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Eichenzell, Schloss Fasanerie Adolphseck

Aus Deckenmalerei-Lab
Kruse, Jasmin:Eichenzell, Schloss Fasanerie (Adolphseck), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/7a29a692-4b85-40cb-a30f-48fafda68229

Inventarnummer: cbdd10266

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In den Prunkräumen des ca. ab 1739 bis 1757 zur Sommerresidenz der Fuldaer Fürstäbte ausgebauten früheren Jagdschlosses Fasanerie haben sich mehrere Deckengemälde des Fuldaer Hofmalers Emanuel Wohlhaupter mit biblischen Themen erhalten.

Eichenzell, Schloss Fasanerie, Ansicht der anlage von Nordwesten
Eichenzell, Schloss Fasanerie, Ansicht der anlage von Nordwesten

Das Lustschloss Fasanerie

Lage, Bau- und Nutzungsgeschichte

Das Schloss Fasanerie liegt etwa 5km südlich der Stadt Fulda bei der Ortschaft Eichenzell. Von der Längsseite des Schlosses ausgehend breitet sich nach Süden ein ausgedehnter Landschaftsgarten mit verschiedenen Sichtachsen und Staffagebauten aus.[1]

Das Schloss geht zurück auf einen Jagdsitz des fuldischen Fürstabts Adalbert von Schleifras (1650-1714, Fürstabt ab 1700), aus der Zeit um 1710, als Architekt dafür wird Johann Dientzenhofer angenommen. Spätestens ab 1739 ließ Amand von Buseck (1685-1756, Fürstabt ab 1737, ab 1752 Fürstbischof) die Anlage durch Andrea Gallasini umfangreich erweitern. Es entstand ein repräsentatives Schloss mit einer aufwändig gestalteten Gartenanlage, die sich nach Süden hin ausbreitet. Der Bau und die Ausstattung des Schlosses mit Stuckdekor und Deckengemälden von Amands Hofmaler Emanuel Wohlhaupter dauerten bis 1757 an. Die Fasanerie wurde fortan als Sommerschloss der Fürstbischöfe von Fulda genutzt.

Nach der Säkularisierung 1813 fiel das Schloss dem neu erhobenen Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel zu. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm II. ließ die Anlage nach seinem Regierungsantritt 1821 von Johann Conrad Bromeis modernisieren und einige Räume umgestalten. Seit 1873 war das Schloss durchgehend im Besitz der Landgrafen von Hessen.[2] 1928 ging das Schloss in die Hessische Hausstiftung über, die es bis heute verwaltet.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Schloss vor allem am Südflügel und an der südlichen Fassade Bombentreffer, deren Schäden nach Kriegsende größtenteils behoben wurden. Seit 2010 bis 2025 wurde die gesamte Schlossanlage schrittweise und umfassend saniert. Dabei erfolgte unter anderem die Rückkehr zur aus der Barockzeit nachweisbaren weißen Fassadenfarbe mit grauen Akzenten, nachdem die Fassaden in den 1970er Jahren gelbbraun überputzt worden waren. Zudem wurde im Mittelpavillon der Südfassade der ursprünglich barocke Dreiecksgiebel mit Giebelzier rekonstruiert, der nach dem Zweiten Weltkrieg durch ein einfaches Mansardwalmdach ersetzt worden war.[3]

Seit den 1950ern sind Teile des Schlosses als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Die barocken Paraderäume und große Teile der umfangreichen Kunst- und Antikensammlung der Landgrafen von Hessen werden museal präsentiert und sind mit Führungen zu besichtigen.[4]

