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Dresden, Japanisches Palais

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Dresden, Japanisches Palais, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/d3fcfc16-7e38-41c5-a3f1-700f84f82f49

Inventarnummer: cbdd10486

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Für die Präsentation des neugeschaffenen sächsisch-meißnischen Porzellans ließ August der Starke das ehemalige Holländische Palais umbauen. Ausgewählte Räume wurden mit Deckenmalerei ausgestattet.

Bauwerk

Baugeschichte

Im Auftrag Augusts des Starken war das Japanische Palais in den Jahren 1729–33 in Dresden-Neustadt errichtet worden. Vorangegangen war diesem eine lange und komplizierte Planungsphase (1725 Dreiflügelprojekt, 1726 „Berliner Projekt“ als Vierflügelbau, 1727 Approbationsprojekt mit ersten chinoisen Bereicherungen, 1728 Überarbeitungsprojekt, 1729 finales Fassadenprojekt, 1729/1730 Konzeption des „Avant-Corps“, d. h. der stadtseitigen Vorhalle und des gartenseitigen Mittelrisalits), an den die vier damals bedeutendsten Architekten des Dresdner Oberbauamtes teilnahmen: Matthäus Daniel Pöppelmann, Zacharias Longuelune, Jean de Bodt (1670–1745), sowie Johann Christoph Knöffel.

Der Bau, welcher ausschließlich höfischen Repräsentationszwecken diente, war bestimmt zur Aufnahme und Darbietung des neugeschaffenen sächsisch-meißnischen Porzellans. Im Sinne des „Meißner Triumphes“ sollte dieses in der höherrangigen ersten Etage gezeigt werden, während für die ostasiatischen Originale lediglich die Räume des Erdgeschosses vorgesehen waren. Des Weiteren war diese sehr ausgesuchte Konzeption verbunden mit zahlreichen, in dem Bauwerk verarbeiteten Vorbildern bedeutender zeitgenössischer Schlossbauten (Versailles, Louvre Paris, Escorial, Stockholm, Berlin und Potsdam). Dahinter stand letztlich die Absicht einer eindrucksvollen Darstellung der Magnifizenz und des Herrschaftsanspruchs des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs und vor allem seiner ehrgeizigen politischen Ambitionen auf den römisch-deutschen Kaiserthron. Nach dem Tod Augusts des Starken im Jahre 1733 wurde der im Rohbau weitgehend fertiggestellte Bau im Inneren nur noch provisorisch vollendet, niemals jedoch mit Porzellan ausgestattet. Der Siebenjährige Krieg machte schließlich alle Ambitionen hinsichtlich eines „Porzellanschlosses“ zunichte.

Beschreibung

Das Japanische Palais ist ein dreigeschossiger, monumentaler Vierflügelbau von 17 zu 15 Achsen um einen rechteckigen Hof herum. Über einem durchgängig rustizierten Sockel sind sämtliche Fassaden im vornehm zurückhaltenden französischen Lisenenstil konzipiert. Auf geschickte Weise sind dabei die unterschiedlichen Fassadenabschnitte durch ihre Fensterformen sowie ihr Dekor abwechslungsreich gestaltet: Vier, jeweils dreiachsige Eckrisalite, die durch hohe, chinois geschwungene Mansarddächer turmartig überhöht werden, markieren eindrucksvoll die Bauwerksecken. So werden die beiden jeweils vier- oder dreiachsigen Rücklagenachsen durch Stichbogen- oder einfache Rechteckfenster charakterisiert, die dreiachsigen Mittelrisalite schmücken hingegen Rundbogenfenster mit vorgelagerten Balkonen. Die jeweils dreiachsigen Mittelrisalite auf der Stadt- und der Gartenseite werden durch Rundbogenfenster, Säulen- und Pilasterstellungen, einen reicheren Dekor – stadtseitig tritt zudem noch ein mächtiger Dreiecksgiebel hinzu – vor allem aber durch ihre bekrönenden französischen, quadratischen Kuppeln als die unumstrittenen Hauptstücke des Bauwerks ausgezeichnet.[1]

Die Elbgalerie

Im Sinne eines schlossartigen Repräsentationsbauwerks verfügte das Japanische Palais in dem durchgängig anderthalbgeschossig konzipierten Obergeschoss über eine streng zeremoniell festgelegte Raumfolge, die durch sämtliche Flügel des Palais führte: Der westlich gelegenen Haupttreppe schloss sich stadtseitig eine Galerie als Gardesaal an. Auf diese folgten vier, gemäß dem habsburgischen Zeremoniell notwendige Vorzimmer im Ostflügel. Als Höhepunkt und Abschluss der gesamten Raumfolge war die nach Süden, zum Garten hin weisende, sogenannte „Elbgalerie“ vorgesehen gewesen. Dieser ungefähr 71 m lange und 7–9 m breite, dreigeteilte Saal war nach dem Vorbild der Versailler Spiegelgalerie und besonders nach dem der Galleria Colonna in Rom gestaltet worden, jedoch interessanterweise unter Weglassung der dort so charakteristischen eingestellten Säulenstellungen. Korinthische Pilaster, die an der dreiachsigen Mitte gedoppelt verwendet wurden, trugen ein reichgeschmücktes Kranzgesims. Mit antikischen Reliefs, Vasen und Statuen geschmückt, sollte der in Weiß- und Goldtönen gehaltene Raum mit dem kostbaren, japanischen Kakiemonporzellan ausgestattet werden. In den beiden dreiachsigen, nur mit Lisenen und Spiegelfeldern gegliederten Ecksälen hätten hingegen östlich das Porzellan-Glockenspiel und westlich der königliche Thron ihre Aufstellung gefunden.[2]

