Ellwangen, Schwarzer Adler, Thurn und Taxissche Posthalterei
Inventarnummer: cbdd20105
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Das Fresko geht auf eine Vorlage von Johann Evangelist Holzer zurück, die Johann Nepomuk Nieberlein um 1770 mit Bacchus für den Weinausschank, Ledas Schwan für die nächtliche Verführung und Merkur mit Spielkarten und Posthorn den Funktionen eines Gasthauses mit Posthalterei angepasst hat.

Geschichte und Beschreibung der Posthalterei
Ellwangen am Kreuzungspunkt der Postrouten
Ellwangen lag seit 1616 bis 1803 am Reichspostcours der Route Stuttgart–Nürnberg[1], der sich seit 1731 in Ellwangen mit dem Reichspostcours Heilbronn–Augsburg kreuzte.[1] 1709 kam der württembergische Landkutschencours von Stuttgart nach Nürnberg hinzu, der ebenfalls vom Kreuzungspunkt Ellwangen aus zusätzliche Nebenroten bediente. Der württembergische Landkutschencours verlief damals von Stuttgart über Beutelsbach oder Heppach – Schorndorf – Gmünd – Ellwangen – Schwabach nach Nürnberg.[2]
Der ehemalige Thurn und Taxissche Postgasthofs zum Schwarzen Adler
Das 1555 erstmals erwähnte Gebäude wurde möglicherweise bereits 1638, nachweislich jedoch 1681 als Wirtschaft „Zum Schwarzen Adler“ bezeichnet.[3] Seine Lage am Zusammentreffen der vom südlichen Stadttor kommenden Langen Straße, der heutigen Marienstraße, mit der ringförmig um den Marktplatz als innerem Stadtkern verlaufenden Schmid- und Spitalstraße begünstigte die Unterbringung einer Poststation mit Pferdestallungen,[4] die allerdings erst 1731 erfolgte. Da sich zudem die leicht verschobene Kreuzung vor dem Gebäude zu einem kleinen Platz ausweitete, konnten dort Postwägen, Kutschen und Fuhrwerke bequem anhalten.
Laut Franz Boxler, der seinen Aufsatz zur Postgeschichte Ellwangens zwar ohne Anmerkungen publizierte, aber dennoch auf Quellen basierte, kaufte Joseph Maisch (1683–1762), der schon seit 1708 als Gehilfe in Ellwangen die Postgeschäfte der Thurn und Taxis versah, am 30. August 1731 von Anton Osterrieder „die Würthschaft zum schwarzen Adler“.[5] Der Preis betrug 3100 Gulden, zu deren Tilgung Maisch sein bisheriges Haus in der Goldschmiedgasse 1 für 800 Gulden in Zahlung geben konnte.[6] Gemäß dem Kaufvertrag zahlte er 600 Gulden bar, 1000 Gulden bleiben gegen 4% Zins stehen und den Rest von 700 Gulden zahlte Maisch in Jahresraten von 75 Gulden ab.[6] 1753 wird Maisch in einer erhalten gebliebenen Steuerbeschreibung als Schwarzadlerwirt und Postverwalter geführt.[7]
Der Erwerb des Gasthofs durch Joseph Maisch 1731 und die damit einhergehende Transferierung der kaiserlichen Thurn und Taxisschen Poststation in das Gebäude am Zusammentreffen von Langer Straße, Schmid- und Spitalstraße dürften Umbauten und Modernisierungen nach sich gezogen zu haben. Imke Ritzmann führt in ihrer Untersuchung zu den ländlichen Gasthöfen in Oberschwaben Räumlichkeiten an, die eine Posthalterei erforderte.[8] Zu ihnen gehörten ausreichend Stallungen für die Pferde, Remisen für die Postkutschen, Lagerräume und die Geschäftsstube des Posthalters.[9] Die Minimalausrüstung bestand aus sechs Pferden und zwei gedeckten Kaleschen.[10] Für den Unterhalt der Poststation war der jeweilige Posthalter zuständig.[11]
Joseph Maisch besaß, einer Erhebung von 1743 zufolge, über 30 Ställe, die zum Teil im Erdgeschoss seines Hauses untergebracht waren.[12] Auch die Fassade des Gasthofs scheint unter seiner Ägide ein neues Gesicht bekommen zu haben, da die heutige barocke Gliederung durchaus bald nach 1731 entstanden sein könnte.
