisalit besitzt ein zusätzliches Mezzaningeschoss mit einer abschließenden Attika mit zentraler Wappenkartusche. Große Terrassentüren stellen eine Verbindung zwischen Schloss und Garten her. Das Obergeschoss wird durch Pilaster gegliedert, die darauf hinweisen, dass sich hier die bedeutendsten Räume des Schlosses befinden.

In der Durchfahrt im Nordflügel erschließt eine Treppe das an der Westseite gelegene Treppenhaus. Im ersten Obergeschoss sind im Nordflügel die privaten Wohn- und Gästeräume gelegen. Zu diesen gehören die Weiße Stube und das Grüne Blumenzimmer. Nach Süden gelangt man vom Treppenhaus durch einen Übergang in das Obere Vestibül. Es erschließt die Repräsentationsräume an der Südseite. Weiter nach Süden folgen ein Vorzimmer und anschließend mit Blick auf den Garten der Hauptsaal. Dieser erschließt nach Westen den an der Südostecke gelegenen Bankettsaal, der durch einen „Silbernes Kabinett“ genannten Raum erreicht wird. Im Osten folgen auf den Hauptsaal ein als Paradezimmer gestaltetes Kabinett und ein „Roter Salon“ genannter Raum an der Südwestecke des Schlosses. An diesen schließen sich nach Norden zwei Kabinette an.[4]

Forschungsstand zur Baugeschichte

Der Forschungsstand zu Molsdorf ist dank einer Monografie von Helmut-Eberhard Paulus hervorragend.[5] Wichtige Ergänzungen vor allem für die im 20. Jahrhundert veränderten Räume stammen von Silke Opitz.[6]

Das Treppenhaus

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Haupttreppenhaus ist im Rahmen der Umbaumaßnahmen zwischen 1736 und 1738 erbaut worden.

Beschreibung

Das Treppenhaus verbindet das Erdgeschoss mit dem ersten Obergeschoss. Zu ihm gehört ein großer Vorplatz im Osten. Im Westen sind zwei Treppenläufe mit Wendepodest gelegen. Ein Fenster in der Westwand gibt dem Raum Licht.[7]

Die Decke des Treppenhauses

Die Bestrafung Amors

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckenbild ist im Auftrag Gotters von einem unbekannten Künstler zwischen 1738 und 1748 geschaffen worden. Es wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt verdeckt. Auf einer Fotografie von 1895 ist an seiner Stelle jenes Gemälde zu sehen, das sich heute an der Decke des Oberen Vestibüls befindet. Es wurde erst 1964 wieder freigelegt und restauriert.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Durch eine Scheinbalustrade hindurch fällt der Blick auf einen blauen Himmel. Dort befinden sich auf einer dunklen Wolke Amor und seine Mutter Venus. Venus steht im Begriff, Amor zu entwaffnen. Dieser hatte aus Übermut auf Apoll geschossen und die Götter damit verärgert. Er flüchtete zu seiner Mutter, die ihm daraufhin Pfeil und Bogen abnahm. Weitere Putten wohnen der Szene bei. Auf der Balustrade stehen Blumentöpfe. Die Adler in den Ecken der Decke spielen auf den Wappenhalter Gotters an. Die Putte mit Fackel verweist auf den Morgenstern und interpretiert damit den Aufstieg vom Erdgeschoss ins Obergeschoss als einen Übergang vom Dunklen ins Helle.[9]

Der Übergang vom Treppenhaus zum oberen Vestibül

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum wurde zwischen 1736 und 1738 im Auftrag von Gustav Adolf von Gotter geschaffen.

Beschreibung

Der Übergang hat eine Treppe, die die unterschiedlichen Geschosshöhen vom älteren Bestand im Norden und den neuen Räumen im Süden ausgleicht. Ein Fenster im Osten zum Innenhof gibt dem Raum Licht.

Die Decke im Übergang

Kinderbacchanal

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckenbild entstand für Gustav Adolf von Gotter ca. 1740/50.

Beschreibung und Ikonographie

Gezeigt wird ein Kinderbacchanal. Auf einer Wolke liegt ein Weinfass, um das sich sechs trinkende Putten versammelt haben.[10]

Das obere Vestibül

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das obere Vestibül wurde zwischen 1743 und 1746 im Auftrag von Gustav Adolf von Gotter errichtet. Zwischen 1962 und 1966 erfolgte seine tiefgreifende Umgestaltung.[11]

Beschreibung

Das so genannte Obere Vestibül ist ein Verteilerraum. Man betritt ihn von Norden aus dem so genannten Übergang. Nach rechts im Westen gelangt man in ein Büfettzimmer, das dem Bankettsaal zugeordnet ist. Ihm gegenüber an der Ostwand steht ein Kamin. Gegenüber dem Eingang befindet sich eine Treppe, über die man in das Erdgeschoss bzw. den Garten gelangen kann. Links daneben führt eine Tür in das Vorzimmer. In der Nordwand ist ein Fenster.[12]