Baubeschreibung

Das Schloss erstreckt sich von Westen nach Osten auf einem langgestreckten Grundriss mit zwei Innenhöfen und einem angeschlossenen Wirtschaftshof. Die Architektur spielt mit den Gegebenheiten des Terrains und inszeniert die Ankunft am Schloss schon aus der Entfernung: Von West nach Ost steigt das Gelände leicht an, gleichzeitig werden die Gebäudeglieder immer niedriger und einfacher. Vor dem Besucher, der sich über eine zwei Kilometer lange Lindenallee dem Schloss näherte, öffnete sich nach dem Passieren der nochmal 300 Meter langen Auffahrt mit zwei Toranlagen zunächst der repräsentative Ehrenhof, flankiert von zwei vorgelagerten Kavaliershäusern und den Gebäudeflügeln, in denen die Wohnappartements lagen. Der Zutritt zum Gebäude erfolgte in der Kutscheneinfahrt des Mittelflügels des Ehrenhofs, der im Obergeschoss außerdem den großen Saal des Schlosses beherbergt; von dort aus erstreckt sich der Blick noch in den ersten Innenhof und auf den an den Seiten verlängerten und mit einer geschwungenen Terrasse an die neue Architektur der Anlage angepassten Baukörper des alten Schlosses, der als zweiter Mittelflügel sehr harmonisch im Gesamtgefüge aufgeht und das Hauptschloss nach Osten abschließt. Das Hauptschloss ist insgesamt mit zwei Hauptgeschossen und Mansardwalmdächern aufgeführt, Eck- und Mittelpavillone treten durch ein drittes Vollgeschoss aus dem Baukörper heraus. Die Spitzen der Dächer dieser Pavillone sind mit mehreren vergoldeten Ananas bestückt. Die anschließenden Wirtschafts- und Wohnhöfe für die Bediensteten wirken durch die deutliche Unterteilung fern und stören den Eindruck der prächtigeren Hauptflügel nicht. Der zweite, langgezogene und nur noch von eingeschossigen Bauten flankierte Innenhof wird durch das runde Becken einer großen Pferdeschwemme in der Mitte des Hofes charakterisiert. Daran schließt sich ein weiterer Hof mit Wirtschaftsgebäuden und Ställen an.


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Der Nordflügel

Der Nordflügel blieb von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont, wodurch die repräsentative Raumfolge, die sich im ersten Obergeschoss von der Haupttreppe aus durch eine Enfilade von vier Räumen in Richtung Westen entwickelt, bis heute erhalten blieb.

Die Haupttreppe (sogenannte Kaisertreppe)

Treppenhaus, Blick vom Wendepodest nach Süden, 1956 (unbekannter Fotograf)

Die repräsentative Hauptstiege des Fasanerieschlosses, oft bezeichnet als Kaisertreppe, ist als dreiläufige Treppe in einem quadratischen Raum ausgeführt, der über zwei Geschosse reicht und den gesamten Risalit ausfüllt, in dem sich Nord- und Westflügel treffen. Über den mittleren Treppenlauf erreicht man ein Zwischenpodest, von dem aus die beiden äußeren Läufe in entgegengesetzter Richtung in die Beletage des Nordflügels führen. Vom Abschlusspodest aus erschließen sich in Enfilade nach Osten und Westen Appartements, sowie der Festsaal mit dem vorgelagerten Galeriesaal (vor der Umgestaltung 1823 befanden sich hier stattdessen mehrere Vorzimmer und eine kleinere Treppe, noch zu erkennen in der Bauaufnahme aus diesem Jahr[5]) in Richtung Süden. Die Geländer bestehen aus schwarzgrauem Marmor mit rotbraunen Balustern.

Kannelierte Pilaster gliedern die Wände des Treppenhauses in jeweils drei Achsen. Von Norden fällt Tageslicht durch zwei Reihen mit je drei Fenstern in den Raum. Die tief ins Mauerwerk eingeschnittenen Fensterlaibungen werden von dezenten Stuckrahmen eingefasst und sind mit geschwungenen Kartuschen und Rankenwerk bekrönt. Die unteren Wandfelder und Türen der übrigen Wände sind mit Stuckbögen mit denselben Kartuschen gefasst. Die obere Fensterreihe wurde derweil auch über die anderen Wände geführt - da die Architektur in diesen Wänden aber keine echten Fenster erlaubt, sind sie stattdessen mit Spiegelgläsern versehen, die das einfallende Licht vervielfältigen. Dies dient einerseits der Vereinheitlichung und Ausweitung des Raumeindrucks, andererseits wohl aber auch der tatsächlichen Verbesserung der Lichtsituation, da die einzige natürliche Beleuchtung aus Richtung Norden kam. In den oberen Fenstern sind zudem Büsten der zwölf ersten Kaiser nach Suetons Biografiensammlung "De vita Caesarum" (2. Jhd.) aufgestellt; die Büsten wurden von Jakob Christoph Biedermann aus Gotha geschaffen und waren ursprünglich für die sala terrena (den sogenannten Kaisersaal) des Residenzschlosses in Fulda vorgesehen.[6] Auf diese Kaiserbilder, sowie wohl auf die insgesamt prächtige Inszenierung des Raumes als Haupttreppe zu den repräsentativen Gemächern im Nordflügel, ist die Bezeichnung der Haupttreppe als "Kaisertreppe" zu beziehen.

