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Eggermühlen, Rittergut sog Schloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Eggermühlen, Rittergut (sog. Schloss), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/09947426-1a32-4484-98c2-8100e9e651e6

Inventarnummer: cbdd10173

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Rittergut Eggermühlen hat sich im Hauptsaal ein Jahreszeitenzyklus von ca. 1770 erhalten.

Eggermühlen, Gut
Eggermühlen, Gut

Gut Eggermühlen

Eggermühlen, Gut

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Rittergut Eggermühlen[1] wurde im 13. Jahrhundert erbaut und 1589 allodifiziert. 1654 erwarben die von Boeselager das Gut käuflich. Ein erstes Hauptgebäude entstand um 1666, 1714-1718 erfolgte für Franz Heinrich von Boeselager die Errichtung eines neuen Hauptgebäudes nach Plänen von Johann Moritz Güding. Wegen des Todes des Bauherrn 1720 wurde ein geplanter zweiter Seitenflügel nicht erbaut. Das neue Hauptgebäude steht im rechten Winkel zum alten Herrenhaus. Für Caspar Heinrich Goswin von Boeselager entstand 1754 nach Plänen von Johann Conrad Schlaun im Garten eine Orangerie. 1869 kam es zum Bau einer Schlosskapelle. 1873 und 1930 erfolgten Umbauten.

Beschreibung

Der Komplex setzt sich aus einem vorgelagerten Wirtschaftsbereich mit Torhaus, einem von Wassergräben umgebenen Hauptgebäude mit Nebengebäuden und einem Garten mit Orangerie zusammen. Das Hauptgebäude ist ein zweigeschossiger, traufständiger, verputzter Bau von neun Achsen auf hohem Sockelgeschoss unter Walmdach. Es wird ergänzt durch einen im rechten Winkel an der Nordseite angefügten eingeschossigen Seitenflügel sowie einen weiteren eingeschossigen Flügel mit neogotischer Kapelle, der den Hauptbau nach Süden verlängert. Das Hauptgebäude ist symmetrisch gegliedert, die mittleren drei Achsen werden zu einem Mittelrisalit unter Dreiecksgiebel zusammenfasst. Ein das ganze Gebäude durchmessendes Vestibül mit zweiarmiger Freitreppe erschließt das Erdgeschoss. Im Süden schließt direkt an das Vestibül der Hauptsaal an.

Der Hauptsaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Hauptsaal[2] war zwar bereits 1714 vollendet, hat aber erst um 1770 seine Ausstattung erhalten. 1992 und 2020 wurde er restauriert.

Beschreibung

Der Hauptsaal im Hauptgeschoss nimmt den gesamten Südbereich des Hauptflügels ein und misst 11,0 auf 10,2 Meter bei einer Höhe von 4,75 Metern. Der Saal wird von Norden durch eine Tür in der Wandmitte betreten. Ihr gegenüber an der Südwand befindet sich eine Ofennische. Im Osten und Westen lassen je drei große Fenster Licht in den Raum. Die Wände sind über einer Sockelzone komplett mit bemalten Leinwänden aus dem 18. Jahrhundert bespannt. Die Decke hat vermutlich im 19. Jahrhundert eine neue Fassung erhalten.

Die Wandmalerei des Hauptsaals

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei[3] wird in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert. Ihr Künstler ist unbekannt. Die Ähnlichkeit mit der Malerei des ehemaligen Speisezimmers in Haus Beck legt eine Entstehung um 1770 nahe. Sie wurde letztmalig 2020 restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände präsentieren auf Holzrahmen aufgezogene wandhohe bemalte Leinwände. Auf rotem Grund zeigen sie in goldenen Rokokorahmen große Landschaftsdarstellungen, die mittels Personen im Bildvordergrund in bäuerlichen und gutsherrschaftlichen Szenen die vier Jahreszeiten allegorisieren. Sie stammen wohl aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In den Supraporten und zwischen den Fenstern tummeln sich Putten. Die Malerei ist in Rot-Braun-Tönen auf hellem Grund ausgeführt.

Vorlagen und Vergleiche

Das Gesamtkonzept erinnert damit inhaltlich und farblich an das ehemalige Speisezimmer in Haus Beck. Caspar Heinrich Goswin von Boeselager war Kammerherr des Kölner Kurfürsten Clemens August und es ist durchaus möglich, dass er nicht nur Schlaun für den Bau der Orangerie nach Eggermühlen holte, sondern auch Anregungen und Künstler.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Bensch, Eggermühlen, 1994. – Bensch, Gerhard: Das Rittergut Eggermühlen. In: Eggermühlen. Chronik einer Gemeinde im Osnabrücker Land. Eggermühlen 1994, S. 183-192.
  • Bruch, Rittersitze. 2004. – Bruch, Rudolf vom: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück. Neuauflage Osnabrück 2004.
  • Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Feige, Eggermühlen, 2002. – Feige, Bernhard: Das Rittergut Eggermühlen. In: Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2002, S. 26-29.
  • Nöldeke, Wittlage, 1915. – Nöldecke, Arnold (Bearb.): Die Kreise Wittlage und Bersenbrück (Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover IV, Regierungsbezirk Osnabrück). Hannover 1915.
  • Warnecke, Schlösser, 1980. – Warnecke, Edgar F.: Das große Buch der Burgen und Schlösser im Land von Hase und Ems. Osnabrück 1980.

Einzelnachweise

  1. Bensch, Eggermühlen, 1994; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 423-424; Warnecke, Schlösser, 1980, S. 145-147; Nöldeke, Wittlage, 1915, S. 114-115; Bruch, Rittersitze, 2004, S. 339-345.
  2. Bensch, Eggermühlen, 1994, S. 186; Bruch, Rittersitze, 2004, S. 342.
  3. Warnecke, Schlösser, 1980, S. 146; Bruch, Rittersitze, 2004, S. 342.