Die Decke im oberen Vestibül und die vermutlich ursprüngliche Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die ursprüngliche Deckenmalerei, die im Auftrag Gustav Adolf von Gotters zwischen 1744 und 1748 entstand, hat sich nicht erhalten. Zwischen 1962 und 1966 kam stattdessen ein Gemälde von Flora und Zephyr an die Decke, das zuvor im Treppenhaus gewesen war.[13]

Beschreibung und Ikonographie

Heute befindet sich an der Decke ein Gemälde, das Flora und Zephyr zeigt. Es stammt vermutlich aus dem anschließenden Vorzimmer. Noch 1925 war die Decke durch Unterzüge in vier Felder geteilt. Jedes Feld nahm die Allegorie eines der vier Elemente auf. Im Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei haben sich Fotos von vier Putten erhalten, die die vier Elemente allegorisieren und der Decke in Molsdorf zugewiesen werden können. Die Putten lagern jeweils auf Wolken. Die Putte, die die Erde darstellt, hält einen Spaten und eine Korngarbe in Händen. Zu ihren Füßen liegt Gemüse. Das Element des Wassers wird durch einen Putto verbildlicht, der in der einen Hand eine Muschel und in der anderen einen Quellkrug hält. Für das Feuer steht ein Putto mit Fackeln in den Händen. Und die Luft wird mit einem fliegenden Genius und Seifenblasen dargestellt.[14]

Die schöne Gärtnerin

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Wandbild stammt von Jakob Samuel Beck, der es in Öl auf Putz zwischen 1744 und 1746 ausführte.[15]

Beschreibung und Ikonographie

Über dem Treppenabgang lehnt sich eine junge Gärtnerin oder Schweizerin über ein faktitives Geländer. In ihrer rechten Hand hält sie eine Rübe, über ihrem rechten Arm trägt sie einen Korb mit Gartenfrüchten. Hinter ihr befindet sich eine halb geöffnete Fenstertür, die den Blick auf eine Gebirgslandschaft freigibt.[16]

Das Vorzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Vorzimmer stammt ebenfalls aus der Zeit von 1743 bis 1746.

Beschreibung

Der relativ dunkle Raum erhält nur durch die Fenster einer Doppeltür im Osten Licht. Es wird aus dem Oberen Vestibül von Norden her betreten. Im Süden folgt der Hauptsaal. Ferner ist von hier das neben dem Oberen Vestibül an der Nordseite gelegene so genannte Kaffee-Zimmer zu erreichen.[17]

Die Supraporten des Vorzimmers

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Supraporten wurden von Jakob Samuel Beck 1744-47 in Öl auf Leinwand gemalt. Es ist unwahrscheinlich, dass sie ursprünglich für das Vorzimmer bestimmt waren.[18]

Beschreibung und Ikonographie

Die drei querrechteckigen Supraporten bilden Geflügel ab: Vier Hühner, ein Entenpaar sowie ein Fasanen- und ein Truthahnpaar.

Mögliches ursprüngliches Deckengemälde

Flora und Zephyr

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke des Vorzimmers schmückt heute kein Gemälde. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass sich hier ehemals das Gemälde mit Flora und Zephyr befand, das heute an der Decke des Oberen Vestibüls ist. Dafür spricht, dass das Muster der Bohlen den Umriss des Gemäldes spiegelt.[19]

Beschreibung und Ikonographie

Das Gemälde zeigt die Begegnung von Flora und Zephyr auf Wolken. Hinzu kommt ein Putto mit Blumenstrauß. Es handelt sich um die Hochzeit der beiden Vegetationsgötter. Ihre Vereinigung ist der Beginn des Frühlings bzw. der Beginn des Goldenen Zeitalters.[20]

Der Hauptsaal (Marmorsaal)

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Saal wurde zwischen 1743 und 1746 erbaut. Er hat sich weitgehend unverändert erhalten, doch wurden einige ehemals in die Wand eingelassene Gemälde durch andere Stücke ersetzt.[21]

Beschreibung

Der zentrale Marmorsaal liegt im Mittelrisalit an der Südseite des Schlosses. Er wird vom Vorzimmer im Norden aus betreten und erschließt die übrigen Repräsentationsräume im Westen und Osten. Die Nordwest- und Nordostecke sind abgeschrägt und nehmen Kamine auf. Die Wände des Hauptsaals sind mit hellgrauem Stuckmarmor und ockerfarbenen Vorlagen versehen. In die Wand sind Gemälde eingelassen. Neben Gotter im Jagdgewand – die Jagd war ein landesherrliches Vorrecht – ist auch Lord Waldgrave gezeigt, dem Gotter einen hohen Lotteriegewinn verdankte und damit die Mittel, Molsdorf zu erwerben. In der zentralen Supraporte an der Nordwand ist eine Darstellung des Schlosses vor dem Umbau durch Gotter mit einem damals noch vorhandenen Turm zu sehen.[22]

Die Decke des Hauptsaals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde stammt vermutlich von Antoine Pesne und wurde zwischen 1744 und 1748 in Öl auf Putz ausgeführt.[23]