In den ebenfalls mit feingliedrigen Rankenkartuschen dekorierten Deckenspiegel schneiden flache Stichkappen ein, die sich zwischen den Wandpilastern über den Fenstern aufspannen. Im Zentrum der Decke steht ein schlichter, geschweifter Stuckrahmen, der das Deckengemälde aufnimmt.

Das Deckenbild: Die vier Erdteile

Das Deckengemälde ist al secco in Temperafarben auf den Putz aufgetragen. Es zeigt die vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika als Personifikationen mit identifizierenden Attributen. Jedem Kontinent ist außerdem ein Kind sowie ein oder mehrere Tiere als Begleiter beigestellt. Die vier Personengruppen befinden sich jeweils auf einem separaten Stück Land, zwischen ihnen liegen die Wellen eines Meeres. Im Hintergrund erhebt sich ein fernes Gebirge, an dessen Fuß ein Wald angedeutet ist und hinter dem die Sonne als strahlende Kugel mit einem versonnenen Gesicht aufsteigt.

Am linken Bildrand lagert Europa in Gestalt einer blond gelockten Frau in einem prunkvollen antikisierenden Gewand mit goldenen Applikationen. Ihr Blick ist nach oben in Richtung der menschengesichtigen Sonne gerichtet. Sie trägt ein filigranes Zepter in der Hand und eine Krone auf dem Kopf. Neben ihr liegt ein hellbraun geschecktes Pferd, auf dessen Rücken eine blaue, mit Quasten und Stickereien dekorierte Decke liegt. Über den Rücken des Pferdes lugt ein kindlicher Begleiter hervor, der zur Europa aufblickt. Dahinter ragt ein Laubbaum auf, an dem Efeu hinauf rankt. Daneben ist die opake Erscheinung eines fernen Kirchen- oder Klostergebäudes mit einem oktogonalen Turm zu erkennen, der die Europa mit dem christlichen Glauben assoziiert.

Die Europa blickt hinauf zur Sonne, unter der sich Personifikation Amerikas in Gestalt eines dunkelhäutigen Mannes mit einer Federkrone auf einem felsigen Stück Land sitzt. Der Mann trägt einen rotweißen Lendenschurz, ein goldgelber Mantel hinterfängt seine Figur. Auch er blickt hinauf zur Sonne, vor deren Strahlen er sich durch einen mit Stroh oder Federn fransig gedeckten Sonnenschirm schützt. Hinter ihm lagert ein Löwe mit herausgestreckter Zunge. Ein Knabe mit einem grünroten Papagei vervollständigt die Allegorie Amerikas.

Rechts davon, gegenüber der Europa, sitzt die Personifikation Asiens, dargestellt als Frau in einem die Brust fast entblößenden roten Gewand mit blauem Tuch. Sie trägt einen Turban mit einem Halbmond-Ornament über der Stirn und ein Zepter in der Hand. Begleitet wird sie von zwei Kamelen und einer Begleitfigur, die diese an Zügeln hält.

Auf einem separaten Stück Land am unteren Bildrand ist schließlich Afrika zu sehen in Gestalt eines Mannes, der von einem roten Tuch umwallt wird und einen Haarschmuck mit einer langen Feder trägt. Er führt einen Bogen in der Hand und einen Pfeilköcher über der Schulter mit sich. Auch diese Allegorie wird begleitet von einem Tier als Attribut, einem Elefanten, der hinter dem Mann am Boden lagert, und auf dem ein kleiner Junge reitet. Im Hintergrund neigen sich zwei Palmen, auf dem Boden tummeln sich zwischen Muscheln und roten Korallenzinken außerdem ein paar Krebse und eine Eidechse.

