Eichstätt, Ehem. Fürstbischöfliche Sommerresidenz, Hofgartenpavillons
Dom Obergeschoss des Mortuariums
Residenzplatz 5
Vordere Kapitelstube, sog. Winterstube S. 234 Hintere oder Ordentliche Kapitelstube, sog. Sommerstube S. 238
z.Z. der Ausmalung Amts- und Repräsentationsräume des Eichstätter Domkapitels bis 1806, danach zur Dompfarrei gehörig, Nutzung im 19. Jh. unbekannt, zuletzt Büroräume, 1977–82 Modernisierung und Umnutzung als Teil des Domschatz- und Diözesanmuseums Eichstätt
Baugeschichte: Die Amts- und Repräsentationsräume des bis 1806 bestehenden Eichstätter Domkapitels finden sich im Obergeschoss des Eichstätter Mortuariums. Diese seit dem 18. Jh. sog. zweischiffige Halle war als Westflügel des Domkreuzgangs 1481-1502 in spätgotischen Stilformen errichtet worden und diente als Grablege des Eichstätter Domkapitels. Was die Datierung des Obergeschosses anbelangt, nahm zuletzt Schmidt an, dass das Gebäude bauzeitlich zweigeschossig angelegt und mit einem Satteldach gedeckt war, wobei ein mittelalterlich geprägter Dreiecksgiebel an der Südfassade im Zuge der Umgestaltung des Residenzplatzes durch Gabriele de Gabrieli in den 1730er Jahren durch den heute noch erhaltenen, geschweiften Giebel mit einem Oculus ersetzt worden sei. Möglich ist aber auch die Umgestaltung des Giebels im Zuge des Baues des benachbarten Getreidespeichers 1755/56 oder der Anlage der Enfilade im Inneren z. Z. der Ausmalung 1762.
Die Erschließung des Obergeschosses erfolgte ursprünglich durch ein Portal an der nördlichen Stirnseite des Mortuariums hindurch und über ein an die Ecke Ostturm des Domes/Mortuarium eingefügtes Treppenhaus, das in der heute überkommenen Form auf eine Bauphase um 1600 zurückgehen dürfte

Die Innenstruktur ist zweiteilig gegliedert. Die östliche Hälfte besteht in Form einer barockzeitlichen Zimmerflucht, Terminus ante quem des Ausbaus ist das Jahr der Ausmalung der Vorderen Kapitelstube 1762. Die westliche Hälfte, kleinteiliger strukturiert und teilweise kreuzgratgewölbt, wurde wohl in früherer Zeit angelegt, jedenfalls vor 1743/44, der Entstehung der Ausmalung in der Hinteren Kapitelstube. Bundschuh überlieferte zur Bestimmung des Geschosses als Amtsräume des Eichstätter Domkapitels 1799: »An die Kirche [Dom] stößt das Mortuarium, ober welchem das Kapitelzimmer des Kanitels Archiv Bibliothek und Syndikat ist«
Im Zuge der Säkularisation wurde das Mortuarium 1808 an die Dompfarrei überwiesen, die die Halle als Requisitenraum benutzte, die Renovierung erfolgte ab 1866. Die Räume über dem Mortuarium dienten unterschiedlichen Zwecken, gegen Mitte des 20. Jh.s war ihr baulicher Zustand bedenklich, bevor 1977-82 eine Modernisierung und Umnutzung als Teil des Domschatz- und Diözesanmuseums stattfand. Bei der Instandsetzung erfolgte eine Änderung der Erschließung. Der ursprüngliche Zugang wurde zugunsten eines neuen, an der entgegengesetzten Ecke des Mortuariums liegenden Treppenhauses aufgegeben. Dieses befindet sich in dem 1755/56 durch den Domkapitelsbaumeister Giovanni Domenico Barbieri errichteten Getreidekasten des Eichstätter Domkapitels, der im 19. Jh. für das Rentamt Kipfenberg war und daher »Kipfenberger Stadel« genannt wird. Heute erschließt man über einen barockzeitlichen, tonnengewölbten Durchgang vom neueingerichteten Museum im Obergeschoss des Speichers die barockzeitliche Enfilade der ehem. Amts- und Repräsentationsräume von der Seite aus, so dass die einstige Raumabfolge nicht mehr nachvollzogen wird.
Seit Freilegung der Deckenmalereien 1977-82 galten die beiden Räume als »Kapitelsaal« (Tagungs- und Wahlort des Domkapitels) und »Neben- und... Vorberatungszimmer für den Sitzungssaal« (vgl. Bauch; im Museumsrundgang als »Kapitelsaal« und »Schatzkammer« bezeichnet). Peter Zürcher deckte die tatsächliche Bestimmung der beiden Räume anhand der Quellen auf. Die Wahlvorbereitung fand in dem bislang als Kapitelsaal bezeichneten Raum statt, in den Quellen Winterstube oder Vordere Kapitelstube genannt, die Wahl selbst in der ordentlichen Kapitelstube, Sommerstube bzw. Hintere Stube genannt (heute Schatzkammer). Dieser Raum, in den Quellen als »zum Alten Hof hin liegend« bezeichnet, konnte nur über die Vordere Kapitelstube erschlossen werden. Diese Tür ist heute zugemauert, dafür gibt es einen Eingang im Norden. Zürcher weist darauf hin, dass 1725 im Rahmen der Possessnahme durch den gewählten Franz Ludwig Freiherr Schenk zu Castell als Fürstbischof von Eichstätt die sog. Sommerstube, also die Hintere Kapitelstube, als »Ort höchster domkapitelscher Repräsentation bezeugt« ist. Die Ansichtsrichtung des Deckengemäldes in der ordentlichen Kapitelstube dokumentiert heute noch die ursprüngliche Ausrichtung der beiden Räume.