Beschreibung und Ikonographie

Die stuckierte Decke präsentiert in der Mitte ein Deckengemälde. Dieses zeigt die Göttin der Morgenröte Aurora auf ihrem Wagen, wie sie den lichten Tag ankündigt und die dunkle Nacht vertreibt. Blumenstreuend sitzt sie rechts im Bild auf ihrem vom zwei Schimmeln gezogenen Wagen und hält in der erhobenen Hand eine Fackel. Vor ihrem Wagen erkennt man die blumenstreuende Flora. Der Putto über der Gruppe mit einem Stern über dem Kopf verkörpert den Morgenstern. Ganz links im Bild zieht sich die Personifikation der Nacht zurück. Im Bildvordergrund lagern Zephyr und eine Allegorie des Morgentaus, den sie aus ihrem Krug herabschüttet. Der Deckenstuck ergänzt das Programm des Deckengemäldes mit vier Allegorien der Jahreszeiten.[24]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit des Deckenbildes ist vom Balkon her und nicht auf die Eintretenden ausgerichtet.

Das so genannte Silberne Kabinett

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Silberne Kabinett wurde zwischen 1743 und 1746 für Gustav Adolf von Gotter geschaffen. Es wurde auch Damenkabinett genannt aufgrund der zahlreichen, die Wandflächen bedeckenden Damenporträts. Sie gingen im 20. Jahrhundert weitgehend verloren.[25]

Beschreibung

Der Raum ist zwischen Hauptsaal und Bankettsaal gelegen. Ein Fenster im Süden gibt dem Raum Licht. In der Nordostecke steht ein Kamin. Sein Deckenstuck ist silbern gefasst. Die Wände werden von Täfelungen in einzelne Felder unterteilt. Die Flächen dazwischen oberhalb der Lambriszone sind heute mit silbernem Stoff bespannt, vor dem ehemals 35 Porträts von Damen hingen, die die Wand gleich einer Kassettierung bedeckten.[26]

Die Wandmalerei im Silbernen Kabinett

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Auf die vertäfelten Bereiche der Wand, die Lambris sowie die Türfüllungen wurden von Jakob Samuel Beck zwischen 1744 und 1745 polychrome Ölmalereien aufgebracht.

Beschreibung und Ikonographie

Die dekorative Malerei zeigt Schleifen, aufgehängte Festons oder Musikinstrumente, Masken und Blüten. Die mit Bändern umflochtenen Felder rahmten ursprünglich vermutlich Kerzenleuchter oder kleine Spiegel. Im Sockelbereich und an den Türblättern befinden sich gerahmte Stillleben. Sie zeigen ebenfalls Masken, Musikinstrumente und Blumen, aber auch Fächer oder Notenblätter. Die Laibung der Tür im Westen zieren Schmuckvasen auf Postamenten. Über den Postamenten hängen an Bändern befestigt Musikinstrumente und Blumen herab, an den Vasen auch Blumen und Masken.[27]

Der Bankettsaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Bankettsaal wurde zwischen 1736 und 1738 für Gustav Adolf von Gotter erbaut.

Beschreibung

Der Bankettsaal ist an der Südwestecke des Schlosses gelegen und verfügt über zwei Fenster nach Süden und drei Fenster nach Westen. An der Nordwand steht ein zentraler Kamin mit Spiegel. Der Saal wird in der Mitte von Osten durch das Silberne Kabinett erreicht. Im Norden schließt sich ein Büfettzimmer an. Es handelt sich um den größten Raum des Schlosses. Seine Wände sind mit Eichenholz vertäfelt, in die 33 Gemälde eingelassen sind. Es handelt sich um prominente Zeitgenossen – regierende Fürsten und Könige, Diplomaten und Feldherren – mit denen Gotter bekannt oder befreundet war. Zu sehen sind unter anderem Friedrich Wilhelm I., König in Preußen an der Stirnseite und Prinz Eugen von Savoyen an der westlichen Längsseite. Ihnen verdankte Gotter seine Erhebung in den Adelsstand sowie seine Aufnahme in den Schwarzen-Adler-Orden. In den Ecken des Raumes findet sich das Motto des Fröhlichen Eremitenordens „Vive la joie“, in dem Gotter Mitglied war. An der Decke werden direkt über der Voute Festszenen und Allegorien gezeigt. Das Hauptbild präsentiert die auf Wolken thronende Flora inmitten der olympischen Götter.[28]

Die in die Wände eingelassenen Gemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die in die Wand eingelassenen Porträts stammen von verschiedenen Künstlern oder sind Kopien aus der Zeit von 1738 bis 1778. Die Sammlung Gotters ist weitgehend erhalten, doch wurden später einige Gemälde ausgetauscht und seit 1895 nachweislich auch in der Anordnung verändert. So fehlt das Medaillonbildnis Friedrichs II. von Preußen über dem Kamin.[29]

