Eckardtshausen, Schloss Wilhelmsthal
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Für Schloss Wilhelmsthal lassen sich mehrere Deckengemälde von Carlo Ludovico Castelli nachweisen, die 1720 geschaffen wurden. Sie haben sich nur teilweise erhalten. Freigelegt wurde 2024 ein vierteiliger Jahreszeitenzyklus – verteilt auf zwei Räume.
Schloss Wilhelmsthal
Geschichte und Beschreibung
Die Baugeschichte des Schlosses in Wilhelmsthal[1] ist ausgesprochen komplex. Seit dem 16. Jahrhundert haben sich an dieser Stelle fünf verschiedene Schlösser erhoben. Der erste und der zweite Bau wurden gänzlich niedergelegt, die dritte Anlage erfuhr zweimal eine tiefgreifende Umgestaltung, wobei immer auch Bauten abgerissen und andere neu aufgeführt wurden.
Der heutige Schlosskomplex geht auf Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach zurück. Er ließ die Anlage seit 1699 durch Johann Mützel erneuern und nach ihm ist das Schloss benannt. Bis 1719 wurden verschiedene Einzelgebäude errichtet. Das Hauptgebäude wurde 1709-14 nach Plänen von Johann Mützel aufgeführt. 1715 sollte ein Kutschenhaus in Wilhelmsthal erbaut werden. In Ergänzung zu den bestehenden Gebäuden wurde 1717-20 ein eigenes Saalgebäude errichtet. Zum Schloss gehörten mehrere Lustgärten, ein umfriedeter Tiergarten sowie ein Lustsee. Der Nachfolger, Herzog Wilhelm Heinrich, ließ das Saalgebäude „verschönern“, zwei Pavillons errichten und den Lustgarten ergänzen und eine Menagerie einrichten.
Mit dem Tod Wilhelm Heinrichs 1741 starb das Haus Sachsen-Eisenach aus. Der neue Landesherr, Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach, gestaltete die Anlage tiefgreifend um. Die Hauptachse wurde um 90 Grad verschwenkt, auf das Corps de logis ausgerichtet und diente hinfort als Symmetrieachse. Um zu beiden Seiten eine gleiche Anordnung der Bauten zu erreichen, mussten zahlreiche Nebengebäude abgerissen, um- und neuerbaut werden. Viele Gebäude erhielten eine neue Funktion. Die Arbeiten erfolgten nach den Plänen Gottfried Heinrich Krohnes und konnten größtenteils in den Jahren 1743 und 1744 durchgeführt werden.
Um 1790 erfolgte dann für Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach eine tiefgreifende Umgestaltung des Schlosses, die sein Aussehen bis heute prägt. Gegenüber dem Saalbau von 1717/20 entstand ein neuer Bau, der mit ihm durch eine Säulengalerie verbunden wurde. Die westlich gelegenen Häuser legte man nieder. Viele Räume erhielten eine neue Ausstattung. Der Garten wurde ab 1795 zum Landschaftsgarten umgestaltet.
Die Anlage erstreckt sich südlich des zum See gestauten Elte-Bachs. Zu den Bauten zählte im 18. Jahrhundert das Corps de logis, eine „Logie vor Frembdte“ (nach 1743 Prinzenhaus), das Wachgebäude, eine Wohnung für den Hofmarschall (nach 1743 Prinzessinnen- und Tafelgebäude), ein Kavalier- und Gästehaus (nach 1743 Haus des Schloßvogts), das Haus für Forstbeamte und Botenmeister (nach 1743 Küche), Küche, Kammerdienerwohnung und Waschhaus (nach 1743 Jägerwohnung), Wagenhaus (nach 1743 Gärtnerswohnung), Marstall, ein Saalbau, mehrere Pavillons und Nebengebäude für den Hofstaat, ein Jagdhaus und eine Orangerie sowie ein Schiffshaus und ein Gasthof.