Die Decke der Elbgalerie

Während sämtliche Räume und Säle des Japanischen Palais lediglich mit glatten, weißen Plafonds hätten geschlossen werden sollen, hatte man für die Elbgalerie – ihrer besonderen Bedeutung entsprechend – ein großes, mehrteiliges Deckengemälde vorgesehen. Dieses war wohl nicht – wie immer von der Forschung angenommen – von Zacharias Longuelune, sondern von Oberlandbaumeister Jean de Bodt ersonnen worden, der in Fragen der Ikonographie besonders versiert war und es auf diese Weise verstand, die Elbgalerie mit der stadtseitigen, von ihm konzipierten Vorhalle thematisch zu verknüpfen.

Einer archivalisch überlieferten Beschreibung entsprechend sollte sich im Mittelsaal die dreigeteilte Darstellung des sogenannten „Meißner Triumphes“ befinden: Auf dem mittleren Gemälde priesen – begleitet von Wetteifer, Geschmack, Erfindungsgeist, Imitation, Malerei und Bildhauerei – Sachsen und Japan vor Minerva die Vorzüge ihrer Erzeugnisse an. Während Sachsen den Siegespreis zuerkannt bekam, empfahlen Neid und Verdruss Japan den Rückzug. Die Seitenstücke des Deckengemäldes im Mittelsaal hätten einerseits die Künste und die Manufakturen in Sachsen dargestellt und auf der anderen Seite die günstigen Hervorbringungen der Natur in Sachsen.

Die Decke des Glockenspielsaals

Auch in den beiden Seitensälen sollten sich Deckengemälde befinden: im Glockenspielsaal, der ganz dem Gott Apoll gewidmet war, sollte die Sonne dargestellt werden, wie sie ihre Wohltaten über die verschiedenen Nationen ausbreitet, die abwechslungsreich in stark farbiger, unterschiedlicher Kleidung hätten dargestellt werden sollen.

Die Decke des Thronsaals

Für den Thronsaal war schließlich die Darstellung des Streits der Göttin Minerva und Neptuns – umgeben von den übrigen heidnischen Gottheiten – über die Benennung der Stadt Athen vorgesehen.

Louis de Silvestres Entwürfe der nicht ausgeführten Deckengemälde

Die Deckengemälde im Japanischen Palais hätten von Louis de Silvestre ausgeführt werden sollen. Eine Rötelzeichnung in Pariser Privatbesitz ist das einzige bildliche Zeugnis davon: Es zeigt im unteren Drittel Minerva und Neptun einander gegenüberstehend mit ihrem jeweiligen Geschenk – ein Olivenbaum bzw. ein Pferd – an die Bürger der noch namenlosen Stadt. In der Mitte über ihnen thront auf einer Wolke Jupiter mit Juno zu seiner Rechten und dem Götterboten Merkur dahinter, sowie weiteren Göttern zu beiden Seiten. Die Tatsache, dass die überlieferte Zeichnung die Szenerie in einem Rund oder Oval darstellt, verdeutlicht, dass auch für die Deckengemälde im Japanischen Palais – so wie es auch aus Silvestres Werken im Dresdner Schloss, im Zwinger oder im Brühlschen Palais bekannt ist – ein reiches architektonisches Rahmenwerk vorgesehen war.[3]

Bibliographie

  • Hertzig/Friedrichs/Karge, Das Japanische Palais, 2019. – Hertzig, Stefan/Friedrichs, Kristina/Karge, Henrik: Das Japanische Palais in Dresden. Porzellanschloss – Staatsmonument – Museum, Petersberg 2019.
  • Marx, Die Gemälde, 1975. – Marx, Harald: Die Gemälde des Louis de Silvestre, Dresden 1975.
  • Pietsch/Bischoff, Japanisches Palais, 2014. – Pietsch, Ulrich/Bischoff, Cordula (Hg.): Japanisches Palais in Dresden, Die Königliche Porzellansammlung Augusts des Starken, München 2014.
  • Salmon, Louis de Sivestre, 1997. – Salmon, Xavier: Louis de Silvestre (1675–1760) un peintre français à la Cour de Dresde. Exposition au Musée National des Châteaux de Versailles et de Trianon, Versailles 1997.
  • Träger, Das Japanische Palais, 1991. – Träger, Susanne: Das Japanische Palais in Dresden, Magisterarbeit FU Berlin 1991.
  • Weber, Meißner Porzellane, 2013. – Weber, Julia: Meißner Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern. Stiftung Ernst Schneider im Schloss Lustheim, Bde. 1 und 2, München 2013.

Einzelnachweise

  1. Träger, Das Japanische Palais, 1991; Pietsch/Bischoff, Japanisches Palais, 2014; Hertzig/Friedrichs/Karge, Das Japanische Palais, 2019.
  2. Hertzig/Friedrichs/Karge, Das Japanische Palais, 2019, S. 341–354.
  3. Marx, Die Gemälde, 1975, Abb. 9, S. 35; Salmon, Louis de Sivestre, 1997, S. 9f.; Weber, Meißner Porzellane, 2013, S. 65–67; Hertzig/Friedrichs/Karge, Das Japanische Palais, 2019, S. 341–354, Kat.- Nr. 201.