Das Deckenbild ist nach Süden ausgerichtet, sodass man die Szene beim Aufstieg über den mittleren Lauf und vom Abschlusspodest der Treppe aus am besten erfassen kann. Die Lichtquelle im Bild, eine Sonne am oberen Bildrand, entspricht nicht der Lichtquelle des Raumes (der Nordwand), sondern zeigt die Richtung an, in der die Sonne ihren Zenit hat – im Süden. Nicht zu übersehen ist die besonders detaillierte Darstellung Europas mit kleinteilig gestalteten Stoffen, goldenen Applikationen und Herrschaftsinsignien, die es über die übrigen Kontinente elevieren. Auch wird durch das Kirchengebäude der christliche Glaube als Kerneigenschaft in die Allegorie eingeschrieben; die Hinwendung Asiens und Afrikas zu Europa suggerieren weiter die hervorstechende Rolle des Kontinents.

Das Paradeappartement

Vom oberen Absatz der Haupttreppe aus erstreckt sich nach Westen ein repräsentatives Appartement. Die Räume und ihre Ausstattung entstanden im Zuge der umfangreichen Erweiterungen des früheren Jagdschlosses zum repräsentativen Sommersitz der Fuldaer Fürstäbte unter Armand von Buseck in der Zeit zwischen 1739 und etwa 1752.

Über einen schmalen Flur gelangt man in ein großes Vorzimmer (siehe Abbildung oben sowie Nr. 1 im Grundriss von 1823 [7]). Darauf folgen das frühere Audienzzimmer (heute sog. Gobelin-Zimmer, in Schulz 1823 "2. Wohnzimmer"), das Schlafzimmer (heute sog. Landgrafenzimmer) mit alkovenartig abgetrennter Bettkammer, sowie abschließend zwei kleine Kabinette. In dem Eckkabinett, dem Schlafzimmer und dem Audienzzimmer haben sich Deckenmalereien von Emmanuel Wohlhaupter etwa aus den 1740er Jahren erhalten.

Jeder Raum besitzt jeweils zwei Fensterachsen in Richtung Süden, mit Ausnahme des Kabinetts am Ende, das ein Fenster nach Süden und eines nach Westen besitzt; in dem westlichen Fenster kulminiert die von der Haupttreppe ausgehende Enfilade der Prachträume. Außerdem verfügt das Vorzimmer, das sich über die gesamte Breite des Nordflügels erstreckt, über zwei entsprechende Fenster nach Norden.

Das sogenannte Gobelin-Zimmer

Das heute sogenannte Gobelin-Zimmer verdankt seine moderne Bezeichnung der Aufhängung großformatiger Bildteppiche entlang der Wände. Aus der barocken Originalausstattung hat sich eine flache Spiegeldecke mit zart plastischen, geschwungenen Rocaille-Kartuschen aus Stuck erhalten, in deren Zentrum ein schlicht geschweifter Stuckrahmen das Deckenbild einrahmt.

Das Deckenbild: Christus, Petrus und Kleopas auf dem Weg nach Emmaus

Das Deckenbild ist orientiert an traditionellen Darstellungen der Szene in Emmaus, wie sie in der Druckgraphik seit dem 16. Jahrhundert auftraten. Oftmals wurden in einer Simultandarstellung Jesus, Kleopas und Petrus bei ihrer Ankunft in der Stadt bzw. vor dem Gasthaus, sowie das gemeinsame Mahl gezeigt, das man durch eine Tür oder einen Bogen betrachten kann. In Eichenzell wird das bevorstehende gemeinsame Essen und die damit einhergehende Offenbarung, dass die beiden Pilger nicht mit einem fremden Weggefährten, sondern mit dem wiederauferstandenen Christus beisammen sitzen, dagegen durch eine mit drei Tellern und einem Brotlaib gedeckte Tafel angedeutet, die man durch einen Türbogen erblickt. Während die Entdeckung der wahren Natur ihres Begleiters für Kleopas und Petrus noch aussteht, wird sie dem Betrachter durch einen zarten Heiligenschein über dem Haupt Jesu bereits offenbart.