Das Corps de logis

Geschichte und Beschreibung
Größter Bau – mit einem Walmdach gedeckt – war das zweigeschossige Corps de logis.[2] Es unterschied sich formal von allen anderen Gebäuden der Anlage. Seine Fassaden waren an jeder Seite mit einem ebenfalls zweigeschossigen risalitartigen Vorbau ausgezeichnet. Im Erdgeschoss wohnten rechts der Herzog und links die Herzogin. An der Eingangsseite befand sich das Treppenhaus, sodass der im ersten Obergeschoß gelegene Hauptsaal auf den Garten hinauswies. Er wurde von Giovanni Pietro Castelli ausstuckiert und von Carlo Ludovico Castelli mit Gemälden unbekannter Thematik versehen. Carlo Ludovico war Maler und hat nie stuckiert. Herzog Ernst August I. ließ das Corps de logis 1743-44 neu ausstatten und den Stuck ergänzen. Unbekannt ist, was mit der Malerei geschah. Die freskierten Supraporten im Hauptsaal blieben jedenfalls erhalten.
Der Saalbau

Geschichte und Beschreibung
Der ab 1717 errichtete Saalbau[3] wurde südlich der Querachse zwischen dem Haus des Hofmarschalls und dem Haus des Forstmeisters errichtet. Er dürfte schon vor den Umbauten unter Ernst August I. 1743-44 verputzt gewesen sein und hätte damit seine wichtige Stellung demonstriert. Doch hat sich aus dieser Zeit keine Ansicht erhalten. Ernst August I. ließ den Saalbau im Gegensatz zum Corps de logis kaum verändern. 1802/03 wurde er zum Festsaal umgebaut. Neben zwei Vorräumen im Südosten sowie einem kleinen Saal im Nordwesten wird der Saalbau noch heute fast vollständig von einem längsovalen Festsaal eingenommen.
Sein Deckenstuck mit Mittelrosette zeigt Girlanden, verschiedene Figuren und Jagdutensilien. Zudem ließ der Herzog Johann Wilhelm an der Decke den Schwarzen Adlerorden stuckieren, in den er 1708 aufgenommen worden war. Der Stuck ist in Formen des Regence gehalten und präsentiert zudem neben Herzogshüten Jagdhunde, Jagdhörner und andere Verweise auf die Jagd sowie Trophäen.
Auch im Saalgebäude stammte der Stuck von Giovanni Pietro Castelli und die Malerei von Carlo Ludovico Castelli.
Die beiden Räume bzw. Kabinette im Südosten sind das sog. Cereszimmer und das sog. Bacchuszimmer. Sie sind durch einen kleinen Flur miteinander verbunden und stoßen direkt an den Saal an. Zwischen ihnen befindet sich ein kleines Treppenhaus.
Das sog. Cereszimmer neben dem Festsaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Kabinett wurde zusammen mit dem Saalbau 1717-1720 für Herzog Johann Wilhelm I. von Sachsen-Eisenach errichtet. Es diente ursprünglich wie das sog. Bacchuszimmer als Herzogs- und Gastzimmer.[4] Der Stuck von Giovanni Pietro Castellli mit eingelassenen Deckengemälden entspricht noch heute der Gestaltung der Erbauungszeit. Bei der klassizistischen Umgestaltung des Saales 1802/03 wurden nur kleinere Eingriffe wie der Einbau einer Tür zum Saal vorgenommen. Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach ließ die beiden Kabinette zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Buffet- bzw. als Entreezimmer herrichten. Als Wilhelmsthal nach dem Zweiten Weltkrieg als Kinderdorf genutzt wurde, dienten beide Zimmer der Essensausgabe. In diesem Kontext wurden die Deckengemälde ab 1945 mehrmals überfasst. Bereits 1913 soll zuvor ein Firnis zur ,Auffrischung‘ aufgetragen worden sein. Die Überfassungen und der Firnis konnten 2023/2024 restauratorisch entfernt werden.[5]
Beschreibung
Das Kabinett liegt an der Ostecke des Saalbaus. Der annähernd quadratische Raum schließt östlich an den Eingang am Südostgiebel und das dort liegende Treppenhaus mit Flur an. Eine hohe Doppelflügeltür in der Nordwestwand führt in den Saal, während eine große Rundbogenfenstertür sich an der Ostecke zum Pavillonbau hin öffnet.