Joseph Maisch hatte das Amt bis 1763 inne. Sein Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Christoph Bernhard Purmann, der am 21. August 1763 zum Postverwalter in Ellwangen ernannt und am 23. August in Schloss Trugenhofen bei Dischingen auf den Fürsten Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis vereidigt wurde.[13] Im Hinblick auf das zu besprechende Deckengemälde, das auf eine Augsburger graphische Vorlage zurückgeht, ist der Sachverhalt von Interesse, dass Purmann vor Amtsantritt während eines Monats in Augsburg eingelernt wurde.[13] Purmann starb 1786.[14]
Fassadendekoration des 19. Jahrhunderts von Hans von Kolb
1895 erhielt die Fassade durch den Direktor der Stuttgarter Kunstgewerbeschule, Hans von Kolb (1845–1928), eine späthistoristische Bemalung. Seine Signatur „H Kolb 1895“ hinterließ der Maler im zweiten Obergeschoss im Sockel einer das rechte äußere Fenster links flankierenden Vase. Das Bildprogramm der reich mit Rollwerk und Akanthus ornamentierten Dekoration bezieht auf die Doppelfunktion des Hauses als Gasthaus und Posthalterei.[15]
Als spätere Besitzer und auch(?) Auftraggeber der Fassadenmalerei wird das Wirtshausehepaar Julius und Maria Zimmerle genannt.[16] 1907 würdigte Eugen Gradmann das Gebäude im Band der Kunst- und Altertumsdenkmale: „Die alte Post zum schwarzen Adler, einst Goethe’s Herberge: Giebelbau in Spätrenaissance. Im Stiegenhaus ein Deckenfresko. Moderne Fassadenmalerei.“[17]
Beschreibung
Der Gasthof erhebt sich als Eckgebäude auf einer längsrechteckigen Grundfläche, die sich nach Osten zur Fassade hin leicht verbreitert. Die großen Räume liegen zur Fassade, vor der sich die leicht verzogene Straßenkreuzung zu einem kleinen Platz weitet. Das Treppenhaus mit seinem barocken Deckengemälde befindet sich in der Tiefe des Gebäudes, wo es mit der Schmalseite an die enge Postgasse grenzt.
Beim Zugang von der Postgasse handelt es sich lediglich um einen Nebeneingang, sodass das Treppenhaus ursprünglich höchstwahrscheinlich über das Hauptportal der Fassade erschlossen wurde. Von dort führte ein Gang in die Tiefe des Gebäudes zum Treppenhaus. Ein weiterer Gang, ebenfalls in der Achse des Hauptportals, führte von der Rückseite des Gebäudes zum Treppenhaus.
Die fünfachsige Ostfassade ist in den beiden äußeren Achsen dreigeschossig, in den mittleren drei Achsen viergeschossig mit einem geschweiften Rundbogengiebelaufsatz. Über einem gebänderten, mehrfach verkröpften Sockel beginnt in den beiden äußeren Achsen eine kolossale Pilastergliederung ionischer Ordnung mit konkav eingezogenen Kapitelldeckplatten. Die mittleren drei Achsen werden durch das barocke Hauptportal mit segmentbogenförmiger Öffnung und einer toskanischen Pilasterädikula mit geschweiftem Tympanon akzentuiert. Insgesamt scheint die Fassadengliederung des in der Renaissance errichteten Gebäudes in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden zu sein,[18] wobei das Sockelgeschoss Veränderungen des 19. Jahrhunderts vermuten lässt.