Beschreibung und Ikonographie

Die in die Wände eingelassenen Porträts zeigen ausschließlich Personen, mit denen Gotter in Kontakt stand. Jedes Gemälde lässt sich einer konkreten Aktion Gotters zuordnen.[30] An der Westwand, auf die Eintretende zuerst schauen, finden sich zwischen den Fenstern links das Ganzfigurenporträt des Prinzen Eugen von Savoyen und rechts das des Fürsten Joseph Wenzel I. Lorenz von Liechtenstein. Rechts und links sind jeweils drei Brust- bzw. Hüftstücke übereinander angeordnet. Wendet sich der Blick nach rechts zur Nordwand, so erblickt man über dem Spiegel ein kleines Bruststück Friedrichs II. von Preußen. Über den beiden Türen zum Büfettzimmer befindet sich links ein Porträt des Herzogs Karl I. Alexander von Württemberg und rechts eines des Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau. Die Südwand gegenüber nimmt zwischen den Fenstern ein Ganzkörperporträt von König Friedrich Wilhelm I. in Preußen auf. An der Ostwand sind die Porträts wie Kassetten wandfüllend angeordnet. Rechts und links der zentralen Tür ist die Wand gleich gestaltet: In der Mitte sind in zwei Reihen übereinander jeweils vier Kniestücke platziert, die von je drei Brust- bzw. Hüftstücken übereinander flankiert werden. Die kleinen Formate sind teilweise beschriftet mit den Namen der Dargestellten.[31]

Die Decke des Bankettsaals

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke erhielt 1738 ihre Seccomalerei. Ausführender Künstler soll Peter Weingart gewesen sein.

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke öffnet sich direkt über der Wandvertäfelung mit einer Scheinarchitektur in der Voute. Putten scheinen hier Festons zu befestigen. In den Ecken sind Kartuschen mit Malerei eingelassen. An den Längsseiten ist die Architektur unterbrochen und man erblickt eine feiernde Gesellschaft, Komödianten und Musiker. An den Schmalseiten stehen in den Durchbrüchen Schmuckvasen. An der einen ist ein Relief mit einer Darstellung des Herkules angebracht, an der anderen das Wappen Gotters. Sie stehen für den gesellschaftlichen Aufstieg Gotters, der mit der Vergöttlichung des Herkules gleichgesetzt wird. Über den Vasen fliegt je ein Adler, der den Schwarzen-Adler-Orden bzw. den Alexander-Newsky-Orden präsentiert, die Gotter verliehen bekommen hatte. Die Deckenmitte wird von einem Ölgemälde in realem Holzrahmen eingenommen.[32]

Das Mittelbild
Flora inmitten der olympischen Götter

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Mittelbild wurde in Öl auf Leinwand 1739 durch Peter Weingart geschaffen.[33]

Beschreibung und Ikonographie

Am Himmel haben sich auf Wolken verschiedene Götter niedergelassen. Etwas rechts der Mitte sitzt Flora mit einem Füllhorn voll Blumen im Arm. Zwei Genien begleiten sie. Flora schaut nach rechts, wo sich ihr Ceres zuneigt, kenntlich durch die Korngarben. Auch sie belgeiten Genien. Links oben im Bild thront Apoll mit strahlendem Haupt und seiner linken Hand auf der Lyra. Zu ihm gehören zwei Putten. Unter Apoll erblickt man den Weingott Bacchus, der den Betrachtenden zuwinkt. Er wird begleitet von einer Bacchantin, die ein Füllhorn voller Weintrauben und anderer Früchte hält. Ein Putto hilft ihr beim Tragen. Links von Bacchus kann man Vulkan mit Hammer und Zange an einem Amboss schmieden sehen. Rechts unten haben sich ein Flussgott und Diana niedergelassen. Zwei weitere Gottheiten sind nicht zu identifizieren. Auch sie werden von Putti begleitet.[34]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Das Gemälde ist auf die Eingangstür ausgerichtet.

Die Eckbilder - Allegorien auf den Lohn des Fleißes

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Eckbilder wurden 1738 in Secco vermutlich durch Peter Weingart ausgeführt.

Beschreibung und Ikonographie

Die monochrom in Rot und Rosatönen gehaltenen Malereien versinnbildlichen den Erfolg des Fleißes. Ein Putto pflügt ein Feld, ein weiterer schreitet zu einem von ihm erlegten Hirsch. Ein dritter arbeitet in einem Garten mit Kübelpflanzen und ein vierter hat erfolgreich einen Fisch gefangen.

Das Büfettzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Büfettzimmer wurde zwischen 1736 und 1738 erbaut.

Beschreibung

Das Büfettzimmer schließt sich im Norden an den Bankettsaal an. Es handelte sich um einen Schauraum, in dem auch Porzellan präsentiert wurde. Es ist auch von Osten vom Oberen Vestibül aus zugänglich. Im Westen hat der schmale lange Raum ein Fenster. An seiner Südseite steht ein Kaminaufbau, an der Nordseite befindet sich eine Nische für das Aufstellen von Gegenständen.[35]

Die Malerei im Büfettzimmer

Die drei Supraporten sowie der scheinbare Kamin wurden zwischen 1744 und 1746 von Jakob Samuel Beck gemalt. Die Supraporten in Öl auf Leinwand zeigen Früchte- und Blumenstillleben. Eines wird durch zwei weiße Kaninchen belebt. Die Gemälde wurden offenbar ergänzt: Die Kaninchen sowie das Gemüse neben den Blumen sind spätere Hinzufügungen. Vor die scheinbare Kaminöffnung ist auf den Putz ein loderndes Feuer gemalt.[35]

Der Rote Salon

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der so genannte Rote Salon stammt aus der Zeit von 1736 bis 1738.