Die Wände des Raumes schließen mit einem Gesims ab, auf das eine breite Voute folgt. Die Abstufung der Deckenzonen tritt reich profiliert und plastisch von der Decke hervor. Ein verputzter Unterzug trennt die zwei Deckenzonen, die gefasste Deckenfelder für die Malereien aufnehmen. In schlichten, aber reich profilierten Stuckleisten setzen sich die Deckenfelder jeweils aus einem geschwungenen Rechteck mit in der Mitte integriertem Quadrat zusammen. In den Ecken der Decke rahmen Blätterwerk und schlanke Voluten Grisaille-Malereien, während mittig in der Voute an jeder Seite Medaillons eingelassen sind. In den beiden Deckenfeldern schweben Flora bzw. Ceres mit Assistenzfiguren in Wolken. In den Ecken des Raumes entlang der Voute sind Grisaille-Malereien in Abstufungen von Ocker- und Grauweißtönen erhalten, die von geschwungenem Blattwerk und Voluten gerahmt sind.[6]
Allegorie des Frühlings
Externes Bild
Michel Dorigny nach Simon Vouet: Juno
Bild beim Anbieter ansehen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei wurde um 1720 durch Carlo Ludovico Castelli im Auftrag von Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach geschaffen. Während der klassizistischen Umgestaltung des Saals erfolgte keine Veränderung. Um 1913 wurde ein Ölfirnis zur ‚Auffrischung‘ aufgetragen, auf den ab 1950 ca. sechs Fassungen aus Leim- und Leim-Latex- bzw. Dispersionsfarben folgten. 2023/2024 konnte die Deckenmalerei von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten freigelegt werden.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Das westliche Hauptbild zeigt Flora in den Wolken, flankiert von drei Assistenzfiguren. Zentral in der Mitte der Malerei thront Flora, die Beine beinahe ausgestreckt auf den Wolken. Ihre Füße ragen in Sandalen seitlich aus dem Gewand hervor. Sie hält mit angewinkeltem Arm einen Blumenkranz in die Höhe, ein zweiter schmückt ihren Kopf. Ihre nackte Brust ragt aus dem Gewand hervor. Castellis Flora umfasst zudem mit einem Arm ein großes Füllhorn mit Tulpen und anderen Blumen. Sie ist in sanfte Pastelltöne gekleidet, deren türkisgrünes Obergewand sich in dicken Stoffkaskaden über die Beine drapiert. Zwei der drei Nebenfiguren lehnen sich rechts aus den Wolken. Die vordere, mit zarten Feenflügeln versehen, gießt Wasser aus einem Gefäß, während hinter ihr Zephyr mit gefüllten Wangen Wind bläst. Beide halten in einer Hand Blumen in die Höhe. Eine dritte Begleitfigur ist auf der anderen Seite Floras integriert, deren Oberkörper aus den Wolken ragt. Ein rosarotes Tuch wirbelt im Halbkreis um ihren Kopf. Vor ihr liegt ein großer Korb mit Tulpen und anderen Blumen. Im Hintergrund changiert Castelli mit den Wolkenformationen zwischen verschiedenen Ebenen und Stimmungen des blauen Himmels und dunkleren Wolkenpartien, die das wechselhafte Frühlingswetter imitieren und akzentuierte Tiefendimensionen zwischen den Figuren erzeugen.[8]
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die Raummitte ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Die zwei Nebenfiguren rechts von Flora entsprechen bis in die Details jenen, die in einem Kupferstich von Michel Dorigny nach Simon Vouet dargestellt sind und dort Juno begleiten.[8]
Allegorie des Sommers
Externes Bild
Susanna Maria Sandrart nach Gerard de Lairesse: Aestas
Bild beim Anbieter ansehen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Allegorie wurde im Auftrag von Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach um 1720 durch Carlo Ludovico Castelli erstellt. Während der klassizistischen Umgestaltung des Saals erfolgte keine Veränderung. Um 1913 wurde ein Ölfirnis zur ‚Auffrischung‘ aufgetragen, auf den ab 1950 ca. sechs Fassungen aus Leim- und Leim-Latex- bzw. Dispersionsfarben folgten. 2023/2024 wurde die Malerei wieder freigelegt.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Das östliche Hauptbild zeigt die thronende Ceres in einem Wolkenhimmel. Der gängigen Ikonografie folgend ist sie mit einem Ährenkranz bekrönt und hält Fackel und Sichel in Händen. Ihr Fuß ruht auf einer Korngarbe. Zwei Assistenzfiguren flankieren sie in den Längsseiten des Deckenfelds. In einer leicht angewinkelten Unteransicht dreht sich links die Figur eines Mannes zu Ceres. Er winkelt seine Beine im Flug an und balanciert einen großen Korb mit Früchten, gestützt durch seinen rechten Arm. Mit der Linken hält er einen Blätterzweig. Auf der anderen Seite entflieht eine weibliche Figur mit flatternden Gewändern aus den Wolken. Ihr rechter Ellbogen ist erhoben, die Hand unters Kinn gelegt. Dynamisch blickt sie zurück, während der Wind ihr Haar zerzaust.