Das Treppenhaus des 18. Jahrhunderts
Das Treppenhaus mit längsrechteckigem, an den Schmalseiten abgerundeten Treppenauge liegt im Gebäudeinneren, erhält jedoch an seiner nördlichen Schmalseite von der engen Postgasse über eine Fensterachse etwas Licht. Der Wandstuck im Stil des Rokoko wurde im 19. Jahrhundert hinzugefügt. [19] Das Geländer mit geschnitzten Rokoko-Brettbalustern könnte um 1750 entstanden sein.
Der Plafond folgt in seinem Verlauf der Dachschräge. Zusammen mit dem nachträglich eingebrachten Velux-Fenster lässt er einen barocken Eindruck vermissen. Es ist jedoch gut möglich, dass das Deckengemälde, dessen Protagonisten mit ihren Wolkenbänken jetzt rahmenlos von einem einheitlich blauen Hintergrund schweben, ursprünglich in irgendeiner Form ornamental eingefasst war. [20] Die Komposition könnte in einen geschweiften rautenförmigen Rahmen eingeschrieben gewesen sein.
Während des Zweiten Weltkrieges erlitt das Gebäude Schäden am Dach, die auch das Deckengemälde im Treppenhaus betrafen. 1964 erfolgte die Restaurierung des vorher teilweise übermalten Deckengemäldes durch den Kunstmaler Eckert. [21] Zuletzt wurde es 2017 durch Restauratorin Martina Fischer, Mutlangen, konserviert. [22]
Trinkgelage der von Ganymed bedienten Planetengötter nebst Bacchus
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Jerem. Esaias Nilson nach Joh. Evangelist Holzer, Trinkgelage der Planetengötter
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Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde galt bislang als Versammlung der olympischen Götter, [23] lässt sich jedoch als Trinkgelage der vom olympischen Mundschenk Ganymed bedienten Planetengötter nebst Bacchus präzisieren. Die Konzentration auf die Planetengötter lässt sich daran erkennen, dass Juno fehlt. Sie war zwar Jupiters Gemahlin, aber keine der sieben Planetengottheiten. Durch die Konzentration auf die Planetengötter bekommt das Gemälde eine kosmische, stärker auf den Menschen bezogene Dimension, da dieser nach damaligem Dafürhalten in seinem Handeln von den Planeten beeinflusst wurde. Lediglich der Weingott Bacchus schert aus, der nicht zu den Planetengöttern gehörte, dafür jedoch den Weinausschank des Gasthauses bewarb.
Im Zentrum des Deckengemäldes sitzt Apoll als Sonnengott auf einer Wolkenbank mit Jupiter zu seiner Rechten und Diana zu seiner Linken. Jupiter ist außer durch seine Zackenkrone durch einen auffliegenden Schwan charakterisiert. Er spielt auf seine Liebschaft mit der Königstochter Leda an, für deren Verführung er sich in einen Schwan verwandelt hatte. Diana trägt ein weißes Gewand und eine Mondsichel im Haar. Als Zeichen ihrer Wasseraffinität gießt sie Wasser aus einem Fass, was als Ikonographie des Morgentaus üblicherweise Aurora als Göttin der Morgenröte auszeichnet.
Über Apoll fliegt ein Putto mit einem Sternenreif, der als strahlende Sterne sieben der 12 Tierkreiszeichen aufnimmt. Die sieben Tierkreiszeichen entsprechen jedoch nicht ganz den dargestellten Planetengottheiten. Beispielsweise ist das Sternzeichen der Fische Neptun zugeordnet. Dennoch betont der Zodiakus einmal mehr die kosmische Dimension des Gemäldes.
Unter der Dreiergruppe von Apoll, Jupiter und Diana sitzen im Halbkreis auf weiteren Wolkenbänken Saturn mit Sense, Bacchus mit Thyrsosstab, Obstkorb und Weinfass, Mars mit Rüstung, Bart, Helm und rotem Mantel, Venus in einem ungewöhnlich hochgeschlossenen Gewand mit ihrem Sohn Amor. Unter Bacchus und Mars schwebt Merkur, der als Götterbote in ein Posthorn bläst und ein Blatt Spielkarten in seiner linken Hand hält. Neben Merkur sitzt Ganymed, den Jupiter nach einer Liebschaft zum göttlichen Mundschenk erhoben hatte.