Das sogenannte Langrafenzimmer


Das Deckenbild: Die drei Engel bei Abraham

Das Bild zeigt die Erscheinung Gottes vor Abraham in Gestalt dreier Männer, die wie hier oft als Engel dargestellt werden, um ihre überirdische Natur zu verdeutlichen. Sie sitzen vor Abrahams Heim an einem Tisch, auf den Brot und Lammfleisch (genauer gesagt der Kopf eines Lammes) aufgetragen wurden. Hinter ihnen öffnet sich ein Laubengang, der in architektonischen Formen geschnitten ist. Dahinter ragt ein einzelner Baum auf, mit dem die Darstellung der biblischen Schilderung entspricht, gemäß der sich die Engel unter einem Baum vor Abrahams Zelt niederlassen sollten. Ein weiteres Element der biblischen Geschichte ist am unteren Bildrand in Gestalt eines Kupferkessels zu sehen, aus dem ein Tuch hängt; Abraham erbot sich, seinen Gästen bei ihrer Rast die Füße zu waschen. Abraham tritt gerade aus dem Haus und bringt ein Glas und eine Karaffe, um seine Gäste weiter zu bewirten. Hinter ihm in der Tür steht seine Frau Sara, die das Gespräch an der Tafel belauscht. Ihre überraschte Geste deutet darauf hin, dass dies der Augenblick ist, in dem sie mithört, wie die Engel dem bereits älteren Paar die Geburt eines Sohnes verheißen.

Das Eckkabinett (sogenanntes Chinesisches Kabinett)

Die Enfilade der repräsentativen Räume wird abgeschlossen durch ein kleines Kabinett. Dieses liegt in der südwestlichen Ecke des Nordflügels und öffnet sich in beide Himmelsrichtungen mit einem großen Fenster. Von der ursprünglichen Einrichtung des Raumes im 18. Jahrhundert hat sich nur die Decke mit einem Gemälde in einem schlicht geschweiften Stuckrahmen erhalten. Die Bezeichnung als Chinesisches Kabinett beruht auf einer im frühen 19. Jahrhundert angebrachten, aus China importierten Tapete, die 1788 geschaffen wurde.[8] Zum Schutz der Tapete sind die Fenster heute verhängt.

Das Deckenbild: Allegorie des besonnenen Handelns

Vier Amoretten sitzen auf einer Wolke beisammen; unter ihnen bildet eine steinerne Ballustrade mit zwei Pflanzgefäßen und einer zarten Efeuranke eine deutliche Abgrenzung zwischen der irdischen Welt und den himmlischen Gefilden. In der Mitte der Gruppe sitzt eine Amorette mit rotem Tuch, die einen Caduceus hochhält. Die Schlangen, die sich um den goldenen Mittelstab winden, sind dabei als lebendige Tiere von blaugrüner Farbe gestaltet, die sich zur Spitze des Stabs schlängeln, an der ein geflügeltes Auge sitzt. Darüber sitzen zwei weitere Eroten: der rechte, knapp verhüllt mit einem blauen Tuch, hält eine Statuette des doppelgesichtigen Januskopfes, der linke mit goldgelbem Tuch einen Spiegel, der ebenjene Büste reflektiert. Die Amorette ganz oben weist mit einer Geste auf den Spiegel.

In der doppelgesichtigen Büste und dem Spiegel kann man die Attribute der Klugheit (prudentia) erkennen, sie symbolisieren Umsicht und Selbstreflexion. Im Zusammenspiel mit dem Caduceus kann das Bild als eine Allegorie des vorausschauenden, wohlfahrigen Handelns gedeutet werden, die auf den Auftraggeber Amand von Buseck zu beziehen ist.