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die Wand ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Castelli folgt bei beiden Assistenzfiguren genau einem Stich von Susanne Maria von Sandrart nach Gérard de Lairesse, der Aestas zeigt. Der dynamische Bewegungsablauf und die Ansicht beider Figuren stimmen mit denen von Lairesse bis ins Detail überein. Lairesse wählt bei seinen Jahreszeiten drei Allegorien der Monate als Begleitfiguren, von denen Castelli den dritten Monat im Hintergrund nicht übernimmt. Die zweite weibliche Begleitfigur, die bei Lairesse im Vordergrund aus dem Bild zu fliehen scheint, setzt Castelli mit dem Unterkörper hinter eine Wolke, aus der sie hervorschwebt. Auch Ceres ist deutlich zentraler in die Mitte gerückt. Die leicht schräge und stark involvierte Seitenansicht bei Lairesse übersetzt Castelli in eine thronende und prägnante Darstellung der Ceres. Insgesamt stärken diese Umsetzungen das längliche Format, wandeln die Dramatik der Darstellung des Sommers bei Lairesse in eine gesetzte diagonal strebende Abfolge um. Einen deutlichen Unterschied zur Vorlage von Lairesse setzte Castelli in den Wolken um. Sie gleichen die Haltungen der Figuren im Kontext zum neuen Format des Deckenfeldes aus.[9]
Die Nebenbilder
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Nebenbilder wurden im Auftrag von Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach um 1720 von Carlo Ludovico Castelli geschaffen. Auch sie wurden ab 1950 mehrfach überfasst und 2023/2024 wieder freigelegt.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Die Nebenbilder in den vier Ecken sind monochrom in Gelbtönen gemalt. Sie zeigen Vögel und Pflanzen, die inhaltlich das Hauptbild ergänzen: eine Schwalbe über einer Gebirgslandschaft, Frühjahrsblumen in ihren Beeten, einen Eisvogel am Meer sowie eine Lilie.
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die Raummitte ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Die vier Motive haben Darstellungen in den Medaillons des Sommers und des Frühlings der Tapisseries du roy von Charles Le Brun als Vorlage, wie sie in den Kupferstichen von Sébastien Le Clerc und Johanna Sibilla Küsel vielfältig publiziert wurden. Die Schwalbe und die Frühjahrsblumen stammen aus dessen Tapisserie des Frühlings. Eisvogel und Lilie folgen aus den Medaillons von Le Bruns Darstellung des Sommers.
