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Eching a. Ammersee, Pfarrkirche St. Peter und Paul

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 48–53, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, z. Z. von der Pfarrei Greifenberg-Beuern vikariert, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Präsentationsrecht beim Bischof von Freising, Herrschaft Greifenberg

Patrozinium: St. Peter und Paul

Zum Bauwerk: Unter Pfarrer Franz Anton Ziegler (1761 -1809) wurde die Kirche nach Plänen des Leonhard Matthias Giessl (Lieb) 1764-66 als langgestreckter Saalbau mit eingezogenem halbrund geschlossenem Chor neu errichtet und 1770 ausgemalt. Zur Finanzierung trug das Legat des 1760 verstorbenen Pfarrers Johann Jakob Schorer bei (vgl. KDB). Die Wahl des Hofmalers Christian Wink ist wohl durch den Hofmarksherrn Emanuel Maximilian Freiherrn von Perfall (* ca. 1717 †1790) beeinflußt.

Autor und Entstehungszeit: Signatur in der südöstlichen Ecke des Freskos B (Inschrift auf einem Stein): Christian Wink. Aulae / Bojc. Pictor. Im Rahmentondo zwischen A und B steht die Jahreszahl: MDCCLXX. Die Augsburger Kunstzeitung von 1771 und die »Geschichtlichen Notizen« des Echinger Pfarrers Lorenz Gruber (1825–39) im Pfarrarchiv erwähnen die Echinger Fresken sowie das Hochaltarbild des Hofmalers Wink, für welche derselbe 800 fl. erhalten hat (Texte zitiert bei Clementschitsch).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Flachtonne mit Stichkappen, im O gemuldet

Rahmen: imitierte Rahmenprofile und imitierter Stuckdekor

Technik: Fresko; A, B, C polychrom, B1-4 monochrom gold ocker

Maße: A Höhe 15,40 m; 2,50 × 4,20

B Höhe 15,40 m; 8,00 × 4,20

C Höhe 15,40 m; 4,60 × 3,40

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Letzte Restaurierung 1963. Die Fresken sind schlecht erhalten: Die Farben sind fleckig-flau und haben ihre Leuchtkraft eingebüßt. Die Rahmen- und Stuckmalerei wirkt gegenüber den Bildern in Farbe und Zeichnung zu kräftig.

Beschreibung

Die LHs-Fresken A und B sind in ein schmales Wölbungs feld gemalt, welches sich in einem Zug über die drei Joche des Langhauses erstreckt, begrenzt von der reich ornamentierten Stichkappenzone mit den vier Kartuschbildern B1-4. Die gemalten Rahmen und Ornamente sind durch gegensätzliche Formen charakterisiert: Der Rahmen, streng geradlinig, wirkt mit seinem steilen Bogenmuster klassizistisch; der Scheinstuck dagegen wuchert krautig in lappig zerfaserten Formen um die großflächigen, akademisch reservierten Kartuschbilder und zum Rahmen hin.

Die Bilder A und B haben einen gemeinsamen Betrachterstandpunkt unterhalb der Gloriensonne im westlichen Bildviertel von Fresko B. Die jeweils einansichtig angelegten Bilder sind einander gegenübergestellt und erfordern deshalb eine Umwendung beim Betrachten. Fresko B mit der Blickachse zum Hochaltar hin ist nahezu dreimal so groß wie Fresko A.

A DIE BEKEHRUNG DES PAULUS Fresko A wird vom Orgelaufbau zum Teil verstellt, so daß die Hauptfigur, Saulus, nicht voll sichtbar ist. Der Querrahmen trennt die beiden LHs-Freskobilder, der Wolkenbogen im westlichen Bild endet jedoch erst im östlichen und bezieht sich kompositionell auf die Gloriensonne in B. - Auf einer tief herabhängenden Wolke thront Christus und weist mit der Rechten auf sein Kreuz, das ihm ein Engel hält. Christus wendet sich hinab zu Saulus, seine Worte SAULE SAULE QUID ME PERSEQUERIS haben Saulus zu Boden gestürzt, er liegt neben dem zusammengebrochenen Pferd auf dem Rücken und streckt seinen Arm gegen die Himmelserscheinung aus. Um Saulus herum stieben die Soldaten verschreckt auseinander, einer von ihnen hebt seine Hellebarde gegen die Himmelserscheinung, von links sprengt ein Reiter mit gezogener Hellebarde heran.