Der Mittelflügel des Ehrenhofs


Der große Speisesaal


Das Deckenbild: Die Speisung der Fünftausend


Der Südflügel


Der Reihersaal

Der sogenannte Reihersaal entstand erst in der Nachkriegszeit, als der besonders von Bomben beschädigte Südflügel des Schlosses wiederhergestellt wurde. Dabei wurden am westlichen Ende des Flügels eine Zwischendecke und Teile der alten Raumaufteilung entfernt. Es entstand ein zwei Stockwerke hoher Saal auf etwa quadratischem Grundriss und schlichten Wänden.

Hauptzweck des Saals ist die Präsentation der "Reiherbeize", einer großformatigen Serie von Wandbildern von Johann Tischbein. Die Gemälde waren ursprünglich für das Jagdschloss Wabern angefertigt, siehe dazu den Text zum Jagdschloss auf deckenmalerei.eu.[9]

An der Decke ist außerdem ein großformatiges Deckenbild mit acht Trabaneten aufgehängt, das ebenfalls nicht zur ursprünglichen Ausstattung von Schloss Fasanerie gehört, sondern aus anderen Liegenschaften der Landgrafen von Hessen stammt.

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Tischbeins "Waberner Reiherbeize"

Zur "Waberner Reiherbeize" von Johann Heinrich Tischbein d.Ä. aus dem Jahr 1764 siehe den entsprechenden Textabschnitt im Beitrag zum Jagdschloss Wabern auf deckenmalerei.eu.[10]

Decke mit Gemälden des Triumph des Apoll, Allegorien der Winde sowie Jahres- und Tageszeiten

Wie der restliche Raum ist auch die Gestaltung der Spiegeldecke kein Teil der authentischen Barockausstattung von Schloss Fasanerie; die Gemälde entstammen den Sammlungen des Hauses Hessen und wurden nach der Sanierung des Südflügels hier angebracht.

Möglicherweise handelt es sich hierbei um die ursprüngliche Bebilderung des Treppenhauses von Schloss Philippsruhe in Hanau, an dessen Decke sich noch eine vergoldete Stuckrahmen-Dekoration befindet, in deren Formen die neun Leinwandgemälde in Eichenzell auffällig gut passen würden. In diesem Falle wäre eine Entstehung im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts naheliegend und die Deckenbilder im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Schlosses unter dem letzten Landgrafen von Hanau, Johann Reinhard III., zu sehen. Ein Maler ist nicht bekannt.

Das Mittelbild und die umgebenden acht Trabantenbilder sind in Ölfarbe auf Leinwand gemalt. Die Motive sind noch gut erkennbar, die Malschichten aller Bilder sind jedoch durchgehend krakeliert und es gibt kleine Fehlstellen entlang der Risse.

Das Mittelbild: Triumph des Apoll

Das zentrale Hauptbild der Decke ist hochoval mit kleinen seitlichen Einstülpungen. Durch ein Wolkenband ist es recht genau in der Mitte geteilt - oben finden sich Wesen des Tages, unten Gestalten der Nacht. Im Zentrum des Bildes steht Apoll als kraftvoller Jüngling mit goldenen Locken in seiner Rolle als Sonnengott und Tagbringer. Er steht, mit einem vollen Köcher auf der Schulter, aufrecht auf dem Wagen seiner Quadriga, umwallt von einem hellroten Gewand und hinterfangen von der strahlenden Sonnenscheibe. Während er mit der Rechten die Zügel seiner nach vorn preschenden Pferde mit Leichtigkeit kontrolliert, hält er in der Linken den Bogen.

Begleitet wird das Gespann von den Horen, die neben der Kutsche auf den Wolken einherschreiten. Über der Quadriga schwebt zudem die geflügelte Aurora in einem roten und violetten Gewand, und streut mit der Hilfe zweier Amoretten Blumen aus einer üppig gefüllten Schale über den Triumphzug des Apoll. Eine weitere Amorette trägt eine Fackel über der Schulter durch die Luft, im Hintergrund verläuft ein Stück eines Tierkreises durch den Himmel.

Der Quadriga voraus eilt Phosphorus, über dessen Kopf das Licht des Morgensterns leuchtet, in Gestalt eines geflügelten Knaben mit einer umgedrehten Fackel. Er blickt hinab in die untere Bildhälfte und drängt einen zweiten geflügelten Jungen beiseite, der ebenfalls eine umgedrehte Fackel hält - möglicherweise ist er als sein Pendant Hesperus, der Abendstern, zu verstehen.