Das sog. Bacchuszimmer neben dem Festsaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das so genannte Bacchuszimmer wurde zusammen mit dem Saalbau 1717-1720 für Herzog Johann Wilhelm I. von Sachsen-Eisenach errichtet. Es diente ursprünglich wie das sog. Cereszimmer als Herzogs- und Gastzimmer.[4] Der Stuck von Giovanni Pietro Castellli mit eingelassenen Deckengemälden entspricht noch heute der Gestaltung der Erbauungszeit. Bei der klassizistischen Umgestaltung des Saales 1802/03 wurden nur kleinere Eingriffe wie der Einbau einer Tür zum Saal vorgenommen. Großherzog Carl August ließ die beiden Kabinette zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Buffet- bzw. als Entreezimmer herrichten. Als Wilhelmsthal nach dem Zweiten Weltkrieg als Kinderdorf genutzt wurde, dienten beide Zimmer der Essensausgabe. In diesem Kontext wurden die Deckengemälde ab 1945 mehrmals überfasst. Bereits 1913 soll zuvor ein Firnis zur ,Auffrischung‘ aufgetragen worden sein. Die Überfassungen und der Firnis konnten 2023/2024 restauratorisch entfernt werden.[5]
Beschreibung
Der Raum liegt an der Südecke des Saalbaus und schließt südlich an das Treppenhaus mit Flur am Eingang des Südostgiebels an. Durch einen kleinen Vorraum ergibt sich ein L-förmiger Grundriss, der sich an der Parkseite mit einer hohen zweiflügeligen Fenstertür mit rundbogigem Abschluss öffnet. Eine kleine einflügelige Tür führt in der nördlichen Wand zum Vorraum und eine große zweiflügelige Tür in der Westwand zum Saal.
Aufgrund seines L-förmigen Grundrisses sind drei Malereien an der Decke angebracht. In den beiden großen Deckenfeldern thronen Bacchus und Diana wie auch der Gott Äolus mit Begleitfiguren. In einem zusätzlichen, quadratischen Feld liegt eine Amorette mit Trauben und Köcher auf einem Löwen. In den Ecken des Raumes entlang der Voute sind Grisaille-Malereien in Abstufungen von Violett- und Grauweißtönen erhalten.[6]
Allegorie des Herbstes
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei wurde um 1720 von Carlo Ludovico Castelli im Auftrag von Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach ausgeführt. Während der klassizistischen Umgestaltung des Saals erfolgte keine Veränderung. Um 1913 wurde ein Ölfirnis zur ‚Auffrischung‘ aufgetragen, auf den ab 1950 ca. sechs Fassungen aus Leim- und Leim-Latex- bzw. Dispersionsfarben folgten. 2023/2024 wurde die Malerei wieder freigelegt.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Auf Wolken sitzen sich Bacchus und Diana einander gegenüber. Diana hält ihren Bogen und trägt ein Mondsicheldiadem. Ein Teil ihres grünen Mantels ist voluminös um den linken Arm drapiert. Bacchus ist als Repoussoir-Figur dargestellt, die das Haupt zum Betrachter wendet. Um seine Hüfte ist ein Panterfell geschwungen. Ein Kranz aus Weinblättern, die auch das Zepter in seiner Linken umwinden, krönt sein Haupt. In seiner Rechten hält er Trauben. Auffällig im Vergleich zu den anderen Jahreszeitendarstellungen in Wilhelmsthal ist, dass Castelli in der Allegorie des Herbstes keine Assistenzfiguren integriert.
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die Wand ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Die Position, Gewänder und Haltungen von Bacchus und Diana stimmen mit der Allegorie des Herbstes aus den Tapisseries du Roy Charles Le Bruns überein, die er für Ludwig XIV. entwarf. Diese hatten durch die Veröffentlichung André Félibiens eine große Reichweite erlangt und wurden auch durch die Kupferstiche von Sébastien Leclerc und Johanna Sibilla Küsel verbreitet.[10]
Allegorie des Winters
Externes Bild
Susanna Maria Sandrart nach Gerard de Lairesse: Hiems
Bild beim Anbieter ansehen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Allegorie ist um 1720 für Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach von Carlo Ludovico Castelli erstellt worden. Während der klassizistischen Umgestaltung des Saals erfolgte keine Veränderung. Um 1913 wurde ein Ölfirnis zur ‚Auffrischung‘ aufgetragen, auf den ab 1950 ca. sechs Fassungen aus Leim- und Leim-Latex- bzw. Dispersionsfarben folgten. 2023/2024 wurde die Malerei wieder freigelegt.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Auf Wolken haben sich drei Figuren niedergelassen. In der Mitte thront Äolus in leichter Unteransicht, als älterer athletischer Mann mit Bart dargestellt. Er hält kraftvoll einen Ast gleichsam einem Zepter. Der Wind erfasst seinen Mantel und bläht ihn hinter dem Windgott auf. Diese Bewegung erweckt den Eindruck, Äolus riefe Boreas, vor dessen eisiger Kälte beide Begleitfiguren fliehen. Mitten im Flug verschwindet eine Figur in den Wolkenmassen. Als Rückenansicht festgehalten, trägt sie ein Füllhorn. Eine zweite Allegorie ist mit einer Jacke und einer fellbesetzten Mütze bekleidet. Mit einem Arm wehrt sie den aufkommenden Wind ab.