Gasthaus und Posthalterei im Deckengemälde
Neben ihren etablierten Attributen halten einige der Planetengötter ein Trinkgefäß in den Händen. Apoll schaut verzückt auf ein Weinglas in seiner Rechten, während er sich mit der Linken auf seine Lyra stützt. Saturn umgreift einen zünftigen Humpen Bier, Mars den Hals einer bauchigen Weinflasche aus grünem Glas. Venus trinkt aus einer Schale, die sie sich selbst aus dem Krug neben sich befüllt zu haben scheint. Amor bedrängt sie als wollte er ebenfalls von dem Getränk kosten, dessen Krug Venus jedoch hinter ihrem Rücken in Sicherheit zu bringen versucht. Ganymed trägt eine Kaffeekanne und eine Teetasse.
Ganymed und die genussvoll trinkenden Planetengötter verweisen auf die die Gasthausfunktion des Hauses. Merkur überhöht als Götterbote mit Posthorn die Posthalterei. Seine Spielkarten bezeichnen den abendlichen Zeitvertreib im Wirtshaus. Jupiter mit Ledas Schwan könnte lockere Liebschaften versprechen, zumal der Maler dezidiert die begehrlich vorschnellende Zunge des Schwans festgehalten hat. Das im Ellwanger Treppenhaus zum Zuge gekommene Programm ist einfach, doch überaus originell und in mehrfacher Hinsicht passend zur Funktion des Gebäudes. Die Figuren sind allerdings versatzstückhaft und teilweise ungeschickt gemalt, sodass die geistreiche Bildidee von einer graphischen Vorlage inspiriert sein dürfte.
Graphische Vorlage von Johann Evangelist Holzer
Die graphische Vorlage, der der Ellwanger Künstler die Bildidee der trinkenden Planetengötter entnahm, stammte von dem jung verstorbenen, in Augsburg ansässigen Maler Johann Evangelist Holzer (1709–1740). Holzer hatte in den Jahren 1732–1733 für das Augsburger Gasthaus „Drei Kronen“ in der Frauentorstraße eine Fassadendekoration geschaffen, die Johannes Esaias Nilson (1721–1788) posthum als Radierung herausgab. [24] Das Geschehen, das auf der Vorlage in lateinischer Sprache als „Convivium Deorum, quibus septem Planetarium Nomen, cum Potu singulis proprio“ beschrieben wurde, also als Gelage der sieben Planetengötter, bei dem jeder sein ihm eigenes Getränk trinke, diente dem Ellwanger Künstler als Grundlage. Mithilfe einiger Abwandlungen passte er sie nicht nur dem Format des dortigen Plafonds, sondern auch der speziellen Funktion des Hauses als Gasthof mit Posthalterei an.
Auf der Legende überliefert Nilson die Zuordnung der einzelnen Getränke zu den Planetengottheiten. Der langsame Saturn labte sich an frischem Bier, Jupiter als Göttervater trank Met, Mars als feuriger Kriegsgott schenkte sich Brandwein ein, Apoll als Sonnengott genoss den Wein, Venus spendete Milch, der schnelle Merkur brachte die damals neu in Mode gekommenen Heißgetränke Tee und Kaffee herbei und Diana als wasseraffine Mondgöttin goss Wasser aus.