Beschreibung

Der Rote Salon befindet sich an der Südostecke des Schlosses. Er wird von Westen aus betreten und hat zwei Fenster nach Süden und zwei nach Osten. Die beiden Türen in der Nordwand beiderseits eines Kamins erschließen Kabinette. Die rote Wandbespannung, von der der Raum seinen Namen hat, stammt aus dem 19. Jahrhundert.[36]

Die Decke des Roten Salons -Triumph der Freien Künste

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde eines unbekannten Künstlers in Öl auf Putz stammt aus der Zeit von 1744 bis 1746. Die Decke selbst war ehemals reicher gestaltet mit einer arabeskenartigen Rahmung um das Gemälde.[37]

Beschreibung und Ikonographie

Das Bild zeigt die Allegorien der sieben freien Künste auf Wolken. Sie blicken nach oben, wo sich drei Putten und eine helle Lichtöffnung am Firmament befinden. Zwei der Putten schütten über ihnen aus einem Kelch Münzen, einen Lorbeerkranz, einen roten Hut und einen Kelch aus. Die dritte hält den Ring der Ewigkeit und einen Ölzweig in Händen. Unter den Tugenden kann man die Missgunst und die Frömmelei sehen, die in die Tiefe verbannt sind.[38]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Das Gemälde ist auf die Eingangstür ausgerichtet.

Das so genannte Marmorierte Kabinett

Medaillon mit antikisierender Büste

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Marmorierte Kabinett stammt aus der Zeit von 1736 bis 1738 und wurde 1743 bis 1746 umgestaltet. Den Stuck schuf Johann Baptist Pedrozzi.

Beschreibung

Das Marmorierte Kabinett folgt auf den Roten Salon. Es hat ein Fenster nach Osten. Nach Westen schließt sich das so genannte Kabinett der Weisen an, im Norden das ehemalige Gobelinzimmer. Die Ausstattung des Raums ist bis auf eine Supraporte verloren. Sie präsentiert ein Medaillon mit einer Imperatorenbüste, auf einem Kissen ruhend und mit Blumen geschmückt. Die ursprüngliche Bildausstattung bestand fast ausschließlich aus Porträts der kaiserlichen Familie.[39]

Die Decke im Marmorierten Kabinett

Die Decke im Marmorierten Kabinett - Putten mit Bauplan

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde ist zwischen 1743 und 1746 in Öl auf Putz ausgeführt worden.

Beschreibung und Ikonographie

Zwei Putten haben ein rotes und ein blaues Tuch auf einer Wolke ausgebreitet, auf denen sie sich niedergelassen haben. Sie betrachten einen Bauplan von Schloss Molsdorf. Im Hintergrund links ist eine Palette zu erkennen. Eine dritte Putte fliegt oben links im Rankenwerk, das die Malerei links, oben und rechts umringt. Sie bringt zwei Ehrenkränze für die Putten auf den Decken herbei.[40]

Der hofseitige Flur im Ostflügel und das so genannte Kabinett der Weisen

Medaillon mit antikisierender Büste

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Kabinett der Weisen stammt aus der Zeit von 1736 bis 1738 und wurde zwischen 1743 und 1746 umgestaltet. Der Stuck stammt von Johann Baptist Pedrozzi.

Beschreibung

Der kleine Raum ist an der Hofseite gelegen und erhält durch zwei Fenster Licht. Im Süden führt eine Tür zum Roten Salon, im Osten zum Marmorierten Kabinett. Nach Norden schließt sich ein Flur an. Nur die Decke des Raums ist erhalten sowie eine Supraporte. Sie präsentiert ein Medaillon mit einer Imperatorenbüste, auf einem Kissen ruhend und mit Blumen geschmückt.[41]

Die Deckenmalerei im Kabinett der Weisen

Die Deckenmalerei - musizierende Putten

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke stammt aus der Zeit von 1743 bis 1746. Das Deckenbild wurde mit Ölfarbe direkt auf den Putz gemalt.