Der unruhige Charakter der bewegten Figuren wird gesteigert durch die senkrecht und schräg in den Himmel aufragenden Fahnenschäfte und Hellebarden sowie durch die kaum belaubten Baumäste. In der Himmelsgruppe finden diese Linien ihre Fortsetzung in den sich kreuzenden Diagonalen von Lichtstrahl und Kreuz Christi. Die figurenreichen Freskodarstellungen finden eine Entsprechung in den vielteiligen, gewundenen Ornamentformen des ausklingenden Rokoko, während die strengen, monotonen Rahmenformen die geometrische Ordnung der Komposition betonen. Auch farblich gehören Freskobilder, imitierter Stuckdekor und monochrome Kartuschdarstellungen eng zusammen: Helles Grau und fahles Blau bilden in den Fresken den farblichen Grund, von dem sich in der Himmelszone ein blasses Ockergelb und grünliche bis bläuliche Weißtöne abheben. Die irdische Zone weist ein dem Grau verwandtes Chromgrün und Umbra auf, farbige Akzente bilden lichtes Grün, Blau und Goldgelb in den Gewändern. Braunrot tritt meist verschattet in beiden Bereichen auf. Die Ornamentzone weist eine entsprechende Farbskala auf: einen fahlgrünen Grund mit verschattetem Weiß (Grau) in den Ornamenten, Goldocker im Rahmen und in den Kartuschen, Braunrot in einem imitierten Vorhang über dem Chorbogen, Stahlblau nur in der Inschriftkartusche ebenda.

A Die Bekehrung des Paulus

B MARTYRIUM DER APOSTELFÜRSTEN Die Martyriumsszenen sind in Untersicht in der östlichen Bildhälfte wiedergegeben, die westliche Himmelszone zeigt auffällig weniger Untersichten, die Figuren sind annähernd so groß wie die der irdischen Zone.

Vor der Scheibe der strahlenden Gloriensonne wird die aufrechte Gestalt der Fides-Ecclesia sichtbar. Putti breiten ihren weißen Mantel aus, Engel halten das Kreuz Christi neben ihr empor und verehren sie; ein Engel schwebt mit Lorbeerkränzen und Siegespalmen hinab zum irdischen Schauplatz.

Die himmlische Gruppe mit der zentralen Figur der Fides-Ecclesia ist in der Form eines Dreiecks mit nach unten gerichteter Spitze angeordnet; sie wird hinterfangen von einem V-förmigen Wolkenbogen mit seitlichen Ausläufern zum Bildrand hin. Kompositionell auf die Himmelsgruppe bezogen ist die Kreuzigungsgruppe Petri: Das Kreuz, an welches Petrus wie Christus an den Händen und Füßen mit Nägeln geschlagen worden ist, wird von Schergen umgekehrt aufgerichtet. Die Gruppe bildet ein aufrecht stehendes Dreieck, dessen Spitze, bezeichnet durch das Kreuzende, schräg nach rechts aufragt. Die Seiten bilden eine Stange und ein Strick, mit welchen die Schergen das Kreuz aufrichten. Petri Gestalt nimmt die Mittelsenkrechte ein: sein Haupt ist ungefähr in der Mittelachse des Bildes, in Beziehung gesetzt zu den Gestalten der Fides-Ecclesia und des Engels mit den Siegeszeichen. Das umgekehrte Kreuz ist in der irdischen Gruppe zentrales Bildmotiv, das Kreuz der Fides-Ecclesia, als Attribut kompositionell untergeordnet, wird augenfällig in seiner großen Formgebung auf das Petruskreuz bezogen. – Die Kreuzigungsgruppe Petri beherrscht die irdische Szenerie, diese wird durch eine hoch gestaffelte, zerklüftete, terrestrische Zone, besetzt von Gruppen von Soldaten mit den römischen Machtinsignien (Faszes und Feldzeichen) und von Zuschauern, wiedergegeben. Erhöht auf einer Bodenerhebung steht rechts die Gestalt eines befehlenden, vornehm antikisch gekleideten Mannes. Eine Pyramide, eine Palme und ein Baumstumpf, typische Requisiten einer klassisch-antiken Landschaft bei Wink, deuten den historischen Schauplatz nur eben an. (Eine symbolisch-allegorische Deutung dieser Gegenstände siehe im Programm von Prittriching.) Links von der Kreuzigung Petri, ein wenig erhöht, ist die Enthauptung des Paulus wiedergegeben. Paulus kniet gefesselt und erwartet mit gesenktem Haupt den Schwertstreich des Henkers. Die Gestalt Pauli wird vor allem durch das helle, grüne Gewand von dem dunklen Inkarnat des Schergen und von der dunkelfarbigen Rückenfigur eines Soldaten links neben ihm abgehoben.