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die Wand ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Castelli folgt einem Stich von Susanne Maria von Sandrart nach Gérard de Lairesse. Die Übernahme der Haltungen der einzelnen Figuren von Gérard de Lairesse ist in Castellis Darstellung des Winters am prägnantesten. Castelli verzichtet in seinem Aufbau auch in dieser Darstellung auf die dritte Allegorie der Jahreszeitenmonate, die bei Lairesse im Vordergrund positioniert ist. Die beiden anderen Figuren übernimmt Castelli in der gleichen Position und Haltung. Auch der zentral positionierte Äolus ist detailgetreu von Lairesse übernommen.[11]
Amorette auf einem Löwen
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckenbild ist um 1720 für Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach von Carlo Ludovico Castelli gemalt worden. Ab 1950 wurde es mehrfach überfasst und 2023/2024 wieder freigelegt.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Im quadratischen Deckenfeld sitzt eine Amorette auf einem Löwen. Das Tier liegt auf einer Wolke und dreht seinen Kopf zu dem Knaben, der auf seinem Rücken sitzt. Das linke Bein ist angewinkelt, während der Putto den rechten Arm mit Trauben erhebt. Den linken Arm legt er um den ihm zugewandten Kopf des Löwen.
Die Nebenbilder
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Nebenbilder sind um 1720 für Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach von Carlo Ludovico Castelli gemalt worden. Ab 1950 wurden sie mehrfach überfasst und 2023/2024 wieder freigelegt.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Die Kartuschen in den fünf Ecken der Decke nehmen monochrome Malereien in Abstufungen von Violett- und Grauweißtönen auf. Sie nehmen auf die in den Hauptbildern allegorisierten Jahreszeiten Bezug. Dargestellt sind ein Granatapfel, ein jagender Falke, ein Jagdhorn und eine Pyramide mit Weinranken.
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die Raummitte ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Auch bei den Nebenbildern übernahm Castelli seine Motive den Medaillons der Tapisserie des Herbstes nach Charles Le Brun, wie sie von Johanna Sibilla Küsel gestochen wurden. Er verzichtete jedoch auf den jeweiligen lateinischen Schriftzug, der die Medaillons von Le Bruns Tapisserien ziert.[10]
Bibliographie
- Literatur
- Dehio, Thüringen, 1998. – Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Thüringen, bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. Berlin/München 1998.
- Dobbe, Wilhelmsthal, 2025. – Dobbe, Kira: Vier Jahreszeiten zwischen Vorlagen, Reproduktion und Schaffensprozess – Die Deckenmalereien in den Vorzimmern des Telemannsaals in Schloss Wilhelmsthal, in: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (Hrsg.): Burgen im Wandel. Gestalt und Funktion wehrhafter Architektur, Jahrbuch 2024, Bd. 28. Rudolstadt 2025, S. 175-186.
- Enterlein, Wilhelmsthal, 2004. – Enterlein, Michael: Europäisches Anspruchsniveau und regionale Wirklichkeit: Schloß Wilhelmsthal in Thüringen. Mag.-Arb. Jena 2004.