Die Abwandlungen als Werbung der Gasthausfreuden
Auch bei Holzer sitzt der von der Sonne hinterstrahlte Apoll im Zentrum. Er hält ein gefülltes Weinglas, doch fehlt ihm im Verhältnis zu Ellwangen die Lyra. Jupiter, ebenfalls zu seiner Rechten, wird von seinem Adler begleitet, sodass man den Schwan der Leda in Ellwangen als frei hinzuerfundenen erotischen Akzent interpretieren darf. Jupiter trinkt seinen Met aus einer bauchig kannelierten Schale, die in Ellwangen ebenso fehlt wie die Spielkarte, die Jupiter auf Nilsons Radierung in der linken Hand hält. Diana steht auf der Radierung ebenfalls am linken Bildrand, doch gießt sie das Wasser nicht als Morgentau wie Aurora auf die Erde, sondern als Getränk in einen Kelch. Venus mit dem blinden Amor an der Brust und einer Taube im Schoß wendet sich ihr mit ihrer offenbar mit Milch gefüllten Trinkschale zu.
Saturn mit Sense und Bierhumpen, Mars mit (Brand)Weinflasche und zusätzlichem Weinglas entsprechen weitgehend dem Ellwanger Deckengemälde. Neu gefasst wurde in Ellwangen der Götterbote Merkur, der bei Holzer als Rückenfigur mit Teetasse und Kaffeekanne am unteren Bildrand lagert, in Ellwangen jedoch dynamisch in das Posthorn bläst und dem Betrachter ein Blatt Spielkarten vor Augen hält. Ganymed ist bei Holzer nicht vertreten, doch hat der Ellwanger Künstler ihn dazu auserkoren die exotischen Heißgetränke des mit Posthorn und Spielkarten schon ausgelasteten Merkur bereitzuhalten. Hinzuerfunden hat der Ellwanger Künstler auch den Weingott Bacchus, der oben bereits als Aushängeschild des Weinausschanks identifiziert wurde.
Offenbar wollte der Ellwanger Künstler die spezifischen Funktionen des Hauses, als da wären der Weinausschank (Bacchus), das Kartenspiel und die Postzustellung sowie die mögliche nächtliche Verführung (Leda), in besonderer Weise schildern. Er hat sie deshalb in sein von Johann Evangelist Holzer inspiriertes Deckengemälde der trinkenden Planetengötter mitaufgenommen. [25]
Zur Maltechnik
Das Deckengemälde weist nach Auskunft der Restauratorin Martina Fischer so starke malerische Überarbeitungen auf, dass über die ursprüngliche Maltechnik und die Qualität der Malerei kaum mehr Aussagen getroffen werden können. [26] Dennoch geht Fischer aufgrund des pastosen Farbauftrags von einem Fresko auf, bei dem sie allerdings weder Putzgrenzen noch Vorritzungen feststellen konnte. [27] Die originale Malerei ist nur noch partiell unter lasierender bis deckender Übermalung zu erahnen. [27]
Fragen zur Datierung und die wahrscheinliche Urheberschaft von Johann Nepomuk Nieberlein
Nilsons Radierung nach Johann Evangelist Holzer, die dem Ellwanger Maler als Vorlage diente, ist nicht datiert. Eine umfassende Veröffentlichung von Holzers Fassadenmalereien und Deckengemälden als nummerierte Radierungen lieferte Nilson erst anlässlich von Holzers 30. Todestag, also im Jahr 1770 in Augsburg. [28] Das Blatt des Trinkgelages wird von Doris Hafner jedoch schon etwas früher um 1765 angesetzt.[29]
Zum damaligen Wirt und Postverwalter Christoph Bernhard Purmann, der allein oder zusammen mit seinem Dienstherrn Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis (reg. 1739–1773) das Deckengemälde in Auftrag gegeben haben muss, berichtet Franz Boxler, er habe gleich in den ersten Jahren nach Übernahme der Posthalterei 1763 viel Unglück im Stall gehabt. Beispielsweise verlor er 1767 vermutlich durch eine Seuche 14 Pferde. Nach langem Hin und Her erhielt er im Jahr 1770 eine Entschädigung.[13] Im Hinblick auf das Erscheinungsjahr 1770 der Augsburger Radierungen nach Holzer könnte die Entschädigung den Anstoß für die Modernisierung des Gasthofes durch ein Deckengemälde über dem Treppenhaus gegeben haben.