Die meist als Rückenfiguren gezeigten Zuschauer und Soldaten sind entlang dem am O-Ende leicht gerundeten Rahmen gruppiert und fassen die beiden Martyriumszenen ein. Die irdische Zone ist seitlich hochgezogen und mit aufragenden landschaftlichen Requisiten und Figuren besetzt; ihren Tiefenhorizont deuten die perspektivisch stark verkürzten Figuren der Zuschauer an.

Das Deckenfresko ist nicht im Sinne des barocken Illusionismus konzipiert. Die beherrschende figurale Mittelsenk rechte ist vielmehr auf den Bildrahmen bezogen und kompositionell flächig verspannt (vgl. besonders den V-förmigen Wolkenbogen mit der Kreuzsenkrechten darin). Die Glorie ist scheibenartig flach und wie im Wolkensattel stehend dargestellt. In der irdischen Zone sind Kreuz, Pyramide, Palme und Baumstümpfe zwar im Sinne Pozzo'scher Perspektive wiedergegeben, doch weist das zentrale Bildmotiv, das Kreuz Petri, nicht zum Höhenfluchtpunkt hin, in der Himmelszone findet die Höhenraumillusion keine richtige Fortsetzung

B2 Matthäus

B1-4 Die Kartuschbilder zeigen die Evangelisten Johannes, Matthäus, Markus und Lukas mit ihren Symbolen.

C DIE ÜBERGABE DER SCHLÜSSEL Das längsformatige Chorfresko ist einansichtig angelegt und zeigt kaum Verkürzungen bei den Figuren. Der imitierte Rahmen setzt sich hier aus geschweiften Stücken zusammen, welche von weißen Rocaillen und Vasen überspielt werden. Am westlichen Rahmenstück ist eine illusionistische Rundöffnung gemalt, in welcher die Taube des Hl. Geistes erscheint. Ein dünner Wolkenstreifen zieht aus dieser Öffnung über den Rahmen hinweg in den Himmel des Freskobildes. Im gleichen schrägen Linienzug senkt sich ein Wolkenbogen, auf dem sich Putti tummeln, zum irdischen Schauplatz hinab. Dieser wird durch einen schmalen Erdstreifen gebildet, der in der ganzen Breite von den Gestalten Christi und der zwölf Apostel eingenommen ist. Nur an den Seiten finden sich die üblichen landschaftlichen Requisiten: Palme, Pyramide und Baumstümpfe. - Die Szene wird von einem mächtigen hellen Felsen überragt, dieser trägt einen von der Gloriensonne hinterfangenen Zentralbau. Unterhalb davon kniet Petrus vor Christus und nimmt demütig zwei Schlüssel in Empfang. Christus blickt zu den um ihn gescharten Aposteln und streckt die Hand in redender Gebärde zu ihnen aus. Unter den Aposteln ist außer Petrus nur Johannes in grün-roter Gewandung, höher als die übrigen stehend hervorgehoben.

B4 Lukas
EB6 Befreiung Petri

Das Chorfresko gleicht farblich den Langhausfresken, die Gruppe von Christus und Petrus zeigt die klarsten Farben: lichtes Blau und Gelb. Die Ornamentzone ist farblich weniger differenziert und wirkt heller, weil das Weiß der Ornamente und der Inschriftkartuschen kaum schattiert ist. Die illusionistische Rundöffnung knüpft an spätbarocke Perspektivkünste an; im übrigen weist das Bild nur geringe Höhenillusion auf.