- Knobloch, Wilhelmsthal, 2008. – Knobloch, Christian: Zu schön, um zu verstummen – Die Schloss- und Parkanlage Wilhelmsthal. 2. stark erweiterte und überarbeitete Auflage. o.O. 2008.
- Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
- Lehfeldt/Voss, KDM Eisenach I, 1915. – Lehfeldt, Paul/Voss, Georg: Die Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Band III. Verwaltungsbezirk Eisenach I. Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (ohne Wartburg). Jena 1915.
- Möller, Krohne, 1956. – Möller, Hans Herbert: Gottfried Heinrich Krohne und die Baukunst des 18. Jahrhunderts in Thüringen. Berlin 1956.
- Scherf, Eisenach, 1980. – Scherf, Helmut: Bau- und Kunstdenkmale in Stadt und Kreis Eisenach. Tl. 1. Kreisgebiet (Eisenacher Schriften zur Heimatkunde 12). Eisenach 1980.
- Sckell, Wilhelmsthal, 1939. – Sckell, Otto (Bearb.): Wilhelmsthal bei Eisenach als Lust- und Jagdschloß der Vergangenheit und sein Wiederaufstieg. Weimar 1939 (Typoskript in der HAAB Weimar).
- Ulferts, Säle, 2000. – Ulferts, Edith: Große Säle des Barock. Die Residenzen in Thüringen. Petersberg 2000.
- Archivalien
- Müller, Wilhelmsthal, 2024. – Müller, Thies: Dokumentation zur Abnahme der Übermalungen, Konservierung und Desinfektion an den Deckenbildern und Stuckgestaltungen an den Decken in den Räumen 0.01, Ceres und 0.03, Bacchus im Neuen Schloss Wilhelmsthal. Weimar 2024.
- Just/Werner, Wilhelmsthal, 2018. – Just, Tobias/Werner, Thomas: Dokumentation Schloss und Park Wilhelmsthal Saalbau (Telemannsaal). Restauratorische Untersuchung zur Raumfassung, Oktober-November 2018 (Dokumentationsarchiv der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten).
Einzelnachweise
- ↑ Knobloch, Wilhelmsthal, 2008, besonders S. 37-61, 94-96, 111-112; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 397-402; Möller, Krohne, 1956, S. 106-107, 246-247; Scherf, Eisenach, 1980, S. 9-10; Sckell, Wilhelmsthal, 1939, S. 9-33.
- ↑ Knobloch, Wilhelmsthal, 2008, S. 38-41, 111-112; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 400; Möller, Krohne, 1956, S. 245-246.
- ↑ Knobloch, Wilhelmsthal, 2008, S. 48-50, 173; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 37-38, 400-401; Enterlein, Wilhelmsthal, 2004, S. 49-53; Ulferts, Säle, 2000, S. 143; Möller, Krohne, 1956, S. 245-246; Sckell 1939, S. 11.
- ↑ 4,0 4,1 Just/Werner, Wilhelmsthal, 2018, o. S., Anm. 2, LATh – HStA Weimar, EA, Hof und Haushalt 501. Es wird erwähnt, dass vom 3. bis 5. August 1724 der Fuldaer Fürstbischof Konstantin von Butlar im neuen Saal sein „logiment“ genommen habe.
- ↑ 5,0 5,1 Laß, Lustschlösser, 2006, S. 400-401; Ulferts, Säle, 2000, S. 143; Möller, Krohne, 1956, S. 106-107, 246. Müller, Wilhelmsthal, 2024.
- ↑ 6,0 6,1 Knobloch, Wilhelmsthal, 2008, S. 20, 51; Enterlein, Wilhelmsthal, 2004, S. 50; Lehfeldt/Voss, KDM Eisenach I, 1915, S. 692-603.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 7,5 7,6 Müller, Wilhelmsthal, 2024.
- ↑ 8,0 8,1 Dobbe, Wilhelmsthal, 2025, S. 178.
- ↑ Dobbe, Wilhelmsthal, 2025, S. 177f.
- ↑ 10,0 10,1 Dobbe, Wilhelmsthal, 2025, S. 179.
- ↑ Dobbe, Wilhelmsthal, 2025, S. 179f.