Als möglichen Maler nannte Elmar D. Schmid Johann Nepomuk Nieberlein (1729–1805). [30] Nieberlein ließ sich um 1758 in Ellwangen nieder und war zu dieser Zeit schon in Hohenstadt in der Residenz bei Joseph Anselm Adelmann, Freiherr von Adelmannsfelden tätig. [31] Marion Rombach referiert zum Deckengemälde im Ellwanger Gasthaus Adler aus einem Brief von Elmar D. Schmid vom 6. Februar 2014: „Trotz starker Übermalungen vermutet Dr. Elmar Schmid am Gewölbe des Treppenhauses im Gasthof Adler (Marienstraße 2) ein Werk Nieberleins, da es in Thematik „Apollo im Kreise antiker Götter“ und Komposition in Beziehung zum Gartenpavillon in Hohenstadt steht.“ [32]
Bedenkt man die starken Übermalungen in Ellwangen, so lassen sich in der Tat in der Form der Augen, Augenbrauen, Füße und Hände sowie im Duktus der Gewandfalten Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen mit der Deckenmalerei im Gartenpavillon von Schloss Hohenstadt entdecken. Die Malereien im Gartenpavillon in Hohenstadt sind aufgrund der Ornamentik der gemalten Scheinbalustrade und den Baumaßnahmen am Hauptschloss in die Zeit um 1785 zu datieren. [33] Für Nieberlein, von dem vermutet wurde, er habe in der Augsburger Akademie gelernt, [34] spricht nicht zuletzt der Umstand, dass man ihm die frühe Kenntnis der in Augsburg ja erst 1770 erschienenen Radierung von Nilson nach Holzer gerne zutrauen möchte.
Programm und Synthese
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Jerem. Esaias Nilson nach Joh. Evangelist Holzer, Trinkgelage der Planetengötter
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Das seit 1550 als Wirtschaft „Zum Schwarzen Adler“ bestehende Gebäude wurde nach Aufnahme der kaiserlichen Thurn und Taxisschen Poststation seit 1731 im Äußeren und im Inneren modernisiert. Das um 1750 entstandene Treppenhaus erhielt sein auf die Dachschräge gemaltes Fresko vermutlich erst 1770.
Der aufgrund stilistischer Gemeinsamkeiten zu vermutende Maler Johann Nepomuk Nieberlein stützte sich auf eine von Johannes Esaias Nilson radierte Fassadendekoration von Johann Evangelist Holzer. Holzer hatte sein Gemälde mit dem Trinkgelage der Planetengötter, bei dem jede Gottheit das ihr eigene Getränk zum Munde führt, für das Gasthaus „Drei Kronen“ in Augsburg gemalt. Nieberlein wandelte es ab, indem er mit Ledas Schwan die erfolgreiche Verführung schöner Frauen, mit Bacchus den Weinausschank, mit Merkur das Kartenspiel und die Postzustellung hinzufügte.
Bibliographie
- • AK Augsburger Kunstakademie, 2010 = Augsburger Kunstakademie in reichsstädtischer Zeit. Ausstellung zum 300-jährigen Gründungsjubiläum der Reichsstädtischen Kunstakademie 1710–2010 aus Beständen der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Konzept und Text von Josef Mančal, Augsburg 2010. Online abrufbar: Kunstakademie 1.indd (sustb-augsburg.de)
- • Behringer, Thurn und Taxis, 1990 = Wolfgang Behringer, Thurn und Taxis. Die Geschichte der Post und ihrer Unternehmen, München / Zürich 1990.•
- • Boxler, Postgeschichte, 1950–1953 = Franz Boxler, Streifzüge durch die Postgeschichte Ellwangens bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Ellwanger Jahrbuch, 15 (1950–1953), S. 183–194.
- • Dehio BAW I, 1993 = Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I: Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe, bearbeitet von Dagmar Zimdars und anderen, München - Berlin 1993.
- • Fischer, Restaurierungsbericht Ellwangen, 2017 = Martina Fischer, Ellwangen, Marienstraße 2, Haus Zimmerle, Treppenhaus. Konservierung Deckengemälde und Raumschale, MS Mutlangen 2017.