Beschreibung und Ikonographie

Das Deckenbild zeigt drei Putten. Zwei haben ein rotes und ein blaues Tuch auf einer Wolke ausgebreitet, auf denen sie sich niedergelassen haben. Einer von ihnen spielt Flöte während der andere in ein aufgeschlagenes Notenbuch zeigt. Eine dritte Putte fliegt oben rechts im Rankenwerk, das die Malerei links, oben und rechts umringt. Sie bringt zwei Ehrenkränze für die Putten auf den Decken herbei.[42]

Die so genannte Weiße Stube

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die so genannte Weiße Stube befindet sich in jenem Bauteil, der noch aus der Renaissance stammt. Sie selbst entstand in der Zeit von 1736 bis 1738 und wurde bereits zwischen 1743 und 1746 umgestaltet.[43]

Beschreibung

Die Weiße Stube ist im Nordflügel gelegen und öffnet sich mit zwei Fenstern zum ehemaligen Hof. Sie wird von Süden aus betreten. Im Westen schließt sich das so genannte Grüne Blumenzimmer an. Die Wände des weiß gefassten Raums waren ehemals komplett mit Gemälden vertäfelt.[44]

Die Malerei in der Weißen Stube

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die in die Wand eingelassenen Gemälde wurden überwiegend von Jacob Samuel Beck zwischen 1744 und 1746 in Öl auf Holz oder Leinwand gemalt. Sie sind nur zum Teil erhalten.[45]

Beschreibung und Ikonographie

Es gab zwei Arten von Malerei. Zum einen wurden 22 Porträts von Gotters persönlichen Wiener Bekannten präsentiert, zum anderen Blumenstücke. Die Porträts auf Leinwand – Brust und Hüftstücke – befanden sich in der oberen Wandzone. Kleinere Formate waren übereinander angeordnet. Die verbliebenen Flächen nahmen die Blumenstücke auf Holz ein, die auch die Lambris zierten sowie die Türfüllungen. Auf goldbronzenem Fond sind die Blumen in kräftigen Farben gemalt und hängen scheinbar an einem farbigen Band oder auch an zweien.[46]

Das so genannte Grüne Blumenzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Grüne Blumenzimmer befindet sich in jenem Bauteil, der noch aus der Renaissance stammt. Der Raum selbst entstand in der Zeit von 1736 bis 1738. Er wurde bereits zwischen 1743 und 1746 umgestaltet und im 20. Jahrhundert stark verändert.[47]

Beschreibung

Das Grüne Blumenzimmer ist hinter dem turmartigen westlichen Risalit der Nordseite gelegen. Es wird von Osten aus der Weißen Stube betreten. Im Osten schließt sich ein Zimmer für den Kammerdiener an. Eine weitere Tür führt auf das Treppenhaus. Das Grüne Blumenzimmer diente als Schlafzimmer, und der Alkoven befand sich im Risalit, sodass der Raum selbst sehr dunkel war. Der Raum war komplett vertäfelt. In die Wände waren Gemälde und Spiegel eingelassen. Die Möbel waren entsprechend den Wänden bemalt.[48]

Die Wandmalerei im Grünen Blumenzimmer

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalerei stammt von Jacob Samuel Beck und wurde zwischen 1744 und 1746 ausgeführt. Die Malerei ist nur teilweise überkommen.[49]

Beschreibung und Ikonographie

Die dominierende Farbe des Raumes war Grün. Rahmungen, Scheinarchitekturen und gemalte Gegenstände waren in verschiedenen Grüntönen gehalten. Während die Lambris Blumenstücke und Tierdarstellungen aufnahm, waren in der Wandzone oberhalb unter anderem vier Prunkvasen mit bunten Blumen auf Sockeln zu sehen. An den Sockeln befanden sich scheinbar vier graue Reliefs, die die vier Jahreszeiten allegorisierten.[50]

Die Deckenmalerei im Grünen Blumenzimmer

Jubilierende Putten

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckenmalerei stammt vermutlich von Jacob Samuel Beck und wurde zwischen 1744 und 1746 ausgeführt. Die Malerei ist nur teilweise überkommen.[12]

Beschreibung und Ikonographie

Erhalten hat sich ein in die Decke eingelassenes Bild, das jubilierende Putten zeigt.

Deckenmalerei und Wandmalerei: Synthese

Die Deckenmalerei sowie die malerische Ausstattung in Schloss Molsdorf können als beispielhaft für Bildprogramme von Aufsteigern angesehen werden. Offensiv präsentierte Gustav Adolf von Gotter sein Netzwerk. Vor allem im Bankettsaal und in der Weißen Stube geschieht dies augenfällig mit Porträts. Gotter vergaß dabei nicht, wem er zu Dank verpflichtet war, was etwa im Hauptsaal deutlich wird im Gemälde von Lord Waldgrave, aber ebenso im Bankettsaal. Auch die Deckenmalerei spielt häufig auf seinen Aufstieg an. Besonders deutlich zeigt sich dieser Aspekt im Bankettsaal in den Eckenfeldern der Decke, die den Lohn des Fleißes zum Inhalt haben. Und mit der Abbildung seines Wappens auf der einen Vase und einer Darstellung des Herkules auf der anderen Vase setzt sich Gotter mit dem Heroen gleich. So, wie Herkules in selbstlosem Tun die Welt verbesserte und der Menschheit half, so war Gotter selbstlos als Diplomat für seine Auftraggeber tätig. Und so, wie Herkules vergöttlicht und in den Kreis der Götter aufgenommen wurde, erfuhr auch Gotter eine Rangerhöhung in den Kreis des Adels.