Ikonographie

Das Gemäldeprogramm der Pfarrkirche von Eching ist den beiden Kirchenpatronen Petrus und Paulus gewidmet. Zum Martyrium der Apostelfürsten im großen Langhausfresko gehört das ebenfalls von Wink stammende Hochaltarblatt mit dem Abschied der Apostel vor ihrer Hinrichtung. Die Darstellung der Martyrien entspricht den apokryphen Berichten der Acta S. Petri et S. Pauli (Edgar Hennecke und Wilhelm Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, Bd 2, Tübingen 1964, S. 216–21 und 265–68 für den Abschied der Apostel vgl. Ribadeneira-Hornig, Bd 1, 29. 6., S. 899), ihnen folgend kann der vornehm gekleidete Befehlende bei der Kreuzigung Petri als Präfekt Agrippa gedeutet werden. Über der Hinrichtungsstätte ist die allegorische Gestalt der Fides-Ecclesia triumphierend dargestellt, die Attribute Kreuz und Hostienkelch weisen auf den Glauben (und die Lehre) an das immerwährende Kreuzesopfer Christi. – Im Altarraum werden Bibelstellen wörtlich zitiert: TU ES PETRUS / ET / SUPER HANC / PETRAM / AEDIFICABO / ECCLESIAM / MEAM. / Math. Cap 16 / V. 18 und ET / TIBI DABO / CLAVES / REGNI / CAELO- RUM. / Math. Cap. / 16 V. 19. Das Deckenbild gibt in der biblisch-historischen Szene von Caesarea die metaphorischen Worte Jesu direkt wieder: Christus überreicht Petrus Schlüssel; der Fels (= Petrus) mit der Kirche Christi ist sinnfällig über Petrus und Christus gesetzt, die unnatürliche Farbigkeit wie auch die symbolischen Zeichen, Kreuzbekrönung und Gloriensonne, kennzeichnen den allegorischen Charakter der Felsdarstellung. Die Taube des Hl. Geistes deutet auf das Wirken des Geistes in der Kirche Christi. Die Darstellung feiert den Primat Petri in der Kirche Christi und den feierlichen Auftrag Christi an seine Kirche. – Über der Orgelempore ist die dramatische Szene der Bekehrung des die Anhänger Jesu verfolgenden Saulus wiedergegeben. Christi Worte (Act 9,4) sind der Darstellung bildhaft eingeschrieben.

EB3 Taufe des Paulus

EB1-6 Sechs kleine Fresken Winks an den Emporenbrüstungen unterhalb der Orgel zeigen weitere Szenen des Evangeliums und der Apostelgeschichte. An der unteren Brüstung:

EB1 Berufung des Fischers Simon Petrus und seines Bruders Andreas zu Jüngern Jesu (Mt 4, 18, 19)

EB2 Der Heide Cornelius, römischer Hauptmann, geht Petrus entgegen und wirft sich vor ihm auf die Knie (Act 10, 25)

EB3 Die Taufe des Paulus durch Ananias (Act 9, 17–19)

An der oberen Brüstung

EB4 Paulus flüchtet aus Damaskus, er wird in einen Korb über die Stadtmauer gelassen (Act 9, 24,25)

EB5 Predigt des Paulus (die Szene meint wahrscheinlich die Rede auf dem Areopag, Act 17, 16–34)

EB6 Befreiung Petri aus dem Kerker (Act 12, 6–9)

Bei der Reihenfolge fällt auf, daß zwei Paulus- und eine Petrus-, sowie zwei Petrus- und eine Paulusszene zusammen stehen: Die mittleren Szenen geben das Wirken der Apostel zur Ausbreitung der Lehre Christi besonders auch unter den Heiden (Nichtjuden) wieder; die seitlichen Szenen die Erwählung der Jünger und den Beistand Gottes bei den Verfolgungen der Apostel.

Quellen und Literatur

Augsburger Kunstzeitung 1771, 30. Dez., S. 410

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 36

Perfall, Maximilian Freiherr von, Historische Beschreibung mehrerer Ortschaften in der Umgebung von Greifenberg, in: OAVG 10, 1849/50, S. 251–57.

KDB I OB (1), S. 524 f.

Feulner, Adolf, Christian Wink, München 1912, S. 26, 52. Glaser, Friedrich, Eching am Ammersee, in: Der Sammler 89, 1920, Nr. 109, 1–2.

Hoffmann, Ilse, Der Süddeutsche Kirchenbau am Ausgang des Barock, München 1938, S. 79.

Lieb, Norbert, Münchner Barockbaumeister, München 1941, S. 142, 151.

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 444 f.

Clementschitsch, Heide, Christian Wink 1738–97, ungedr. Diss. Wien 1968, Bd 1, S. 67–70; Bd 2 Anhang A.