- • Hafner (Hascher), Fassadenmalerei, 1996 = Doris Hafner (Hascher), Fassadenmalerei in Augsburg vom 16. bis zum 18. Jahrhundert (Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen, 16), Augsburg 1996.
- • Hosch, Barockmalerei Ellwangen, 1981/82 = Hubert Hosch, Studien zur Barockmalerei der Fürstpropstei Ellwangen im 18. Jahrhundert, in: Ellwanger Jahrbuch, 29 (1981/82), S. 25–36.
- • KDM Jagstkreis, 1907 = Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg, Jagstkreis, erste Hälfte: Oberämter Aalen, Crailsheim, Ellwangen, Gaildorf, Gerabronn, Gmünd, Hall, bearbeitet von Eugen Gradmann, Esslingen 1907.
- • Leibbrand, Beiwort Postrouten Baden-Württemberg, 1979 = Walter Leibbrand, Beiwort zur Karte 10,2: Postrouten (Postcourse) in Baden-Württemberg 1490–1803, in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, hg. von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1979.
- • Leibbrand, Karte Postrouten Baden-Württemberg, 1979 = Karte X.2: Postrouten (Postcourse) in Baden-Württemberg 1490–1803, bearbeitet von Walter Leibbrand, in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, hg. von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1979.
- • Morsbach/Schmid, Adler-Apotheke, 2018 = Peter Morsbach / Elmar D. Schmid, Die Adler-Apotheke in Ellwangen (Kulturschätze, 20), Regensburg 2018.
- • Reiff/Stangl/Schneider, Wohnen Ellwangen, 1999 = Angelika Reiff / Anja Stangl / Alois Schneider, Wohnen im historischen Ellwangen. Stadtbewohner und ihre Häuser, in: Ellwanger Jahrbuch, 37 (1999), S. 39–87.
- • Ritzmann, Gasthöfe, 2022 = Imke Ritzmann, Ländliche Gasthöfe in Oberschwaben. Architektur, Ausstattung und Nutzung traditionsreicher Kulturdenkmale (Forschungen und Berichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg, 18), Ostfildern 2022.
- • Marion Romberg, Johann Nepomuk Nieberlein, in: Wolfgang Schmale (Projektleitung): Erdteilallegorien im Barockzeitalter, Wien, besucht 04.01.2024.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Leibbrand, Karte Postrouten Baden-Württemberg, 1979 (HABW_10_02.jpg (5750×6500) (leo-bw.de))
- ↑ Leibbrand, Beiwort Postrouten Baden-Württemberg, 1979, S. 11–12. Online: HABW_10_2.pdf (leo-bw.de)
- ↑ Die erste Erwähnung 1555 nach Morsbach/Schmid, Adler-Apotheke, 2018, [S. 2]. Die Bezeichnung als Wirtschaft zum „Schwarzen Adler“ 1638 in einem Zinsbrief geht auf die „Rathgeb’sche Häuserchronik“ im Ellwanger Stadtarchiv zurück, die allerdings keine Quellenverweise enthält. Gesichert ist hingegen die Bezeichnung als Wirtschaft zum „Schwarzen Adler“ 1681 in einer Steuerbeschreibung. Die Autorin dankt Herrn Christoph Remmele vom Stadtarchiv Ellwangen für seine freundliche Auskunft.
- ↑ Die Beschreibung der Lage am Zusammentreffen der beiden wichtigen Straße nach Morsbach/Schmid, Adler-Apotheke, 2018, [S. 2].
- ↑ Boxler, Postgeschichte, 1950–1953, S. 186 und S. 193. Als Quellen gibt Boxler Akten des Fürstlich Thurn und Taxis’schen Zentralarchivs in Regensburg (R XVI, 12. 1–R XVIII 27.1, Personalien R II, Fach 18) sowie das Manuskript von Albert Rathgeb, Ellwangen. Aktenauszüge aus alten Ellwanger Stadt- usw. büchern an. Die Lebensdaten von Maisch übersichtlich in: Reiff/Stangl/Schneider, Wohnen Ellwangen, 1999, S. 81.