Unterhalb der zentralen Wolkenbank umschwirren Fledermäuse eine Gruppe von Schlafenden bzw. erwachenden Figuren, die gerade von der Wolke gefallen zu sein scheinen, auf der Apolls Gespann ankommt: Am rechten Bildrand streckt sich ein Mann und gähnt, links dagegen reagiert eine liegende männliche Figur mit sichtbarem Schrecken auf den Anblick des Sonnenwagens. Währenddessen scheint am unteren Bildrand eine Frau mit einem Knaben, die man als Personifikation der Nacht selbst deuten kann, noch im Schlaf zu liegen. In einigen Wolkenlücken scheinen noch Sterne hervor, die im aufhellenden Himmel jedoch zunehmend verblassen.

Die vier Jahreszeiten

Um das Mittelbild sind im Oval acht Kartuschen angeordnet. Die vier etwas größeren zeigen Personifikationen der Jahreszeiten. Sie sind - angefangen beim Frühling in der südöstlichen Ecke der rechteckigen Saaldecke - gegen den Uhrzeigersinn angeordnet.

Der Frühling ist dargestellt als junge Frau, die in einem wallenden blauen Gewand auf einer Wolke sitzt. Auf ihrem blonden Haarschopf trägt sie eine ausladende Blumenkrone, mit dem rechten Arm lehnt sie auf einem weiteren Gesteck verschiedener Blüten. Unter anderem sind zartrosa Rosen, rote Nelken, Narzissen, weißer Flieder, blaue Windenblüten sowie eine gelb-orangene Papageientulpe in den Blumenarrangements zu erkennen. Mit der linken Hand hält die Figur außerdem einen weiteren Rosenzweig fest, während eine einzelne weiß-rot geflammte Tulpe gerade aus ihrem Griff zu fallen scheint.

Der Sommer, eine erwachsene Frau, die mit entblößten Brüsten in einem gold-gelben Gewand auf einer Wolke sitzt, hält in der linken Hand eine Sichel und umfasst mit dem Arm eine mit rotem Band zusammengehaltene Getreidegarbe. Auf ihrem im Profil dargestellten Kopf sind rote Mohnblumen, Margeriten und reife Getreideähren in ihr brünettes Haar eingeflochten. Ihr Blick ist auf ihre rechte Hand gerichtet, in der sie einen Zweig mit zwei reifen Pfirsichen oder Äpfeln hält. Außerdem hängen drei Pflaumen und eine Ranke mit roten Blüten von ihrer Hand herab.

Ein junger Bacchant mit einer Krone aus vergilbendem Weinlaub und großen grünen und blauen Trauben dient als Allegorie des Herbstes. Der mit filigranen Weinranken umwundene Thyrsosstab lugt hinter seiner Gestalt hervor. Der junge Mann sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einer Wolke und wendet sich mit dem Oberkörper vom Betrachter ab, blickt jedoch über die Schulter zu ihm zurück. Er neigt den Kopf nach vorn über den Rand einer goldenen Trinkschale mit langem Stiel, die er in der rechten Hand hält. Die Darstellung erinnert an Caravaggios Bacchus-Gemälde aus den 1590er Jahren.

Der Winter ist in Gestalt eines muskulösen, aber älteren Mannes mit weißem Haar und Bart dargestellt. Er sitzt mit angezogenen Beinen auf einer Wolke, Kopf und Schoß sind von einem bräunlichen Tuch bedeckt, das hinter der Figur gegen den dunklen Himmel aufwallt. Die Figur hält neben sich einen Berg aus Kohl, Rüben und weiterem Gemüse und Blättern.

Die Darstellungen der vier Jahreszeiten setzen den Fokus darauf, dass jeder Teil des Jahres seine eigene Ernte/Blüte mit sich bringt und damit einen eigenen Stellenwert hat. Die Üppigkeit in allen Bildern verweist auf die durchgehende Fruchtbarkeit des Landes.