Die Deckengemälde selbst argumentieren nicht so offensichtlich. Es ist jedoch auffallend, dass nahezu das gesamte Programm ein heiteres ist, das oft einen Neuanfang zum Thema hat. So stehen die Darstellungen der Flora und der Aurora für einen Aufbruch zu etwas Besserem, nämlich für den Wachstum nach dem Winter (Flora) oder hellen Tagesanbruch nach der Dunkelheit der Nacht (Aurora). An der Treppenhausdecke verweist der Morgenstern ebenfalls auf den kommenden lichten Tag. Dieser Neubeginn kann als Aufstieg zu einer besseren Welt verstanden werden. Gotter trägt mit seinem Handeln persönlich zu dieser Verbesserung bei und erfährt zugleich im Sinne der ständischen Gesellschaft selbst eine Verbesserung. Diese bessere Welt kann man partiell im Hauptgeschoss von Schloss Molsdorf erfahren. Der Bankettsaal ist unter das Motto „Vive la joie“ gestellt, heitere Putten zechen, musizieren oder betrachten den Bauplan von Molsdorf. Die Künste gedeihen hier. Missgunst und Frömmelei haben keinen Platz im Schloss.

Die Wandgemälde im Erdgeschoss aus Christianenzell und Schloss Ebersdorf

Die aus den Schlössern Christianenzell und Ebersdorf nach Molsdorf translozierte Wandmalereien werden dort beschrieben.

Bad Lobenstein, Witwensitz Christianenzell:

https://www.deckenmalerei.eu/fa51d7c3-cecd-4e49-bcb6-4cdb474f90cd

Ebersdorf, Residenzschloss:

https://www.deckenmalerei.eu/118d4a27-e6de-4212-a5ef-b4be61a20151

Bibliographie

  • Literatur:
  • Behrends, Miscellaneen, 2016. – Behrends, Rainer: Miscellaneen zu Werken Jacob Samuel Becks, in: Taschitzki, Thomas von/Schierz, Kai Uwe (Hrsg.): Jacob Samuel Beck (1715-1778). Zum 300. Geburtstag des Erfurter Malers. Dresden/Erfurt 2016, S. 122-139.
  • Bohrloch, Rekonstruktion, 2011. – Bohrloch, Annette: Grenzfall Rekonstruktion. Zur Bewahrung von Originalbestand? Die Wiederherstellung der Wohnräume des Grafen Gotter im Schloss Molsdorf, in: Das Kunstwerk in der Residenz. Grenzen und Möglichkeiten der Präsentation höfischer Kultur (Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 14). Regensburg 2011, S. 270-284.
  • Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. München/Berlin 2003.
  • Laß, Molsdorf, 2007. – Laß, Heiko: Schloss Molsdorf mit Park. „Vive la joie“, in: Paulus, Helmut-Eberhard (Hrsg.): Höfische Kostbarkeiten in Thüringen. Historische Anlagen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (Große Kunstführer der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 3). Regensburg 2007, S. 146-151.
  • Möller, Krohne, 1956. – Möller, Hans Herbert: Gottfried Heinrich Krohne und die Baukunst des 18. Jahrhunderts in Thüringen. Berlin 1956.
  • Opitz, Molsdorf, 2019. – Opitz, Silke: Les belles dames de Molsdorf. Das Damenkabinett im Schloss Molsdorf des Grafen Gotter, in: Fischer, Doris/Rott, Susanne (Hrsg.): Hippomanie am Hofe (Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 22). Petersberg 2019, S. 174-197.
  • Opitz, Schloss, 2020. – Opitz, Silke: Im Schloss des Grafen Gotter. Das historische Inventar von Schloss Molsdorf und die Fotokampagnen des Erfurter Atelier Bissiniger, in: Fürstliche Feste. Höfische Festkultur zwischen Zeremoniell und Amüsement (Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 23). Petersberg 2020, S. 225-258.
  • Paulus, Molsdorf, 2010. – Paulus, Helmut-Eberhard: Graf Gotters Schloss der Aufklärung. Zur philosophischen Dimension von Raumprogramm und Ikonologie des Schlosses Molsdorf, in: Historisches Erbe sichert Identität. Beispiele aus Thüringen vor und nach dem Mauerfall (Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 13). Regensburg 2010, S. 107-147.
  • Paulus, Molsdorf, 2012. – Paulus, Helmut-Eberhard: Schloss und Garten Molsdorf. Graf Gotters Residenz der Aufklärung (Große Kunstführer der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 4). Regensburg 2012.
  • Taschitzki/Schierz, Beck, 2016. – Taschitzki, Thomas von/Schierz, Kai Uwe (Hrsg.): Jacob Samuel Beck (1715-1778). Zum 300. Geburtstag des Erfurter Malers. Dresden/Erfurt 2016.
  • Ulferts, Säle, 2000. – Ulferts, Edith: Große Säle des Barock. Die Residenzen in Thüringen. Petersberg 2000.
  • Archivalien
  • TLDA, 51.026-0003, Molsdorf. – Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [51.026-0003]. Erfurt, OT Molsdorf, Schloß und Park.