- ↑ 6,0 6,1 Boxler, Postgeschichte, 1950–1953, S. 193.
- ↑ Mitteilung Herr Christoph Remmele, Stadtarchiv Ellwangen.
- ↑ Ritzmann, Gasthöfe, 2022, S. 80–83.
- ↑ Ritzmann, Gasthöfe, 2022, S. 82–83.
- ↑ Behringer, Thurn und Taxis, 1990, S. 111.
- ↑ Behringer, Thurn und Taxis, 1990, S. 120.
- ↑ Reiff/Stangl/Schneider, Wohnen Ellwangen, 1999, S. 82.
- ↑ 13,0 13,1 13,2 Boxler, Postgeschichte, 1950–1953, S. 188.
- ↑ Boxler, Postgeschichte, 1950–1953, S. 189.
- ↑ Dehio BAW 1, 1993, S. 189.
- ↑ Morsbach/Schmid, Adler-Apotheke, 2018, [S. 2].
- ↑ Paulus, KDM, 1907, S. 152.
- ↑ Dehio BAW I, 1993, S. 189 datiert das Gebäude insgesamt „wohl um 1730“.
- ↑ Dehio BAW I, 1993, S. 189. Die Restaurierung ergab, dass die stilisierten Blütenornamente aus verschiedenen Versatzteilen bestehen, die je nach Bedarf zu einem schmaleren oder breiteren Ornament zusammengesetzt wurden (Fischer, Restaurierungsbericht Ellwangen, 2017, S. 8). Für die Übermittlung des Restaurierungsberichts dankt die Autorin dem Besitzer des Hauses, Herrn Apotheker Dr. Richard Krombholz.
- ↑ Vor der Konservierung 2017 war das Deckengemälde mit weißer Farbe umrahmt, was seine rautenförmige Kontur zum Ausdruck brachte (Fischer, Restaurierungsbericht Ellwangen, 2017, S. 27).
- ↑ Fischer, Restaurierungsbericht Ellwangen, 2017, S. 6.
- ↑ Fischer, Restaurierungsbericht Ellwangen, 2017.
- ↑ Dehio BAW I, 1993, S. 189.
- ↑ Hafner (Hascher), Fassadenmalerei, 1996, S. 276–280. Die Radierung von Johannes Esaias Nilson: http://kk.haum-bs.de/?id=j-e-nilson-ab3-0007
- ↑ Ein weiteres Beispiel für die Verwendung der Vorlage im Innenraum: Kronwitter, Antonia: Augsburg, Fuggerschlösschen, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2020, URL: www.deckenmalerei.eu/3aaf9bce-9809-4970-bfd3-dedb48ae2bd0, letzter Zugriff: 2024-02-12
- ↑ Fischer, Restaurierungsbericht Ellwangen, 2017, S. 35.
- ↑ 27,0 27,1 Fischer, Restaurierungsbericht Ellwangen, 2017, S. 29.
- ↑ AK Augsburger Kunstakademie, 2010, S. 49.
- ↑ Hafner (Hascher), Fassadenmalerei, 1996, S. 278.
- ↑ Morsbach/Schmid, Adler-Apotheke, 2018.
- ↑ Zu Nieberlein in Ellwangen und Umgebung: Hosch, Barockmalerei Ellwangen, 1981/82, S. 30–31.
- ↑ Johann Nepomuk Nieberlein | Erdteilallegorien (univie.ac.at) (Vita Nieberlein, Anm. 30).
- ↑ Johann Nepomuk Nieberlein | Erdteilallegorien (univie.ac.at) Siehe auch den Eintrag der Autorin zum Gartenpavillon in Hohenstadt auf deckenmalerei.eu.
- ↑ Johann Nepomuk Nieberlein | Erdteilallegorien (univie.ac.at) (Vita Nieberlein, Anm. 6).