Die vier Tageszeiten und Darstellung der Winde

Jeweils zwischen den vier Allegorien der Jahreszeiten befinden sich vier weitere kleinere Kartuschen, in denen jeweils der Himmel zu einer bestimmten Tageszeit und drei Windgötter in Gestalt pausbäckig pustender Köpfe mit libellenartigen Flügeln dargestellt sind. Am deutlichsten erkennbar ist der dunkelblaue Nachthimmel mit einem Vollmond und mehreren Sternen. Ausgehend von der Lesrichtung der Jahreszeiten würden sich die Tageszeiten gegen den Uhrzeigersinn mit Morgen, Mittag und Abend fortsetzen; dabei sind die Wolken im Himmel von Morgen und vor allem Abend etwas rötlicher, insgesamt unterscheiden sich diese Darstellungen jedoch ansonsten kaum. Die Darstellung der Aufteilung der Winde in zwölf Richtungen / Regionen ist weit weniger verbreitet als die Unterteilung in vier oder acht Richtungen, hat jedoch ebenfalls eine bis in die Antike zurückreichende Tradition.[11]

Bibliographie

  • Hutzenlaub, Hildegard: Historischen Tapeten in Hessen 1700-1840, Diss. Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main, 2004 (2005).
  • Schenk zu Schweinsberg, Eberhard: Schloss Fasanerie und seine Sammlungen, Frankfurt am Main 1972.
  • Schenk zu Schweinsberg, Eberhard: Schloss Fasanerie vor Fulda, München 1974.
  • Stasch, Gregor Karl : Fulda. Schloss und Orangerie, Königstein/Taunus 1980.
  • Wüllenkemper, Maria: Eichenzell bei Fulda - Schloss Fasanerie; in: o. Hg.: Denkmal Hessen, Band 2022 / 1, S. 6–15.

Einzelnachweise

  1. Nähere Einzelheiten zur Geschichte des Gartens und zu einem der Pavillone darin, der ein Deckengemälde nach Vorlagen von Francois Boucher enthält, siehe Kruse, Jasmin: Eichenzell, Pavillon im Schlosspark (sog. "Japanisches Teehaus") (cbdd10487), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/537bdb0f-ab7c-47fc-bea6-d3df7b801377, letzter Zugriff: 2024-12-16.
  2. Schenk zu Schweinsberg, Schloss Fasanerie, 1974, S. 2-14.
  3. Wüllenkemper, Eichenzell, 2022, S. 8–12.
  4. siehe https://www.schloss-fasanerie.de/startseite/ (16.12.2024)
  5. http://architekturzeichnungen.museum-kassel.de/15800/[30.12.2024]
  6. Stasch: Fulda, 1980, S. 54.
  7. Wilhelm Ludwig Schulz: Eichenzell, Schloss Fasanerie, Bauaufnahme der Beletage, Grundriß, 1823, Inv.-Nr. lfd. Nr. 6805 online: http://architekturzeichnungen.museum-kassel.de/15800/ [zugegriffen am 12.01.2026]
  8. siehe Hutzenlaub, Tapeten in Hessen, 2004, S. 150-152. [1] (18.9.2025)
  9. Laß, Heiko: Wabern, Jagdschloss (Karlshof) (cbdd10278), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2021, URL: www.deckenmalerei.eu/a3f16a04-140f-4ab1-b1e3-8d32225332a8, letzter Zugriff: 2025-08-06
  10. "Die Reiherbeize von Johann Heinrich Tischbein d. Ä. 1764", in: Laß, Heiko: Wabern, Jagdschloss (Karlshof) (cbdd10278), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2021, URL: http://www.deckenmalerei.eu/a3f16a04-140f-4ab1-b1e3-8d32225332a8#de656b81-1898-431f-bfc7-aa07286213e4, letzter Zugriff: 2025-08-06
  11. Die Zwölfteilung wird dem Geografen Timosthenes von Rhodos (ca 3. Jhd. v.Ch.) zugeschrieben, dem umfangreiche Schriften zugeschrieben werden, die aber rein fragmentarisch im Werk späterer Autoren überliefert wurden.