Einzelnachweise

  1. Paulus, Molsdorf, 2012; Laß, Molsdorf, 2007, S. 147-151; Dehio, Thüringen, 2003, S. 826-830; Ulferts, Säle, 2000, S. 89-97; Möller, Krohne, 1956, S. 139-140, 222-223.
  2. Opitz, Schloss, 2020, S. 225-226; Paulus, Molsdorf, 2012, S. 24-45; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 115-122; Laß, Molsdorf, 2007, S. 148-149; Dehio, Thüringen, 2003, S. 826-827. TLDA, 51.026-0003, Molsdorf, Bd. II., 1960-1966.
  3. Paulus, Molsdorf, 2010, S. 113-115.
  4. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 46-104; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 119-122; Laß, Molsdorf, 2007, S. 148-151; Dehio, Thüringen, 2003, S. 827-828.
  5. Paulus, Molsdorf, 2012.
  6. Opitz, Schloss, 2020; Opitz, Molsdorf, 2019.
  7. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 59-62; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 126-127.
  8. Opitz, Schloss, 2020, S. 231. TLDA, 51.026-0003, Molsdorf, Bd. II., 1960-1966; TLDA, 51.026-0003, Molsdorf, Bd. III., 1967-1990.
  9. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 61; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 126.
  10. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 62; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 127.
  11. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 62; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 121.
  12. 12,0 12,1 Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  13. Paulus, Molsdorf, 2010, S. 121.
  14. Opitz, Schloss, 2020, S. 232-234; Paulus, Molsdorf, 2012, S. 63; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 121, 127, 129.
  15. Behrends, Miscellaneen, 2016, S. 136-137.
  16. Behrends, Miscellaneen, 2016, S. 136-137; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  17. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 62-64; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 127-129.
  18. Paulus, Molsdorf, 2010, S. 129.
  19. Paulus, Molsdorf, 2010, S. 128.
  20. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 63; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 129.
  21. Opitz, Schloss, 2020, S. 236-238; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 122.
  22. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 64-72; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 129-132; Laß, Molsdorf, 2007, S. 149; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  23. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 65, 70-71; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 130; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  24. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 65, 70-71; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 130-131; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  25. Opitz, Molsdorf, 2019; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 136-137.
  26. Opitz, Schloss, 2020, S. 235-236; Opitz, Molsdorf, 2019; Paulus, Molsdorf, 2012, S. 88-89; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 137; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  27. Behrends, Miscellaneen, 2016, S. 132-135; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 137; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  28. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 72-78; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 132-134; Laß, Molsdorf, 2007, S. 148-149; Dehio, Thüringen, 2003, S. 826; Ulferts, Säle, 2000, S. 90-96.
  29. Opitz, Schloss, 2020, S. 234-235. TLDA, 51.026-0003, Molsdorf, Bd. II., 1960-1966.
  30. Paulus, Molsdorf, 2010, S. 134.
  31. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 73, 78; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 133; Laß, Molsdorf, 2007; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829, 148-149; Ulferts, Säle, 2000, S. 90-93. TLDA, 51.026-0003, Molsdorf, Bd. II., 1960-1966.
  32. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 72-73; Dehio, Thüringen, 2003, S. 826; Ulferts, Säle, 2000, S. 94-95.
  33. Paulus, Molsdorf, 2010, S. 133; Dehio, Thüringen, 2003, S. 826.
  34. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 72-73; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 132; Dehio, Thüringen, 2003, S. 826; Ulferts, Säle, 2000, S. 95-96.
  35. 35,0 35,1 Paulus, Molsdorf, 2012, S. 89; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 138.
  36. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 78-83; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 134-135.
  37. Opitz, Schloss, 2020, S. 240-242.
  38. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 78-79, 85; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 134; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  39. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 85-86; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 136.
  40. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 85; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 136.
  41. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 86-88; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 136.
  42. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 87; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 136.
  43. Bohrloch, Rekonstruktion, 2011, S. 270; Dehio, Thüringen, 2003, S. 828.
  44. Opitz, Schloss, 2020, S. 244-246; Paulus, Molsdorf, 2012, S. 94.
  45. Opitz, Schloss, 2020, S. 244-246; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  46. Opitz, Schloss, 2020, S. 244-246; Behrends, Miscellaneen, 2016, S. 135; Paulus, Molsdorf, 2012, S. 94; Bohrloch, Rekonstruktion, 2011, S. 270-271; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 138-139.
  47. Paulus, Molsdorf, 2010, S. 139; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  48. Opitz, Schloss, 2020, S. 246; Paulus, Molsdorf, 2012, S. 94-96; Paulus, Molsdorf, 2010, S. 139; Dehio, Thüringen, 2003, S. 829.
  49. TLDA, 51.026-0003, Molsdorf, Bd. III., 1967-1990.
  50. Paulus, Molsdorf, 2012, S. 94-96; Taschitzki/Schierz, Beck, 2016, S. 249. TLDA, 51.026-0003, Molsdorf, Bd. III., 1967-1990.